Ich hab Abitur und war anschließend Biolaborant in der Ausbildung.
Im Endeffekt pflege ich jetzt meine krebskranke Ma und will mir mit meiner ebenfalls gut gebildeten Freundin nen Leben aufbauen, aber das können wir nicht machen, weil keiner von uns trotz großer Qualifikationen und massiver Bewerbungen einen Job findet, der genug abwirft.
Man wird eigentlich echt nur ausgebeutet, darf für Umschulungen oder neue Ausbildungen auch noch selber zahlen, statt bezahlt zu werden und mit den Qualifikationen, die man erwirbt, kann man dann auch nichts anfangen, außer ne weitere Passage in seinem Lebenslauf, die eigentlich jeder Personalrat sowieso ignoriert.
Alle paar Monate platzt nen Freund von uns rein und hat seinen Job verloren, weil mal wieder irgendne Firma dicht gemacht hat und landet anschließend für Apfel und Hühnerei in der Zeitarbeitsfalle.
Nein, wir jungen Erwachsenen von heute arbeiten uns nicht mehr hoch. Wir werden systematisch bei der Stange gehalten und vom System solange von A nach B geschoben, dass wir irgendwann gar nicht mehr wissen, wo wir hingehören. Jeder spart beim Personal, bis das Personal auf nationaler oder irgendwann vielleicht sogar globaler Ebene einfach keine Kohlen mehr hat. Und selbst die gut ausgebildeten Fachkräfte verdienen in unserem Alter zu wenig. Guter Freund von mir wird Arzt und ist in die Staaten gezogen, weil er dort das 10fache (!!!) verdient, wie in Deutschland.
Nein. Meine Kinder können ja gerne in die Grundschule gehen, aber anschließend würde ich sie am liebsten aus der Schulpflicht entbinden. Denn für die Jobs, für die Menschen gesucht werden, reicht eine Grundschulbildung völlig aus. Vielleicht schicke ich sie dann noch auf ne Pflegeschule, damit sie mich pflegen können, sobald ich mal mit Krebs rumliege. Denn ich hab in meiner Qualifikationsphase zwar gelernt, wie Krebs entsteht und sich entwickelt – bis ins kleinste bekannte biochemische Detail, aber ich hab nie gelernt, wie man mit jemandem umgeht, der grade ne Chemo macht.
Bevor dieses Land also einen weiteren armen jungen Menschen hoch qualifiziert, um ihn dann auf die Ersatzbank zu schicken oder Hilfsarbeiten aufzuzwingen, hätte ich ganz gerne erstmal die 90 Euro zurück, die mir in der Haushaltskasse fehlen, weil meiner Mutter ein Tumor entfernt wurde und für den Krankenhausaufenthalt geblecht werden musste. Und ne öffentliche Entschuldigung eines jeden Politikers, hätte ich dann auch noch ganz gerne, warum ich ne Woche Dosenbohnen essen musste, weil meine Kohle nicht reichte, obwohl ich ein Musterbeispiel für einen engagierten Sohn, Mann und Arbeitnehmer bin.
Mir persönlich steht die ******* bis zur Stirn.
Jeder möchte Popstar sein oder Raketenwissenschaftler, aber auf nationaler Ebene braucht man nur 20 dieser Menschen. Ausbilden tut man 50000 jedes Jahr und stellt sie dann mit großen Träumen und Hoffnungen in die Welt, die überhaupt keinen Bedarf an ihnen hat.
Und wenn man doch ein größeres Stückchen vom Kuchen möchte, muss man seinen ekligen, alten Chef vernaschen, sich lebenslänglich bei Seilschaften verpflichten oder sich so lange mit kriminellen Müll rumschlagen, bis man lebenslänglich sitzt.
Ich bin kein Politikwissenschaftler, aber ich hätte gerne meine 90 Euro zurück. Und anschließend hätte ich gerne eine Revolution im Bildungswesen, bevor die kommende Generation Mittzwanziger ins gleiche Verderben rennt, wie viel zu viele von uns momentan.
Liebe Politik,
hört bitte auf den Menschen Dinge vorzugaukeln, die überhaupt nicht existieren.
Hochachtungsvoll,
ein *Nichtwähler.