Kinder haben immer auch eine wirtschaftliche Komponente. Wenn also wer meint sich ein weiteres Kind zuzulegen, obwohl es wirtschaftlich nicht selber tragbar ist, dann finde ich es alles andere als übergriffig, wenn ich die Frage stelle, warum ich diese bewusste Fehlentscheidung eines anderen bezahlen soll?
Da gibt es drei Aspekte:
1.: Es ist überhaupt nicht "nicht tragbar". Es gibt jede Menge Unterstützung, Förderung und Zuschüsse für Familien. Die reicht zwar nicht für ein gutes Leben, aber zum Dahinvegetieren. Ob man also M+W oder M+W+K+K+K dahinvegetiert, macht keinen großen Unterschied, wenn die Einnahmen steigen passend zum Bedarf steigen, weil sie ja "bedarfsorientiert" geplant sind. Es wird für solche Armutsfamilien natürlich viel schwieriger, sich jemals über dieses Stützeniveau hinaus zu heben als für Kinderlose, klar. Aber wenn man ohnehin jede Hoffnung aufgegeben hat? Eltern zu Folge sind Kinder was tolles und jemanden, der von der Gesellschaft zum Bodensatz degradiert wurde, sind sie das einzige tolle, was er sich von seinem Leben noch erwarten kann.
2.: Inkompetenz. Während es falsch wäre anzunehmen, dass arme Leute prinzipiell dümmer sind, gilt umgekehrt durchaus, dass dümmere Leute häufiger arm sind. Ob das platte "dumm" jetzt für mangelnde Bildung, weniger Intellekt oder sonstwas steht und was jeweils die Ursachen sind, lasse ich an der Stelle mal offen. Aber Leute, die ihr wirtschaftliches Leben nicht im Griff haben, machen auch bei der Organisation ihres Privatlebens häufiger Fehler und ein derartiger Fehler sind dann z.B. ungeplante Kinder. Vor allem Teenager-Schwangerschaften verteilen sich afaik alles andere als gleichmäßig über die Einkommensgruppen.
3.: Betrachtungsfehler. Wenn man den Spieß umdreht, dann könnte man auch sagen, dass besserverdiener ihre Geburtenrate reduziert haben. Und dafür finden sich ohne Ende Kausalzuammenhänge, denn Familiengründung während eines Studiums oder auf einer Einstiegsposition ist einfach Gift für Karriereplanung und Lebensentwicklung. Wer die für gute Einkommen typische Bildungs- und Joblaufbahn einschlägt, vermeidet daher oft aus gutem Grund Kinder, bis er teils jenseits der 30 ist. Und jenseits der 35 wird es schon schwer und/oder aus biologischen Gründen unratsam, weitere anzustreben. Wer dazwischen nicht loskarnickelt, wird also vergleichsweise wenige haben. Aber das hat nichts damit zu tun, dass ärmere Leute mehr Kinder haben wollten. Die haben nur, wenn sie nach 2-3 Jahre nach Abschluss der Lehre den Gipfel ihrer Karriereleiter erklommen haben, schon mit Anfang 20 keinen Grund mehr, ihren Kinderwunsch zu unterdrücken.
Ist leider so, relevant sind eben auch die Vergleichsmieten aus der Nachbarschaft und diese fallen durch die Neubauten deutlich höher aus, weswegen dann der Mietspiegel gesamt steigt.
MfG
Keine Ahnung, ob das allgemein so ist, aber der für meine Wohngegend bestehende qualifizierte Mietspiegel berücksichtigt die unmittelbare Umgebung NICHT. (Abseits von "Hauptverkehrsstraße direkt vor der Tür ja/nein". "In Hörweite" oder "Lärmkulisse genauso wegen anderer Ursachen" zählt schon nicht mehr.)
Was ihm aber genauso egal ist: Der reale Bauzustand. Da wird einfach nur die typische Miete für Häuser eines bestimmten Alters angenommen. Wenn die also in der gleichen Stadt zunehmend saniert werden, steigt die Vergleichsmiete für die Bruchbude tatsächlich immer weiter an. Aber das hat nichts mit der unmittelbaren Nachbarschaft zu tun, sondern mit der Entwicklung im gesamten Mietspiegelgebiet.
Wenn diese Kinder nicht hier leben, sollte man das für diese Länder das landestypische Kindergeld zahlen und nicht so viel wie hier in Deutschland. So könnte man die Ausgaben senken und hier vielleicht mehr Anreiz schaffen mehr Kinder zu bekommen.
Wenn die Kinder ihren Hauptswohnsitz nicht hier haben, gibt es afaik gar kein Kindergeld in Deutschland. Dein Vorschlag (oder der von AFD-Volksverhetzern), stattdessen das ausländische Kindergeld zusätzlich zu zahlen, wäre eine weitere Ausgabensteigerung...
Ich würde da allgemein zwischen armen Menschen (Sozialamt etc.), Normalverdienern und Gutverdienern unterscheiden.
Bei ersteren fallen die Einflussfaktoren der Umgebung auf die Geburtenrate eher gering aus; sie ist ungeachtet weiterer Umstände vergleichsweise hoch.
Von hinten nach vorne:
- Alte Säcke können keine Kinder mehr mit gleichaltrigen Lebenspartnern zeugen.
- Wer ein gehobenes Budget und eine Familie hat, zieht gerne "ins Grüne", wer das nötige Budget und keine Familie hat überproportional oft in ansgeagte Innenstädte => der Familienstand spiegelt sich bei Besserverdienern im Lebensort wieder (NICHT umgekehrt)
- Wer arm ist, bleibt mit seinen Kindern da, wo er ist.
... und wenn man dann betrachtet, dass es für die einzelne Familie wirtschaftlich ungünstig ist, der Staat aber den Nachwuchs dringend braucht, dann stellt sich eher die Frage, ob die so genannte Fehlentscheidung gesamtgesellschaftlich wirklich eine ist.
Hypotethisches "wenn".
"Der Staat" "braucht" keinen "Nachwuchs". Also jedenfalls nicht demokratische, den wir haben - gibt ja genug Faschos, die für ihre Pläne tatsächlich mehr rassisch-reines Marschiermaterial anstreben. Aber bislang haben wir nur ein verkorkstes Rentensystem, dass mehr gut verdiendene Einzahler braucht.
Um die zu erhalten braucht es aber nicht mehr Kinder, sondern es braucht eine bessere Bildungsschancen für die vorhandenen. Solange unsere Schulen so sind, wie sie sind, also all zu oft nutzlose Verwahranstalten, sind, rein materialistisch betrachtet, nur Kinder von Akademikern mit genug Geld für Nachhilfelehrer eine Bereicherung.
An dieser Stelle die Wiederholung:
"rein materialistisch betrachtet"
Aber ich bin sicher, dass es ein paar Leute auch zweimal überlesen werden.
Also würdest du die Grünen als sozialer als die SPD einschätzen?
Soviel gehört dazu nicht. (Was kein Verdienst der Grünen, sondern ein ""Verdienst"" der SPD ist.)
Dann folgerst du falsch. Die Rentner haben hier ihre Rente erwirtschaftet.
In Deutschland hat noch nie irgend ein Rentner seine Rente erwirtschaftet. Sondern immer nur die Renten der vorangehenden Generation. Die aktuell in Rente befindlichen haben vor allem die Renten von Nazis und anderne 2.-WK-Überlebenden erarbeitet.
Auch der Spruch, dass man ohne diese vielen Menschen den Wohlstand nicht wird halten können, ist doch nur eine Schutzbehauptung. In allen aktuell wichtigen Ländern von Nordamerika über Europa und Russland bis nach China ist die Lage gleich. Die Gesellschaft überaltert, und es kommen nicht genug Menschen nach. Wenn in allen starken Wirtschaftsnationen der Bedarf nach unseren hypertechnisierten Produkten schlicht wegen mangelnden Anwendern zurückgeht, dann wird man auch durch mehr Facharbeiter nix.
Selbst ohne diese interantionale Entwicklung ist der Spruch "Wohlstand durch viele Menschen" derart offensichtlich falsch, dass man sich jede weitere Erörterung von wirtschaftlichen oder sozialen Aspekten der ihn Aussprechenden wegen massiver Inkompetenz sparen kann. So ziemlich die einzige Gemeinsamkeit der verschiedenen Definition von "Wohlstand" ist schließlich, dass sie irgend etwas PRO KOPF betrachten. Ob das nun Vermögen, Einkommen oder irgendwas anderes ist, spielt erstmal keine Rolle, aber "mehr Köpfe" vergrößern immer erst einmal Nenner und SENKEN somit den Wohlstand. Wenn man Glück hat, steigern die in gleichem Maße auch das Einkommen und man erzielt zumindest bei dieser einen Wohlstandsdefinition ein Nullsummenspiel. Aber in den seltensten Fällen wird das gelingen, denn damit "mehr Arbeitskräfte" 1:1 "mehr Produktion" ergeben, braucht man erstmal zusätzlichen Ausbildungs- und Anlernaufwand und dann mehr Produktionsmittel, die beide den bestehenden Wohlstand reduzieren. Und danach braucht man auch "mehr Abnahme", um die Produktion in Einkommen zu verwandeln. Aber selbst wenn überhaupt mehr Bedarf da ist, für mehr Angebot prinzipiell zu sinkenden Preisen.
tl;dr: Mehr Menschen = weniger Besitz pro Kopf, weniger Besitz insgesamt und damit erst recht pro Kopf, weniger Einkommen pro Produktion und damit auch pro Kopf => weniger Wohlstand.
Umgekehrt führen weniger Menschen zu mehr Wohlstand. Das ist ja einer der Gründe für die zunehmende Vermögensungerechtigkeit: Bessergestellte haben im Schnitt deutlich weniger als zwei Kinder pro Paar. Da Vermögen in Deutschland innerhalb von Schichten verbleibt (und nicht z.B. über Erbschaftssteuern an die Allgemeinheit zurückgeführt wird), vererben diese ihr Vermögen also an eine kleinere Nachfolgegeneration, die somit pro Kopf mehr besitzt.
(Zusätzlich sorgen FDP, Union und zum Teil SPD sowie, wenn ma sie lassen würde, auch AFD in erheblichem Maße dafür, dass das Vermögen der Besitzenden Schichten auch absolut wächst. Also nicht sogar mehr auf weniger auf Köpfe verteilt wird.)