Genau diese
Erkentnis wurde auch im von mir verlinkten Beitrag getroffen und ist daher ja auch die am wenigsten von der Problematik betroffene Gruppe?
Du redest damit also etwas an der Problematik vorbei.
Äh - ne. Aber scheinbar kam das gesagte nicht rüber:
1. Ich spreche von der zeitlichen Einschränkung "Kinder mit Schulpflicht, die man nicht alleine lassen kann", nicht von der finanziellen Einschränkung, die zwei zusätzliche Personen bedeuten.
2. Ich rechne in einem Bereich, in dem gar keine der vier Personen einen Job hat und dem zwei Kinder nur den Unterschied "HartzIV-Satz fällt etwas kleiner aus" machen.
3. Zur Sicherheit habe auch bewusst "zwei Wochen Unterkunft für vier Personen" gerechnet, also reichlich Puffer gegenüber "einer Woche Urlaub" eingeplant.
4. Vor allem aber ging es nicht um die Relativaussage "Leute ohne Kinder können sich mehr pro Nase leisten". Das ist trivial, dafür müssen DINKs wie ich halt auf diese phänomenale Glücksgefühl verzichten, von dem Unisono sämtliche Eltern berichten (auch und gerade diejenigen, wo man sich in Anbetracht des nicht-Erziehungsstands der Blagen fragt, ob sie die außerhalb des täglichen 30 Minuten Schreikrampfes überhaupt wahrnehmen). Es ging um die Aussage "22% können sich gar keinen Urlaub leisten".
Die ist nicht mehr Relativ und auch nicht trivial, sondern absolut. Und dazu habe ich mal vorgerechnet, wie verdammt wenig man dafür eigentlich übrig haben muss. Und das geht offensichtlich auch deutlich mehr Haushalten als denen mit Kindern zwischen 6 und 16 so, denn die machen selbst alle zusammen keine 22,6% der Gesellschaft aus. Aber immer mal wieder mehr als 0% derjenigen, die sich einen Urlaub ausgerechnet da leisten, wo ich meine Ruhe haben möchte

.
Dem von dir verlinkten PDF nach, für das ich jetzt mal Zeit gefunden habe, liegt aber tatsächlich gar keine Beurteilung der finanziellen Möglichkeiten vor und die komplette Aussage, so wie sie weitergegeben wurde, war schlicht falsch. Korrekt ist: "22,6% leisten sich keinen Urlaub". Ob sie das Geld dafür nicht übrig haben, weil sie nie genug Geld hatten, oder weil sie es lieber für was anderes ausgegeben haben, wird nicht differenziert. Selbst in meiner Einkommensklasse (die zwar klar unter dem Median liegt, aber nicht unter der Armutsgrenze) kenne ich Kollegen, die sich keinen Urlaub leisten, aber dafür Elektronikgeräte die ähnlich viel wie mein Urlaub kosten und die ich mir wiederum nicht leiste. Mir sind sie das einfach nicht wert, den Kollegen ist es wiederum der Urlaub nicht wert. Ich kreuze in Umfragen, die mir tatsächlich schon gestellt wurden, an, dass ich mir "jedes Jahr einen Urlaub" leiste. Die würden ankreuzen "war kein Geld für übrig". Nach dem Elektronik-Gegenstück wurde ich aber noch nie gefragt => gleiche Einkommenslage, gegenläufige Eingruppierung in der Statistik.
(Die Vorlage wertet daher Leute auch erst als arm, wenn ihenn für eine ganze Reihe der Dinge das Geld fehlt. Aber die hier zitierte Medienaufarbeitung pickt sich halt die Urlaubsbehauptung raus und bauscht sie bis zur Unwahrheit auf.)
Ich hoffe mal das sich das möglichst bald alles bessert.
Ich selbst arbeite in einem mittelständischen Familienbetrieb, und auch hier sieht´s teilweise nicht gerade rosig aus.
Ungeachtet der Tatsache, dass es 2022 tatsächlich ein Stück bergab ging: "Sieht rosig aus" hat der deutsche Mittelstand noch NIE zur Lage geäußert. Wenn es gut läuft, dann klagt man über Fachkräftemangel und Investitionshürden, wenn es schlecht läuft klagt man über Kosten und Abgaben, wenn es mittelmäßig läuft klagt man über mangelnde Perspektiven, wenn gar nichts läuft klagt über fehlende Investoren und wenn man sich verlaufen hat klagt man über "hat man ja nicht kommen sehen". Aber klagen tut man in Deutschland immer.
Was hat Geld eigentlich mit sozialer Gerechtigkeit zutun?
Ich fühle mich auch sozial benachteiligt, weil ich nur unterwegs bin...
Eigentlich ist Geld ja immer gut, nur ändert das mein asoziales Verhalten nicht.^^
Bei uns kannst du alles in Geld umrechnen (einschließlich deines Mangels an Freizeit, es hindert dich ja niemand daran einfach nur halb so viele Tage zu machen) und es wird immer nur übers Geld geredet. Soziale Gerechtigkeit könnte man natürlich auch darüber schaffen, viele Leistungen gratis zu machen (ÖPNV, Schulmaterialien, öffentliche Freizeiteinrichtungen, komplette Krankenversorge, etc.), Sozialwohnungen zu bauen, etc.. Aber am Ende wird aus jedem dieser Posten doch wieder nur "Politiker X fordert Y Milliarden für Z" und es geht erneut ums Geld.
Willkommen im Kapitalismus.
Ich rege mich primär darüber auf, dass meine Azubis, die deutlich über Tarif mit brutto zw. 1.100 und 1.650 € lernen und malochen, von faulen Kumpels und Kumpelinen belächelt werden, die mit in Summe fast 1.000 € Stütze den ganzen Tag herumflätzen und nur Schmarotzer unserer Gesellschaft sind.
Der Regelsatz liegt derzeit bei 500 € und wenn ich mich recht erinnere, wohnst und arbeitest du relativ abgeschieden und ländlich. Seit wann kosten da bitte schön die Wohnungen 500 €, sodass man auf 1000 € Stütze pro Nase kommt? Und, mit Verlaub, was ist das für ein Tarif in dem Azubis nach Abzug der Miete mit deutlich unter 600 €, also vermutlich 4xx oder 3xx € im Monat über die Runden kommen und auch noch etwaige ausbildungsbedingte Kosten (war Handwerk, iirc, oder?) sowie den Aufbau eines eigenen Haushalts bestreiten sollen?
Aber davon mal abgesehen scheint dir die Kernaussage meines Posts entgangen zu sein: Schuftestet du für dein minimalistisches Hungertuch-Eigentümergehalt jetzt
a) nur damit du später mehr Rente bekommst?
b) damit du dir jetzt was leisten kannst, später ein wertvolleres Unternehmen besitzt dank dessen du (oder deine Nachkommen) sich was leisten können, etc.?
Falls nicht eindeutig und ausschließlich Antwort a: Was würde sich also für Leute wie dich ändern, wenn du weniger Rentenansprüche unter sonst gleichen Bedingungen bekommen würdest? Machst du dann wirklich von heute auf morgen den ganzen Laden dicht, schmeißt alle Vorteile die du bislang zusätzlich genießt (und seien sie noch soweit vom 500-PS-Boot weg), fährst statt Skoda gebrauchte Dacias und lebst von Stütze?
In dem Post, auf dass ich geantwortet habe, wurde genau dieses Szenario gemalt, aber das klingt mir nach reichlich Bullshit.
Reguläre Kerosinsteuer aufs Flugbenzin wäre ja mal ein Anfang.
Was gleichzeitig ein Thema der verdecken Subventionen wäre.
Würde immerhin in D. ca. 400 Mio. €/anno bringen.
Quelle:
Flugbenzin ist von der Mineralölsteuer befreit. Gerade der besonders klimaschädliche Flugverkehr genießt so ein enormes Steuerprivileg.
www.vcd.org
Da diese hypothetischen Einnahmen dann in den allg. Steuertopf fließen würden, obliegt es der jeweiligen BR, wohin dann das Geld geht.
Da wir ja mehrere "Sondervermögen" (Primär Militär und Klimawandelumbau ) haben, wäre ich dafür, dies in jene Schuldentöpfe zu investieren, sonst zahlt die Gen. in 30 Jahren noch für Umweltschutz und Militär von heute ab.
/sign. Aber jede Wette, dass sollte das jemals kommen, gleich drei extra Fonds mit einem 10000 Mann starken Verwaltungswasserkopf geschaffen werden müssen, damit sich der zuständige Politiker damit brüsten kann, das Geld "für X" ausgegeben zu haben. Siehe z.B. den "Klima- und Transaktionsfonds" in den die "CO2-Abgabe" fließt und aus dem stink normale, geringfügig zukunftsorientierte, seit 30 Jahren überfällige Wirtschaftssubventionen bezahlt werden. Man hätte auch ebensogut die bestehenden Steuern auf Kohle/Gas/Öl auf Einnahmeseite hochsetzen können und den Etat des Wirtschaftsministeriums auf Ausgabenseite, aber dann wäre es ja keine plakative Sonderaktion gewesen. Genauso Bundeswehr Regeletat kürzen, um den Haushalt zu schrumpfen und Schulden abzubauen und dann Sonderschulden in gigantischer Höhe für die Bundeswehr aufzunehmen, die vom Haushalt bezhalt werden müssen, anstatt den Verteidigungsetat anzuheben, damit es mehr "Wumms" macht.
(Aber natürlich in keinem von beiden Fällen mal darum kümmern, dass die Bundeswehr neun von zehn Euros, die man ihr gibt, zum Fenster rausschmeißt.)
Bekomme ich nix, nehme ich es mir Gewalt.
Ja, gehts noch?
Typische Folge zu großer sozialer Spaltung.
Wenn Person A) für wenig bis gar nichts tun sehr gut leben kann und Person B) für einen durchschnittlichen oder leicht überdurchschnittlichen Arbeitsaufwand in Saus und Braus leben kann, während Person C) Mühe hat, mit einem Vollzeitjob überhaupt über die Runden zu kommen, ihren Lebensstandard stetig sinken sieht und keinerlei Hoffnungen hat, sich selbst oder zumindest ihre Nachkommen auf legalem Wege aus dieser Schleife herauszubekommen, dann steigert dass die Zahl derjenigen, die eine extralegale Alterantive wählen. Und sowohl die Zahl der As, die Zahl der Bs als auch ganz massiv die Zahl der Cs nimmt in Deutschland seit Jahrzehnten stetig zu. Irgendwann kann eine kritische Grenze erreicht werden und dann wird das für alle ein unschöner Ort zum Leben, nicht nur für die Armen.
Der Gesellschaftsvertrag, der das bislang verhindert, beruht darauf, dass jeder eine
faire Chance zur Teilhabe am Gesamtwohlstand bekommt.
Es war sogar explizit die Angst vor einer kommunistischen Revolution unter Enteignung der Reichen (also aus Sicht des vorhers illegaler Aktivitäten), die zur Einführung von Sozialsystemen in Deutschland geführt hat.
Du, ich habe fast jede 2. Woche Leute von der Arbeitsagentur bei mir im Büro sitzen.
Da gibt es auch Positivbeispiele, aber die Mehrzahl interessiert sich gar nicht für die Arbeit, sondern die ersten Punkte sind immer Gehalt (Tarif bei mir für Neueinsteiger = 2.990 € brutto) und Urlaub (ebenso Tarif = 30Tage).
Und dann bekommste regelmäßig in dein verblüfftes Gesicht gesagt, dann arbeite ich lieber nix und ich darf noch den lustigen Besuchszettel von der AG unterschreiben - echt toll.
Würd dir da auch nicht die Hutschnur hochgehen?
Ganz ehrlich: Wer eine Netto-Einkommenserhöhrung von schätzungsweise 1000 bis 1500 € gegenüber Stütze ablehnt sitzt entweder vor einem richtigen Scheißarbeitgeber oder er ist bei der Arge nur übergangsweise gemeldet, bis seine reellen Aussichten auf einen wirklich guten Job gewandelt sind.
Mir würde ja schon das österreichische Modell am Anfang reichen (deren Sozialleistungen prinzipiell höher sind).
Entweder du nimmst einen Job an oder die Stütze wird um 50% gekürzt.
Ab der III. Jobverweigerung gibts gar nix mehr und die Person darf sich als Flaschensammler oder sonst was selbstständig betätigen.
Bin nicht ganz sicher, wie genau es sich mit der Bürgergeldeinführung geändert hat (bis auf 0% geht sicherlich nicht mehr), aber deine Erfahrungen scheinen ja eh weiter zurückzugehen und war es genau so: Wer mehrfach zumutbare Arbeit abgelehnt hat, dem wurde die Stütze immer weiter gekürzt. Auch bis auf Null, Wohnungsverlust und Obdachlosigkeit inklusive.
Insbesondere letzteres sind dann schnell mal Leute, die eine psychologische Behandlung oder einen Vormund gebraucht hätten. Wer dagegen einfach nur faul, anspruchslos und arbeitstauglich ist, also nicht komplett verblödet, (und ja, solche Leute gibt es natürlich, aber eben nicht wahnsinnig viele), der geht zu solchen Einstellungsgesprächen einfach in einem Zustand, in dem er gleich wieder nach Hause geschickt wird. Aber er lehnt nicht selbst ab, denn das gäbe ja Ärger.
Die Kernfrage ist doch:
Warum fährt einer überhaupt schwarz?
Das mag für dich die Kernfrage der Gerechtigkeit sein. Die für die Gesellschaft schwerwiegendere Frage ist aber: Wieviel mal kann man es sich erlauben, 2-3 € Ticketpreise nicht zu kassieren, ehe dass die Folgekosten und ggf. -schäden durch einen Obdachlosen wieder aufwiegt?
Es ist eine Grundsatzposition, weil ich die Sozialleistungen in D. in Summe für völlig überzogen und ungerecht verteilt halte.
Jeder Hinz und Kunz wird bedient, kostenlose Wohnung blabliblö.
Aber einer, der 40 Jahre malocht hat, rutscht in die Altersarmut - ganz tolle Zustände.
Jemand, der 40 Jahre malocht hat, bekommt immer noch mehrere 100 € mehr im Monat (nämlich den anrechnungsfreien Teil seiner Rente, die bei 40 Beitragsjahren nicht unerheblich sein sollte) als die Stützebezieher, denen du traumhaftes Leben nachsagst. Du bescheinigst ersterem "Altersarmut"? Dann ist letzteres "extreme Jugendarmut". Und ohne bereits bestehenden Haushalt und Rücklagen trifft einen Einkommensarmut mindestens genauso hart.
(Ungeachtet dessen fordere ich seit langem entspanntere Anrechnungsregeln für Einkommen bei HartzIV, wovon auch Kleinrenter direkt profitieren würden. Aber ist in Deutschland ja nicht zu machen, weil "böse Förderung eines Niedriglohnsektors". Wir haben hier lieber "Niedriglohnabwanderung" gefolgt von "Keinlohnarbeitslosigkeit".)