Und genau um die Situationen ging es. Es muss nicht mal faktisch echte Gefahr bestehen, es reicht wenn das Hirn davon überzeugt ist.
Du widersprichst dir selbst. Entweder eine faktisch nicht einmal bestehende Gefahr kann unmöglich unmittelbar sein. Unmittelbare Gefahren sind ein Großbrand in Riechreichweite, eine Lawine die auf einen Zukommt, der Hund der schon fast das Bein gepackt hat. In solchen Situationen greifen Instinkte.
Ich lach mich tot. Erklär das mal beispielsweise den Verwandten derer, die bei der Loveparade 2010 totgetreten wurden.
Was soll ich denen erklären? Das Menschen, die 30 Meter weiter hinten sich nicht in Richtung einer Gefahrensituation und entgegen einer drängenden Menge bewegt haben, sondern in Richtung des einzigen Ausganges dass aufgrund von Steinzeitreflexen gemacht haben? Das ist ja wohl offensichtlich.
Es ging ja nicht um Reflexe, es ging um Verhaltensweisen die zwar bewusst sind, aber nicht mehr der üblichen Kontrolle gesetzter Werte und Normen genügen.
Also du hast selbst von "instinktiv", "Stammhirn" und ein auf drei Möglichkeiten reduziertes Verhaltensspektrum gesprochen. DAS wäre unbewusst auf dem Level von Reflexen. Und genau das ist eben nicht der Fall, dass Menschen in abstrakten Bedrohungssituationen zu hirnlosen Bestien werden. Sie mögen sich oft blöd verhalten, weil sie wenig bis keine Ahnung von der Situation haben und glauben (ob begründet, oder nicht) auch keine Zeit zu haben, das zu ändern. Also wählen sie schnell die Handlung, die ihnen am sinnvollsten erscheint. Aber auch wenn dabei öfters schnell Zivilisationsaspekte wie Werte und Normen unter den Tisch fallen, agieren die Leute im Rahmen ihrer begrenzten Wahrnehmung und Erfahrung oft sogar ziemlich rational und definitiv bewusst. Manch Anmachversuch in der Disko ist mehr von Instinkten und Stammhirn dominiert, als die Loveparade-Flucht seinerzeit. (Und ähnlich egozentrisch. Aber glücklicherweise wesentlich überschaubarer und deswegen mit mehr Raum für Korrekturen und Reaktionen und weniger katastrophalem Ausgang)
Klar tritt jemand in einer Panik andere nicht aus Reflex tot und wenn er kein Psychopath ist macht ers auch nicht absichtlich - aber er machts in einer solchen Situation dennoch. Und zwar minutenlang wenns sein muss.
Im allgemein: Nein.
Auch auf der Loveparade haben die Leute unmittelbar vor den Gestürzten sogar im Gegenteil versucht, den Vormarsch zu bremsen oder Leuten aufzuhelfen. Alternativ darüber zu springen oder irgendworan hochzuklettern, um möglichst schnell für mehr Platz im kritischen Bereich zu sorgen, auch wenn es von dort aus nicht weitergeht und es somit nicht der eigenen Flucht dient. Und solche rationalen Verhaltensweisen sind, wenn du dich etwas näher mit Katastrophensoziologie beschäftigst, sogar eher die Regel denn die Ausnahme, während kopflose Panik und wildes hin und her (!) Rennen fast schon als Hollywood-Erfindung gelten könnten. Opfer gibt es in sogenannten "Massenpaniken" in der Regel nicht, weil die Leute kopflos handeln, sondern weil nur die vordersten 1-2 Reihen das eigentliche Problem wahrnehmen können. Und das sind rein physisch viel zu wenige, um die hinterherströmenden Massen zu bremsen. Diese Massen wiederum handeln, im Rahmen ihres Informationshorizonts rational: Sie bewegen sich auf schnellstem Wege z.B. dem Ausgang zu und rennen eben nicht ziellos umher. Sie versuchen mehrheitlich auch nicht, sich vorzudrängeln oder über die Masse nach vorne zu klettern, sondern stützen sich allenfalls am Vordermann ab, um eigenes stolpern zu vermeiden. Das ist in sich schlüssig, auch wenn es mit 1000 Menschen in einer Reihe zu einem enormen Druck führt, der weit vornstehende an etwaigen Hindernissen zerquetschen kann. Aber die, die da jeder für sich nur ein Bisschen drücken, wissen nichts von diesen Hindernissen, also ist ihre mangelnde Reaktion darauf auch keine Ausdruck von mangelnder Kontrolle über das eigene Handeln.
Ich bin auch mal nicht davon ausgegangen, dass man sich das Zeug ständig auf die Finger schmiert oder großflächig damit putzt (das mache ich mit "normalem" Desinfektionsmittel doch auch nicht, das löst auch manche Farben von der Wand). Wenn ich mir maximal 1x am Tag damit die Flossen und die Türklinken wasche (etwa nach dem einkaufen gehen, viel mehr kann der Normalbürger sowieso nicht raus grade) mache ich bei einer sonst gesunden Haut gar nichts kaputt und es reißt auch nichts. Leute die damit Probleme haben können auch ein paar Tropfen Glyzerin reinmischen oder falls nicht verfügbar sich ganz einfach nach Verwendung die Hände eincremen. Nivea gibts noch zu kaufen in großen Mengen.
Wenn man sowieso tagelang nicht vor die Tür geht, ist das sicherlich eine Option. Dann hat man aber allgemein keinen überhöhten Bedarf. Das ist aber keineswegs der "Normalbürger"-Zustand. Es gibt jede Menge Leute, die weiterhin arbeiten gehen. Geschlossen wurden nur Filialen, Fertigung/Verarbeitung laufen in Deutschland 1:1 weiter und auch viele Büros stellen mangels Infrastruktur nicht auf Home Office um. Das sind die Leute, die jetzt dringend auf Infektion achten sollten und die brauchen die locker ein Dutzend mal am Tag oder häufiger. Dafür sollte man keine einfache Spirituslösung nehmen, auch wenn in Kombination mit Haut pflegenden Stoffen auch Ethanol eine mögliche Basis für ein häufiger anzuwendendes Mittel sein kann.