Naja, du (vor)verurteilst doch, ohne dass du beweisen kannst, dass es so ist. Du glaubst also nur zu wissen und meinst deswegen gegen Scholz sein zu müssen. Kann man machen. Zeugt aber nicht unbedingt von viel Tiefgang. Denn, gäbe es irgendwelche belastbaren Beweise, dann hätte man Scholz, Tschentscher und Co. schon längst gegrillt. So bleibt lediglich ein Verdacht und Dinge, wo man meint irgendeine Vorteilsnahme zu ahnen. Derlei diffuse Ahnungen sind aber keine guten Berater, wenn man faktenbasiert entscheiden soll.
Die minimale Faktenbasis wäre:
- Es war Scholz Job informiert zu sein und dagegen vorzugehen.
- Er ist nicht dagegen vorgegangen.
- Er hat dennoch Arbeitszeit verbraucht, um sich mit den Personen hinter der Angelegenheit zu beschäftigen.
Das würde schon reichen, um ihn wegen Inkompetenz nicht zu wählen.
(Ich persönlich mache das ohnehin nicht, weil er sich offen hinter die Grundrechtsentzüge im Rahmen des G7-Gipfels gestellt hat. Die Einweihung von Moorburg mitten in der Klimakatastrophe war dann nur noch der Mövenschiss auf der Gammeltorte. Scholz steht mit so ziemlich jeder einzelnen Faser seines politischen Schaffens für Konzerne und Kommerz zu Lasten der Allgemeinheit und der Natur und sowas wähle ich nicht.)
Wählst du Parteien und ihre Programme, oder Politiker?
Ich wähle nach Programen und Zielen, auch wenn es in meinem Fall eine Utopie ist.
Was bleibt sonst?
Laut nicht-russischer Gesetze wählen alle Parteien und das wars.
Die Programme sind nichts weiter als eine Selbstdarstellung der Parteien, die Personen sind ihr Personal. Daraus und aus der Vergangenheit einer Partei kann man ableiten, was die Partei will, was die Partei macht und wie vertrauenswürdig die Partei ist. Eine Partei, die einen je nach Interpretation vertrauensunwürdigen und inkompetenten Bundespolitiker an die Spitze ihres Europawahlkampfs stellt, fällt da mir schon durch, bevor ich auch nur ins Programm geguckt habe. (Das, davon abgesehen, schon laut Wahl-O-Mat genug Kracher enthielt, um sich jeden weiteren Blick zu sparen.)
Die Grünen sind nach der aktuellen Hochrechnung abgestürzt.
Offenbar hat der deutsche Wähler kein großes Interesse mehr an Klimapolitik.
Vielleicht ist der deutsche Wähler auch einfach nicht davon überzeugt, dass eine Partei die für Gas, mehr Kohle und Abschaffung von Umwelschutz in der Landwirtschaft steht, nichts mit Klimapolitik zu hat? Da muss man mal abwarten, ob die Grünen an Anti-Klimaparteien verloren hat oder an das Kleingemüse und Nichtwähler. Aber ich könnte mich aus den letzten Jahren an kein einziges Beispiel erinnern, in dem die EU-Grünen was fürs Klima bewegen konnten und dafür an mehrere, in denen insbesondere der deutsche Anteil auf EU-Ebene dagegen agiert hat. Ähnliches gilt für andere Themen, die vielen Klimainteressierten oft zusätzlich am Herz liegen wie Tierschutz, Umweltschutz, Reglementierung von Chemikalien und Pestiziden, Vorgehen gegen Gentechnik, etc.. Auch bei ihren anderen Stammgruppierungen aus den Bereichen Flüchtlingsschutz und Pazifismus sollte die deutschen Grünen mir ihrer EU-Realpolitik massiv an Zuspruch verloren haben.
Von daher mal Wählerwanderungsanalysen abwarten, wieviel die Grünen tatsächlich an Anti-Klimaparteien verloren haben oder an Nichtwähler und Kleinparteien. Dass laut ARD bei der letzten Wahl 60% mehr Wähler Klima- und Umweltpolitik als Stärke der Grünen gesehen haben, spricht jedenfalls für parteipolitisches Versagen und passt recht gut zu den Verlusten. (Flüchtlinge ist genauso 1/3 abgestürzt, aber auf niedrigerem Niveau)
Welche andere Partei will denn gute Klimapolitik machen?
Schätzungsweise 80% des Kleingemüses. Zumindest die breite Mehrheit, die auch "Fliegen statt Verbrenner fahren" für Klimaschutz hält, hatte da ohne Ende Auswahl: "Klimaliste", "Letzte Generation" und ÖDP waren wohl mehr als eindeutig, Volt hat damit geworben, Tierschutzpartei und V³ sollten auch jedem als thematisch nahestend bekannt sein und BIG, MERA25, Piraten, BIG sowie, wenn man kein Problem mit AKWs hat, PDH währen nur der engere Kreis von Parteien, die ich mir näher angeguckt habe. Wer bei dieser Wahl nichts klimafreundliches gefunden hat, der ist entweder seinen Bürgerpflichten nicht nachgekommen und hat sich rein gar nicht informiert oder er muss ein paar extreme Ansichten an anderer Stelle haben, um all diese Parteien auszuschließen. (Zugegeben: Z.B. "Keine systematische Benachteiligung von Männern" hat die Liste schon drastisch verkürzt. Bei mir blieb am Ende die PDF übrig, obwohl sie wenig konsistent wirkte.)