Bundeswehr aus Afghanistan abziehen?

Bundeswehr abziehen?

  • ja

    Stimmen: 164 64,8%
  • nein

    Stimmen: 89 35,2%

  • Umfrageteilnehmer
    253
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Naja, die Taliban waren eigentlich auch militärisch besiegt und aufeinmal kriechen sie wieder aus ihren Löchern.
Die kommen vermutlich größtenteils aus Pakistan.
Die waren doch militärisch nicht besiegt. Sie haben sich versteckt. Das ist ja das Problem. Du kämpfst ja nicht gegen eine reguläre Armee, die als Armee erkennbar ist.
Die Taliban haben die Waffen weggeworfen und sich als Bauern getarnt.
Die einzigen, die an Afghanistan verdient haben, sind die Rüstungskonzerne und Waffenhändler.
 
@RyzA:
Die Taliban waren nie weg, sie sind schon immer da seit der Gründung.
Warum?
In Afghanistan gibt es 19 oder 20 Volksgruppen/Ethnien und über 2500 "Stämme" - Riesengroßfamilien wenn man so will.
Das EINZIGE verbindende Element ist die Religion und die Taliban spielen perfekt das Klavier konservative Machterhaltung auf strengreligiöser Basis.
Du hast in jedem beschissenen Dorf einen Taliban Mann, der wenn es wieder losgeht, zum Dorfältesten latscht und sagt , hoch brauche Kämpfer bekommste dafür dies und das - Bakschisch.
Dann wird noch ausgehandelt wo und mit welchen anderen Dörfern zusammen gekämpft wird (die sind sich ja alle nicht immer grün) und dann haste wieder eine zusammengewürfelte aber erfolgreiche Badelatschentruppe zusammen aus Tadschiken, Paschtunen und Usbeken, weil der Usbeke dem Paschtunen 15 Ziegen für die Tochter vom ältesten Sohn vom Stammesältesten gezahlt hat.
Solche urzeitlichen Strukturen wirste selbst mit Atombomben nie knacken können...
 
@Threshold & @compisucher : Ja, das ist mir klar. Aber aus Pakistan kommen die auch. Und da hat sich keiner hingetraut militärisch (ausser das Osama bin Laden Killerkommando), weil sie wissen das die Atombomben haben.
 
@Threshold & @compisucher : Ja, das ist mir klar. Aber aus Pakistan kommen die auch.
Ja, äh... komplexer.
Pakistan ist hochbrisant und ein Sammelsurium aus Ungereimtheiten.
De fakto Militärregierung, strengreligiös, insbesondere im Norden ebenso Clanstrukturen, Rückzuggebiete für Terroristen, Atommacht, offizielle "Partner" der USA, kauft aber überwiegend Rüstung aus Russland und China.
Voller Widersprüche.
Ich war vor Jahrzehnten in Peschawar, dass liegt auf dem Weg von Islamabad nach Afghanistan.
Jedes Dorf hat einen anderen Dialekt, du wirst wie ein Außerirdischer angeschaut, jeder Volldepp rennt mit einer Kalaschnikow rum, jeder Trottel am Ortsausgang will Bakschisch von dir und wenn ein Stammesältester mit dem Finger schnippt, biste tot.
Das Land ist für mich seit dem eine Nogo-Area.
 
Das Land ist schon ohne dem Wissen für mich eine Nogo-Area. :lol:

Was hat dich denn geritten dort hinzureisen? Beruflich?
Du hast evtl. mitbekommen, dass ich längere Zeit beim Militär war.
Sagen wir es mal so, die NATO beobachtete dieses geostrategische Gebiet schon längst, bevor der Bundeswehreinsatz in Afghanistan begann.
 
Gut das ich mich damals 1994/95 als ich meinen Wehrdienst geleistet hatte, nicht verpflichtet habe.
Dann wäre ich zwar nicht nach Pakistan geschickt worden, aber vielleicht später in den Kosovo.
Und um schwer traumatisiert oder im Leichensack nach Hause zu kommen wäre kein Geld wert.
 
Und um schwer traumatisiert oder im Leichensack nach Hause zu kommen wäre kein Geld wert.
Also das mit dem Leichensack ist jetzt nicht die größte Gefahr

115 in Auslandseinsätzen, davon nur ein Viertel oder so durch Feindeinwirkung.
Einen Autounfall mit Todesfolge kann man ja auch in Deutschland haben.
 
Ich war vor Jahrzehnten in Peschawar, dass liegt auf dem Weg von Islamabad nach Afghanistan.
Jedes Dorf hat einen anderen Dialekt, du wirst wie ein Außerirdischer angeschaut, jeder Volldepp rennt mit einer Kalaschnikow rum, jeder Trottel am Ortsausgang will Bakschisch von dir und wenn ein Stammesältester mit dem Finger schnippt, biste tot.
Das Land ist für mich seit dem eine Nogo-Area.
Etwas weiter südwestlich wird es ganz kriminell. Wasiristan gehört nur der Karte nach zu Pakistan und die dortigen "Dorffürsten" machen nicht einmal mehr gelegentlich das, was die Zentralregierung in Islambad gerne hätte. Also lässt man die dort mehr oder weniger ihr Ding machen unter der Auflage, unbedingt da zu bleiben, wo sie sind und wenn, dann allenfalls Ausflüge nach Afghanistan zu unternehmen.

Ich habe dort die unruhigsten anderthalb Wochen meines Lebens verbracht und möchte die Erfahrung nicht missen, aber mich bekommen da trotzdem keine zehn Pferde wieder hin.
 
Das glaube ich nicht. Es gibt Gruppierungen, mit denen du nicht verhandeln und auf einem Nenner kommen kannst.
Guck dir Boko Haram an. Mit denen kannst du nicht verhandeln. Man muss sie militärisch und gesellschaftlich besiegen. Ihnen die Grundlage nehmen.

Boko Haram ist, wie der IS, eine Gruppe von Terroristen auf Expansionskurs. Die wollen selbst erklärte Feinde vernichten, sonst nichts. Die Taliban dagegen sind eine religiös-nationalistische Bewegung, die in einem festgelegten Gebiet ihren Staat aufbauen wollen. Für andersdenkende Bevölkerung in den Gebieten ist Ergebnis ähnlich tödlich, aber am Verhandlungstisch macht das einen RIESEN Unterschied. Deswegen macht sich z.B. der Iran trotz inhaltlicher Differenzen auch keine Gedanken über diese seiner Grenzen. Und auf die OBL-Auslieferungsforderungen haben die Taliban nicht einmal mit "Nein!" reagiert, sondern mit "habt ihr Beweise?". Und das hielt und halte ich nicht für vorgeschoben, denn die Taliban der 90er haben auch noch weitaus weniger auf Selbstmordanschläge gesetzt, als heute, waren somit also weder von den Zielsetzungen noch den Methoden mit Al Kaida einer Meinung. Sie hatten nur die gleichen Feinde und den gleichen Glauben.

Aus letzterem leitet sich nach vorderasiatischer Tradition schon mal eine gewisse Pflicht zur Gastfreundschaft ab (was dort kein hohles Wort ist) und auch ersterem reichlich Misstrauen gegenüber den USA. Aber iirc haben die Taliban nicht einmal den Tätern von 9/11 gratuliert (im Gegensatz zu z.B. Hussein) und sie hätten aus ihrem strengen Islam relativ leicht eine Ächtung des potentiellen lokalen Konkurrenten Al Kaida wegen Tötung Unschuldiger ableiten können. Umgekehrt war ihnen eine internationale Anerkennung sehr wichtig. Hätten die USA also dem schon damals ausgerufenen Kalifat offiziell Beweise geliefert (und es damit als Verhandlungspartner mindestens gleichrangig zur Regierung der Nordallianz anerkannt), dann hätten sie mit hoher Wahrscheinlichkeit frei im Land agieren, OBL einsammeln und wieder abreisen dürfen.

Aber sich von Islamisten Bedingungen diktieren zu lassen war ganz sicher nicht Ziel der USA. Somit haben sie stattdessen versucht, Afghanistan zu erobern. So wie vor ihnen die Sowjets. Mit dem gleichen Ergebnis. Und davor die Briten. Mit dem gleichen Ergebnis. Und davor hatten die Perser einsehen müssen, dass sie die Gegend nicht mehr unter ihrer Kontrolle haben.
Im Gegensatz zu den Vorgängern hatten die USA nicht einmal ein neues, innovatives Konzept bei ihrem Einmarsch...


Die waren doch militärisch nicht besiegt. Sie haben sich versteckt.

In Teilen des Landes nicht einmal das. Ich glaube auf dem Höhepunkt des "Sieges" 2002/2003 kontrollierten die Taliban immer noch 10% der Landesfläche. Seitdem haben sie nur dazugewonnen und das keineswegs heimlich. Anschläge nutzen die bis heute im Vergleich zu anderen Islamisten ziemlich selten, primär um Chaos an dem Westen besonders nahestehenden Orten zu schaffen. Aber Territorium bringen sie ganz altmodisch mit der Waffe in der Hand unter ihre Gewalt - wobei sie die aufgrund des westlichen Versagens oft genug nicht einmal einsetzen müssen. Um es mal in Zahlen auszudrücken: Die NATO hat in Afghanistan über 300000 Soldaten ausgebildet und bewaffnet (zzgl. massenhaft weiterer "Sicherheitskräfte". (Weit) Über 100000 davon kämpfen heute nicht mehr für die offizielle afghanische Regierung, sondern...?
 
Aus letzterem leitet sich nach vorderasiatischer Tradition schon mal eine gewisse Pflicht zur Gastfreundschaft ab (was dort kein hohles Wort ist) und auch ersterem reichlich Misstrauen gegenüber den USA. Aber iirc haben die Taliban nicht einmal den Tätern von 9/11 gratuliert (im Gegensatz zu z.B. Hussein) und sie hätten aus ihrem strengen Islam relativ leicht eine Ächtung des potentiellen lokalen Konkurrenten Al Kaida wegen Tötung Unschuldiger ableiten können. Umgekehrt war ihnen eine internationale Anerkennung sehr wichtig. Hätten die USA also dem schon damals ausgerufenen Kalifat offiziell Beweise geliefert (und es damit als Verhandlungspartner mindestens gleichrangig zur Regierung der Nordallianz anerkannt), dann hätten sie mit hoher Wahrscheinlichkeit frei im Land agieren, OBL einsammeln und wieder abreisen dürfen.
Naja, es gab doch die Bilder von den Anschlägen in allen Medien rund um den Globus. Und Bekenner-Videos wo Osama bin Laden sich öffentlich dazu bekannt hat. Was soll man da noch groß beweisen? Das war offensichtlich genug. Die Taliban hatten mit Al Quaida zusammen gearbeitet und Osama bin Laden versteckt.
 
Naja, es gab doch die Bilder von den Anschlägen in allen Medien rund um den Globus. Und Bekenner-Videos wo Osama bin Laden sich öffentlich dazu bekannt hat. Was soll man da noch groß beweisen? Das war offensichtlich genug. Die Taliban hatten mit Al Quaida zusammen gearbeitet und Osama bin Laden versteckt.
Na ja, wenn du die Mondlandung leugnest und die NASA dir Fotos als Beweis bringt, würdest du dann der NASA vorbehaltlos glauben?
Es gibt keine Beweise, die die Taliban akzeptiert hätten.
 
Na ja, wenn du die Mondlandung leugnest und die NASA dir Fotos als Beweis bringt, würdest du dann der NASA vorbehaltlos glauben?
Es gibt keine Beweise, die die Taliban akzeptiert hätten.
Eben. Und selbst wenn sie es geglaubt hätten (oder haben), dann hätten sie Osama bin Laden "Asyl" gewährt.
Weil das eben auch religiöse Fanatiker und Terroristen sind und Al Quaida und Taliban identische Feindbilder haben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Naja, es gab doch die Bilder von den Anschlägen in allen Medien rund um den Globus. Und Bekenner-Videos wo Osama bin Laden sich öffentlich dazu bekannt hat. Was soll man da noch groß beweisen?

Nein, es gab eben kein Bekennervideo. Es gab eins, wo er den Terroristen gratuliert und sie gelobt hat, das war es aber auch schon. Und das war von so typischer ""Qualität"" für die damalige Zeit, dass man jeden x-beliebigen, bärtigen Mann (und mit etwas geschickt auch Frau) hätte vor die Kamera stellen können. Tatsächlich hat es Jahre gebraucht, das Vorgehen der Attentäter nachzuvollziehen und eine Verknüpfung zu Al Kaida nachzuweisen - ob oder wie weit OBL persönlich in die Planung involviert war, ist (wenn ich nichts verpasst habe), bis heute unklar. Denn bereits damals wurde angenommen (und später bestätigte sich das bei weiteren Anschlägen, die mit Al Kaida verknüpft werden), dass er aus Geheimhaltungsgründen nur noch losen Kontakt hält und grobe Vorgaben festlegt, während Details möglichst weit unten in der Hierarchie von möglichst kleinen Zellen geplant werden.

Versteh mich nicht falsch: Selbst wenn er nur abgenickt hat, dass das Geld bereitgestellt wird, trägt er eine gehörige Portion Mitschuld und er ist definitiv jemand, der den Anschlag befürwortet hat. Aber das ist kein abschließendes Urteil und jemand, der mit ihm aber nicht mit den USA sympathisiert, war natürlich nicht bereit, ihn einfach auf Wunsch der USA hin auszuliefern.
 
Kandahar ist inzwischen auch gefallen.

Und die USA wollen nochmal 3000 Soldaten nach Kabul schicken,
um den Flughafen dort solange offen zu halten, bis die Evakuierungen abgeschlossen sind.
 
Die gehen wohl davon aus das Kabul in 2-3 Monaten eingenommen wird.
Es herrscht Nahrungsknappheit in Afghanistan und die Menschen haben Angst vorm Terror der Taliban.
Deswegen rechnet man in kommenden Monaten mit einer Flüchtlingswelle.
Und ratet mal wo die dann wahrscheinlich alle hin wollen?
 
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