Wenn in AFG jemand den Willen zum Kampf hätte wären die Taliban aber ganz schnell weg.
Nein wären sie nicht, sie wären vielleicht weiterhin nicht in den Städten entlang der
Ring Road , aber 2/3 vom ländlichen Afghanistan wäre trotzdem weiter unter Kontrolle der Taliban, so wie schon die letzten 20 Jahre, wo trotz der westlichen Truppen nur die Städte um die Ring Road kontrolliert wurden, die ländlichen Gegenden aber größtenteils trotzdem weiter unter Kontrolle / Herrschaft der Taliban standen.
Das Versagen des Westens vielleicht, das Versagen der afghanischen Zivilbevölkerung: Definitiv.
Welche afghanische Zivilbevölkerung?
Meinst du die 30% der afghanischen "Zivilbevölkerung" die in den Städten leben und wo vermutlich der größere Anteil wirklich zufrieden damit war das die Taliban 2001 gestürzt worden sind und bei der sich unsere "unfehlbaren Spitzenpolitikversager" der großen erreichten westlichen Errungenschaften für die "gesamten 30%" der afghanischen Bevölkerung rühmen (Mädchenschulen, "westliche" Freiheiten, Demokratie, ect. pp.)?
Oder redest du von den 70% der afghanischen Zivilbevölkerung die quasi die letzten 20 Jahre gar nichts von den Milliarden Dollar Hilfsleistungen, Förderprogrammen, Hiflsorganisationen, usw, gesehen haben und die vielleicht, so überhaupt, 1 oder 2 mal in 20 Jahren irgendwelches westliches Militär, seit dem Sturz der Taliban, bei einer der äußerst seltenen Patrouillen abseits der gut erreichbaren Gebiete beim durchfahren zu Gesicht bekommen haben?
Die 70% die auch nach den letzten 20 Jahren noch ohne durchgängige Stromversorgung, Zugang zu fließend Wasser, vernünftige passierbare Straßen und Gesundheitsversorgung, sowie einem geordneten Bildungssystem irgendwo im afghanischen Bergland in ihren abgeschiedenen Dörfern leben und ihr tägliches Essen durch den Anbau von Schlafmohn auf den Tisch bringen und für die die nächste Stadt meist mindestens, auf Grund nicht vorhandener Verkehrsinfrastruktur, mehrere Tagesreisen Fußmarsch entfernt liegt und für die sich seit 2001 genau gar nichts im Vergleich zu davor verändert hatte und wo die Taliban vor 2001 geherrscht haben und wo sie auch nach 2001 einfach ungestört weiter geherrscht haben?
Es gibt also schlicht nicht die "afghanische" Zivilbevölkerung, weil es nicht das übergeordnete afghanische Nationalbewustsein gibt, ähnlich wie in Lybien, wo es auch nicht das lybische Nationalbewustsein existiert, steht auch in Afghanistan an erster Stelle vor allen die eigene Sippe, dann evt. der eigene Stamm, die eigene der vielen in Afghanistan lebenden Ethnien und dann irgendwann, nach langer Pause, kommt evt. mal noch irgendwo ein Bewustsein dafür Afghane zu sein.
Entsprechend kann auch nicht die afghanische Zivilbevölkerung versagt haben, weil der Großteil (70%) davon die letzten 20 Jahre faktisch gar nicht Bestandteil der westlichen Bemühungen in dem Land waren und einfach links liegen gelassen wurden.
Der Westen hat faktisch also vor allen die letzten 20 Jahre hunderte Milliarden Dollar in eine korrupte, inkompetente, nicht mal die Mehrheit der Afghanen vertretende, dem Westen nach dem Mund quatschende, ohne ausländische Stütze machtlose, Marionettenregierung in Kabul versenkt, sowie in die 30% Bevölkerung die in den Städten entlang der Ring Road leben, der Rest von Afghanistan war faktisch in der westlichen Strategie einfach gar nicht existent.
Und du kannst schlicht kein Land verändern und demokratisieren wo nahezu 2/3 der Bevölkerung gar nicht sehen das sich irgendwas in ihren Leben ändert und besser wird, das war auch schon der Grund warum die USA in Süd Vietnam so kläglich versagt haben und letztlich gescheitert sind, nicht am Vietkong und kommunistischen Nord Vietnam, sondern am eigenen poltischen Versagen, daran den Süd Vietnamesen, wo auch ein großer Teil auf dem Land mit miserabler Infrastruktur und Bildung lebte, Persepektiven und eine Verbesserung ihres Lebens zu bieten.
Deshalb ist auch im Grunde Afghanistan letztlich nur Vietnam 2.0, nur ohne das die USA dieses mal aus militärischer Paranoia noch Jahrelang Krieg gegen die zivile Bevölkerung, inkl. Massakern, geführt haben.
Hätte man in Afghanistan ernsthaft irgendwas erreichen wollen hätte man vor allen erstmal damit anfangen müssen in die Infrastruktur außerhalb der Städte und abseits Ring Road zu investieren, da wo 70% der Afghanen leben und wo die Taliban auch nach 2001 eben nie aufgehört haben zu herrschen!
Damit die Menschen dort sehen das sich in ihren Leben auch etwas grundlegendes verbessert und dann hätte man irgendwann mal anfangen können über Demokratie, Gleichberechtigung ect. zu reden, aber nein, man hat halt lieber das Pferd von hinten versucht aufzuzäumen und ist jetzt "völlig überrascht" das die Taliban innerhalb von wenigen Wochen ruck zuck zurück an der Macht sind, dabei waren sie halt in 70% der afghanischen Köpfe und Gegenden auch die letzten 20 Jahre zu keinen Zeitpunkt je weg gewesen.
Zudem solltet ihr auch wirklich mal aufhören für diese Gesellschaften und Staaten das narrativ von westlichen Staaten als Schablone zu benutzen, das funktioniert schlicht nicht, weil die Gesellschaften dort nicht wie hier bei uns strukturiert sind und funktionieren.
