Bundeswehr aus Afghanistan abziehen?

Bundeswehr abziehen?

  • ja

    Stimmen: 164 64,8%
  • nein

    Stimmen: 89 35,2%

  • Umfrageteilnehmer
    253
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
mouzAkrobat, der ja selber als Offizier bei den Falschirmjägern 2011 rum 7 Monate in Afghanistan war, hat ein gutes 38min Video zu dem Thema gemacht und äußert dort seine Meinung, warum unsere Vorstellung von Afghanistan zum scheitern verurteilt war:

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*edit* Übrigens bestätigt mouz in dem Video auch an einer Stelle um Minute 18 rum, mehr oder minder, was ja auch ruyven_macaran hier geäußert hatte:

Aus letzterem leitet sich nach vorderasiatischer Tradition schon mal eine gewisse Pflicht zur Gastfreundschaft ab (was dort kein hohles Wort ist) und auch ersterem reichlich Misstrauen gegenüber den USA.

Es war auch aus Sicht von mouz die Pflicht zur Gastfreundschaft (die für Paschtunen an aller erster Stelle steht, mit allen Konsequenzen), die dafür gesorgt hat das Osama bin Laden sich dort so lange verstecken konnte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es war auch aus Sicht von mouz die Pflicht zur Gastfreundschaft (die für Paschtunen an aller erster Stelle steht, mit allen Konsequenzen), die dafür gesorgt hat das Osama bin Laden sich dort so lange verstecken konnte.

Paschtunwali wird seit Jahren durchgeritten wenn es um die Beweggründe in 2001 ging, ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Ja, diese Gastfreundschaft bedeutet etwas anderes als in Europa und eine Verpflichtung gegenüber OBL und seinen Leuten gab es definitiv.
Aber es ist eben komplexer, denn seahawk hat nicht ganz Unrecht wenn Sie Pakistan & Saudi Arabien anspricht, beides Sponsoren der Taliban pre 2001 - und mit einem Interesse OBL unter Kontrolle zu bekommen, denn man darf nicht vergessen, dass die US Präsenz in Saudi Arabien OBL ein massiver Dorn im Auge war.

Die Wahrnehmung, die Taliban hätten bei Vorliegen von härteren Beweisen OBL ggf. ausgeliefert ist Wunschdenken.
2 Tage vor 9/11, am 09. September, haben 2 Selbstmordattentäter von Al Qaida, Ahmad Shah Massoud getötet, den, wenn man so will, Anführer der Nordallianz und damit wichtigster Gegenspieler der Taliban in Afghanistan. Anführer tot, Widerstand nichtmehr so effektiv, Taliban erobern Gebiete, Win Win für Mullah Omar und OBL.
Die Taliban wollen Massoud seit längerem Tot sehen, OBL hat ihnen dieses Geschenk gemacht - denkt dann irgendjemand, die Taliban würden OBL ausliefern?

Paschtunwali ist ein wichtiges Element in dieser Gleichung, aber es ist weder das einzige, noch das wichtigste.
 
Das macht null Unterschied solange wir es den Finanziers dieser Ideologie erlauben unsere Waffen zu kaufen, in unsere Firmen zu investieren, unsere Medien zu unterwandern und unsere Gesellschaften zu untergraben.
Kapitalisten haben ihre Stricke schon immer an Freund und Feind verkauft. Auch auf die Gefahr hin, am Ende mit eben diesen aufgeknüpft zu werden. Hauptsache der Gewinn stimmt.
 
Die Taliban haben inzwischen zwei weitere Großstädte offenbar kampflos übernommen
und stehen vor Kabul.

Inzwischen gibt es dort offizielle Verhandlungen über eine "kampflose Machtübergabe".

Und die USA evakuieren jetzt gerade ihr Botschaftspersonal mit Hubschraubern im "Saigon-Style".

-ENDE-

Fazit Afghanistan Krieg

Dauer: 10-2001 bis 08-2021
Tote: 220.000 +
Kosten: 975 Milliarden US$ +

Ergebnis: Sieg der Taliban
 
Die Taliban haben inzwischen zwei weitere Großstädte offenbar kampflos übernommen
und stehen vor Kabul.

Inzwischen gibt es dort offizielle Verhandlungen über eine "kampflose Machtübergabe".

Und die USA evakuieren jetzt gerade ihr Botschaftspersonal mit Hubschraubern im "Saigon-Style".
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Aber besser als ein Wochen oder Monate langer blutiger Kampf. Mit vielen Zivilopfern.
 
Aber besser als ein Wochen oder Monate langer blutiger Kampf. Mit vielen Zivilopfern.
Wenn in AFG jemand den Willen zum Kampf hätte wären die Taliban aber ganz schnell weg.

Das Versagen des Westens vielleicht, das Versagen der afghanischen Zivilbevölkerung: Definitiv.
 
Es ist bezeichnend für die Verhältnisse im Land, wenn nur 42.000 Soldaten (ca. so groß war das ausländische Kontingent in 2020 in Summe) plötzlich weg sind.
Bei einer nominalen Armeestärke von ca. 300.000 der Afghanen und nur 30.000- 60.000 Badelatschentaliban (unterschiedliche Angaben gefunden).
 
Kapitalisten haben ihre Stricke schon immer an Freund und Feind verkauft. Auch auf die Gefahr hin, am Ende mit eben diesen aufgeknüpft zu werden. Hauptsache der Gewinn stimmt.
Die Oligarchen im Westen würden sofort auch die Taliban hier einmarschieren lassen, wenn der Gewinn stimmt. Am Ende ging es nie um die Menschen in Afghanistan, OBL oder unsere Sicherheit, es ging um Geld und die Interessen der Oligarchen.
 
Wenn in AFG jemand den Willen zum Kampf hätte wären die Taliban aber ganz schnell weg.
Das Versagen des Westens vielleicht, das Versagen der afghanischen Zivilbevölkerung: Definitiv.
Einerseits ja, andererseits hat dein Prof dazu ein Interview gegeben:

Die Oligarchen im Westen würden sofort auch die Taliban hier einmarschieren lassen, wenn der Gewinn stimmt. Am Ende ging es nie um die Menschen in Afghanistan, OBL oder unsere Sicherheit, es ging um Geld und die Interessen der Oligarchen.
Dosis reduzieren, du driftest grade wieder aus der Realität.
 
Jetzt noch schnell hin und alle Botschaftsmitarbeiter ausfliegen. Der Rest muss zusehen, wo er bleibt. :ugly:
Und die neuen Waffen sind ja schon in guten Händen. :fresse:
 
Ja, in Afghanistan nicht soviel weiß. Ging mir nur allgemein darum wer im nahen Osten wen unterstützt.

Das solltest du bei einer "... AFGHANISTAN ..."-Antwort in einem "... ... AFGHANISTAN ..."-Thread ausdrücklich dazu sagen, wenn du nicht mehr Afghanistan bleibt. Kam bei mir überhaupt nicht an.



Habe jetzt mal nur Zusammenfassung und Fazit gelesen. Demzufolge ist der IS vor Ort nach kurzen Erfolgen in keleinem Maßstab heute nur noch ein ferner-liefen-Gruppierung. Die zwar wegen ihrer Methoden ein Sicherheitsrisiko darstellt, aber faktisch keine Kontrolle ausübt. Das deckt sich auch mit dem, was ich bislang über den IS in Afghanistan wusste, passt aber überhaupt nicht zu Nouripours Erwartung, dass es da jetzt einen "Krieg" zwischen Taliban und IS geben könnte. Weder ist der IS als Kriegspartei vor Ort, noch in der Lage irgendwas gegen die Taliban auszurichten. Seine Mitglieder werden abtauchen, vielleicht noch ein paar Anschläge versuchen (wobei das beides unter Taliban-Kontrolle eine Herausforderung ist) und das wars.


Das der IS im Irak und Syrien wütet wußte ich. Aber das er auch in Afghanistan sich aufhält und die Taliban als Feinde hat nicht.

Aufhalten und wüten sind zwei paar Schuhe. Aufhalten tut sich der IS sogar in Deutschland, als modernste und am stärksten vernetztende islamistische Bewegung, die zudem lange Zeit recht gut finanziert war, hat er sich global relativ erfolgreich Extremisten einverleibt. Aber aus in der Region Syrien/Irak und entlang der südlichen Grenze des arabisch geprägten Afrikas, wo schon vorher islamistische Terrorgruppen aktiv waren, wäre mir nicht bekannt, dass er irgendwo die nötige Stärke zum Wüten hat.


Aber es ist eben komplexer, denn seahawk hat nicht ganz Unrecht wenn Sie Pakistan & Saudi Arabien anspricht, beides Sponsoren der Taliban pre 2001 - und mit einem Interesse OBL unter Kontrolle zu bekommen, denn man darf nicht vergessen, dass die US Präsenz in Saudi Arabien OBL ein massiver Dorn im Auge war.

Pakistan - okay. Aber SA? Mit denen war sich OBL doch eben spinnefeind, deswegen ist er ja da weg.

Die Wahrnehmung, die Taliban hätten bei Vorliegen von härteren Beweisen OBL ggf. ausgeliefert ist Wunschdenken.

Falls sich das auf mich bezieht: Ich habe nie etwas von Ausliefern geschrieben. Ich habe gesagt, dass die Taliban bei Anerkennung als Staat und bei Vorlage von Beweisen amerikanische Einsätze gegen OBL auf ihrem Territorium geduldet hätten. Sie selbst sahen sich weder als Weltpolizei noch hatten sie ein persönliches Problem mit Al Kaida (abseits gemeinsamer Feinde aber eben auch kaum Gemeinsamkeiten), sodass sie nicht dagegen aktiv geworden wären. Aber ein verwirktes Gastrecht ist ein verwirktes Gastrecht, internationale Anerkennung verdammt viel wert und langfristig haben die Taliban kein Interesse an einer zweiten Macht im Land, auch keiner islamistischen.


Es ist bezeichnend für die Verhältnisse im Land, wenn nur 42.000 Soldaten (ca. so groß war das ausländische Kontingent in 2020 in Summe) plötzlich weg sind.
Bei einer nominalen Armeestärke von ca. 300.000 der Afghanen und nur 30.000- 60.000 Badelatschentaliban (unterschiedliche Angaben gefunden).

Wiki spricht von 190000 offiziellen Mitarbeitern für die afghanische Armee (vor dem Vormarsch der Taliban) und das ist was ganz anderes als Kämpfer. Finde ich gerade keine Angabe zu, aber Frontsoldaten dürften deutlich unter 100000 sein. Bei Zahlen zur Taliban geht es dagegen immer nur um die bewaffnete Truppe und selbst "30000" finde ich dazu auch nur in >10 Jahre alten Quellen. Aktuelle Schätzungen gehen bis auf 85000. Das wäre dann durchaus schon auf Augenhöhe und jeder weitere Truppenteil, der überläuft, kippt die Balance zu Ungunsten der offiziellen Regierung. Und man muss auch mal ganz klar sagen: Auch Leute, die gegen die Taliban sind, sind noch lange nicht motiviert, ihr Leben für DIESE Regierung zu risikieren.
 
Wenn man sich die Politik der USA in den letzten 20 Jahren ansieht, dann waren die Regierungen entweder extrem unfähig, extrem schlecht beraten oder haben bewusst gegen die Interessen des Landes gehandelt. Ob das über so eine lange Zeit Zufall ist?
Oder sie haben extrem unterschiedliche Ziele verfolgt die teilweise mit der Realität am Boden nicht kongruent waren. Aber das wäre zu langweilig...

Ich habs weiter oben schon empfohlen, einfach mal "The Hardest Place" lesen, die Problematik der unterschiedlichen Zielsetzung, der Aufwand der beiden Kriege (Iraq & AFG) gleichzeitig, ein Missmatch zwischen Erwartung und Realität und schon hat man Ende ein Desaster.


Habe jetzt mal nur Zusammenfassung und Fazit gelesen. Demzufolge ist der IS vor Ort nach kurzen Erfolgen in keleinem Maßstab heute nur noch ein ferner-liefen-Gruppierung. Die zwar wegen ihrer Methoden ein Sicherheitsrisiko darstellt, aber faktisch keine Kontrolle ausübt. Das deckt sich auch mit dem, was ich bislang über den IS in Afghanistan wusste, passt aber überhaupt nicht zu Nouripours Erwartung, dass es da jetzt einen "Krieg" zwischen Taliban und IS geben könnte. Weder ist der IS als Kriegspartei vor Ort, noch in der Lage irgendwas gegen die Taliban auszurichten. Seine Mitglieder werden abtauchen, vielleicht noch ein paar Anschläge versuchen (wobei das beides unter Taliban-Kontrolle eine Herausforderung ist) und das wars.
Das ist korrekt, der IS dachte man könnte in AFG mal eben ein weiteres Kalifat aufbauen, da hatten die Taliban halt was dagegen. Nicht das schlechteste was die Koranschüler je fertig gebracht haben.

Pakistan - okay. Aber SA? Mit denen war sich OBL doch eben spinnefeind, deswegen ist er ja da weg.
Jain.
Er ist weg um gegen die Russen zu kämpfen und ihm wurde mehrfach nahegelegt, das Ganze sein zu lassen und zurück zu kommen, wollte er nicht, also wurde er, wenn man so will, Persona Non Grata (Wens interessiert, der Tod wird euch finden arbeitet das Ganze ordentlich auf).
Zudem muss man bedenken, Unterstützung aus Saudi Arabien != Unterstützung durch Saudi Arabien.
OBL hatte weiterhin Freunde in Saudi, die Saudis fanden die Taliban jetzt nicht soo komplett schlimm - man muss bedenken, dass die Taliban sich zum Ziel gesetzt hatten den Bürgerkrieg zu beenden der zwischen den Warlords nach dem Abzug der Russen ausgebrochen war, also zu Beginn durchaus als Befreier bzw. Wohltäter wahrgenommen wurden (Siehe Taliban von Ahmed Rashid).

Falls sich das auf mich bezieht: Ich habe nie etwas von Ausliefern geschrieben. Ich habe gesagt, dass die Taliban bei Anerkennung als Staat und bei Vorlage von Beweisen amerikanische Einsätze gegen OBL auf ihrem Territorium geduldet hätten.
Und das zweifle ich extrem an.
OBL serviert ihnen den Anführer der Nordallianz auf dem Silbertablett und damit die Kontrolle über Afghanistan, das ist den Taliban massiv mehr Wert als der Wunsch der USA nach Vergeltung.

Sie selbst sahen sich weder als Weltpolizei noch hatten sie ein persönliches Problem mit Al Kaida (abseits gemeinsamer Feinde aber eben auch kaum Gemeinsamkeiten), sodass sie nicht dagegen aktiv geworden wären. Aber ein verwirktes Gastrecht ist ein verwirktes Gastrecht, internationale Anerkennung verdammt viel wert und langfristig haben die Taliban kein Interesse an einer zweiten Macht im Land, auch keiner islamistischen.

Al Qaida war keine zweite Macht im Land. Ich halte deine Analyse für unzutreffend.
Die Taliban haben von OBLs Präsenz bis 9/11 profitiert, dass die USA einmarschieren und ihnen die Kontrolle über das Land entziehen, das konnten Sie nicht ahnen. Und "Einsätze auf ihrem Territorium" - das geht nicht so einfach ohne dauerhafte Präsenz. Extrem abgelegene Orte, selbst für Hubschrauber nur schwer erreichbar, da fliegt man nicht mal eben aus dem Nachbarland ein, attackiert einen Compound und geht wieder. Bevor jemand anfängt mit dem Angriff auf Bin Laden, man sehe sich die Entfernung & Topografie zwischen Bagram und Abbotabad an, kein Vergleich zum gebirgigen Nuristan, oder zu Tora Bora.
Und wie du schon sagst, die Taliban werden keine zweite Macht dulden, v.a. keine amerikanische.
 
Oder sie haben extrem unterschiedliche Ziele verfolgt die teilweise mit der Realität am Boden nicht kongruent waren. Aber das wäre zu langweilig...

Und wie du schon sagst, die Taliban werden keine zweite Macht dulden, v.a. keine amerikanische.

Die Frage ist dann wer definiert die Ziele einer Regierung? Die Parteien oder die Parteispender?
 
Die Frage ist dann wer definiert die Ziele einer Regierung? Die Parteien oder die Parteispender?


Es hätte vielleicht eine kleine Chance gegeben, wenn die Amerikaner nicht 2003 ihren Angriffskrieg gegen den Irak durchgeführt hätten. Dadurch wurde der Fokus der Vereinigten Staaten komplett von Afghanistan weggezogen und auf den Irak gelenkt.

Schau Dir doch einfach mal an, wie Afg und Irak nach 2003 verlaufen sind. War ein Land relativ ruhig, gings im anderen rund. Truppenaufwuchs im Iraq, Truppenreduktion im Irak - gleichzeitig Truppenaufwuchs in Afghanistan.

Regierung Bush wollte rein, Al Qaida zerschlagen und mit minimalem Aufwand das Land reformieren. Regierung Obama wollte beide Kriege beenden, musste dann aber aufgrund der massiv verschlechternden Lage massiv mehr Truppen nach Afghanistan schicken (Afghanistan Surge), hat den Drohnenkrieg, bzw. das Programm der gezielten Tötungen massiv ausgeweitet. Dann kam Trump, hatte von nichts ne Ahnung und hat ein Ablaufdatum für die Präsenz in Afg in die Welt gesetzt.

Bush / Obama / Trump & Biden hatten einen Plan wie Ihre Regierung mit Afg umgehen wollte.
Alle Regierungen in dieser Zeit mussten von diesem Plan abweichen weil die Realität eine andere war, weil Probleme nicht, oder zu spät erkannt wurden, weil der Fokus woanders lag, weil nicht genug Truppen zur Verfügung standen und und und.
Zu glauben, es gäbe hier eine Verschwörung, oder eine Gruppe Personen die ein Interesse an diesem 20 Jahre andauernden Debakel gehabt hätten, ist irrtümlich. Entscheidungen, getroffen unter einem gewissen Blickwinkel haben Entwicklungen in Gang gesetzt die dann eine erneute Reaktion erzwungen haben. Ich kanns nur immer und immer wiederholen: Lest die Bücher dazu die es da draußen gibt. Truppen in Afg konnten teilweise keine Missionen durchführen weil es zu wenig Helikopter gab, die waren mit Masse im Irak im Einsatz. Truppen die für die Wüste im Irak ausgebildet wurden sind kurzfristig in Gebirgsregionen nach Afg rotiert. So lässt sich natürlich auch nicht effektiv gegen die bestehenden Bedrohungen vorgehen, also können diese doch relativ ungestört wachsen und Angriffe durchführen...
https://www.cfr.org/timeline/us-war-afghanistan bietet eine gute Übersicht, bitte auch drauf achten, wie die Einführung von Counterinsurgency das Denken und das Handeln in Afg beeinflusst.

Dazu kommen noch so Kleinigkeiten, wie die Ablösung von General McChrystal weil dieser einem Rolling Stone Reporter gegenüber sich lästerhaft gegenüber Politikern geäußert hat (Kann man ausnahmsweise auch als Film sehen, War Machine, läuft auf Netflix, ist lustig), was halt doof ist, weil, neuer General, neue generelle Ausrichtung der Strategie, bzw. neue Schwerpunkte.

Du siehst, es ist etwas komplexer als ein Dreizeiler.
 
Wenn in AFG jemand den Willen zum Kampf hätte wären die Taliban aber ganz schnell weg.
Nein wären sie nicht, sie wären vielleicht weiterhin nicht in den Städten entlang der Ring Road , aber 2/3 vom ländlichen Afghanistan wäre trotzdem weiter unter Kontrolle der Taliban, so wie schon die letzten 20 Jahre, wo trotz der westlichen Truppen nur die Städte um die Ring Road kontrolliert wurden, die ländlichen Gegenden aber größtenteils trotzdem weiter unter Kontrolle / Herrschaft der Taliban standen.

Das Versagen des Westens vielleicht, das Versagen der afghanischen Zivilbevölkerung: Definitiv.
Welche afghanische Zivilbevölkerung?

Meinst du die 30% der afghanischen "Zivilbevölkerung" die in den Städten leben und wo vermutlich der größere Anteil wirklich zufrieden damit war das die Taliban 2001 gestürzt worden sind und bei der sich unsere "unfehlbaren Spitzenpolitikversager" der großen erreichten westlichen Errungenschaften für die "gesamten 30%" der afghanischen Bevölkerung rühmen (Mädchenschulen, "westliche" Freiheiten, Demokratie, ect. pp.)?

Oder redest du von den 70% der afghanischen Zivilbevölkerung die quasi die letzten 20 Jahre gar nichts von den Milliarden Dollar Hilfsleistungen, Förderprogrammen, Hiflsorganisationen, usw, gesehen haben und die vielleicht, so überhaupt, 1 oder 2 mal in 20 Jahren irgendwelches westliches Militär, seit dem Sturz der Taliban, bei einer der äußerst seltenen Patrouillen abseits der gut erreichbaren Gebiete beim durchfahren zu Gesicht bekommen haben?

Die 70% die auch nach den letzten 20 Jahren noch ohne durchgängige Stromversorgung, Zugang zu fließend Wasser, vernünftige passierbare Straßen und Gesundheitsversorgung, sowie einem geordneten Bildungssystem irgendwo im afghanischen Bergland in ihren abgeschiedenen Dörfern leben und ihr tägliches Essen durch den Anbau von Schlafmohn auf den Tisch bringen und für die die nächste Stadt meist mindestens, auf Grund nicht vorhandener Verkehrsinfrastruktur, mehrere Tagesreisen Fußmarsch entfernt liegt und für die sich seit 2001 genau gar nichts im Vergleich zu davor verändert hatte und wo die Taliban vor 2001 geherrscht haben und wo sie auch nach 2001 einfach ungestört weiter geherrscht haben?

Es gibt also schlicht nicht die "afghanische" Zivilbevölkerung, weil es nicht das übergeordnete afghanische Nationalbewustsein gibt, ähnlich wie in Lybien, wo es auch nicht das lybische Nationalbewustsein existiert, steht auch in Afghanistan an erster Stelle vor allen die eigene Sippe, dann evt. der eigene Stamm, die eigene der vielen in Afghanistan lebenden Ethnien und dann irgendwann, nach langer Pause, kommt evt. mal noch irgendwo ein Bewustsein dafür Afghane zu sein.
Entsprechend kann auch nicht die afghanische Zivilbevölkerung versagt haben, weil der Großteil (70%) davon die letzten 20 Jahre faktisch gar nicht Bestandteil der westlichen Bemühungen in dem Land waren und einfach links liegen gelassen wurden.

Der Westen hat faktisch also vor allen die letzten 20 Jahre hunderte Milliarden Dollar in eine korrupte, inkompetente, nicht mal die Mehrheit der Afghanen vertretende, dem Westen nach dem Mund quatschende, ohne ausländische Stütze machtlose, Marionettenregierung in Kabul versenkt, sowie in die 30% Bevölkerung die in den Städten entlang der Ring Road leben, der Rest von Afghanistan war faktisch in der westlichen Strategie einfach gar nicht existent.

Und du kannst schlicht kein Land verändern und demokratisieren wo nahezu 2/3 der Bevölkerung gar nicht sehen das sich irgendwas in ihren Leben ändert und besser wird, das war auch schon der Grund warum die USA in Süd Vietnam so kläglich versagt haben und letztlich gescheitert sind, nicht am Vietkong und kommunistischen Nord Vietnam, sondern am eigenen poltischen Versagen, daran den Süd Vietnamesen, wo auch ein großer Teil auf dem Land mit miserabler Infrastruktur und Bildung lebte, Persepektiven und eine Verbesserung ihres Lebens zu bieten.
Deshalb ist auch im Grunde Afghanistan letztlich nur Vietnam 2.0, nur ohne das die USA dieses mal aus militärischer Paranoia noch Jahrelang Krieg gegen die zivile Bevölkerung, inkl. Massakern, geführt haben.

Hätte man in Afghanistan ernsthaft irgendwas erreichen wollen hätte man vor allen erstmal damit anfangen müssen in die Infrastruktur außerhalb der Städte und abseits Ring Road zu investieren, da wo 70% der Afghanen leben und wo die Taliban auch nach 2001 eben nie aufgehört haben zu herrschen!

Damit die Menschen dort sehen das sich in ihren Leben auch etwas grundlegendes verbessert und dann hätte man irgendwann mal anfangen können über Demokratie, Gleichberechtigung ect. zu reden, aber nein, man hat halt lieber das Pferd von hinten versucht aufzuzäumen und ist jetzt "völlig überrascht" das die Taliban innerhalb von wenigen Wochen ruck zuck zurück an der Macht sind, dabei waren sie halt in 70% der afghanischen Köpfe und Gegenden auch die letzten 20 Jahre zu keinen Zeitpunkt je weg gewesen.

Zudem solltet ihr auch wirklich mal aufhören für diese Gesellschaften und Staaten das narrativ von westlichen Staaten als Schablone zu benutzen, das funktioniert schlicht nicht, weil die Gesellschaften dort nicht wie hier bei uns strukturiert sind und funktionieren. ;)
 
Zuletzt bearbeitet:



Schau Dir doch einfach mal an, wie Afg und Irak nach 2003 verlaufen sind. War ein Land relativ ruhig, gings im anderen rund. Truppenaufwuchs im Iraq, Truppenreduktion im Irak - gleichzeitig Truppenaufwuchs in Afghanistan.

Regierung Bush wollte rein, Al Qaida zerschlagen und mit minimalem Aufwand das Land reformieren. Regierung Obama wollte beide Kriege beenden, musste dann aber aufgrund der massiv verschlechternden Lage massiv mehr Truppen nach Afghanistan schicken (Afghanistan Surge), hat den Drohnenkrieg, bzw. das Programm der gezielten Tötungen massiv ausgeweitet. Dann kam Trump, hatte von nichts ne Ahnung und hat ein Ablaufdatum für die Präsenz in Afg in die Welt gesetzt.

Bush / Obama / Trump & Biden hatten einen Plan wie Ihre Regierung mit Afg umgehen wollte.
Alle Regierungen in dieser Zeit mussten von diesem Plan abweichen weil die Realität eine andere war, weil Probleme nicht, oder zu spät erkannt wurden, weil der Fokus woanders lag, weil nicht genug Truppen zur Verfügung standen und und und.
Zu glauben, es gäbe hier eine Verschwörung, oder eine Gruppe Personen die ein Interesse an diesem 20 Jahre andauernden Debakel gehabt hätten, ist irrtümlich. Entscheidungen, getroffen unter einem gewissen Blickwinkel haben Entwicklungen in Gang gesetzt die dann eine erneute Reaktion erzwungen haben. Ich kanns nur immer und immer wiederholen: Lest die Bücher dazu die es da draußen gibt. Truppen in Afg konnten teilweise keine Missionen durchführen weil es zu wenig Helikopter gab, die waren mit Masse im Irak im Einsatz. Truppen die für die Wüste im Irak ausgebildet wurden sind kurzfristig in Gebirgsregionen nach Afg rotiert. So lässt sich natürlich auch nicht effektiv gegen die bestehenden Bedrohungen vorgehen, also können diese doch relativ ungestört wachsen und Angriffe durchführen...
https://www.cfr.org/timeline/us-war-afghanistan bietet eine gute Übersicht, bitte auch drauf achten, wie die Einführung von Counterinsurgency das Denken und das Handeln in Afg beeinflusst.

Dazu kommen noch so Kleinigkeiten, wie die Ablösung von General McChrystal weil dieser einem Rolling Stone Reporter gegenüber sich lästerhaft gegenüber Politikern geäußert hat (Kann man ausnahmsweise auch als Film sehen, War Machine, läuft auf Netflix, ist lustig), was halt doof ist, weil, neuer General, neue generelle Ausrichtung der Strategie, bzw. neue Schwerpunkte.

Du siehst, es ist etwas komplexer als ein Dreizeiler.
Die Bücher habe ich gelesen und der Einmarsch im Irak alleine diente wirtschaftlichen Interessen und der vermeintlichen Sicherung von Rohstoffen für Amerikas Wirtschaft. Die Milliarden Dollar, die ausgegeben wurden, sind ja auch nicht bei den Menschen im Irak und Afghanistan gelandet, sie sind primär in amerikanischen Taschen und den Taschen der Golfstaaten gelandet. Es geht mit nicht um irgendwelches Aluhutgeschwurbel, aber die Frage welche Motivationen hinter den Entscheidungen standen und wem sie dienten muss gestellt werden. Es gibt ja unterschiedlichste Interessengruppen, die ihren Einfluss ausüben wollen und auch ausüben. Fakt ist aber auch, dass Amerikas obere 10.000 in den 20 Jahren reicher und reicher wurden und aus jeder Krise gestärkt hervor gingen. Kosten und Verluste sozialisieren und Gewinne privatisieren hat gut geklappt.
 
Ursache und Wirkung: Ohne die Anschläge auf das World Trade Center hätte es den Einmarsch in Afghanistan nie gegeben. Das dabei noch andere Interessen verfolgt oder mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen streitet ja keiner ab. Nur ganz ist die Rechnung nicht aufgegangen wie man jetzt sieht.
 
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