Mal abgesehen davon das ich eine ähnliche Meinung über die BILD "Zeitung" habe (wobei viele ehemals renommierte Zeitungen gerade in der jetzigen Zeit ebenfalls beweisen das ihr Niveau bestenfalls noch drittklassig ist): Mich wundert der radikale Schwenk bei deiner Einstellung zur Sache schon.
Ist das jetzt überspitzt von dir formuliert oder denkst du tatsächlich so?
Das ist tatsächlich der überspitzte gegenteilige Untergangszenario, nicht meine eigene Einschätzung des Ausgangs.
Ich gehe davon aus, dass die bundesdeutsche Wirtschaft ein wenig Federn lassen muss, aber aufgrund maßvoller Lockerungsmaßnahmen noch mehr als genug gesunde Erwerbstätige sowohl am Leben als auch arbeitsfähig sein werden, um den Rückschlag wieder aufzuholen.
Andernfalls hätte dieses "Killervirus" (um mal bei der Billigrhetorik der Presse zu bleiben), seit seiner ersten "Entdeckung" Anfang 2020 bis heute nicht nur 200.000 Menschen "dahingerafft".
Du vergisst, dass die Zahl der Todesfälle die Folge des *jetzigen* Ausbreitung ist, welche durch die so kritisierten Maßnahmen eingedämmt wurde. Bei einer ungebremsten exponentiellen Ausbreitung hat man logischerweise auch einen exponentiellen Anstieg der anteiligen Todesfälle.
Und bei diesen wiederum darf man nicht nur auf die bloße Anzahl schauen, sondern auch auf die Zusammensetzung. Ohne Beschränkungen trifft es nämlich nicht nur wie jetzt Risikogruppen, sondern verstärkt die Leistungsträger und/oder unentbehrlichen Spezialisten der Gesellschaft, weil diese logischerweise stärker exponiert sind. Man nehme beispielhaft Ärzte und Pflegekräfte: Dort, wo die Eindämmung nicht so erfolgreich verläuft, arbeiten diese Berufsgruppen bereits am Limit und etliche, die gestern noch behandelt haben, hängen heute selbst am Beatmungsgerät - wenn denn genug welche vorhanden sind. Diese Ausfälle sind nicht ersetzbar, denn wenn immer weniger medizinisches Personal immer mehr Kranke betreuen muss, bleibt keine Zeit, neues Personal auszubilden. Obendrein dünnt sich der Pool an tendenziell ausbildungsfähigen Personen ebenfalls aus - nicht nur durch Erkrankungen und Sterbefälle, sondern auch dadurch, dass medizinische Berufe plötzlich Risikoberufe und damit wenig attraktiv sind.
Dauerhaft ausfallende Leistungsträger pflegen deutlich schlimmere Folgen zu haben als eine temporär gebremste Wirtschaft.
Ich sage es mal zynisch: Den ausfallenden Hilfsarbeiter kann man zügig durch den nächsten Hilfsarbeiter ersetzen, wenn es kein Massensterben gibt, aber Fachkräfte nicht. Und das trifft hochspezialisierte Wirtschaftszweige härter als die absoluten Todeszahlen.
Das betrifft auch den gern genannten Mittelstand, der zwar in einigen Branchen nicht ganz so von Spezialisten abhängig ist, aber dafür von gewachsenen und sensiblen Personalstrukturen: wenn Vorarbeiter Manni (57) und die Gertrud (61) aus der Buchhaltung ausfallen, bricht der Laden entweder zusammen oder wird von Azubis (über deren fehlende Anzahl, Kompetenz und Motivation die Betriebe und Innungen nicht müde werden zu klagen) notdürftig am Laufen gehalten.
Sprich, man braucht kein supertödliches Killervirus, das binnen Tagen nur zwei von zehn Infizierten überleben, damit eine Gemeinschaft bis zum Hals in der Sch... steckt. Starke Ausbreitung mit geringerer Letalität ist schleichender, hat aber letztendlich den selben Effekt.
Und wenn im Zuge der ganzen Krise das ohnehin schon als überholt gehandelte Hartz-Modell noch etwas schneller ersetzt wird, wären Überlegungen hinfällig, wer nun Transferleistungen bezieht und wer sie bereitstellt. Zumal ich Herrn Reichelt ohnehin in dringenden Verdacht habe, das nur erwähnt zu haben, um der löhnenden und der empfangenden Zielgruppe gleichermaßen in den Hintern zu kriechen.