Coronavirus: Behandlungsmethoden und Maßnahmen

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Hoffgangs Post bezog sich offensichtlich auf diejenigen, die von Kundenseite über die Unterhaltungssituation jammern, nicht auf die Veranstalter. Aber davon abgesehen: "Millionen"? Selbst der gesamte Nicht-Lebensmittel-Einzelhandel würde diese Wortwahl nicht rechtfertigen und ich glaube nicht, dass der Veranstaltungsbetrieb ein Vielfaches an Vollzeitstellen hat.

Die Veranstaltungsbranche ist sehr kleinteilig und heterogen organisiert. Es bleib daher die Frage, wen und was man als dieser Branche zugehörig definiert. Die R.I.F.E.L. Studie zur "Gesamtwirtschaftlichen Bedeutung der Veranstaltungsbranche" sprich in diesem Zusammenhang etwa von einer Million sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, wobei hier die große Zahl von selbständigen Einzelunternehmern noch nicht enthalten ist. Insgesamt spricht man für die Branche von Platz 2 bei den Beschäftigtenzahlen.
Dabei geht es vornehmlich um den Bereich der sog. "Wirtschaftsbezogenen Veranstaltungen" wie etwa Messen, Tagungen oder Kongressen. Vieles, was man im Allgemeinen unter "Kultur" verstehen würde, dürfte dort vermutlich noch nicht vollständig erfasst sein. Das ist jener quasi "unsichtbare" Teil, von dem (auch hier) fast nie jemand spricht, welcher jedoch nach der o.g. Studie über 88% der Gesamtumsätze ausmacht. Öffentliche- und Kulturveranstaltungen wie Wacken, RaR, Oktoberfest und Ähnliches sind dagegen in Verhältnis fast eine Art Grundrauschen. Daher ist es für Außenstehende sicherlich tatsächlich schwierig, das Ausmaß zu erfassen.
Zum Beispiel habe ich im letzten Jahr gleich mehrere Kongresse begleitet, welche ohne große Probleme knapp 100.000m² Brutto Hallenkapazität (das ist die Größenordnung des Messegeländes einer norddeutschen Großstadt) gefüllt haben, ohne das die Öffentlichkeit davon besonders viel mitbekommen haben dürfte.

Für die gesamte Branche wird von etwa 1,5 Millionen direkt Beschäftigten ausgegangen. Auch diese Zahl beinhaltet weder die Selbständigen noch berücksichtigt sie weitere Abhängigkeiten.

Die Veranstaltungswirtschaft schafft für viele weitere Branchen eine Art Vorbedingung um überhaupt richtig hochfahren zu können. Bei über 400 Millionen Veranstaltungsbesuchern in Deutschland jedes Jahr könnt ihr euch die Auswirkungen auf beispielsweise Tagungshotellerie, Gastronomie (auch hier war schon die Rede von leeren Restaurants...) oder Mobilitätsdienstleister sicherlich ausmalen. Im Bereich der Tagungen und Kongresse etwa ist man hierzulande Weltmarktführer.

Diese Zahlen kommen aus branchennahen Quellen und unterliegen daher eventuell einer möglichen Befangenheit, das tun Zahlen aus anderen Branchen jedoch ebenfalls. Um die Dimensionen aufzuzeigen, um die es geht, sollten sie jedoch belastbar genug sein.

Endlich mal jemand, der sachlich aus der Branche berichten kann :)
Da hätte ich direkt eine Frage: Woher kommen eigentlich die fortlaufenden, existenzbedrohenden Defizite bei den Unternehmen?
Miete können derzeit ohne Konsequenzen gestundet werden und selbst wenn man das nicht eiskalt durchzieht, hat man dank dieser Regelung eine knallharte Verhandlungsposition gegenüber Vermietern, da Veranstaltungsbetriebe typischerweise entweder sehr spezielle oder ohnehin sehr billige, abgelegene Räumlichkeiten nutzen und rezessionsbedingt derzeit keine Nachfrage nach solchen besteht.

Dass sind Zahlen, welche aus den unterschiedlichen Verbänden zu hören sind. Abschließend kann ich die genaue Zusammensetzung dieser Kosten sicherlich auch nicht benennen, da ich auch nicht behaupten kann über intimes Wissen über alle Gewerke zu verfügen. Bezüglich der Mieten teile ich diese Einschätzung allerdings lediglich eingeschränkt. Erstens ist die Zeit der Mietstundung demnächst vorbei, vermutlich also lange bevor es wieder nennenswerte Veranstaltungen geben wird.
Zweitens bin ich nicht so optimistisch, was die jeweilige Verhandlungsposition der Mieter anbelangt. Viele Tagungsstätten und gehobene Eventlocations (ein sehr großer Sektor) befinden sich häufig in den besten, und damit leider auch teuersten, Lagen der Stadt. Häufig sind das Locations, welche sich ohne Weiteres beispielsweise in Büroflächen umwandeln ließen. Ich weiß von mehreren Kunden, deren monatliche Gesamtmieten jeweils ohne Weiteres im 6-stelligen Bereich liegen - für jeweils etwa ein halbes Dutzend Locations. Für die Betreiber solcher Eventflächen sind meistens auch Lager- und andere Betriebsflächen (etwa Großküche für das Catering) in zentraler Lage wichtig, da die Anfahrtswege zu den ebenfalls zentral gelegenen Locations ansonsten schlicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen würden. Auch für diese Flächen dürften sich recht einfach neue Interessenten finden lassen.

Viele Messegesellschaften lassen sich auch die Hallen von Investoren bauen und mieten diese dann zurück. Das ist sicherlich langfristig nicht immer die wirtschaftlichste Form der Finanzierung, aber ob der öffentlichen Trägerschaft der Gesellschaften meistens eine politische Entscheidung.

Ferner existieren selbstverständlich auch Immobilien im Eigentum diverser Betriebe bei denen Hypotheken und andere Grundschuldverhältnisse zu bedienen sind.

Eine Sonderstellung der Veranstaltungsbranche hinsichtlich der Position Immobilien und Mieten kann ich daher, zumindest in besonderem Umfang, nicht nachvollziehen. Vielmehr gelten hier die gleichen Spielregeln wie für die meisten anderen Teilnehmer des Marktes auch.

Diverse andere Kosten wie Transportlogistik, Versicherungen, Materialverbrauch, etc. fallen nur veranstaltungsbezogen an, als Dienstleister hat man auch keine laufenden Verpflichtungen gegenüber Zulieferern. Also wohin fließt das Geld eigentlich ab? Mir fällt bestenfalls noch der Unterhalt einer Webseite ein. Aber selbst der wäre dieser Tage optional.

Auch das ist in der Realität leider nicht ganz so einfach. Die Betriebe existieren ja weiter und müssen daher allen möglichen Zahlungsverpflichtungen nachkommen.

So ist zum Beispiel Veranstaltungstechnisches Equipment verhältnismäßig kostspielig. Das sind bei größeren Dienstleistern, derer es so einige gibt, nicht selten dreistellige Millionenbeträge welche dort derzeit in den Lagern verstauben ohne Geld zu verdienen. Vieles wird bei der Anschaffung daher finanziert und diese Kredite müssen selbstverständlich grundsätzlich weiter bedient werden. Abstoßen kann man solches Equipment derzeit ebenfalls nicht, da es aus naheliegenden Gründen keine Abnehmer dafür gibt. Zu allem Übel dürften die meisten Neuanschaffungen in Erwartung der anstehenden Saison dieses Jahr noch gerade vor Corona durch gewesen sein.
Dieselben Mechanismen existieren beispielsweise für Bühnenbauer, Anbieter von Mietmöbeln oder Dekorateuren.

Dasselbe Feld kann auch als Beispiel herangezogen werden um zu beleuchten, dass auch hier sehr wohl Verpflichtungen gegenüber Zulieferern existieren. Da große Veranstaltungen nicht selten in wahre Materialschlachten ausarten, ich rede von teilweise hunderten Tonnen an Equipment alleine im Dach, sind Zumieten an der Tagesordnung. Wie in anderen Branchen gibt es auch hier Rahmenverträge mit bestimmten Lieferanten um kurzfristige Verfügbarkeiten zu gewährleisten, in denen Mindestumsätze festgeschrieben sind. Auch das können durchaus sechsstellige Beträge im Monat sein.

Gleiches gilt für Aufwendungen für Fahrzeugflotten, Konzessionen, Zertifizierungen, Lizenzen, Wartung und Instandhaltung, Verbandsbeiträge oder Versicherungen - diese Liste lässt sich beinahe endlos fortführen. Kurzum also Kosten, wie sie jedes andere Unternehmen in Deutschland ebenfalls hat. Einsparungen lassen sich bei einigen Positionen sicherlich temporär vornehmen, aber eine Sonderstellung der Branche, welche eine Reduzierung der Ausgaben auf 0 ermöglichen würde, kann ich auch hier nicht erkennen.

Auch wenn Events für die breite Masse gedanklich mit Freizeit und Spaß in Verbindung gebracht werden, handelt es sich in Wahrheit um ein Geschäft wie jedes Andere in dem knallhart kalkuliert wird, und in dem vermutlich mehrheitlich eher einstellige in Netto-Umsatzrenditen zu erzielen sind. Daher kann der Stillstand auch hier ebenso schnell existenzbedrohend werden.


******* für die Billiglöhner zwar, aber die hat es eh schon erwischt, und natürlich zwingt es viele Kleinstselbstständige trotzdem dazu, aufs Amt zu gehen, weil in der Branche Selbstausbeutung und 0 Rücklagen weit verbreitet sind. Aber das ist kein Fremdverschulden

Diese Einschätzung teile ich so nicht. Dass gerade bei der tatsächlichen Durchführung der Veranstaltungen eine hohe Zahl an Aushilfskräften beschäftigt wird ist richtig, allerdings geht es hierbei häufig vornehmlich um Tätigkeiten im Bereich der Eventgastronomie, Security und andere eher triviale Hilfstätigkeiten wie beispielsweise Saalbestuhlung.
Zu behaupten alle Beschäftigten der über 100 Gewerke wären Billiglöhner oder Selbstausbeuter greift meiner Meinung nach deutlich zu kurz. Das sind mehrheitlich ganz normale Arbeiter, Fachkräfte, Meister, Kaufleute, Techniker, Betriebswirte, Ingenieure und weiß der Geier was, welche normale Einkommen erzielen. Die Vorstellung, diese Menschen seien alle selbstausbeuterische Träumer, denen es um Selbstverwirklichung geht, dürfte seit mindestens zwei Jahrzehnten überholt sein. Diese Beschreibung würde ich heutzutage nicht einmal mehr für die meisten Berufsmusiker durchgehen lassen.

All das lässt dabei immer noch die Zulieferindustrie (Technisches Equipment, Sonderbauten, Softwarelösungen...) außen vor. Auch hier gehören deutsche Unternehmen zu den Weltmarktführern und auch hier werden gerade vielleicht noch die letzten Aufträge aus Häusern in öffentlicher Trägerschaft, deren Etats vermutlich erst im nächsten Jahr deutlich zu leiden haben werden, abgearbeitet. Danach sieht es auch dort eher finster aus, von den Vertrieblern hört man von Auftragsrückgängen nahe der 100 Prozent.

Ich möchte mit diesen Ausführungen deutlich machen, dass es in keinster Weise nur um ein paar Clubs oder Festivals mit verschwitztem, betrunkenem Publikum geht - auch wenn diese selbstverständlich ebenfalls dazu gehören. Angesichts der zu erwartenden katastrophalen gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen eines Kollapses der Veranstaltungsbranche finde das Reduzieren auf jene Art an Events allerdings unangebracht. Ich denke schlicht und ergreifend nicht, dass wir uns das leisten können. Seit in der Nacht von Montag auf Dienstag eine großangelegte Aktion lief, um auf das drohende Aus aufmerksam zu machen, scheint man das in der Politik langsam auch zu begreifen. Es bleibt also insgesamt spannend.
 
Danke für die ausführliche Antwort. Auch wenn ich sie natürlich zerpflücken muss, wie es so meine Art ist :ugly:

Für die gesamte Branche wird von etwa 1,5 Millionen direkt Beschäftigten ausgegangen. Auch diese Zahl beinhaltet weder die Selbständigen noch berücksichtigt sie weitere Abhängigkeiten.
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Diese Zahlen kommen aus branchennahen Quellen und unterliegen daher eventuell einer möglichen Befangenheit, das tun Zahlen aus anderen Branchen jedoch ebenfalls. Um die Dimensionen aufzuzeigen, um die es geht, sollten sie jedoch belastbar genug sein.

Hmm. Da würden mich wirklich mal die Berechnungsgrundlagen interessieren. Von dem, was ich so aus dem Veranstaltungssegment mitbekommen habe (über bekannte, die dort Arbeit finden, als Teilnehmer an Veranstaltungen, etc.) hätte ich einen Anteil von mindestens 50, eher 75% Subunternehmern und nicht-sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erwartet. Egal ob Messe(ab)bau, Security, Hostessen oder Bedienung beim Catering - Studentenjobs und Subunternehmer soweit das Auge reicht. Würde man das auf die 1,5 Millionen oben drauf rechnen, wäre man aber schon bei 6-7 Millionen. Nehme ich die genauso aufgeblähten Selbstangaben aus der Automobilbranche, der chemischen Industrie und dem Handwerk sowie die etwas besser erfassten aus dem Einzelhandel und der Gastronomie hinzu, bin ich jenseits von 100% der erwerbstätigen Bevölkerung, habe nur einen Bruchteil der nachweislich in Deutschland ausgeübten Berufe erfasst. Also entweder geht der Trend zum Fünftjob oder die Zahlen sind einfach nicht belastbar. 1500000 (was immer noch nur die Häfte des wäre, was man gemeinhin als "Millionen" bezeichnen würde und Rotkaeppchen hat damit eben nur die an ein breites Publikum gerichteten Etablissements gemeint) für Veranstaltungsbranche + direkt anhängende Hotels & Gastronmie & Co inklusive Selbstständiger hätte ich noch plausibel gefunden.

Dass sind Zahlen, welche aus den unterschiedlichen Verbänden zu hören sind. Abschließend kann ich die genaue Zusammensetzung dieser Kosten sicherlich auch nicht benennen, da ich auch nicht behaupten kann über intimes Wissen über alle Gewerke zu verfügen. Bezüglich der Mieten teile ich diese Einschätzung allerdings lediglich eingeschränkt. Erstens ist die Zeit der Mietstundung demnächst vorbei, vermutlich also lange bevor es wieder nennenswerte Veranstaltungen geben wird.

Es wird aber über das "jetzt" gejammert und es wird diesbezüglich nicht die Forderung nach Verlängerung in den Vordergrund gestellt.

Zweitens bin ich nicht so optimistisch, was die jeweilige Verhandlungsposition der Mieter anbelangt. Viele Tagungsstätten und gehobene Eventlocations (ein sehr großer Sektor) befinden sich häufig in den besten, und damit leider auch teuersten, Lagen der Stadt. Häufig sind das Locations, welche sich ohne Weiteres beispielsweise in Büroflächen umwandeln ließen. Ich weiß von mehreren Kunden, deren monatliche Gesamtmieten jeweils ohne Weiteres im 6-stelligen Bereich liegen - für jeweils etwa ein halbes Dutzend Locations. Für die Betreiber solcher Eventflächen sind meistens auch Lager- und andere Betriebsflächen (etwa Großküche für das Catering) in zentraler Lage wichtig, da die Anfahrtswege zu den ebenfalls zentral gelegenen Locations ansonsten schlicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen würden. Auch für diese Flächen dürften sich recht einfach neue Interessenten finden lassen.

Meine Einschätzung bezog sich auf die Flächen, die auch jetzt benötigt werden. Also Lager- und Büroräume. Die eigentlichen Event-Räumlichkeiten sind ja typischerweise relativ leer und es gibt eigentlich keinen Grund, diese anzumieten, wenn man sie auf absehbare Zeit nicht braucht. Das diese ratzfatz in Büros umgewandelt werden würden, wage ich auch zu bezweifeln, an Büroflächen herrscht selten so aktuer Mangel und eine gute Eventlocation hat andere Eigenschaften als eine gute Büroumgebung. Aber selbst wenn sie nach einem halben Jahr unwiederruflich weg sein sollten, weil jemand anders dafür mehr zahlt: Ist nicht genau das die normale Dynamik während sich ändernder Nachfragelagen? Und wäre es nicht umgekehrt genauso leicht, andere Flächen für Events herzurichten, wenn die Nachfrage wieder zurückschwingt? Ist ja nicht so, als würde man keine Feiern mehr veranstalten, nur weil ein ganz bestimmter Raum nicht mehr verfügbar ist.

Wo du allerdings recht hast: Zentrale Küchen. Da war mir bislang nicht bekannt, dass so etwas abseits von Messegeländen überhaupt existiert. Events, auf denen ich bislang war, haben das Catering durchgängig von der lokalen Gastronomie liefern lassen und nur das örtliche Personal selbt gestellt.

Viele Messegesellschaften lassen sich auch die Hallen von Investoren bauen und mieten diese dann zurück. Das ist sicherlich langfristig nicht immer die wirtschaftlichste Form der Finanzierung, aber ob der öffentlichen Trägerschaft der Gesellschaften meistens eine politische Entscheidung.

Ferner existieren selbstverständlich auch Immobilien im Eigentum diverser Betriebe bei denen Hypotheken und andere Grundschuldverhältnisse zu bedienen sind.
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So ist zum Beispiel Veranstaltungstechnisches Equipment verhältnismäßig kostspielig. Das sind bei größeren Dienstleistern, derer es so einige gibt, nicht selten dreistellige Millionenbeträge welche dort derzeit in den Lagern verstauben ohne Geld zu verdienen. Vieles wird bei der Anschaffung daher finanziert und diese Kredite müssen selbstverständlich grundsätzlich weiter bedient werden. Abstoßen kann man solches Equipment derzeit ebenfalls nicht, da es aus naheliegenden Gründen keine Abnehmer dafür gibt. Zu allem Übel dürften die meisten Neuanschaffungen in Erwartung der anstehenden Saison dieses Jahr noch gerade vor Corona durch gewesen sein.
Dieselben Mechanismen existieren beispielsweise für Bühnenbauer, Anbieter von Mietmöbeln oder Dekorateuren.

Also da muss ich ganz ehrlich sagen: Wer eine Firma auf Pump hochzieht, geht eben auf Risiko. Der hat es gemäß Marktlogik verdient, dass er aus dem Geschäft fliegt. Da habe ich kein Mitleid, sondern im Gegenteil eher mit denjenigen, die solche Glücksspieler aus dem Markt gedrängt wurden. Jedem Privatmensch wird angeraten, Reserven für mindestens 6, besser 12 Monate bereitzuhalten und eine hochvolatile Branche, die zusätzlich noch ausgeprägte Saisionlagen bewältigen muss, braucht entsprechend mehr.

Auch wenn Events für die breite Masse gedanklich mit Freizeit und Spaß in Verbindung gebracht werden, handelt es sich in Wahrheit um ein Geschäft wie jedes Andere in dem knallhart kalkuliert wird, und in dem vermutlich mehrheitlich eher einstellige in Netto-Umsatzrenditen zu erzielen sind. Daher kann der Stillstand auch hier ebenso schnell existenzbedrohend werden.

Das ein hartes Geschäft ist, streite ich nicht ab, im Gegenteil ich habe selbst geschrieben, dass Selbstausbeutung mit 0 Rücklagen gerade am unteren Ende sehr weit verbreitet ist. Aber das fällt für mich in den gleichen Bereich wie professionelle Ponystreichler und Vogelzähler: Wer eine Tätigkeit ausübt, bei der die Beliebtheit die Nachfrage soweit übersteigt, dass die Mehrheit für ±0 arbeitet, der hat keinen Job, sondern ein Hobby. Man kann nicht erwarten, dass Betriebe, die schon in normalen Zeiten kurz vor dem Konkurs standen, jetzt von der Allgemeinheit durchgefüttert werden. So bedrohlich, wie die Lage geschildert wird, wären viele Unternehmen wohl auch schon von der Pleite bedroht gewesen, wenn wegen Angst vor Terrorismus mal ein Sommer die Besucherzahlen auf <50% zurückgegangen wären, wenn der nächste Trend ausnahmsweise keine besondere Infrastruktur in der Innenstadt erfordert, sondern die Leute in die Natur zieht oder wenn nach der IT-Industrie (Cebit) noch ein paar weitere internationale Branchen feststellen, dass Europa weniger als 10% des Marktes ausmacht und man sich lieber in Asien treffen sollte. Sorry, aber: Solche Umschwünge sind normales Geschäftsrisiko.

Diese Einschätzung teile ich so nicht. Dass gerade bei der tatsächlichen Durchführung der Veranstaltungen eine hohe Zahl an Aushilfskräften beschäftigt wird ist richtig, allerdings geht es hierbei häufig vornehmlich um Tätigkeiten im Bereich der Eventgastronomie, Security und andere eher triviale Hilfstätigkeiten wie beispielsweise Saalbestuhlung.
Zu behaupten alle Beschäftigten der über 100 Gewerke wären Billiglöhner oder Selbstausbeuter greift meiner Meinung nach deutlich zu kurz. Das sind mehrheitlich ganz normale Arbeiter, Fachkräfte, Meister, Kaufleute, Techniker, Betriebswirte, Ingenieure und weiß der Geier was, welche normale Einkommen erzielen.

Einerseits schreibst du selbst von vielen Aushilfskräften (wobei es vollkommen egal ist, ob der Tätigkeiten trivial oder hochanspruchsvoll sind, wenn wir über Beschäftigungszahlen reden), andereseits von mehrheitlich ganz normal angestellten. Irgendwie ein Widerspruch, aber auch egal, denn wie in allen anderen gilt auch: Nicht benötigte Arbeitskräfte sind schon auf Staatskosten in Kurzarbeit. Das ist eine der wenigen Maßnahmen, die ich auch ausdrücklich für richtig halte. Deren Lohnzahlungen können also kein Unternehmen in den Abgrund reißen, weil sie bis auf weiteres gar nicht anfallen.

All das lässt dabei immer noch die Zulieferindustrie (Technisches Equipment, Sonderbauten, Softwarelösungen...) außen vor. Auch hier gehören deutsche Unternehmen zu den Weltmarktführern und auch hier werden gerade vielleicht noch die letzten Aufträge aus Häusern in öffentlicher Trägerschaft, deren Etats vermutlich erst im nächsten Jahr deutlich zu leiden haben werden, abgearbeitet. Danach sieht es auch dort eher finster aus, von den Vertrieblern hört man von Auftragsrückgängen nahe der 100 Prozent.

"Weltmarkt"führer sollten per Definition nicht übermäßig hart von den hier lauthals kritisierten deutschen Corona-Maßnahmen betroffen sein, weil die nur für 1-2% des Weltmarktes gelten. Ob es im Rahmen der allgemeinen Rezession volkswirtschaftlich sinnvoll ist, eine Branche über einen temporären Marktzusammenbruch hinweg zu helfen und was dafür über die jetzigen Maßnahmen hinaus nötig wäre, bliebe zu prüfen. Aber hier im Thread dreht sich die von Cryon1c entfachte Diskussion ja darum, dass schnellstmöglich Discos bis über die Kapazitätsgrenzen vollgestopft und Festivals mit tausenden Teilnehmern erlaubt werden sollen. Da sehe ich keine Verknüpfung zu den von dir vorgebrachten, berechtigten Punkten, sondern eben die von mir geschilderte Möglichkeit des Einfrierens bisheriger Aktivitäten, wenn insgesamt solide gewirtschaftet wurde.

Für den Bereich Fachbesuchermessen/-Tagungen, auf den du dich zu konzentrieren scheinst, stellt sich umgekehrt die Frage, ob diese nicht zeitnah tatsächlich wieder erlaubt werden könnten? Normalerweise geht es auf diesen relativ gesittet zu und die Änderungen, die für eine Einhaltung der Abstandsregeln nötig wären, sind überschaubar. Eine Tracing-App sollte man vielleicht noch voraussetzen und dann ließe sich da in meinen Augen durchaus wieder drüber reden.

Fraglich ist nur, ob überhaupt die Nachfrage da ist. Bei uns wurden selbst Treffen innerhalb Deutschlands bis auf weiteres abgesagt, teilweise sogar innerhalb der gleichen Stadt. Damit wären wir dann wieder bei dem Punkt "was würde es kosten, die Branche durchzufüttern, bis sie wieder gebraucht wird" vs. "was würde es kosten, einen vergleichbaren Arbeitsmarkt in Tätigkeitsfeldern zu schaffen, mit denen man etwas anfangen kann". Ist ja nicht so als hätten wir keine lange Liste von "Zukunfts"-Technologien um die sich nicht mal jemand kümmern müsste.
 
Danke für die ausführliche Antwort. Auch wenn ich sie natürlich zerpflücken muss, wie es so meine Art ist
Kein Thema. Solange ich es dir gleichtun darf sind wir cool ;-)

Hmm. Da würden mich wirklich mal die Berechnungsgrundlagen interessieren. Von dem, was ich so aus dem Veranstaltungssegment mitbekommen habe (über bekannte, die dort Arbeit finden, als Teilnehmer an Veranstaltungen, etc.) hätte ich einen Anteil von mindestens 50, eher 75% Subunternehmern und nicht-sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erwartet. Egal ob Messe(ab)bau, Security, Hostessen oder Bedienung beim Catering - Studentenjobs und Subunternehmer soweit das Auge reicht.

Dann waren deine Erwartungen eben falsch. Sowas passiert und das ist auch nicht schlimm.
Du übersiehst bei deinen Ausführungen, dass du eine Vielzahl der an einer Veranstaltung beteiligten Personen auf der Veranstaltung selber oder auch nur in deren Umfeld überhaupt nicht zu Gesicht bekommen wirst. Beispielsweise muss die ganze Geschichte auch geplant und verkauft werden. Hierzu müssen Konzepte und Kalkulationen erstellt, elektrotechnische und statische Berechnungen durchgeführt und eine Vielzahl weiterer Fachplanerischer Aspekte bearbeitet werden. Personal und Material (ich erwähnte bereits die möglichen Dimensionen) müssen disponiert werden, es muss sich um Ausschreibungen beworben werden, eigene Teilprojekte müssen ausgeschrieben werden, Kundenkommunikation muss gewährleistet sein und vielleicht wären auch eine Buchhaltung sowie Lohnbuchhaltung und Personalabteilung gelegentlich recht praktisch. Diese Auflistung ist keineswegs erschöpfend.
Das funktioniert im Prinzip also wie in jedem anderen Gewerbe auch, warum sollte dies auch nicht so sein? Lediglich die Berufsbezeichnungen lauten an manchen Stellen halt anders. Ich habe keine Ahnung in welcher Branche du selbst arbeitest, in der das großartig anders Abläuft.

Einerseits schreibst du selbst von vielen Aushilfskräften (wobei es vollkommen egal ist, ob der Tätigkeiten trivial oder hochanspruchsvoll sind, wenn wir über Beschäftigungszahlen reden), andereseits von mehrheitlich ganz normal angestellten. Irgendwie ein Widerspruch, aber auch egal, denn wie in allen anderen gilt auch: Nicht benötigte Arbeitskräfte sind schon auf Staatskosten in Kurzarbeit.

Aushilfskräfte sind allerdings genau das: Geringfügig Beschäftigte. Die sind derzeit auch nicht in Kurzarbeit, sondern jetzt entweder in anderen Branchen geringfügig beschäftigt oder eben nun beispielsweise vollständig von Transferleistungen abhängig. Diese Leute sind nicht in den Branchenzahlen zu den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten enthalten. Es mögen zwar viele sein, aber wie viele kann ich dir auch nicht sagen. Aushilfskräfte sind aber im Zuge der Krisenbewältigung allerdings Branchenübergreifend momentan auch nicht unbedingt im Fokus der Maßnahmen.


Meine Einschätzung bezog sich auf die Flächen, die auch jetzt benötigt werden. Also Lager- und Büroräume. Die eigentlichen Event-Räumlichkeiten sind ja typischerweise relativ leer und es gibt eigentlich keinen Grund, diese anzumieten, wenn man sie auf absehbare Zeit nicht braucht. Das diese ratzfatz in Büros umgewandelt werden würden, wage ich auch zu bezweifeln, an Büroflächen herrscht selten so aktuer Mangel und eine gute Eventlocation hat andere Eigenschaften als eine gute Büroumgebung. Aber selbst wenn sie nach einem halben Jahr unwiederruflich weg sein sollten, weil jemand anders dafür mehr zahlt: Ist nicht genau das die normale Dynamik während sich ändernder Nachfragelagen? Und wäre es nicht umgekehrt genauso leicht, andere Flächen für Events herzurichten, wenn die Nachfrage wieder zurückschwingt?

Eventflächen jetzt aufzugeben kommt für die betreibenden Unternehmen allerdings einer Aufgabe des Betriebs gleich. Das kann man natürlich machen, aber das ist dann eben auch keine Einsparungsmaßnahme mehr.
Mietverträge für Gewerbeflächen werden in der Regel über eine vertraglich festgelegte Laufzeit, häufig 10 Jahre, abgeschlossen. Das kurzfristige Beenden dieser Mietverhältnisse ist häufig schon deshalb nicht so einfach möglich. Ferner sind die Flächen, um sie überhaupt als Veranstaltungsflächen nutzbar zu machen (Stichwort VStättVo), in der Regel aufwendig umgebaut, und müssen bei der Beendigung des Mietverhältnisses wieder in den Ursprungszustand versetzt werden. Kurzfristig funktioniert das also auch daher eher nicht, um von den Kosten mal ganz zu schweigen.
Ob Eventflächen tatsächlich zu Büroflächen werden oder anderer gewerblicher Nutzung zugeführt werden ist unerheblich. Ich wollte lediglich zum Ausdruck bringen, dass derartige Flächen am Markt sehr wohl gefragt sind und sich in entsprechenden Preislichen Lagen befinden.
Abgesehen davon habe ich persönlich regelmäßig mit Locations zu tun, welche sich tatsächlich in Penthouse Lage ansonsten als reinen Bürogebäuden genutzter Immobilien zu tun. Völlig abwegig ist der Gedanke also auch wieder nicht ;-)

Wo du allerdings recht hast: Zentrale Küchen. Da war mir bislang nicht bekannt, dass so etwas abseits von Messegeländen überhaupt existiert. Events, auf denen ich bislang war, haben das Catering durchgängig von der lokalen Gastronomie liefern lassen und nur das örtliche Personal selbt gestellt.

Womit dann auch dieses Standbein des lokalen Gastronomiebetriebes, nämlich Eventgastronomie, zumindest dem erweiterten Kreis der Veranstaltungswirtschaft zuzurechnen wäre.



Also da muss ich ganz ehrlich sagen: Wer eine Firma auf Pump hochzieht, geht eben auf Risiko. Der hat es gemäß Marktlogik verdient, dass er aus dem Geschäft fliegt. Da habe ich kein Mitleid, sondern im Gegenteil eher mit denjenigen, die solche Glücksspieler aus dem Markt gedrängt wurden. Jedem Privatmensch wird angeraten, Reserven für mindestens 6, besser 12 Monate bereitzuhalten und eine hochvolatile Branche, die zusätzlich noch ausgeprägte Saisionlagen bewältigen muss, braucht entsprechend mehr.

Das mag deine persönliche Meinung sein, aber meiner persönlichen Meinung nach wiederrum scheint dein Idealbild des Unternehmertums dann entweder in der Mitte des 20. Jahrhunderts stehen geblieben zu sein, oder aber es war schon immer Fantasie. In der Realität wird so gut wie jedes größere Unternehmen sich regelmäßig Fremdkapitals für Investitionen bedienen, und das ist Grundsätzlich auch völlig gesund solange es sich um einen Wertschöpfenden Einsatz handelt. Ich sprach hier weder von Überschuldung noch Zockerei. Ein ungesundes Unternehmen hätte diese Kreditlinien auch überhaupt nicht eingeräumt bekommen - Wirecard ähnliche Fälle vielleicht einmal ausgenommen. Mir ist klar, dass viele Menschen derartige Argumente immer wieder anführen, aber das ändert nichts an Betriebswirtschaftlichen Grundlagen.
Wie lange nun die Reserven tatsächlich reichen, wird je nach Unternehmen höchst unterschiedlich aussehen. Fakt ist, dass wir uns deiner unteren genannten Grenze von 6 Monaten mit großen Schritten nähern, und diese für weite Teile der Branche wohl deutlich überschritten werden wird. Das allein ist der besorgniserregende Umstand.
Ansonsten würde ich die Branche auch nicht als volatiler als Andere sehen. Saisonale Schwankungen sind auch sonst weit verbreitet, dem Veranstaltungsmarkt entsprechende Umsatzrenditen ebenfalls.


Das ein hartes Geschäft ist, streite ich nicht ab, im Gegenteil ich habe selbst geschrieben, dass Selbstausbeutung mit 0 Rücklagen gerade am unteren Ende sehr weit verbreitet ist. Aber das fällt für mich in den gleichen Bereich wie professionelle Ponystreichler und Vogelzähler: Wer eine Tätigkeit ausübt, bei der die Beliebtheit die Nachfrage soweit übersteigt, dass die Mehrheit für ±0 arbeitet, der hat keinen Job, sondern ein Hobby. Man kann nicht erwarten, dass Betriebe, die schon in normalen Zeiten kurz vor dem Konkurs standen, jetzt von der Allgemeinheit durchgefüttert werden.

Jedes ernsthafte Geschäft ist ein hartes Geschäft, das hat aber weder mit Selbstausbeutung, noch mit kurz vor dem Konkurs stehen etwas zu tun. Dass am unteren Ende Menschen ohne Rücklagen existieren mag den Tatsachen entsprechen, auch das wirst du vermutlich nahezu überall finden, allerdings geht es um diese hier auch nicht. Die befinden sich gegenwärtig nämlich bereits in der Obhut des Jobcenters und werden somit bereits auch "von der Allgemeinheit durchgefüttert", wobei man fairerweise sagen muss, dass das für Millionen Kurzarbeiter gegenwärtig ebenso zutrifft. Dafür sind diese Systeme aber nun mal auch vorhanden, und ich für meinen Teil bin froh in einem Land zu leben, in dem Soziale Sicherungsnetze Existieren.

Eine besondere Beliebtheit der Branche ist wohl auch eher den Positionen auf den Bühnen dieser Welt vorbehalten. Wie gut das für die meisten Anwärter ausgeht, wissen wir alle. In weiten Teilen der Branche herrschte zuletzt eine starke Nachfrage nach fähigem Personal – Ich habe in der kurzen normalen Zeit dieses Jahr nicht nur ein ernsthaftes Angebot bekommen, anderen ging es ähnlich.
Es mag sein, dass sich gelegentlich Menschen mit falschen Vorstellungen ins "Showbusiness" verirren, die sind meist aber auch entweder relativ schnell wieder draußen, häufig noch als Azubis, oder werden halt tatsächlich Hobby-DJs. Und auch das ist Okay.



So bedrohlich, wie die Lage geschildert wird, wären viele Unternehmen wohl auch schon von der Pleite bedroht gewesen, wenn wegen Angst vor Terrorismus mal ein Sommer die Besucherzahlen auf <50% zurückgegangen wären, wenn der nächste Trend ausnahmsweise keine besondere Infrastruktur in der Innenstadt erfordert, sondern die Leute in die Natur zieht oder wenn nach der IT-Industrie (Cebit) noch ein paar weitere internationale Branchen feststellen, dass Europa weniger als 10% des Marktes ausmacht und man sich lieber in Asien treffen sollte. Sorry, aber: Solche Umschwünge sind normales Geschäftsrisiko.

Diese Analyse greift entschieden zu kurz. Angst vor Terrorismus herrscht bereits seit Jahren und hat selbst direkt nach zahlreichen traurigen Ereignissen bei Veranstaltungen in mehreren europäischen Ländern zu keinem merklichen Besucherrückgang geführt. Angesichts dieser Tatsache bräuchte es quasi ein terroristisches Flächenbombardement um auf die von dir genannten Rückgänge zu kommen. Womit wir uns allerdings wieder in einer vergleichbaren Ausnahmesituation wie gegenwärtig befänden, welche unseren marktökonomischen Regeln ebenso an ihre Grenzen brächte.
Gesellschaftliche Veränderung ist ein laufender Prozess, dem sich unsere gesamte Wirtschaft ausgesetzt sieht. Normalerweise besteht die Herausforderung für alle Marktteilnehmer darin, hierauf zu reagieren, beziehungsweise im besten Fall an der Spitze dieser Veränderungen mitzumischen. Normalerweise gibt es hier allerdings auch die Möglichkeit zu handeln. In dem aktuellen Stillstand, welcher sich aus gerechtfertigten Verordnungen des Gesetzgebers zur Eindämmung einer Jahrhundertpandemie begründet, vermag ich diesen Prozess allerdings nicht so recht wiederzuerkennen.
Ansonsten bin ich mir recht sicher, dass, bezogen auf deine Ausführungen zur Messelandschaft, sowohl die ausstellenden Unternehmen als auch die ausrichtenden Messegesellschaften recht genau über die Reichweiten der jeweiligen Veranstaltungen Bescheid wissen dürften. Mögliche Veränderungen dieser Verhältnisse sind selbstverständlich dem normalen unternehmerischem Risiko zuzuordnen, diese Einschätzung teile ich durchaus, allerdings bin ich mir nicht so sicher dass bis vor einigen Monaten Irgendjemand den monatelangen, behördlich verordneten Stillstand ganzer Wirtschaftszweige dazugezählt hätte.
Es spielt meiner Meinung nach auch keine große Rolle, wessen Risiko es gewesen wäre, denn der wirtschaftliche Fallout des Lockdowns wird auf jeden Fall, zumindest vorerst, vergesellschaftet werden. Der Spielball liegt nun bei der Politik zu entscheiden, in welcher Form das stattfinden wird. Die Möglichkeiten reichen von der Schaffung von Maßnahmen um das Konsumverhalten anzuregen, über das Auffangen von Menschen die Ihren Arbeitsplatz verloren haben bis hin zur Stabilisierung einzelner Wirtschaftszweige oder sogar Unternehmen. Bisher zeichnet sich ein Mix aus allen genannten ab, wobei auch diese Auflistung nicht erschöpfend ist. Im Bezug auf die Veranstaltungswirtschaft ist dieser politische Entscheidungsprozess jedoch gerade am Anlaufen.


"Weltmarkt"führer sollten per Definition nicht übermäßig hart von den hier lauthals kritisierten deutschen Corona-Maßnahmen betroffen sein, weil die nur für 1-2% des Weltmarktes gelten.

Ich weiß nicht, woran du dich hier orientierst, aber der Weltmarkt für Kongresse und Konferenzen wird sich sicherlich aus anderen Teilnehmern zusammensetzen als beispielsweise der Weltmarkt für Eisenschrott. Warum man jedoch von sehr realen Maßnahmen nicht betroffen sein sollte, nur weil man Marktführer ist, erschließt sich mir ebenfalls nicht.
Ich möchte an dieser Stelle ein für alle Mal klarstellen, dass eigentlich niemand aus der Branche, mich eingeschlossen, die beschlossenen Maßnahmen grundsätzlich kritisiert. Warum auch, wir sind schließlich keine Mediziner. Kritisiert wird lediglich, dass es bislang keinerlei Dialog mit der Branche gab um über die Auswirkungen dieser Maßnahmen zu diskutieren. Angesichts der äußerst misslichen Lage der Branche, wird man doch wohl behaupten dürfen, bisher sehr entspannt damit umgegangen zu sein.
Ich darf an dieser Stelle vielleicht einmal daran erinnern, dass einige Landwirte auf dem Höhepunkt des Pandemieverlaufs in Deutschland so lange Druck gemacht haben, bis sie ihre osteuropäischen Billigkräfte zum Spargelstechen einfliegen durften. Auch dort ging es weniger um die Grundversorgung der Bevölkerung, als vielmehr die Sorge vor Umsatzeinbußen, sollte das erntereife Luxusgemüse nicht zeitig aus dem Acker kommen. Ich möchte das an dieser Stelle auch gar nicht verurteilen, auch Landwirte müssen Geld verdienen, sondern lediglich diesen Vorgang als das Meisterstück der Lobbyarbeit präsentieren, welches der Veranstaltungswirtschaft bisher noch nicht gelungen ist.

Ob es im Rahmen der allgemeinen Rezession volkswirtschaftlich sinnvoll ist, eine Branche über einen temporären Marktzusammenbruch hinweg zu helfen und was dafür über die jetzigen Maßnahmen hinaus nötig wäre, bliebe zu prüfen.
Und genau das soll gerne passieren, nur fehlt der hierzu notwendige Branchendialog bislang. Daher ist die Branche derzeit um Aufklärung bemüht, weshalb auch ich mich berufen fühle an dieser Stelle ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Aber hier im Thread dreht sich die von Cryon1c entfachte Diskussion ja darum, dass schnellstmöglich Discos bis über die Kapazitätsgrenzen vollgestopft und Festivals mit tausenden Teilnehmern erlaubt werden sollen.
Ist das wirklich eine Diskussion, die es wert ist, geführt zu werden? Ich kann mich derzeit ausnahmsweise zwar nicht unbedingt über Zeitmangel beschweren, aber dazu wäre mir selbst meine Zeit zu schade. Sie muss auch überhaupt nicht geführt werden, da auf diesem Gebiet schon lange Tatsachen geschaffen sind. Veranstaltungen dieser Größenordnungen haben derart lange Vorlaufzeiten, dass eher warmer Schnee nach oben fällt bevor wir dieses Jahr noch große Festivals und andere Veranstaltungen mit Festcharakter zu sehen bekommen. Selbst wenn sie ab morgen wieder erlaubt würden. Eventuell wird es vorsichtige erste Gehversuche geben, mit denen beispielsweise die Hygienekonzepte getestet werden können. Das wird allerdings alles eher experimentellen Charakter haben. Für Sportveranstaltungen gilt das allerdings ausdrücklich nicht, da sind derzeit einige Dinge in der Vorbereitung. Ob das jetzt vernünftig ist sei einmal dahingestellt...

Für den Bereich Fachbesuchermessen/-Tagungen, auf den du dich zu konzentrieren scheinst, stellt sich umgekehrt die Frage, ob diese nicht zeitnah tatsächlich wieder erlaubt werden könnten?
Das ist in der Tat der Fall, und erste Veranstaltungen (oder eher die Letzen die noch nicht abgesagt oder ins nächste Jahr geschoben wurden) haben bereits Genehmigungen der zuständigen Gesundheitsämter erhalten.

Fraglich ist nur, ob überhaupt die Nachfrage da ist. Bei uns wurden selbst Treffen innerhalb Deutschlands bis auf weiteres abgesagt, teilweise sogar innerhalb der gleichen Stadt.

Das hast du gut erkannt, und das kann momentan tatsächlich noch niemand wirklich abschätzen. Als sicher kann lediglich gelten, dass das Interesse größer 0 ist, aber mit deutlichen Rückgängen ist in jedem Fall zu rechnen. Das wirtschaftliche Risiko bei einem kurzfristigen Ausfall aufgrund eines erneuten Lockdowns, entweder am eigenen- oder halt am Messestandort, ist nicht unerheblich.

Was kassiert die Kölnmesse denn IM MOMENT pro m² Messeboden? Wenn ich mich nicht irre exakt 0 € und jedes Veranstaltungskonzept, was diesen Wert überbieten kann, wäre somit für die Messe lohnenswert. Im Gegensatz zu Dienstleistern, deren Unkosten stark mit den geleisteten Diensten skalieren, hat man als Immobilienvermieter nämlich nur begrenzte Möglichkeiten, seine Ausgaben zu senken und kann nicht einfach ein paar Monate 0-Bilanzen schieben.
Allerdings ist die Koelnmesse nicht nur Immobilien Verwerter, sondern eben der Erbringer aller für die Aussteller anfallenden Dienstleistungen. Realisiert werden diese zwar von Partnerunternehmen in den jeweiligen Gewerken, mit denen hier jeweils Exklusivverträgen bestehen (manchmal nur für Teile des Geländes), bezahlen muss sie aber trotzdem Jemand. Das Leistungsspektrum umfasst unter anderem die Herstellung der Energieversorgung, Trinkwasserversorgung zzgl. Entsorgung des Abwassers, Einbau der Brandschutztechnik in den durch den Kunden erbauten Messestand (nötig bei mehrstöckigen Aufbauten), Anschluss an das Breitbandnetz, Logistische Dienstleistungen aller Art (ich habe schon 100t Kräne in Messehallen gesehen – mehrmals pro Jahr), Herstellung der Deckenabhängungen, wahlweise Aufbau des gesamten Rigs inklusive sämtlicher Veranstaltungstechnischer Einrichtungen sowie der Müllentsorgung. Wenn das alles berechnet ist, steht da noch lange kein Messestand, eigenes Personal ist auch noch nicht vor Ort, aber an den Preis für den nackten m² Ausstellungsfläche denkt da schon lange niemand mehr ;-)
Ich komme übrigens nicht aus Köln, aber das Prinzip ist überall gleich.
Es kann auch gut sein, dass die Flächen derzeit noch für die Errichtung von Feldkrankenhäusern reserviert sind. Aus einer anderen Großstadt weiß ich beispielsweise, dass man die dort errichteten Kapazitäten weiter ausbauen will, entsprechende Ausschreibungen machen gerade die Runde. Eventuell ist das sinnvoller, als jetzt eine leere Gamescom auszurichten. Auch wenn ich es ebenfalls cool fände…

Damit wären wir dann wieder bei dem Punkt "was würde es kosten, die Branche durchzufüttern, bis sie wieder gebraucht wird" vs. "was würde es kosten, einen vergleichbaren Arbeitsmarkt in Tätigkeitsfeldern zu schaffen, mit denen man etwas anfangen kann". Ist ja nicht so als hätten wir keine lange Liste von "Zukunfts"-Technologien um die sich nicht mal jemand kümmern müsste.
Das ist eine Frage mit der nicht wir, sondern die Politik sich beschäftigen muss und das möglichst schnell, denn sonst wird ihr diese Entscheidung sehr wahrscheinlich abgenommen werden. Ich weiß wofür ich bin, aber das liegt möglicherweise auch nur daran, dass der Gedanke, Zukunftstechnologien in die Hände von Agenturmitarbeitern zu legen, mir einen kalten Schauer den Rücken runter treibt ;-)

Die Realität ist leider häufig enttäuschend komplex, weshalb ich stets versuche, mir nicht anderer Leute Köpfe zu zerbrechen und mir hinsichtlich mir unbekannter Sachverhalte keine abschließenden Meinungen zu bilden. Sicherlich nicht immer mit Erfolg. Alles kann diskutiert werden, aber bitte sachbezogen. Nach großen ideologischen Auseinandersetzungen dürstet es mir nicht, vor allem nicht, wenn es um Menschenleben geht. Das halte ich für deutlich zu makaber für ein PC-Hardware Forum. Ich möchte hier nur Einblicke bieten, die ich für nicht völlig irrelevant hielt.

Die Veranstaltungsbranche ist auch nichts Besonderes, sondern ein ganz normaler Teil der deutschen Wirtschaft. Die einzige Besonderheit, die ihr derzeit zum Verhängnis wird, ist dass sie als eine der Ersten in den Lockdown ging, und als eine der letzten wieder herauskommen wird. First in - last out. Jede andere Branche wäre an ihrer Stelle jetzt in der selben Schieflage.
 
Ich lasse mal einfach wieder was hier:
ttt - titel, thesen, temperamente: Das langsame Sterben der Clubs | ARD Mediathek

Kurzes Video über die aktuelle Situation was die Kultur angeht - eben aus der anderen Ecke die nichts mit Messen und Tagungen zu tun hat. Die man aber nicht ignorieren darf.
Hoffentlich können wir bald das alles wieder normal genießen, Schulter an Schulter, ohne Maulkorb, Spuckschutz und 5 Bierkästen Abstand zueinander.
 
Ich lasse mal einfach wieder was hier:
ttt - titel, thesen, temperamente: Das langsame Sterben der Clubs | ARD Mediathek

Kurzes Video über die aktuelle Situation was die Kultur angeht - eben aus der anderen Ecke die nichts mit Messen und Tagungen zu tun hat. Die man aber nicht ignorieren darf.
Hoffentlich können wir bald das alles wieder normal genießen, Schulter an Schulter, ohne Maulkorb, Spuckschutz und 5 Bierkästen Abstand zueinander.

Öffentlich rechtliche Medien? Gibts ja nicht. ;)
 
... Du willst also einen Normalbetrieb mit Hygienekonzept, aber ohne Abstand und Maske. Wie wuerde denn Dein Hygienekonzept aussehen? Ernst gemeinte Frage.

Vielleicht benimmt sich SARS-COV-2 ja anständig, wenn es gratis Eintritt bekommt und Getränke aufs Haus?



Obwohl, das hat es ja sowieso schon und verhält sich trotzdem wie das kleine Mistvirus, das es nun einmal ist.
 
Öffentlich rechtliche Medien? Gibts ja nicht. ;)

Na vll zieht das ja mal etwas mehr als irgendwelche Facebookposts von Leuten die den Abgrund hinunter sehen und keinen Boden sehen können. Weil ihre Branche von der Regierung praktisch umgebracht wird. Und das einfach weil sie keine dicke Lobby hat die mit den Politikern ins Bett geht.

... Du willst also einen Normalbetrieb mit Hygienekonzept, aber ohne Abstand und Maske. Wie wuerde denn Dein Hygienekonzept aussehen? Ernst gemeinte Frage.


Massive Tests der Bevölkerung (siehe Luxemburg), Temperaturmessungen bei der Security (IR-Thermometer vor der Stirn für 20sek würden viele Clubgänger über sich ergehen lassen für eine vernünftige Nacht danach..), mehr Desinfektionsmittel (die sind in Nachtclubs selten bis nicht vorhanden, es ist einfacher an Kondome zu kommen als sich da die Hände zu desinfizieren). Deutlich bessere Lüftung/Klimaanlagen mit HEPA-Filtern (das würde auch NACH Corona für eine wesentliche Verbesserung der Luftqualität in den Locations sorgen - in vielen Clubs herrscht bei warmen Wetter normalerweise eine Atmosphäre wie in einem klingonischen Swingerclub!). Und Daten angeben - Email und Telefonnummer, keine weiteren Daten (damit es nicht verfolgbar wird und bei Datenmissbrauch keine massiven Folgen zu befürchten sind - weil Email und Telefon leichter ersetzbar sind als Namensänderungen und Umzüge).

Im Tourismusbereich sind diese Regeln (in schärferer Form) ja bereits umgesetzt bzw. werden ab dem 1.7 umgesetzt. Warum nicht auch in anderen Bereichen wo Leute nun mal nicht auf Abstand gehen sollen?

Noch mal, das Virus ist da, wir müssen mit dem Virus leben. Genau so wie wir mit Autounfällen, Grippeviren, rutschigen Fliesen und anderen Gefahrenquellen leben. Vernünftige Vorschriften und Regeln die dabei helfen ohne die Wirtschaftlichkeit zu ruinieren wären ja auch mal möglich - aber die gesamte Branche ist darauf ausgelegt, eine Vollbelegung der Location zu haben - da sind X Leute auf 3m² und nicht eine Person..
 
Zuletzt bearbeitet:
Maskenpflicht ist aber deutlich einfacher und kostengünstiger umzusetzen.
Desinfektionsmittel oder zumindest Seife sollte aber wirklich auf jedem öffentlich WC vorhanden sein.

Luxemburg hat nur rund 600.000 Einwohner und damit ähnlich viele wie Leipzig allein.
Flächendeckende Testung von 82 Millionen Deutschen ist nicht machbar.
 
Maskenpflicht ist aber deutlich einfacher und kostengünstiger umzusetzen.
Desinfektionsmittel oder zumindest Seife sollte aber wirklich auf jedem öffentlich WC vorhanden sein.

Luxemburg hat nur rund 600.000 Einwohner und damit ähnlich viele wie Leipzig allein.

Ja die Einwohnerzahl kenne ich. Das kann hier auch etwas dauern, aber überall kostenpflichtige Teststationen einrichten (natürlich nicht kostenlos testen) wären mal ein Anfang. Würde ich fliegen wollen, müsste ich z.B. einen negativen Test dabei haben (gut, vor Ort kannste das auch machen, aber es macht SINN das VOR dem Abflug zu machen damit man nichts mitschleppt) und der würde mich um die 150€ kosten.
Ich würde für wesentlich mehr Lebensqualität das Geld ausgeben, ohne überhaupt nachzufragen.

Und Maskenpflicht kann ja noch gehen aber Abstand geht im Club nicht - da arbeitet man ins Minus, noch härter als einfach zumachen.
Überleg mal, im ÖPNV gilt der Mindestabstand nicht, es wird so viel reingestopft wie die Kapazität vom Fahrzeug halt zulässt. Maske ja, Abstand nein. Warum zum Geier nicht im Nachtclub genau so? Gerade in kleineren Locations die 150-300 Leute fassen ist das wesentlich ungefährlicher als sich in der Straßenbahn zu bewegen die locker 500-600 Leute auf einer Strecke durchzieht?

Desinfektionsmittel in Clubs sind extrem selten. Seife ist natürlich da, aber sich vernünftig Hände waschen etc. im Club macht kaum wer - deswegen Desinfektionsmittel, das ist wesentlich zuverlässiger. Mittlerweile haben wir auch genug von dem Zeug, es ist nicht ausverkauft.
 
Massive Tests der Bevölkerung (siehe Luxemburg),

Du weißt aber schon, dass Luxemburg weniger Einwohner als Düsseldorf und nur ein paar Einwohner mehr als Leipzig hat, oder?

Temperaturmessungen bei der Security (IR-Thermometer vor der Stirn für 20sek würden viele Clubgänger über sich ergehen lassen für eine vernünftige Nacht danach..),

Komplett unerheblich, weil die Temperatur nur bei (und nicht einmal bei allen) Erkrankten steigt und man auch ohne Erkrankung ansteckend ist.

mehr Desinfektionsmittel (die sind in Nachtclubs selten bis nicht vorhanden, es ist einfacher an Kondome zu kommen als sich da die Hände zu desinfizieren).

In vielen Nachtclubs benutzen die Leute noch nicht einmal Seife, wenn sie sich überhaupt die Hände waschen. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass nennenswert viele Clubgäste das Feiern regelmäßig zur Desinfektion unterbrechen, was - nebenbei bemerkt - ebenso unerheblich ist, denn der Hauptübertragungsweg ist immer noch der über die Atemwege.

Deutlich bessere Lüftung/Klimaanlagen mit HEPA-Filtern (das würde auch NACH Corona für eine wesentliche Verbesserung der Luftqualität in den Locations sorgen.

Das bringt nur etwas, wenn die Zirkulation greift, bevor man den Ausstoß anderer Clubgäste einatmet. Und damit ist man wieder bei Abstandsregelungen, die dort niemand will und und einer reduzierten Zahl gleichzeitiger Besucher, was dem Clubbesitze nichts nützt - insbesondere dann nicht, wenn er gerade noch eine neue Klimaanlage nach strengsten Standards installieren musste.

Und Daten angeben - Email und Telefonnummer, keine weiteren Daten (damit es nicht verfolgbar wird und bei Datenmissbrauch keine massiven Folgen zu befürchten sind - weil Email und Telefon leichter ersetzbar sind als Namensänderungen und Umzüge).

Genau. Um Infektionsketten nachzuvollziehen, werden Daten erfasst, von denen du noch im selben Satz schreibst, dass man sie leicht ändern kann, was sie für eine Nachvollziehbarkeit der Infektionsketten wertlos macht.

Schreib' doch gleich, dass du lediglich undurchführbare oder unwirksame Feigenblatt-Maßnahmen möchtest. :rollen:
 
Wir haben gesehen das alles andere an Maßnahmen nicht greift. Sind die Maßnahmen zu strikt, geht keiner hin. Gastronomie hat gerade damit zu kämpfen. Wer geht denn freiwillig essen wenn da mehr Auflagen existieren als bei den Amis bei dem Umgang mit Waffen?! Das schreckt Gäste ab.

Also muss man eine Balance finden zwischen wirtschaftlichem Betrieb und Hygienemaßnahmen, wie es überall sonst auch aktuell der Fall ist (naja ausgenommen unsere Fleischfabriken wie Tönnies, die eigentlich können und sollen, aber nicht wollen).

Und Temperaturmessungen sowie Desinfektionsmittel bringen viel. 100% Schutz gibt es nicht, aber das will auch niemand, es muss alles ein Balanceakt sein - wie weit man gehen darf. Das ist doch auch die Grundlage für alle Lockdowns und Lockerungen - eine Balance zwischen Infektionszahlen, Rechten und Wirtschaftlichkeit der besagten Bereiche. Warum werden in einigen Branchen nicht dieselben Standards benutzt? Nur weil sie keine dicke Lobby haben und eher unsichtbar agieren und nicht aus massiven Unternehmen bestehen sondern aus extrem vielen Kleinbetrieben und Selbstständigen...

P.S.
Email und Telefonnummer (die man hier ohne Ausweis auch nicht bekommt, somit kann dies bei Bedarf von Behörden verfolgt werden wenn sie es denn müssen) reichen für die Infektionskette. Die Leute benachrichtigen damit sie sich eben in Quarantäne begeben, mit den Gesundheitsbehörden zusammenarbeiten etc. Nichts anderes macht die Corona-App auch - sie informiert einen ob man in Kontakt zu einem bestätigten Fall war.
 
Für Wirtschaftlichkeit ist jeder selbst verantwortlich. Das spielt für die Durchsetzung von Gesetzen und Auflagen keine Rolle.
Und spätestens, wenn die Location für die Folgekosten einer Infektion haftet, ist auch ein großer Abstand zwischen den Gästen wirtschaftlich.

Überleg mal, im ÖPNV gilt der Mindestabstand nicht, es wird so viel reingestopft wie die Kapazität vom Fahrzeug halt zulässt.

Früher vielleicht. Aktuell hat man da locker im Umkreis von 5m alle Sitze frei und kann dann auch problemlos die Maske abnehmen, wenn man sitzt.
 
Für Wirtschaftlichkeit ist jeder selbst verantwortlich. Das spielt für die Durchsetzung von Gesetzen und Auflagen keine Rolle.
Und spätestens, wenn die Location für die Folgekosten einer Infektion haftet, ist auch ein großer Abstand zwischen den Gästen wirtschaftlich.



Früher vielleicht. Aktuell hat man da locker im Umkreis von 5m alle Sitze frei und kann dann auch problemlos die Maske abnehmen, wenn man sitzt.


Damit Events mit Mindestabstand wirtschaftlich werden, müssten Konzerte über 100€ kosten, Festivals locker 400€ und Club-Eintrittspreise um die 50€. Das zahlt keiner. Wirtschaftlichkeit ist an den Markt geknüpft, nicht an irgendwelche dämlichen Gesetze - sind die schief, geht die Wirtschaft den Bach runter. Muss alles eine Balance haben. Und die Branche verdient kaum Geld, es muss also alles genau so wie vorher ablaufen mit minimalen Änderungen - sonst nicht machbar.

Und den Mindestabstand im ÖPNV... aufm platten Land vll, in einer Großstadt - nicht machbar, der ÖPNV ist gerammelt voll wie eh und jeh.
 
den Markt geknüpft
Heilige Kühe, in dem Fall der Markt, sind zum schlachten da. :schief:

es muss also alles genau so wie vorher ablaufen mit minimalen Änderungen
Also wie Mahoy schon gesagt hat: Ein paar Feigenblattmaßnahmen, die nichts bringen aber man sich als toller Hecht hinstellen kann, der ja so viel macht und unternimmt.

Aktuell hat man da locker im Umkreis von 5m alle Sitze frei und kann dann auch problemlos die Maske abnehmen, wenn man sitzt.
Straßenbahn sagt nein.
 
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