Da habe ich schon aufgehört zu lesen. Die Taliban haben versprochen.
Wenn du Dinge zuende lesen würdest, könnte ja versehentlich etwas Sinnvolles hängen bleiben.
Es ist schnurzpiepegal, ob die Taliban ihr Versprechen ernst meinen oder nicht. Es wurde ausgesprochen und die afghanische Bevölkerung muss überzeugt werden, dass die neuen Machthaber tatsächlich mehr drauf haben als die korrupte und inkompetente Regierung, die sie gerade stürzten. Ganz davon abgesehen, dass sie es sich nicht leisten können, wenn ihre Kämpfer zur ISKP überlaufen, weil diese den Eindruck machen, die dickeren Eier zu haben.
Und selbstverständlich berücksichtigt, dass es generell nur einen Boss im Land geben kann.
Die Taliban und die ISKP werden sich beharken, dass ist so sicher wie das
Amen in der Kirche Inschallah in der Moschee. Die einzige Frage ist, unter welchen Umständen und inwiefern westliche Regierungen da womöglich ansetzen können.
Die USA haben sich damals zwar damals, ähem,
moralisch flexibel gezeigt, wenn es darum geht, mit Islamisten gegen ideoogische Gegner vorzugehen, aber selbst falls sie das Experiment wiederholen, dann doch eher Gruppierungen, mit denen man verhandeln kann - also eher nicht dem IS, egal welcher Regionalsparte. Und der wiederum hat garantiert kein Interesse an so einem Deal, sonst hätte er nicht mal eben zum (Wieder-) Einstand US-Soldaten attackiert.
Grundsätzlich war die Lage damals anders, weil die afghanischen Mudschahedin keinen Zoff mit den USA, sondern mit den Sowjets hatten, also einer Zweckpartnerschaft gegenüber aufgeschlossen waren. Der IS jedoch hat viel mehr Reibungspunkte mit den USA als mit China, wird also den Schaitan tun und sich ausgerechnet mit den USA verbrüdern. Ganz davon zu schweigen, dass die Situation auch räumlich eine ganz andere ist, wenn China auf seinem Territorium angegriffen werden soll, wie von dir theoretisiert.
Die USA haben jedoch viel mehr davon, mit den Taliban zu paktieren. Denn erstens kam mit denen bereits ein Abkommen zustande, zweitens überschneiden sich hinsichtlich des Zurückdrängens des IS die Interessen und drittens schlägt man womöglich zwei Fliegen mit einer Klappe, wenn man mit den Taliban auf gutem Fuß steht - dann kann man sie nämlich eher bewegen, die chinesischen Interessen in Afghanistan abzuweisen und - das wäre die Königsklasse - sich stattdessen für zivil-wirtschaftliche amerikanische Interessen zu öffnen. Irgend einen Partner brauchen sie schließlich, und Russland ist aus bekannten historischen Gründen ohnehin persona non grata in Taliban-Land.