Die Taliban sind aber kein homogener Haufen.
Sie versprechen aktuell auch auf der VK, dass alle (zunächst) in Ruhe gelassen werden.
Die ersten Interviews auf dem Deutschlandfunkt mit in D. gelandeten berichten aber jetzt schon von Entführungen von Frauen , Wohnungsdurchsuchungen, Jagd auf Helfer und willkürlichen Festnahmen.
Da gibt genug Vollkoffer bei denen, die tatsächlich die Worte von irgendeinem arabischen Ministammanführer vor 2000 Jahren für wahr nehmen, das wenn sie als Märtyrer sterben , 99 Jungfrauen im Himmel auf sie warten.
Eben. Ich halte jede Wette: Wenn der Westen sich aus Afghanistan raushält, geht der Krieg dort trotzdem weiter, und zwar zwischen den jetzigen Siegern und denen, die "neutral" geblieben sind.
Jeder, der dort mehr als ein Dutzend Männer unter dem gemeinsamen "Taliban"-Label (Unter dem gab's nämlich Geld, Ausrüstung und militärische Unterstützung der anderen Gruppen ...) befehligt hat, sieht sich jetzt schon als legitimer Regionalfürst, Warlord oder was auch immer auf genau dem Fleckchen Erde, über das er gerade Kontrolle hat. Und die wird man nicht aufgeben, sondern eher - je nach Stärke - versuchen, den Einflussbereich noch zu vergrößern, was natürlich zu Lasten des Nachbarn geht, und ob der auch ein Taliban ist, interessiert dann nicht mehr.
Und was das gemeinsame Kalifat angeht, wird nicht nur hierzulande häufig der Fehler gemacht, dort moderne Regierungs- und Kommandostrukturen zu vermuten. Tatsächlich ist bzw. wird das eher so etwas wie das "Heilige Islamische Reich afghanischer Nation" mit einer Art Fürsten- und/oder Ältestenrat in Kabul, wo man sich zentral die Fehde erklären und Blutrachen auswerten kann, aber sich trotzdem (!) gegenseitig der unbedingten Bündnistreue gegen Fremde versichert.
Auch deutsche Medien versuchen ja, aus einzelnen Aussagen und Handlungen der Taliban zu erkennen, wohin der Kurs geht, aber das kann man meines Erachtens vergessen. Wenn Kommandeur Karim in seiner Ecke "Verräter" zusammentreibt und schon mal vorsorglich Frauen und Mädchen in Burkas steckt, während Kommandeur Rahman in seiner Ecke großzügige Amnestie und Freiheiten verspricht, ist das überhaupt kein Widerspruch, sondern die praktische Realität. Und auch wenn sich ein Großteil der Kommandeure (vorerst) auf den Kurs von Rahman geeinigt haben sollte, ist das für Karim immer noch kein Hinderungsgrund.
Allein die Zeit wird zeigen, welcher Kurs sich durchsetzt und wie ernst welcher überhaupt gemeint war.