Die Chinesen gehen da für meinen Geschmack beispilsweise aber schon zu weit.
Für meinen Geschmack nicht nur die. Aber von einer "Diktatur" würde ich bei denen trotzdem nicht sprechen, die Regierung stützt sich da auf durchaus große (für chinesische Verhältnisse

) Teile der Bevölkerung (zumindest soweit man das von außen beurteilen kann) - sie hat nur sehr fragwürdige Methoden (z.B. = ich würde jegliche wirtschaftliche Zusammenarbeit auf Regierungsebene ablehnen) sicherzustellen, dass das auch so bleibt.
Aber für sowas man nicht bis nach China, da findet man die ersten Ansätze schon in Italien.
Nur dass dafür aktuell eben Poitiker zuständig sind und somit rein formal alles korrekt abgelaufen ist.
Manchmal geht es nicht nur um die Form, sondern auch die Inhalte. Und da hat bei Politikern imho der Wähler ein Wörtchen mitzureden - und irgendwie scheint der nicht der Meinung zu sein, dass die Bundeswehr nach Afghanistan sollte.
Das Problem sehe ich ein, nur können wir deren Form von Gerechtigkeit, so effektiv sie auch sein mag, wenn es einem bloß darum geht für Ruhe zu sorgen, weder anwenden noch irgendwie gut heißen. Unter anderem wegen der mießen Sicherheitslage, die alles andere behindert, regt es mich ja auch immer so auf, dass Deutschland sich als toller Polizeiausbilder verkauft, dabei in Wirklichkeit aber auf ganzer Linie versagt und somit nur bremst.
Hmmm - bremsen wobei?
Die Taliban ist ganz sicher kein erstrebenswertes Ziel, aber irgendwie hat auch noch niemand etwas anderes tolles vorgelegt, was man in der miserablen Situation machen könnte, in die man in den letzten Jahren gerannt ist.
Was Schadensminimierung angeht ist die Bundeswehr imho (trotz allem) noch einer der besseren Akteure vor Ort.
Öhm, funktionierendes Gerichtssystem im Vergleich zu welchen Gerichtssystem?
Im Vergleich zu jedem anderen, das es in Afghanistan in den letzten 30 Jahren gab.
(Afaik aber auch im Vergleich zu ettlichen anderen. So kritisch auch das Gesetzbuch zu betrachten ist, das man durchsetzte - die Durchsetzung war wirkungsvoll)
Was unterscheidet denn die Talibanherrschaft von einer für und "normalen" Diktatur, die man in diversen afrikanischen Staaten so antreffen kann?
Die wenigen reinen Diktaturen, die mir aus afrikanischen Staaten bekannt sind, basieren meist auf kapitalistischen Systemen und Betrug:
Der Machthaber leistet sich eine Privatarmee, um politische Gegner zu unterdrücken und er fälscht mittels klassischer Korruption die Wahlergebnisse bzw. stellt sicher, dass sich erst gar keine andere Partei bilden kann. Das Volk wird mit einer Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche (=Geld und Sicherheitskräfte) unterdrückt.
Die Taliban dagegen basieren auf einem islamisch-traditionalistischen System und Waffengewalt. Da sie kein demokratisches System aufgebaut haben und es im vorrangehenden Kriegszustand erst recht keins gab, gibt es auch keine politischen Gegner. Die Bevölkerung wird im wesentlichen über traditionalistische Systeme/lokale Machtinhaber und Waffengewalt kontrolliert: Diejenigen, die traditionell die Macht ausübten, teilen größtenteils die Ideale der Taliban und werden von denen so mit Waffen ausgestattet, dass sie den Status Quo erhalten können.
Also viel verschiedener können Diktaturen imho gar nicht sein.
(wobei ich es einem Politologen überlasse zu entscheiden, in wie weit die Taliban überhaupt eine sind - es fehlt auf alle Fälle schon mal der Diktator, selbst eine kleine Führungselite kann ich so nicht sehen, so dass es ggf. nicht mal eine Oligarchie ist.
edit: Haus- und Hofpolitologin würde von einer Clanherrschaft sprechen, wobei gerade kein passender -ie-Ausdruck zur Hand ist. Es sind definitiv Merkmale von Oligarchie, Ochlokratie und Theokratie vertreten, aber mehrheitlich ist es das immer nicht)
Demzufolge halte ich die Talibanherrschaft doch für noch entdrückender als die eines anderen Regimes.
Eine "Regierung", die allgemein als extrem islamistisch im Vergleich zu Saudi-Arabien gilt, kann man ganz sicher als entrückt darstellen

Aber damit hat man nur ein Ziel (von denen es viele gibt), was fehlt ist eine Legitimation (man sollte sich schließlich nicht auf das Niveau seines Feindes herabbegeben) und eine Methode (wo dann z.B. sehr wichtig wird, ob es eine Diktatur ist, oder nicht. Denn einer Diktatur kann man wort-wörtlich den Kopf abschlagen - den Taliban imho nicht)
Beim Einmarsch in Afghnistan hat man da imho was vergessen...