Relli musste an der Schulter bestrahlt werden. Auch im Kiefer wuchs etwas, diese Stelle aber wollten die Ärzte erst mal nur beobachten. Jede Behandlung ist ein Abwägen zwischen ihrem Nutzen und Nebenwirkungen, die manchmal so stark sind, dass Relli nicht weiß, woran sie sterben soll: am Krebs oder an dessen Therapie?Am 24. März sollte das nächste PET-CT stattfinden, ein paar Tage vorher aber klingelte Rellis Telefon: Das PET-CT müsse verschoben werden, sagte ein Mitarbeiter der Nuklearmedizin. "Warum?", fragte Relli. "Wissen Sie nicht, dass wir eine Pandemie haben?"
Relli verstand nicht, was das mit ihr zu tun hat, einer Patientin mit metastasiertem Brustkrebs. Ob es einen neuen Termin gebe? Voraussichtlich Ende Mai, sagte er. Zwei Monate später als geplant. "Für so eine Krankheit ist das eine Ewigkeit", erzählt Relli.
Die 59-Jährige vertraut dem Gesundheitssystem und ihren Ärzten. Doch diese Absage schockierte sie. Sie kontaktierte ihre Onkologin, die die Bilder aus der Nuklearmedizin bewertet. Aber hier hieß es: Ohne PET-CT mache auch der Termin bei der Ärztin keinen Sinn. Er müsse ebenfalls verschoben werden.
"Ich habe mich vollkommen verlassen gefühlt", erzählt Relli. Sie hat Angst: Werde ich überhaupt noch weiter behandelt? Was ist da los?