Was ist denn "handelsüblich"und wer definiert das? Meine Mutter hat früher Mehl auch immer in der Zehnerkiste gekauft, weil sie sehr viel selber kochte. Die hätte in so einer Krise auch eine handelsübliche Packung mehr genommen, also eine zweite Kiste zuhause gehabt. Kriegsgeneration halt, die hat einmal gehungert.
Damals waren die Gummistiefel auch noch aus Holz und man ist in selbigen 20 Kilometer bei Schnee und Eis zur Schule gelaufen und hat die Wölfe mit dem Knüppel abgewehrt. Außerdem gab es da noch richtige Winter und manchmal war es so kalt, da musste man die erst Worte auftauen um zu hören, was gesagt wurde. Und wenn es wärmer wurde, ist man Bollerwagen gefahren und hat werktags 25 Stunden gearbeitet, nämlich die Mittagspause durch - da konnte man nämlich noch was sparen und sich dann zum Herbst einen Schnurrbart leisten!
Spaß beiseite: Damals war damals und heute ist heute. Marktübliche Mengen sind die, die heute üblicherweise gekauft werden - im Durchschnitt. Und im Durchschnitt ist durchaus inbegriffen, dass die Kriegs- und Nachkriegsgeneration und/oder Selbstbäcker mal ein paar Päckchen Mehl oder Stück Butter mehr einkaufen. Es ist auch möglich, zur Abi-Fete das Gymnasium in Klopapier einzuwickeln etc..
Es ist aber ganz und gar nicht marktüblich, wenn sich zwei Generationen auf Schlag und exzessiv für kriegsähnliche Zustände eindecken, die womöglich nie eintreten, aber damit (nach-) kriegsähnliche Mangelzustände künstlich erzeugen.
Will sagen: Es fehlt Deutschland an gar nichts. Es ist von allem genug da. Es befindet sich lediglich neuerdings und leicht hirnentkernterweise in den Vorratsschränken von Peter Panik und Wendy Wahnsinn.
Wann hast Du letzte man Mehl verarbeitet? Ich noch nie, ich mache keinen Kuchen, kein Brot und keine Pfannkuchen.
Meine Familie und ich verbrauchen im Monat durchschnittlich eine Packung, vielleicht auch anderthalb Packungen Mehl. Meine Frau bäckt gerne, ich koche gerne und rühre Soßen noch selbst an und der Junior liebt Eierpfannkuchen. Und deshalb - man höre und staune - kaufe ich im Monat durchschnittlich eine Packung Mehl. Und zwar dann, wenn ich sie brauche. Um genau zu sein, wir haben auch immer ein Pack in Reserve, das wir in dem Rhythmus ersetzen, in dem wir es angreifen müssen, weil wir es beim Einkaufen verkalkuliert haben oder weil meine Frau am Sonntag irgend ein Kuchenrezept ausgräbt, das sie unbedingt sofort ausprobieren muss.
DAS ist der "normale" Wahnsinn.
Und wenn das jeder so handhaben würde wie er es gehandhabt hat, bevor er meinte, die Vorratsempfehlung der Bundesregierung müsse sofort und auf gleich entsprochen und sicherheitshalber noch um den Faktor 10 erhöht werden, wäre das auch weiterhin problemlos möglich.