ruyven_macaran
Trockeneisprofi (m/w)
Schon George Bush hätte das anders machen müssen. Man muss kein Land besetzen, um Terroristen zu jagen.
Das hat Dubya 2-3 Monate lang auch gedacht. Danach hatte er was gelernt.
Kommt drauf an.
Die Kohle IST geil, v.a. während des Studiums. Es ist oftmals ne Mischung aus interessantem Job (man sieht Orte & tut Dinge die sehr sehr sehr viele Menschen eben nicht tun / erleben), vergleichsweise guter Bezahlung, aber eben mit Nachteilen. Für viele ist es auch ein Sprungbrett um vllt mit schlechteren Karten im Leben sich eine Karriere aufzubauen.
Iirc ist die Altersvorsorge auch ziemlich konkurrenzlos und die gesundheitlichen Risiken sind relativ gut kontrollierbar. Afaik wurde auch kein einziger Zeitsoldat nach Afghanistan gezwungen, die sind alle freiwillig auf Pflichtgefühl oder Prämiengeilheit gegangen. Das die meisten das kein zweites Mal machen würden, sondern bei ihrem Einsatz sehr viel über die Schattenseiten der Bundeswehr gelernt haben, steht auf einem anderen Blatt, aber wer einfach nur einen gut bezahlten, sicheren Job (durchaus in doppelter Hinsicht) haben will und in der Lage ist, bei etwas fragwürdigeren Aufträgen einen Schritt zurückzutreten, für den ist die Bundeswehr eigentlich bis heute ein ziemlich guter Arbeitgeber. Hätte ich nicht so ein Problem mit frühem aufstehen und Leuten, die der Meinung sind, mir jeden Handgriff anordnen zu können, hätte ich denen auch mehr als einen Blick nachgeworfen.
Mal etwas zum Thema einer weiteren Militärpräsenz in Afghanistan: So, wie sie war, hätte es tatsächlich keine Sinn ergeben. Allerdings hätte man irgendwann in den letzten Jahren ja mal daran arbeiten können, das Ganze in eine internationale Schutzmission (Bevorzugt über die UN, wenn möglich, ansonsten als über eine Good-Will-Mission aller, die man dafür gewinnen kann ...) umzuwandeln, bei der die Lasten besser verteilt und die vor noch weniger diskutabel ist als eine "freundliche Besatzungsmacht".
Soweit ist die NATO nie gekommen. Man war die ganze Zeit über mit Eroberung von / Verteidigung gegen die Taliban beschäftigt und hatte nie die Herrschaft über ganz Afghanistan. Die zeitliche Reihenfolge war "Politik verliert das Interesse" => "Militär realisiert, wie groß die Aufgabe eigentlich wirklich ist" => "Materielle Unterstützung sinkt". Dementsprechend konnte die NATO auch nie die volle Kontrolle an eine heimische Regierung übergeben und sich auf die Rolle einer Aufbaumission zurückziehen. Zwar haben ein paar "wir wollen eigentlich nicht kämpfen"-Nationen wie Deutschland sowie natürlich NGOs sich an State Building versucht, aber wenn man faktisch noch im Krieg ist, funktioniert das halt noch schlechter als ohnehin schon.
Rückblickend war der Kardinalfehler, dass man schon viel zu viel viel zu früh an Einheimische zu übergeben versucht hat. Nämlich die Drecksarbeit an Warlords und Milizen. So hat der Westen selbst fleißig an Strukturen mitgearbeitet, die zwar besser als die Taliban erschienen, aber eben bei weitem nicht gut genug waren und jetzt flächendeckend übergelaufen sind.
Was soll Biden bitte mit 2500 - 3500 Soldaten in Afghanistan? Für was soll das bitte ausreichen? Wenn er nicht abzieht sind sowenig Kräfte deutlich verwundbar, ihm bliebe nichts anders übrig als zigtausend Soldaten wieder nach Afg zu verlegen.
Nur, das ja doof, darauf ist die Army nicht eingestellt, denn sehr viel Material geht ja aus Afg raus, statt rein und hängt irgendwo im Transit.
Evtl ist Dir aufgefallen, Afg hat keinen Seezugang, d.h. "mal eben schnell" passiert da auch nichts.
Die US Army ist auch ohne Seezugang in der Lage, einige 1000 Mann IRGENDWO hin zu schaffen. Klar wäre das reichlich chaotisch geworden und die Bürokratie hätte sicherlich dafür gesorgt, dass einige Galaxys mit einer Ladung A hinfliegen und mit einer nahezu identischen Ladung A' wieder zurück, aber da der ganze Laden darauf ausgelegt ist, afaik bis zu knapp sechstellige Truppenzahlen an einer beliebigen Front zu versorgen, wäre es für ihn ganz sicher möglich gewesen, 10000 Mann in einen Krieg zu schicken, während parallel 3000 zurückkommen. Dass es sich zufällig um die gleichen Schauplätze handelt, macht die Logistik ja nicht schwieriger.
Aber: Biden wollte schon unter Obama ASAP raus aus dem Laden und hat selbst nur bedingt Probleme damit, ein Chaos zu hinterlassen, solange die US-Soldaten heil zu Hause ankommen. Von daher kam ihm Trumps Plan eigentlich ziemlich recht - nur das Trump den Taliban die genauen Daten genannt hat, war taktische Idiotie, die auf politischer Ebene offensichtlich nicht richtig berückstigt wurde.
Anders sieht es aus im Bezug auf Gruppierungen, die z.b. in Kaschmir aktiv sind. Pre 2001 wurden Kämpfer in Afg ausgebildet, die dann gegen Indien in der umkämpften Region Kaschmir eingesetzt wurden. Hier ist zu erwarten, dass Pakistan seine Finger wieder ins Spiel bringen wird. Afg wird also durchaus wieder eine Homebase für transnationalen Terrorismus werden, nur höchstwahrscheinlich nicht mit Impact für den Westen.
Da sollten die Taliban SEHR vorsichtig sein (was nicht heißt, dass sie auch sehr vorsichtig sein werden). Zum einen vertraut ihnen auch die pakistanische Regierung nicht mehr uneingeschränkt, zum anderen hat noch ein drittes (viertes) Land Interesse an Kaschmir. Ein Land, dass heute (im Gegensatz zu vor 20 Jahren) SEHR hart nicht nur gegen Islamismus, sondern gegen Muslime allgemein vorgeht und dass heute (im Gegensatz zu vor 20 Jahren) keinerlei Probleme damit hat, sein Militär in von anderen Staaten beanspruchte Gebiete zu entsenden und das (im Gegensatz zu vor 20 Jahren und zum Westen, zu Pakistan oder zu Indien heute) gegenüber Afghanistan nahezu mit einem weißem Blatt Papier startet, auf das man sehr schnell beliebige, neue, wenig Taliban-freundliche Beziehungen niederschreiben kann, insbesondere da Afghanistan heute (im Gegensatz zu vor 30 Jahren
) absolut null internationale Unterstützung, ggf. nicht einmal Anerkennung haben wird. Oder um es klar zu sagen:Wenn die Taliban den Fehler machen, Kräfte mit Herschaftsanspruch auf Kaschmir zu beherbergen, dann sind sie ganz schnell Pekinger Provinz. Und im Gegensatz zur NATO hat China keine Hemnisse bei den Methoden, die nötig sind, um paramilitärische Aktivitäten restlos auslöschen.
Was ich mich schon immer gefragt habe ist, wie so relativ arme Länder wie Indien und Pakistan, an Atomwaffen gekommen sind?
Wenn man erstmal Atomkraftwerke hat, dann baut man sich einfach welche? Siehe Nordkorea, Südafrika und Israel. China hat selbst ohne vorherige zivile Atomkraft (auch militärische wurde erst später entwickelt) gerade einmal 8 Jahre bis zur ersten Bombe gebraucht und ich könnte mir vorstellen, dass die UdSSR-Anschubhilfe in den ersten Monaten nicht viel mehr wert war, als heute auf Wikipedia steht.
Mittlerweile ist es etwas schwerer geworden, so etwas unbemerkt zu machen, aber bei den Landesgrößen Pakistans oder gar Indiens gegenüber der internationalen Aufklärung in den 70ern/80ern...
ez.
Ja aber das man das von ausserhalb zugelassen hat wundert mich.
Den Iran droht und sanktioniert man ja auch ständig.
Glaubst du, der jeweilige gegenerische Block hat Indien und Pakistan nicht zu sanktionieren versucht? Klappte halt während des kalten Krieges nur nicht so gut, weil immer irgend jemand den Feind seines Feindes als seinen Freund behandelt hat. Die iranischen Islamisten sitzen dagegen zwischen allen Stühlen und sie sind auch einfach viel zu spät drangewesen. Pakistan und Indien profitierten noch von der grenzenlosen Atomblödheit der 50er und 60er, da wurden die heutigen Machthaber im Iran noch vom Schah unterdrückt. Nach der Revolution hatte man dann einige dringende Probleme zu lösen, wozu die Energieversorgung dank der Ölvorkommen eher nicht gehörte, und erst seit Mitte der 90er hat der Iran überhaupt eigene Uranvorkommen erschlossen. Das Bombenprogramm dürfte sogar erst Priorität erhalten haben, als Bush den Iran mehr oder minder die Pistole auf die Brust gesetzt hat "entweder ihr seit das nächste Afghanistan oder das nächste Nordkorea".
Das ist im Wesentlichen eine Frontverkürzung: Für die USA unwichtige Regionen werden außen vor gelassen und die frei werdenden Kapazitäten dort eingesetzt, wo man tatsächlich Interessen hat. Afghanistan ist ein klassisches Bauernopfer auf dem politischen Schachbrett. Das muss (bzw. sollte) man nicht mögen, aber man kann es durchaus als Realität akzeptieren.
Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die USA kuscheln mit den anderen Kräften in der Gegend heute nicht enger, als Ende der 80er/Anfang der 90er. Aber zwischenzeitlich hatten sie ihr Engagement mal deutlich zurückgeschraubt, weil eine stabile Präsenz in Afghanistan eigentlich die Funktion sämtlicher US-Stützpunkte und -Allierter vom goldenen Horn bis fast an chinesische Meer hätte abdecken und so einige bisherige Investitionen überflüssig machen können.

