Der Regelsatz liegt derzeit bei 500 € und wenn ich mich recht erinnere, wohnst und arbeitest du relativ abgeschieden und ländlich.
Das nunmehr seit 10 (?) Wochen abgegebene Büro liegt im Speckgürtel Münchens.
Seit wann kosten da bitte schön die Wohnungen 500 €, sodass man auf 1000 € Stütze pro Nase kommt? Und, mit Verlaub, was ist das für ein Tarif in dem Azubis nach Abzug der Miete mit deutlich unter 600 €, also vermutlich 4xx oder 3xx € im Monat über die Runden kommen und auch noch etwaige ausbildungsbedingte Kosten (war Handwerk, iirc, oder?) sowie den Aufbau eines eigenen Haushalts bestreiten sollen?
Die Azubis bekommen bei (ex)mir ca. 400 € über dem Branchentarif wg. "Müncheneffekt" und damit wir überhaupt Azubis bekommen. Darüber hinaus wird über die Dauer der Lehrzeit kostenlos ein 25 m² Apartment fußläufig zum Büro bereitgestellt, lediglich Telekom und Strom muss selbst berappt werden. Ein Jahresticket für den Münchner MVV ist auch noch für Umme dabei.
Aktuell haben wir 2x Technischer Zeichner/CAD-Fachkraft Ausbildung (Beide wollen danach noch ein entsprechendes Studium draufsetzen), 1x Rechnungswesen, 1x allg. Bürofachangestellte.
Fürn Betrieb mit 16 Vollzeitkräften sind 4 Azubis nicht schlecht, oder?
Aber davon mal abgesehen scheint dir die Kernaussage meines Posts entgangen zu sein: Schuftestet du für dein minimalistisches Hungertuch-Eigentümergehalt jetzt
a) nur damit du später mehr Rente bekommst?
Teils
b) damit du dir jetzt was leisten kannst, später ein wertvolleres Unternehmen besitzt dank dessen du (oder deine Nachkommen) sich was leisten können, etc.?
Hat sich erledigt.
Frau und ich verlassen demnächst Europa, Nachkommenschaft hat andere Interessen.
Falls nicht eindeutig und ausschließlich Antwort a: Was würde sich also für Leute wie dich ändern, wenn du weniger Rentenansprüche unter sonst gleichen Bedingungen bekommen würdest? Machst du dann wirklich von heute auf morgen den ganzen Laden dicht, schmeißt alle Vorteile die du bislang zusätzlich genießt (und seien sie noch soweit vom 500-PS-Boot weg), fährst statt Skoda gebrauchte Dacias und lebst von Stütze?
In dem Post, auf dass ich geantwortet habe, wurde genau dieses Szenario gemalt, aber das klingt mir nach reichlich Bullshit.
In der Tat habe ich alles hingeschmissen und steige komplett aus
/sign. Aber jede Wette, dass sollte das jemals kommen, gleich drei extra Fonds mit einem 10000 Mann starken Verwaltungswasserkopf geschaffen werden müssen, damit sich der zuständige Politiker damit brüsten kann, das Geld "für X" ausgegeben zu haben.
Wenns nur reicht -Verwaltung ist grundsätzlich höher angesiedelt als Umsetzung
Typische Folge zu großer sozialer Spaltung.
Wenn Person A) für wenig bis gar nichts tun sehr gut leben kann und Person B) für einen durchschnittlichen oder leicht überdurchschnittlichen Arbeitsaufwand in Saus und Braus leben kann, während Person C) Mühe hat, mit einem Vollzeitjob überhaupt über die Runden zu kommen, ihren Lebensstandard stetig sinken sieht und keinerlei Hoffnungen hat, sich selbst oder zumindest ihre Nachkommen auf legalem Wege aus dieser Schleife herauszubekommen, dann steigert dass die Zahl derjenigen, die eine extralegale Alterantive wählen. Und sowohl die Zahl der As, die Zahl der Bs als auch ganz massiv die Zahl der Cs nimmt in Deutschland seit Jahrzehnten stetig zu. Irgendwann kann eine kritische Grenze erreicht werden und dann wird das für alle ein unschöner Ort zum Leben, nicht nur für die Armen.
Der Gesellschaftsvertrag, der das bislang verhindert, beruht darauf, dass jeder eine faire Chance zur Teilhabe am Gesamtwohlstand bekommt.
Es war sogar explizit die Angst vor einer kommunistischen Revolution unter Enteignung der Reichen (also aus Sicht des vorhers illegaler Aktivitäten), die zur Einführung von Sozialsystemen in Deutschland geführt hat.
Genau genommen stoße ich ins gleiche Horn, auch wenn man es nicht sofort sieht.
Wenn ich hier keine "Extremposition" pro Wirtschaft einnehmen würde, würde es ja gar keine Diskussion geben.
Und ja, "Fair" und "Generationenvertrag" und alle artverwandten Schlagworte:
Die Schieflage Arm-Reich in der Gesellschaft ist ja kaum mehr zu übersehen.
Guggt man sich die Sozialausgaben in Relation zum nationalen BIP an, kommt gefühlt weder in D. , noch in z. B. Spanien oder Italien das Geld "auf die Räder", in Schweden oder Schweiz schon eher, obwohl in Realtion niedrigere Ausgaben.
Und nein, auch die USA sind da kein Vorbild, 23% zu 26,7% ist kein gravierender Unterschied, aber in den USA gibt es in % ungleich mehr arme Menschen.
Das Kernziel muss doch zwangsläufig sein, so viele Menschen wie nur möglich in lohnenswerte Arbeit zu stecken.
Dafür aber muss auch die Gesellschaft per se ihren Beitrag leisten.
Diese Selbstverständlichkeit, dass der Pizzabote im Niedriglohnsektor oder auch der amazon-auslieferfahrer nix verdienen darf und die Leistung quasi für umme erbracht werden soll geht eben auf die Dauer nicht.
Darin enthalten ist jetzt einerseits massive Kritik an z. B. amazon mit Billiglohnpolitik aber auch massiver Verbraucherkritik der von mir verachteten "geiz-ist-geil-mentalität.
Ganz ehrlich: Wer eine Netto-Einkommenserhöhrung von schätzungsweise 1000 bis 1500 € gegenüber Stütze ablehnt sitzt entweder vor einem richtigen Scheißarbeitgeber oder er ist bei der Arge nur übergangsweise gemeldet, bis seine reellen Aussichten auf einen wirklich guten Job gewandelt sind.
Nun, da ich bis Dato das Büro eher basisdemokratisch geführt hatte und die meisten Mitarbeiter 10 Jahre oder länger mit dabei sind, glaube ich nicht zwangsweise, dass es nur an mir liegt
Das mag für dich die Kernfrage der Gerechtigkeit sein. Die für die Gesellschaft schwerwiegendere Frage ist aber: Wieviel mal kann man es sich erlauben, 2-3 € Ticketpreise nicht zu kassieren, ehe dass die Folgekosten und ggf. -schäden durch einen Obdachlosen wieder aufwiegt?
Den Satz verstehe ich jetzt nicht
Jemand, der 40 Jahre malocht hat, bekommt immer noch mehrere 100 € mehr im Monat (nämlich den anrechnungsfreien Teil seiner Rente, die bei 40 Beitragsjahren nicht unerheblich sein sollte) als die Stützebezieher,
Mit "mehreren" hundert Euro kann man aber heute nicht mehr würdig im Alter leben.
denen du traumhaftes Leben nachsagst.
Ich sage denen kein traumhaftes Leben nach.
Nur völlige Gleichgültigkeit, wer denn genau für "ihr" Geld aufkommen soll und wer verdammt mal, denen den popo putzt, wenn die dann mal 70 oder so sind.
Du bescheinigst ersterem "Altersarmut"? Dann ist letzteres "extreme Jugendarmut". Und ohne bereits bestehenden Haushalt und Rücklagen trifft einen Einkommensarmut mindestens genauso hart.
Beides ist ein Thema.
Während aber der alte Hilfsarbeiter nix mehr dagegen tun kann, hat der junge - sofern er eine Chance bekommt - durchaus die Möglichkeit, einen Lebensplan zu entwickeln.
Wer das leben von Hartz IV als positiv beschreibt hat jeden Bezug zur Realität verloren.
Sofern du mich meinst:
Das tue ich nicht.
Überraschung - ich kann sogar sehr gut zw. "unverschuldet/perspektivlos" und "ausnutzend" unterscheiden.
Man mag es kaum glauben - Einsetzen tue ich mich für die Ersteren, die Zweiteren sind mir egal aber auch nicht unterstützungswürdig.