AW: Anthropogener Klimawandel mit kleiner Erklärung
Naja, was hat denn die "1 Kind Politik" in manchen Ländern bisher gebracht?
Man braucht sich ja nur China angucken. Wurde dort die Bevölkerung dadurch deutlich reduziert? Meines Wissens nicht.
Das Wachstum wurde massiv eingebremst.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/67/China_population_BC_400_to_2015.png
Zu einer deutlichen Senkung führt eine 1-Kind-Politik erst, wenn die Nachkommmensstarken Jahrgänge zu sterben beginnen. Das wäre in China bei der derzeitigen Lebenserwartung 2050-2070 zu erwarten, bis dahin werden die dortigen Boomer erstmal älter und die heute eines natürlichen Alters sterbenden Chinesen stammen aus einer Zeit, als das Land 500 Millionen (oder deutlich weniger) Einwohner hatte. Entsprechend ist die Todesrate noch relativ niedrig und hebt die (seit weitgehender Aufhebung Aufhebung der 1-Kind-Politik wieder steigende Geburtenrate noch mehr als auf. Vergleicht man die erhebliche Menge von Chinesen im typischen Fortpflanzungsalter mit der eher schmalen Gruppe im typischen Sterbealter, ist das aber schon ein riesen Erfolg. In 20-30 Jahren, wenn die künstlich verschlankten Generationen den Großteil der Fortpflanzung ausmachen (oder eben nicht) und die ersten Boomerjahrgänge das Ende ihres natürlichen Lebens erreichen, sollte sich die Billanz dann umkehren.
Anzumerken wäre, dass die 1-Kind-Politik immer eine ganze Reihe von Ausnahmen hatte und sie auf lokale 2-Kind-Politiken folgte. China selbst gibt laut Wiki 300 Millionen verhinderte Geburten an, was umgelegt auf 35 Jahre mit zusammen rund 700 Millionen eine Reduktion um "nur" 30% beim Nachwuchs und umgelegt auf bald 1,5 Milliarden Chinesen von 20% bei der Gesamtbevölkerung ist ist.
Derzeit beanspruchen 10% der Weltbevölkerung 90% der Ressourcen. Aber es geht nicht 90% der Weltbevölkerung dreckig, obwohl sie sich 10% der Ressourcen teilen müssen.
Ich werfe daher Variante d) in den Raum: Wir ändern zu aller erst unsere Einstellung dazu, was ein "schönes" Leben ist. Danach reduziert man Verschwendung, die weder lebensnotwendig ist, noch den Lebensstandard über das Lebensnotwendige erhöht.
Selbstverständlich wird man (auch) in Deutschland irgendwo Abstriche beim Luxus machen müssen. Aber 90% Reduktion des Lebensstandards? Welcher soll das sein? Der durchschnittliche tatsächliche? Der durchschnittlich vom deutschen Michel angestrebte? Der hierzulande höchstmögliche?
Ich habe nicht von einer 95%igen Reduktion des Lebensstandard gesprochen, sondern von einer 95%igen Reduktion des Ressourcenverbrauchs für selbigen. Allerdings glaube ich, dass du die größe dieser Zahl im Vergleich zum Einsparpotential durch Enthaltsamkeit komplett verschätzt. 10-25% könnten wir sicher einfach weglassen, ohne dass es uns zu schlecht geht. Aber der Rest muss eher durch Effizienz kommen, reine Askese in diesem Umfange würde niemand mitmachen. Vieles von dem, was in den letzten Jahrzehnten hinzugekommen ist, erscheint zwar komplett überflüssig, aber es verbraucht im Vergleich zu den Lebensstandarderungenschaften des mittleren 20. Jhd., vor allem bei Verkehr, Ernährung und dem allgemeinen Konsumstil, kaum Ressourcen. Umgekehrt müsste man sehr vieles von dem, was schon vor 1-2 Generationen als Standard galt, streichen, um auch nur in die Nähe des ökologisch akzeptablen zu kommen. Wenn man mal vereinfacht den globalen Fußabdruck gemäß gleichnamigen Netzwerk heranzieht:
Deutschland, voller Lebensstandard: 4.8 gha
Slowakei, schon etwas schlechter: 4,2 gha
Südafrika, aufstrebendes Entwicklungsland: 3,2 gha
Rumänien, Quelle von Armutsmigration zu uns: 2,9 gha
Namibia, "ich habe keine Ahnung von dem Niveau, aber der krisenfreie Rest von Afrika ist zu warm": 2,7 gha (immer noch keine Halbierung)
Georgien, "wir akzeptieren Flüchtlinge von da"-Niveau: 2,1 gha
Kirgistan, "die meisten könnten es auf keiner Karte zeigen"-Klasse: 1,7 gha (noch keine 2/3 Einsparung)
Nepal, "ein Euphemismus wäre pitoresk": 1,1 gha
Afghanistan, ohne Verbrauch der Streitkräfte: 0,7 gha (yeah, 20%-Marke unterschritten. Fehlt nur noch eine weitere Halbierung)
Eritrea, "täglich sterbende Dutzende Menschen lieber auf dem Weg von da zu uns, als da zu bleiben": 0,5 gha. (gleichzeitig der niedrigste Wert überhaupt)
Ausgehend von derzeit 1,7 gha/Kopf, die wir zur Verfügung haben, und die aufgrund des Klimawandels (Wüstenbildung, steigender Meeresspiegel, etc.) mittelfristig auf 1,3-1,4 gha abnehmen dürfte sowie einer um 50% steigenden Weltbevölkerung, wäre der heutige Lebensstandard von Eritrea (und von Timor-Leste. Das ich nicht einmal kenne) gerade so akzeptabel, wenn wir eine andere Hälfte des Planetens für Natur reservieren wollen. Für alles, was darüber hinausgeht, gelten die drei Optionen:
- weniger Menschen
- ungleichmäßige Verteilung
- mehr Effizienz
Und letzterer Punkt schafft garantiert kein Faktor 9. Selbst eine Verdoppelung wäre schon viel. Die Zahl derjenigen, denen wir ein anständiges Leben ermöglichen können, ist also stark begrenzt. Wenn wir Ungerechtigkeit abschaffen wollen, ohne uns selbst in die deutlich vorindustrielle Zeit zurückzukatapultieren (und damit meine ich nicht nur "vor der Dampfmaschine", sondern auch vor "dem industriellen Walfang", vor "Schiffsbau auf venezianischem Niveau", etc.), dann darf es nur eine begrenzte Anzahl insgesamt geben, auf die die verfügbaren Ressourcen verteilt werden.
(Anm.: Bei der Länderliste habe ich bis zum vorletzten Punkt versucht, mich auf Länder aus mit uns vergleichbaren Klimaverhältnissen und ohne ekzessiven Verbrauch eigener Rohstoffe zu konzentrieren. Viele tropische Staaten, die nicht heizen müssen und in denen Klimaanlagen gegen 40 °C + 100% Luftfeuchte noch Luxus sind, schaffen immerhin die 2,x. Umgekehrt würden sich große Teile der GUS mit extremen Verbrauch fossiler Energie nach oben aus der Liste rausgekelgt, was in Kombination mit dem hohen Lebensstandard in Nordamerika und den schmalen gemäßigten Breiten in Afrika und Südamerika die Liste schnell sehr kurz werden ließ.)