ruyven_macaran
Trockeneisprofi (m/w)
@ ruyven_macaran
Ganz ehrlich hast du eigentlich irgendeinen Plan. was du in Bezug auf Afghanistan erzählst?
Alle großen Städte plus die Ring Road und die Verbindung zwischen Herat und Kabul waren in Nato Hand und die Taliban haben sich dort NIE zum offenen Kampf gestellt. (Städte, gute Logistik, große Straßen, schnelle Verbindungen)
Die Taliban haben ausschließlich in der ländlichen und gebirgigen Diaspora gekämpft, wo 50km, 2-3 Tage selbst mit Nato Gerät bedeuten. Jede westliche Streitkraft ist bestens darüber informiert und auch trainiert, wie und wo man in z.B. Kabul, die wichtigen und richtigen Knotenpunkte einnimmt und die Stadt abriegelt, etwas was die Taliban seit 20 Jahren nicht mehr praktiziert haben.
Thanks for things everyone know... back to topic?
Du wolltest nicht "Kabul abriegeln", sondern du wolltest Kabul von Talibankämpfern säubern, sodass sich dort Feinde der Taliban wieder sicher bewegen können. Das ist eine komplett andere Aufgabe als ein paar Kreuzungen so zu besetzen, dass man sich selbst gegen Angriffe verteidigen kann. Und wie gut das der NATO bislang in deutlich kleineren Städten gelungen ist, hat man vor 10 Tagen gesehen. "Taliban nur in Gelände, in dem man mit NATO-Ausrüstung 3 Tage für 50 km braucht"? Dann sollten wir vielleicht die NATO-Ausrüstung einäschern und auf Taliban-Ausrüstung umsteigen, denn die sind teilweise 100-200 km am Tag voranmarschiert.
Oder waren eben schon da. Unter den Augen des vollen NATO-Kontingents nach teilsweise fast 20, praktisch durchgängig über 15 Jahren. Und jetzt kommst du und behauptest, man könne mit einem Bruchteil der Truppe in 15-20 Stunden alle gegnerischen Kämpfer in Kabul finden und neutralisieren.

Das ist komplexer als man denkt
Zunächst ist die Ausbildung das A und O in allen Armeen der Welt.
Dann die Führungsstruktur.
Dann das Material.
...
Anmerkung: Ich habe keine Aussage darüber gemacht, wer die beste Armee der Welt ist, sondern wer mit seinem Geld sinnvoll umgeht. Eine gute Führungsstruktur und eine vernünftige Ausbildung sind nicht soviel teurer als eine richtig schlechte und auch die Bundeswehr, deren Ausbildung du offensichtlich ziemlich gut findest, gibt nur einen relativ kleinen Teil ihres Budgets für selbige aus. Was richtig ins Geld geht und deswegen immer der Zankapfel bei Militärbudgets ist, ist einerseits der pure Truppenstärke (da steht Deutschland aber ganz okay dar, insbesondere wenn man die an zivile Betriebe ausgelagerten Tätigkeiten miteinrechnet) und vor allem das Großgerät. Wo immer mehr Budget gefordert wird, geht es eigentlich immer um letzteres (auch hier im Thread fielen einschlägige Beispiele). Und diese Forderungen sehe ich nicht ein, denn gemessen daran, was weitaus stärker ausgestattete Armeen für ihr Equipment ausgeben, ist die Bundeswehr schon verdammt gut finanziert. Sie lässt sich nur derart systematisch über den Tisch ziehen, dass man das nur noch mit Absicht erklären kann und auch wenn die Verantwortung dafür eher auf ministerieller denn militärischer Ebene liegt, sollte das Parlament besagtes Ministerium in seine Schranken verweisen.
Material:
Die SU-30 ist ursprünglich als Pendant zur F-15, als Nachfolger der SU-27 (vs. F-14 Tomcat, F-111) entwickelt worden.
...
Die SU-35 wäre da härter als Gegner, die SU-57 der überlegenere Typ.
Zu erster Einschätzung hängt es wahrscheinlich davon ab, ob man einen NATO-Angehörigen oder einen Dritten fragt, in der von mir so diffus über die Jahre konsumuierten Literatur wurde die SU-27 eher selbst mit der F15 gleich gesetzt und die verbesserte -30 geht dann schon stark in Richtung F/A-18E, F-15E und kann, wenn man sie rein als schweren AAM-Träger betrachtet, schon auf halbem Wege zur F-22 (minus Stealth versteht sich) betrachtet werden. Auf alle Fälle ein ganz anderes Missionsprofil als die Typhoon. Wenn die sich im Nahkampf begegnen, hat die -30 definitiv verloren - und vorher schon einiges falsch gemacht. Trotzdem hätte ich auch lieber die -35BM herangezogen, weil man die wirklich gut mit der -15E vergleichen kann, da spuckte Google aber keinen Preis für aus
.Ist aber eigentlich egal: Indien hat für 1 Milliarde 20 von den Dingern gekauft. Deutschland hat für 0,7 Milliarden die Gorch Fock saniert und Aufklärungssensoren ohne Trägerplattform entwickelt. Und sorry, aber gegen eine Bark auf Basis von 33er Bauplänen ist eine SU-30 ein ausreichend harter Gegner, da muss man nicht auf -57 aufrüsten um eine Chance zu haben. Auch nicht gegen die Führungsstruktur der Bundeswehr
.Ahnungslosigkeit bei Presse und türkischem Militär.
Hoffe mal nicht, dass das türkische Militär blöder ist, als jeder mal eine halbe Wikipedia-Seite zu Panzern nach dem 2. WK gelesen oder wenigstens ein x-beliebiges Panzer-F2P gespielt. Aber da sie an der Gernze nur gegen kurdische Verbände positioniert wurden, die keine Lufteinheiten, meines Wissens nach keine Präzisionsartillerie und auch sonst wenig, was über tragbare Waffen hinausgeht, hat, konnten sie sich ruhig eingraben. Vermeidet Kratzer im Lack, erschwert es der Artillerie tatsächlich, im direkten Feuer Schaden an ggf. gerade abgesetzten Personal anzurichten und es unterstreicht, dass man (noch) nicht einmarschieren will. Die Manöver waren mehr Diplomatie als Militär und da gelten andere Regeln.
ich bin auf Grundlage meiner Kontakte zur Truppe überzeugt davon, dass selbst mit minimalem Material die BW einem deutlich Material überlegenen Gegner sehr gut die Stirn bieten könnte.
Leider brauchen wir in den letzten Jahren fast nur noch eine Truppe, die einem deutlich Material unterlegenen Gegner vernichten kann, der explizit nicht die Stirn bietet. Aufrüstforderungen scheinen dagegen irgendwie immer noch im kalten Krieg verhart zu sein - und wie du selbst sagst: Für dessen Szenarien sind wir eigentlich immer noch sehr gut gerüstet, zumindest solange NATO und EU funktionieren.
Wenn Afghanistan das einzige Problem der USA gewesen wäre, dann würd ich Dir durchaus zustimmen. Ist es aber nicht und das Argument des Kosten-Nutzen ergibt aus Sicht der USA eindeutig Sinn. Für Afghanistan weniger, aber wann hat sich der Westen denn jemals um solche Details geschert.
Kann es sein, dass wir aneinander vorbeireden? Ich habe nur Aussagen dazu gemacht, was MÖGLICH wäre. Du beschäfstigst dich damit, was in den Augen der USA derzeit sinnvoll oder attraktiv ist und dass da keine starke Militärpräsenz dazu gehört, ist so offensichtlich, dass ich eigentlich gar nichts weiter dazu sagen muss.
Verschanzt man sich nur in den Städten, dann gibts eben Anschläge und so wird man zermürbt.
Und stell Dir mal nicht zu einfach vor ne Stadt wie Kandahar gegen einen entschlossenen Feind zu erobern. Kannst mal die Kurden fragen wie das in Mossul gelaufen ist
Und die Kurden hatten noch den Vorteil, dass der IS den offenen Kampf praktizierte und sich als Übermacht profilieren wollten. Die Taliban dagegen haben schon vor über 19 Jahren zugegeben, dass sie dem Westen nicht im direkten militärischen Schlagabtausch schlagen können und das auch nicht wollen, sondern andere Strategien anwenden. Mit offensichtlichem Erfolg. Und jetzt ist ganz Afghanistan Teil ihres Netztes von Rückzugsmöglichkeiten geworden und insbesondere Kabul wimmelt davon.
Ich weiß aber auch nicht, ob die momentane Realität sich vor der ganzen Welt lächerlich zu machen, besser ist!
Wenn du das nicht weißt, dann weißt du es halt nicht. Aber akzeptiere, dass andere Leute wissen, dass "sich lächerlich machen und leben" besser ist, als "unter großen Verlusten und mit viel Kollateralschäden lächerlich machen". Es wurde schon viele schlimme Situationen noch schlimmer, weil irgendwer der Meinung war, man müsse "irgendwas tun" in einer Lage, die nicht mehr zu retten und nur noch zu verschlimmern war. Es braucht kein weiteres Beispiel dafür, warum "nicht wissen" kein guter Ratgeber ist.
Letztendlich wird man aber in der Zukunft um den Kernpunkt meiner Aussage nicht herumkommen, nämlich entweder auch ohne die USA in der Lage zu sein, politisch und militärisch "in der Welt" handeln zu können, was als Konsequenz mind. 2-3% des BIP als Investition in die BW bedeutet, oder eben im Status Quo zu bleiben und damit der militärische und politische Wurmfortsatz der USA zu sein, weil man ohne sie nicht militärisch handeln kann.
Das sollte man dann aber eben offen kommunizieren!
Ich weiß nicht, was für Kommunikation du wahrnimmst, aber Deutschlands Führung weißt eigentlich seit einer gewissen Zeit (so rund 76 Jahre, um genau zu sein) bei jeder sich bietenden und nicht bietenden Gelegenheit daraufhin, dass man sich nicht als Weltpolizei sieht, niemand anderem "in der Welt" militärisch den deutschen Willen aufdrücken will und allenfalls im Rahmen von Bündniseinsätzen oder mit UN-Mandaten außerhalb der eigenen Landesgrenzen agieren will und dann bitte auch möglichst nur im Wiederaufbau und unterstützend/ausbildend bei lokalen Partnern.
Die realen Einsätze passen da zwar auch nicht so ganz drauf, aber zu keinem Zeitpunkt hat jemals jemand von der Bundeswehr erwartet, ohne starke Partner eigenmächtig geostrategischen Einfluss zu nehmen. Und logischerweise hat dann auch niemand Budgets genehmigt, die für dieses nicht-Ziel nötig wären.
