Das glaube ich nicht. Es gibt Gruppierungen, mit denen du nicht verhandeln und auf einem Nenner kommen kannst.
Guck dir Boko Haram an. Mit denen kannst du nicht verhandeln. Man muss sie militärisch und gesellschaftlich besiegen. Ihnen die Grundlage nehmen.
Boko Haram ist, wie der IS, eine Gruppe von Terroristen auf Expansionskurs. Die wollen selbst erklärte Feinde vernichten, sonst nichts. Die Taliban dagegen sind eine religiös-nationalistische Bewegung, die in einem festgelegten Gebiet ihren Staat aufbauen wollen. Für andersdenkende Bevölkerung in den Gebieten ist Ergebnis ähnlich tödlich, aber am Verhandlungstisch macht das einen RIESEN Unterschied. Deswegen macht sich z.B. der Iran trotz inhaltlicher Differenzen auch keine Gedanken über diese seiner Grenzen. Und auf die OBL-Auslieferungsforderungen haben die Taliban nicht einmal mit "Nein!" reagiert, sondern mit "habt ihr Beweise?". Und das hielt und halte ich nicht für vorgeschoben, denn die Taliban der 90er haben auch noch weitaus weniger auf Selbstmordanschläge gesetzt, als heute, waren somit also weder von den Zielsetzungen noch den Methoden mit Al Kaida einer Meinung. Sie hatten nur die gleichen Feinde und den gleichen Glauben.
Aus letzterem leitet sich nach vorderasiatischer Tradition schon mal eine gewisse Pflicht zur Gastfreundschaft ab (was dort kein hohles Wort ist) und auch ersterem reichlich Misstrauen gegenüber den USA. Aber iirc haben die Taliban nicht einmal den Tätern von 9/11 gratuliert (im Gegensatz zu z.B. Hussein) und sie hätten aus ihrem strengen Islam relativ leicht eine Ächtung des potentiellen lokalen Konkurrenten Al Kaida wegen Tötung Unschuldiger ableiten können. Umgekehrt war ihnen eine internationale Anerkennung sehr wichtig. Hätten die USA also dem schon damals ausgerufenen Kalifat offiziell Beweise geliefert (und es damit als Verhandlungspartner mindestens gleichrangig zur Regierung der Nordallianz anerkannt), dann hätten sie mit hoher Wahrscheinlichkeit frei im Land agieren, OBL einsammeln und wieder abreisen dürfen.
Aber sich von Islamisten Bedingungen diktieren zu lassen war ganz sicher nicht Ziel der USA. Somit haben sie stattdessen versucht, Afghanistan zu erobern. So wie vor ihnen die Sowjets. Mit dem gleichen Ergebnis. Und davor die Briten. Mit dem gleichen Ergebnis. Und davor hatten die Perser einsehen müssen, dass sie die Gegend nicht mehr unter ihrer Kontrolle haben.
Im Gegensatz zu den Vorgängern hatten die USA nicht einmal ein neues, innovatives Konzept bei ihrem Einmarsch...
Die waren doch militärisch nicht besiegt. Sie haben sich versteckt.
In Teilen des Landes nicht einmal das. Ich glaube auf dem Höhepunkt des "Sieges" 2002/2003 kontrollierten die Taliban immer noch 10% der Landesfläche. Seitdem haben sie nur dazugewonnen und das keineswegs heimlich. Anschläge nutzen die bis heute im Vergleich zu anderen Islamisten ziemlich selten, primär um Chaos an dem Westen besonders nahestehenden Orten zu schaffen. Aber Territorium bringen sie ganz altmodisch mit der Waffe in der Hand unter ihre Gewalt - wobei sie die aufgrund des westlichen Versagens oft genug nicht einmal einsetzen müssen. Um es mal in Zahlen auszudrücken: Die NATO hat in Afghanistan über 300000 Soldaten ausgebildet und bewaffnet (zzgl. massenhaft weiterer "Sicherheitskräfte". (Weit) Über 100000 davon kämpfen heute nicht mehr für die offizielle afghanische Regierung, sondern...?