Zu Karzai kenn ich auch nur ein paar O-Töne und die sind meist negativ.
Karzai steht für den Karzai-Clan und einige wenige einflussreiche Familien in der Kabuler Region. Glück für die US-Administration war, dass sie ihn damals favorisierte und unterstützte, als seine Machtbasis sich noch bis kurz vor die Tore Kabuls erstreckte und sowohl die UN als auch einige andere int. Organisationen in ihm einen Hoffnungsschimmer sahen, die regionale Lage in Afghanistan zu stabilisieren. Nur auf dieser Grundlage (Hilferuf der Kabuler Regierung von Karsai nach ausländische Truppen), schaffte es die US-Administration, das UN-Mandat zum Einsatz zu erwirken.
Dass dieser Eindruck der UN und anderen Beobachter täuschte, ward nicht erst bei den letzten "Wahlen" offenbar, sondern kam schon vorher bei den Treffen führender Clans zur Regierungsbildung zum Ausdruck.
Das ist mir noch in Erinnerung geblieben, als ich 2009 dieses Interview gesehen habe:
Peter Scholl-Latour bei Phoenix: Klartext zu 9/11 und Afghanistan Infoblog Media
Habe erst kürzlich wieder einen Kommentar von Scholl-Latour zu dem leidigen Thema gelesen.
Ah, hier:
Cicero exklusiv: ?Raus aus Afghanistan!? - Peter Scholl-Latour - FOCUS Online
Ich glaube, es gab noch nie eine afghanische Regierung, die auf Zustimmung der Bevölkerungsmehrheit traf.
Wie soll es auch in einem Land mit hunderten, seit Jahrhunderten um die Vorherrschaft kämpfenden Clans, Warlords, Drogenbaronen eine Mehrheit etablieren können? Afghanistan ist eigentlich kein Land mit einer Nationalität, sondern ähnlich wie das mittelalterliche Deutschland, nur noch schlimmer zersplittert.
Das einzige, was diese "Nation" schon immer zumindest im größeren Maßstab geeint hat, waren äußere Bedrohungen oder Interventionen und der vornehmlich muslimische Glaube.
Das haben die Tataren und Mongolen, die Türken, die Briten und die Russen seit Generationen mit Blut lernen dürfen. Und jetzt ist es die "Staatengemeinschaft", die diesen leidigen Fehler auch noch machen muss.
