Allgemein: Aufgrund des Datums (sowie des nicht unmittelbaren Reagierens auf das NV-Event) bei AMD kann man wohl weiterhin nichts auf die Leistungsfähigkeit zurückschließen, da man annehmen kann, dass der ungefähre Zeitpunkt ("nicht nennenswert vor den Konsolen") schon seit langer Zeit feststeht, möglicherweise gar seit 2 Jahren. Hier kann man weder im Positiven noch Negativen spekulieren. Und die darüber hinaus beobachtete "Funktstille" hat möglicherweise in der gleichen Art nichts mit den PC-Karten zu tun, sondern nur etwas damit, dass AMD Sony/Microsoft ggf. nicht nennenwert vorgreifen darf. Also bleibt nur abwarten ...
AMD hält wohl sein Versprechen, die neuen Grafikkarten vor den Konsole vorzustellen. Damit hatte ich gar nicht mehr gerechnet, [...]
Natürlich halten sie das, was denn sonst, denn immerhin haben sie das erst wenige Wochen zuvor explizit und von offizieller Stelle verkündet. Mich verwirrt eher deine Verwunderung.
Das RDNA 2 in den Next Genkonsolen muss ja schon eine halbe Ewigkeit final sein. Eigentlich sollte die PC-Version davon da schon einen halben Entwiklungsschritt weiter sein. Zumindest Nvidia, wenn die in dieser Situation wären, wäre das. Und wenn AMD vorhat sich nicht abhängen zu lassen, präsentieren sie uns am 28.10. eine Art RDNA 2.5 - also ein RDNA 2 welches mit der Konsolenversion nicht mehr Deckungsgleich ist, sondern leistungstärker und fortschrittlicher.
Die Frage ist hierbei jedoch, ob AMD dann vor den Konsolen launchen dürfte. An Sony's/Microsoft's Stelle hätte ich AMD in dem Falle vertraglich zu einem Release nach den Konsolen gezwungen, denn es hätte durchaus schon einen etwas faden Beigeschmack, wenn AMD Ende Oktober die modernere, leistungsfähigere Architektur veröffentlicht und dann erst im November die Konsolen mit quasi langsamerer, veralteter Architektur vorgestellt werden. Man kann es nicht ausschließen, aber dass die Architektur nennenswert von den Konsolen abweichen wird, halte ich eher für unwahrscheinlicher (ggf. bis auf ein paar notwenige/sinnvolle Anpassungen für dGPUs).
Zudem kann man bspw. bereits von den Transistorzahlen bei der Xbox ableiten dass das Konsolen-RDNA2 mit keinen nennenswerten Überraschungen im Vergleich zu RDNA ums Eck kommen wird. Es wird Intersection-Engines in den TMUs enthalten, die laut Microsoft vergleichsweise wenig zusätzliche Fläche beanspruchen (wie auch bei NV), aber ansonsten bleibt die mittlere Transistordichte grob vergleichbar zu RDNA, d. h. hier wird es keine unerwartete Vervielfachung anderer Funktionseinheiten geben, etc. die deutlich mehr Leistung versprechen könnten. Es bleibt also nur alles auf das "+50 % Perf/Watt"-Versprechen zu setzen ...
Und btw., reguläre Taktraten deutlich jenseits der 2 GHz erscheinen für einen so großen Chip, wie man ihn erwartet, reichlich absurd. Die Xbox taktet nicht umsonst 400 MHz niedriger als die PS5 ...
[...] Wenn ich jetzt den Speicher hier von Micron nehme, mit GDDR6, muss der von Samsung dann gleich schnell sein, wenn der sich auch GDDR6 nennen darf ? Da wird's doch sicherlich bestimmte Standards bei der Namensgebung geben, oder ?[...]
Das vermeintliche "GDDR6X" von Micron ist eine proprietäre Entwicklung von Micron selbst mit ein wenig Input von NV. Derart schneller Speicher steht AMD aktuell nicht zur Verfügung. Der JEDEC liegt derzeit noch nicht einmal die Spezifikation für eine mögliche Standardisierung vor. Micron verwendet hier eine neue PAM4-Signalisierung, mehr dazu im Link.
Aktuell gibt es reguläre GDDR6-BGAs mit typischerweise 14 (56 GiB/s pro BGA), 16 (64 GiB/s pro BGA) und 18 Gbps (72 GiB/s pro BGA), d. h. gigabit per pin per second. 18er-BGAs sind jedoch kaum zu bekommen, d. h. am oberen Ende findet man bestenfalls in realen Produkten derzeit 16 Gbps-BGAs und das wird voraussichtlich auch AMDs Limit sein. Beispielsweise alle aktuellen GPUs verwenden bestenfalls 14 Gbps-BGAs. Die einzige Ausnahme ist die RTX 2080 Super, die mit 15,5Gbps arbeitet (62 GiB/s, hier für 256 Bit also 496 GiB/s Gesamtbandbreite). Beispielsweise mit den 18,5Gbps der RTX 3080 hätte die RTX 2080 Super bereits 592 GiB/s an Bandbreite.
Entsprechend kann man auch ableiten, dass wenn der kürzlich gesehene 256 Bit-Chip zu RDNA2 (fall überhaupt korrekt gelaked) zutrifft, es sich dabei um eine kleinere GPU handeln muss, denn das 256 Bit-Interface wird die zur Verfügung stehende Speicherbandbreite zu sehr beschränken als dass AMD damit in den Regionen der 3080 und 3090 wildern könnte. Wenn hier tatsächlich 16 GiB kommen, was die meisten erwarten, müssen das bei AMD im HighEnd 512 Bit werden. Würde das Topmodell mit einem 256 Bit-Interface "auskommen" würde das gleichzeitig bedeuten, dass dessen Gesamtleistung nicht übermäßig hoch ausfallen kann.
Micron discusses graphics memory: GDDR6X is here, PAM4 & PAM8 for HBM patented
www.tomshardware.com
Zur RTX 3090: Der Preis ist voraussichtich trotz der +200 € gut und auch recht knapp gewählt, denn bei dem Modell wird alles beträchtlich teuerer für nVidia. Teuerer Fertigungsprozess ggü. dem bisher verwendeten, teueres PCB, teuere BGAs für den Speicher und zudem auch noch viel mehr davon (immerhin 13 Chips mehr) und zudem eine deutlich aufwendigere und teuere Kühllösung, die laut Igor alleine bereits schon 155 US$ kostet. Tendenziell würde ich gar annehmen, dass NVs Marge bei der Karte gar etwas geringer ist, als noch bei der Titan RTX.
Nebenbei, weil von seahawk aufgegriffen: Micron fertig aktuell noch keine 2 GiB-BGAs seines schnellen GDDR6-Speichers, die dann korrekterweise als 16Gb-Module benannt werden, während 1 GiB-BGAs 8Gb-Chips sind. Die Produktion wird erst im nächsten Jahr anlaufen. Die neue Titan RTX und große Quadro RTX 6000 dagegen werden voraussichtlich etwas langsamere Bausteine verwenden und sich möglicherweise mit 16 bis 18Gbps zufrieden geben, was neben der Verfügbarkeit auch thermische Gründe hat, denn bereits bei der RTX 3090 entfallen bis zu 60 W alleine auf die BGAs.
Man kann es ja drehen wie man will, aber ein 80SM Chip mit einem 512bit Bus und gefertigt in 7nm TSMC, muss mindestens ebenbürtig zu einem 82SM 384bit GDDR6X gefertigt in Samsung 8nm sein, wenn man ein vergleichbar gelungenes Chipdesign annimmt.
Genau das war ja seit mehreren Jahren AMDs Problem, denn architektonisch konnte sie hier nicht mithalten. Entsprechend werden sie jetzt erst mal beweisen müssen, dass es ihnen gelungen ist, einigermaßen zu NV aufzuschließen und einfach wird das keinesfalls werden, denn NV hat mit dem Consumer-Ampere einen unerwartet großen Sprung gemacht. Man darf also gespannt sein, was Ende Oktober kommt. ...