Dennoch ist Deutschland eines der EU Länder welches am meisten Flüchtlinge aufgenommen hat.
Und die meisten Flüchtlinge wollen auch noch Deutschland kommen.
Stimmt. Und ich würde auch einen rationalen Zusammenhang zwischen Flüchtlingszustrom und AFD-Wahlergebnissen akzeptieren, wenn die AFD im überlaufenen Berlin durchstarten und im vergleichsweise glimpflich davongekommenen Sachsen durchfallen würde. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall: Die AFD wird von den Leuten gewählt, die vom Flüchtlingszustrom am wenigsten betroffen sind.
Und das ist übrigens kein AFD-exklusives Phänomen. Schon frühere rechtsextreme Parteien haben mit ihren ausländerfeindlichen Programmen meist da am besten abgeschnitten, wo Deutsche ohnehin unter sich waren. Weil es nicht um Fakten geht, sondern um diffuse, selbst eingebildete Angst vor Fremden. Wer sich jetzt grundlos was einbildet, kann das aber auch machen, wenn nur noch 1/10tel so viele oder 1/100tel so viele Flüchtlinge kommen. Der kann sich das sogar einbilden, wenn 0 Flüchtlinge kommen, weil er dann ersatzweise einfach Angst vor Flüchtlingen hat, die kommen könnten.
Die Wahlerfolge der AFD lassen sich somit nicht kausal durch eine Verbesserung der Flüchtlingssituation in der EU bekämpfen. Nur indirekt gebe es einen gewissen Effekt: Wenn es weniger reale Probleme im Zusammenhang mit Flüchtlingen gäbe, würde weniger darüber berichtet und das würde es der AFD erschweren, sich mit ihren Märchen zum Thema an eine laufende Berichterstattung dranzuhängen. Kein Populismus ohne Publikum.
Intelligente Wähler wären aber die nachhaltigere Lösung.
(Unabhängig davon sollte man im Interesse von EU und von Flüchtlingen natürlich weiter nach Lösungen suchen. Ich bin ja weiterhin für "keine Fluchtursachen schaffen.")
Welche meine ja, wenn man statt Geld den Flüchtlingen nur noch Lebensmittelmarken oder Gutscheine geben würde, es abschrecken würde, nach Deutschland zu kommen. Dänemark macht das wohl genauso.
Haben Teile von Deutschlands auch schon versucht, mit bescheidenem Effekt. Zwar sind Gutscheine für die Flüchtlinge deutlich unangenehmer, aber das sind Prügel von Nazi-Schlägertrupps auch. Da kann man sich die Bürokratie sparen, wenn das einzige Ziel ist, armen Menschen Unbequemlichkeiten zu bereiten.
Auf die Attraktivität Deutschlands für Flüchtlinge, die noch her wollen, hat so etwas aber leider kaum einen Einfluss. Im Gegensatz zur AFD-Propaganda flieht (fast?) niemand nach Deutschland, wegen den ach so tollen Zahlungen an Flüchtlinge. Zunächst einmal flieht sowieso so gut wie niemand überhaupt "da und da hin". Die fliehen "vor etwas weg". Und sehen dann meist nach kurzer Zeit ein, dass es keine Flucht mit Rückkehraussichten ist (z.B. weil die EU weiterhin Best Friend mit Leuten ist, die Assad an der Macht behalten wollen), sondern dass ihr altes Leben ende aus vorbei weg ist; sie sich also irgendwo was neues aufbauen wollen. Und dann lautet die antwortet auf die Frage "wo?" in 90% der Fälle "da, wo man gerade ist, weil man sich eine weitere Reise nicht leisten kann". Nur in 5-10% der Fälle orientiert man sich überhaupt in die Ferne und dann mit dem Ziel "irgendwo, wo man gut arbeiten und sich etwas neues aufbauen, ggf. die zuzrückgebliebenen unterstützen oder nachholen kann". Und Deutschland hat den Ruf, dass man hier gut arbeiten kann - deswegen kommen die Leute nach Deutschland. Um hier zu arbeiten.
Dass sie das überhaupt nicht dürfen, ist dass in der Regel der erste große Schock. Dass sie monate, teilweise jahrelang in einer Bürokratiemühle landen, der zweite. Das sie an deren Ende von kaum jemandem einen Job bekommen werden, sondern in einem schweine teuren Land vor sich hinvegetieren werden, der dritte. Aber da ist es schon viel zu spät, um die Jahre vorher getroffene Entscheidung zu ändern.
Es gibt aber auch unter den Flüchtlingen viele junge Männer ohne Schulabschluß.
Ohne Schulabschluss oder ohne ANERKANNTEN Schulabschluss?
Außerdem sind die teilweise radikal und schwer traumatisiert.
Tjo. Soll vorkommen, dass Leute, die ihre alte Heimat aufgehen und fliehen, etwas traumatisierendes erlebt haben. Weißt du, was Leute, denen so etwas nicht wiederfahren ist, nicht machen? Nach Deutschland kommen.
Ja leider ist es nahezu unmöglich die alle zu erkennen und auch zu behandeln. Höchstens wenn sie sich freiwillig melden.
Wer sich in Deutschland freiwillig für eine psychatrische Behandlung meldet, der kriegt einen Untersuchungstermin für in 6 bis 12 Monaten, ob er denn überhaupt eine verdient haben könnte. Und selbst wenn die Diagnose dann eindeutig ausfällt, erhalten Flüchtlinge iirc typischerweise 6-12 Therapiestunden (aus nachvollziehbaren Gründen oftmals bei jemandem, der ihre Sprache nicht spricht). Danach kann dann ggf. neu diagnostiziert werden...
Das möchte ich bezweifeln.
Aber augenscheinlich keine Fakten dagegen stellen.
Das ist den Leuten aber egal, weil die Partei ausschließlich aus Protest gewählt wird.
Ich wiederhole die schon mehrfach in diesem Thread gestellte, aber von AFD-nach-dem-Mund-rednern nie beantwortet wurde?
Wieso zum Teufel sollte jemand, der sich mit seinen Anliegen nicht respektiert fühlt, mehr Respekt erhalten, wenn er die politischen Machtverhältnisse in Deutschland soweit weg von diesen Anliegen wie nur irgend möglich lenkt?
Die anderen Parteien tun ehrlicherweise aber auch nichts dagegen und lassen somit zumindest passiv das weitere Auseinanderdriften der Arm/Reich-Schere zu.
Die FDP tut traditionell etwas dafür, CDU und SPD nichts dagegen. Das sind aber nicht "die anderen Parteien", sondern nur ein Bruchteil davon. Es gibt, wie bereits dargelegt, jede Menge Möglichkeiten, eine Partei gegen soziale Spaltung zu wählen. Stattdessen wählen AFD-Wähler eine Partei, die ausdrücklich dafür ist.
Nein. Die AfD ist derzeit die einzige Protestpartei, die die Machtbasis (Sitze im Bundestag und den jeweiligen Landtagen) der etablierten Parteien angreifen kann. Daher ist, wenn man wirklich Protestwählen will, die AfD - auch, wenn ich das Wort hasse - "alternativlos".
Was hießt denn bitte "Machtbasis angreifen"? Falls es dir noch nicht entgangen ist: Etablierte Parteien erlassen bereits Gesetze mit der Macht der AFD. Wer ernsthaft glaubt, 20-30%, in Zukunft dann bald 40-50%, einer Partei zu geben, die man nicht an der Macht haben will, würde dafür sorgen, dass die eine Machtbasis bekommen, die sich um seine Anliegen kümmern könnten, ist offensichtlich zum Wählen unfähig.
Dummheit? Dummheit.
Was willst du mir jetzt damit sagen? Übertreibungen sind immer ein recht schlechtes Argument.
Übertreibungen sind ein Mittel der Veranschaulichung. In diesem Fall sollte veranschaulicht werden, dass die durchaus lange Liste humanitärer Errungenschaften unserer Gesellschaft nicht während der kurzen Blütezeit von 2003 bis 2007 erreicht wurden. Sondern wesentlich früher. Weil sich Leute, denen es weitaus schlechter ging als uns heute, um ein menschenwürdiges Zusammenleben bemüht und nicht auf "erstmal Wohlstand!" verwiesen haben.
Ich zumindest kann sehen, dass sich das soziale Klima über die letzten Jahrzehnte abgekühlt hat, was m.E. stark damit zu tun hat, dass wir als Menschen immer kapitalistischer denken und Sachverhalte mehr und mehr wirtschaftlich sehen.
Das ist zumindest eine brauchbare Arbeitsthese. Parallel ist in den letzten Jahrzehnten unser Wohlstand immer weiter gestiegen (absolut betrachtet selbst am unteren Ende). Korrelationsbeobachtung also: Mehr Wohlstand = weniger Sozialität.
Behauptung, die du zuvor geäußert hast (und die auch die Rechstpopulisten von AF bis Me häufig in den Mund nehmen): Uns fehlt der Wohlstand für Sozialität.
Behauptung != Beobachtung.
Das ist Unsinn. Gerade in den benachteiligten Bezirken sind die Wahlergebnisse der AfD hoch.
In der letzten Berlin-Wahl konnte die AfD bspw. in Marzahn-Hellersdorf fast 20 % erringen. Das ist im Grunde eine Auswirkung von Gentrifizierung.
Ach, eine Auswirkung von Gentrifizierung ja? Arme Leute, denen reiche Leute das Leben versaut haben, wählen also deiner Meinung nach die AFD, die gegen Flüchtlinge hetzt und die armen Leuten noch mehr nehmen und reichen Leuten noch mehr geben will. Und das soll daran liegen, dass diese Leute Probleme mit Flüchtlingen haben, ja? Während Stadtteile wie Neukölln, die tatsächlich nicht zu Unrecht für Probleme mit und durch Zuzug von außerhalb Deutschlands bekannt, keine überdurchschnittlich große Zahl von AFD-Wählern aufweisen...
Ich glaube hier wird definitiv Unsinn geäußert. Aber nicht von mir.
Mit mehr Einwanderung wird die politische Rechte bei uns nur noch stärker werden.
Vielleicht sollten wir den Leuten einfach die Wahl lassen, zwischen rein-arischen Krankenhäusern und Altersheimen und solchen, die offen gegenüber zugewanderten sind. Mit dem sich ergebenden Betreuungsschlüssel von 1:20000 in ersteren gegenüber 1:20 in letzteren löst sich das Nazi-Problem dann auf evolutionär-biologischem Wege und wir brauchen nicht mehr darüber diskutieren, dass Wähler rechtsextremer Parteien möglicherweise rechtsextreme Einstellungen gutheißen...
Ich sehe da keinen wirklichen Rassismus, sondern ein aus der Historie und Erfahrungen gewachsenes Ausbildungssystem, das Vorteile aber aber auch Nachteile im Bereich der Flexibilität hat.
Das System an sich wäre okay, wenn es so eingesetzt würde, wie es mal gedacht war: Für Leute, die selbständig wichtige Arbeiten verantwortungsvoll ausführen. Wir haben aber längst eine Arbeitswelt, in der 95% der Belegschaft zu besseren Handlangern mit Hungerlohn degradiert werden, die nur eine Handvoll Arbeitsschritte nach Anweisung erledigen. Für diese Spezialisierung sind 90% der deutschen Ausbildungsinhalte dann irrelevant. Da reichen 3-6 Monate Training im Job plus jemand, der am Ende drüberguckt - den es aber auch bei Leuten mit vollständiger Ausbildung geben sollte (quasi nie gibt), weil auch mehr als genug Pfuscher mit Diplom rumrennen. Und von diesen 3-6 Monaten tatsächlich angewandter Inhalte kennen viele hier ankommende schon 6-12 Monate aus dem FF, weil Hammer und Schraubenzieher halt überall auf der Welt gleich funktionieren.
Klar kann dir ein syrischer Elektriker keine Verkabelung nach DIN planen. Aber er kann ein Kabel in die Wand packen und welches Kabel in welche Wand wird ihm sowieso auf der Baustelle vorgegeben.
Ärzte sind da schon ein schwierigeres Thema, weil die tatsächlich immer mit Verantwortung arbeiten müssen. Aber auch da stellt sich irgendwann die Frage, ob der hochqualifizierte deutsche Arzt, den im Zuge immer weiterer Kostenreduzierungen bei gleichzeitigen Gehaltssteigern und allgemeinen Personalmangel, noch drei Minuten eine Diagnose bleiben, mit dieser häufiger richtig liegt, als sein marokanischer Kollege, der sich aus Gewohnheit und wegen entspannterer Personalsituation 20 Minuten zeitnehmen kann?
Imho spricht wenn dann ein ganz anderes Argument gegen den Fachkräfteimport in großem Stil: Man würde damit hauptsächlich die unzureichenden Ausbildungsbemühungen und schlechten Löhne vieler deutscher Arbeitgeber kompensieren. Menschen haben wir schließlich genug, nach letzter Zählung 3,4 Millionen freistehende Arbeiter.