Ich fand es eh von Anfang an Fragwürdig Schulz zu holen.
Hätten sie ihn zur nächsten Regulären Wahl aufgesllt und vorher im Bundestag Arbeiten lassen wäre es vermutlich besser gelaufen.
So kam er ausn EU Parlament und direkt als Messias. Das konnt Eigentlich nicht klappen.
Das war aber Absicht und die einzige Option überhaupt. Nach der Groko konnte niemand von den etablierten SPD-Bundespolitikern glaubhaft für eine Wende in die richtige Richtung stehen, es musste ein komplett neues Gesicht her - und mit einem sehr hochrangigen EU-Politiker hatte man dieses Gesicht ohne auf einen Anfänger setzen zu müssen. Was man verpeilt hat:
"Nicht für Groko stehen" war nur der eine Schuh. Der andere war "für was neues stehen". Und Schulz stand nur für seinen Namen, hat nie rüberbringen, wo die SPD eigentlich hin will (nicht dass sie das wüsste). So ein nur-Person-gar-keine-Themen Wahlkampf war zwar gegen ich-schweige-zu-allem-Merkel nicht grundsätzlich verkehrt (und tatsächlich hat die Union mehr verloren als die SPD), aber hat die Türen für die Populisten meilenweit geöffnet. Und mit mittlerweile drei rein populistischen Parteien im Bundestag bleibt dann halt keine Regierungsmehrheit mehr üblich.
Es bleibt abzuwarten, ob die SPD jetzt aus der Not (absolut niemand steht als neue Leitfigur bereit) eine Tugend (und Sozialdemokratie) macht.
Lindner hatte absolut recht nicht mitzuspielen, ihn dafür zum Buhmann zu machen finde ich absolut falsch. Es waren Sondierungs- und keine Koalitionsgespräche, das vergessen viele. Eventuell wusste Lindner von Anfang an, dass es nicht passt, hat es dann aber als seine demokratische Pflicht gesehen zumindest Gespräche zu führen.
In Anbetracht dessen, dass Lindner die Gespräche wegen Dingen hat platzen lassen, die von Anfang auf dem Tisch lagen:
Ja, er wusste das von Anfang an. Angepisst sind alle weil er dieses Wissen fünf Wochen lang für sich behalten. Das nennt man schlicht Täuschung und Zeitverschwendung. Zeit übrigens, die am Ende mit unseren Steuern bezahlt wird.
Man könnte es auch noch präziser sagen: Lindner hat versucht, deutlich mehr Ziele in seinem Interesse zu gestalten, als dem Wahlergebnis nach der FDP demokratisch zugestanden hätte, indem er die Hälfte der Drecksarbeit Seehofer erledigen lässt. Und als das nicht klappte/die CSU auf einmal die Frechheit hatte, eigene Schwerpunkte abseits der FDP-Interessen zu verfolgen, hatte Lindner nicht die Eier selbst aufzustehen und klar zu sagen, was seine Prioritäten sind und wo er als Vertreter von nur 11% der Wähler zurückstecken würde, sondern er hat den Schwanz eingezogen und auch noch versucht, daraus populistisch Potential zu schlagen, in dem er als erster unkoordiniert und ohne Absprache mit seinen möglichen "Partnern" vor die Presse ging und die Deutungshoheit an sich zu reißen versuchte.
Blöd halt nur, dass Medien für gewöhnlich was von Medienarbeit verstehen und eins noch lieber mögen, als populistische Stories: Stories von gescheiterten Populisten
Wenn ich sehe, wie unsere Wirtschaftsdiktatorin Angie mit erhobenem Zeigefinger andere Parteien an ihre demokratische Pflicht erinnert, bloß um ihre Macht zu wahren, krieg ich das kotzen.
Ich bin wahrlich kein Freund von Teflon, aber der Zeigefinger kommt im Moment von Steinmeier.