Die Zahl der aktuell Infizierten ist rückläufig. Ich ziehe einfach die Genesenen von der kumulierten Zahl der jemals Infizierten ab, das meinte ich mit rot minus grün. Das Ergebnis ist die jeweilige zeitaufgelöste Zahl der aktuell Infizierten. Oder verstehe ich da was falsch?
Es sind abweichende Kategorien. Wer genesen ist, ist definitiv nicht mehr krank (zeigt keine Symptome mehr), ist jedoch *nicht* automatisch frei von der Infektion. Dafür braucht es einen negativen Test.
Nun kann man zwar sagen, das wäre ja doof, weil man dann ja nie sicher weiß, wer gar nicht mehr infiziert ist; da müsste doch viel mehr getestet werden!
Das stimmt natürlich. Allerdings gilt die exakt gleiche Unsicherheit auch bei der Zahl der überhaupt erst festgestellten Infektionen: Sprich, für jeden, der noch als Infizierter geführt ist, aber womöglich gar nicht mehr infiziert ist, läuft auch irgendwie *mindestens* Einer herum, der nicht als Infizierter geführt wird, obwohl er infiziert ist.
Die Grafik zeigt (in rot) alle bestätigten Fälle. Das sind also alle jemals positiv getesteten (plus nicht getestete aber in Kontakt gekommene Personen), inklusive Genesene und Gestorbene.
Leider nicht. Ich werde das jetzt aber nicht noch einmal erklären.
"Die Zahl der Toten beinhaltet zudem alle, die nicht eindeutig an etwas Anderem als COVID-19 gestorben sind."
Nicht vergleichbar? Das ergibt doch keinen Sinn. Wenn bestätigt wurde, dass die Person an Covid gestorben ist, wird der Fall ja wohl in die Statistik als bestätigter Fall (Infizierter) aufgenommen. Falls nicht, wäre das eine Manipulation der Sterberate nach oben!
Die einzig verlässliche Methode bei den Todesfällen ist der Abgleich der durchschnittlichen Sterberate im gleichen Zeitraum vergangener Jahre. Aber auch die bringt keinen Boah-Effekt, weil
dank der anhaltenden Maßnahmen bei uns vergleichsweise wenig Leute sterben und deren Zahl durchaus in den jahresüblichen Schwankungen untergehen kann.
COVID-19 überschneidet sich beispielsweise mit der Grippesaison, und wie sich ja inzwischen bestimmt herumgesprochen hat, sind die saisonalen die Schwankungen der Todesfälle durch Influenza erheblich: Von wenigen Hundert bis ein paar Tausende ist alles drin. Und wenn wir dieses Jahr eine besonders milde Grippesaison hatten (unter anderem deshalb, weil die Maßnahmen gegen COVID-19 auch die Zahl der Grippeinfektionen senken), gehen *unsere* COVID-19-Toten möglicherweise komplett in der Statistik unter.
Aber kein Problem, wenn wir spürbare Zahlen haben möchten, brauchen wir nur die Eindämmungsmaßnahmen aussetzen. Dann bekommen wir doch noch Zustände wie in den derzeitigen Brennpunkten der Pandemie und alle Zweifler geben endlich Ruhe.
Das ist nämlich das Hauptproblem von Handeln und Unterlassen: Die Gegner des Handelns bewerten die Situation, wie sie *durch* das Handeln aussieht und verkennen komplett, dass die Situation durch das von ihn geforderte Unterlassen so aussehen würde, dass sie kein Unterlassen wünschen würden.
Gut, es gibt auch ein paar Gemäßigte, die meinen, man müsse ja nicht alles lockern, sondern nur ein wenig, denn im anderen Land so und so würde das ja auch funktionieren, ohne dass die Fall- und Todeszahlen explodieren oder das Gesundheitssystem überlastet wäre. Diese Leute verkennen, dass die Bedingungen unterschiedlicher Länder ebenso wenig 1:1 übertragbar sind wie das dort praktizierte Verfahren bzw. die Gründlichkeit zum Ermessen der Situation.
Da ja hierzulande ja gerne Schweden genannt wird: Schweden ist größer als Deutschland mit deutlich weniger Einwohnern und dementsprechend viel Platz zwischen diesen, in dem es ein durch hohe Abgaben vorbildlich gepolstertes Gesundheitssystem existiert, jedoch trotzdem signifikant weniger getestet, aber dafür neuerdings dennoch deutlich mehr gestorben wird.
Jemand will schwedische Verhältnisse ohne Rücksicht auf Rahmenbedingungen einfach mal so nach Deutschland exportieren? Viel Glück, das wäre selbst ohne Pandemie ein Unterfangen, von dem ich bitte rechtzeitig informiert werden möchte, damit ich vorher auswandern kann und das Elend nicht miterleben muss. Was *mit* Pandemie in Schweden *vielleicht* gerade so noch gut ausgehen könnte, wäre in Deutschland mit ziemlicher Sicherheit eine Katastrophe.
Gut, eine länger blockierte Wirtschaft ist auch eine Katastrophe, aber deren Folgen sind wenigsten berechenbar und Deutschland ist ein reiches Land mit genug Sitzfleisch, um das nach kurzer Durststrecke und mit Anpacken wieder auszugleichen. Bei COVID-19 ist auch noch Wochen noch erschreckend wenig berechenbar und Fleiß heilt keine Infektion.
Kurz: The devil you know ...