Nein. Das Grundproblem ist, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung sich selbst über alle anderen stellt, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung "denken" ablehnt und dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung Gefühle über Fakten stellt.
Das möchte ich bezweifeln.
Und den die AFD verschärfen will.
Klar will die AfD die Arm/Reich-Schere weiter verschärfen. Das ist den Leuten aber egal, weil die Partei ausschließlich aus Protest gewählt wird. Die anderen Parteien tun ehrlicherweise aber auch nichts dagegen und lassen somit zumindest passiv das weitere Auseinanderdriften der Arm/Reich-Schere zu.
Nein. Die AfD ist derzeit die einzige Protestpartei, die die Machtbasis (Sitze im Bundestag und den jeweiligen Landtagen) der etablierten Parteien angreifen kann. Daher ist, wenn man wirklich Protestwählen will, die AfD - auch, wenn ich das Wort hasse - "alternativlos".
Klar. Deswegen haben die Pfälzer die Hessen ja auch noch 1990 abgeschlachtet, sobald sie einen gesehen haben.
Oh, wait.
Was willst du mir jetzt damit sagen? Übertreibungen sind immer ein recht schlechtes Argument. Ich zumindest kann sehen, dass sich das soziale Klima über die letzten Jahrzehnte abgekühlt hat, was m.E. stark damit zu tun hat, dass wir als Menschen immer kapitalistischer denken und Sachverhalte mehr und mehr wirtschaftlich sehen.
Gerade in Großstädten, wo die Mehrheit der Bevölkerung direkte Erfahrungen hat, weil man sich nicht so leicht in seiner Bubble abschotten kann, kriegt die AFD daher auch weniger Stimmen. Die Leute wissen da zu einem viel größeren Teil, was Lage ist und sie erkennen auch eher, dass das, was die AFD schwadroniert, wenig mit dem Problem und rein gar nichts mit einer Lösung zu tun hat.
Das ist Unsinn. Gerade in den benachteiligten Bezirken sind die Wahlergebnisse der AfD hoch.
In der letzten Berlin-Wahl konnte die AfD bspw. in Marzahn-Hellersdorf fast 20 % erringen. Das ist im Grunde eine Auswirkung von Gentrifizierung. Dass die priviligierten Bürger in den nicht benachteiligten Bezirken nicht die AfD wählen, ist verständlich. Das ist grundsätzlich wieder die Sache, dass wirtschaftliche Zwänge den Menschen formen.
Im gleichen Atemzug muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, dass wir in den kommenden Jahren jedes Jahr einen Nettozuzug von knapp einer halben Million Menschen jedes Jahr brauchen (!), um die anstehenden Umwälzungen für Wohlstand und Reichtum durch den Ausstieg der Babyboomer aus der Arbeitswelt auffangen zu können. Und da reden wir über ein Problem, dass alle großen Länder dieser Welt (inkl China!) haben. Die Nachkriegsgenerationen gehen aus dem Arbeitsmark und hinterlassen überall riesige Lücken, die man nicht durch "modernes Einwanderungsrecht mit Punktesystem" gefüllt bekommt. So viele "qualifizierte Fachkräfte" gibt es gar nicht auf der Welt, wie sie in den kommenden Jahren benötigt werden, um das Niveau zu halten. Vielen Deutschen muss endlich klar werden, dass das Nachhängen der Idee einer ethnisch reinen "Rasse" nicht nur historischer sondern auch wirtschaftspolitischer Dummfug ist.
Ich verstehe unser Land an der Stelle auch einfach nicht. Da kommen Leute hierher, freiwillig, was ich selber manchmal schon nicht begreifen kann, und wollen hier eine neue Existenz aufbauen. Sie wollen arbeiten, Kinder bekommen, sprich, leben. Und wir, die wir das dringend benötigen, wir verbauen denen und uns selber aus der Arroganz heraus etwas Besseres zu sein Bildung und den Zugang zu Arbeit. Wir sind so dumm und schaden uns nur selbst.
Ich sehe das problematisch. Einwanderung ist kein Allheilmittel - erst recht nicht, wenn es um Länder geht, die historisch keine Einwanderungsländer sind. Eines der besten Länder zur Beobachtung solcher Probleme dürfte Japan sein. Bei denen ist so ziemlich alles noch schlimmer als bei uns (Geburtenzahlen, Demographie, etc. pp.). Die tun sich auch sehr schwer damit, sich einzugestehen, dass sie Einwanderung brauchen und sind auch entsprechend rassistisch gegenüber Einwanderern. Gerade aufgrund deren Geschichte hassen die bspw. Südkoreaner besonders und haben da regelmäßig "Demonstrationen", bei denen unsere Neonazis neidisch werden würden, weil sie bei der Intensität schon längst vom Verfassungsschutz eingesackt werden würden.
Mit mehr Einwanderung wird die politische Rechte bei uns nur noch stärker werden. Da ich davon ausgehe, dass zumindest ein erheblicher Teil der Leute, die "rechts" wählen, das grundsätzlich nur aus Protest tun und sich von der etablierten Politik ignoriert fühlen, müsste man, um Einwanderung schmackhaft zu machen, sich auch um die Probleme dieser Leute kümmern, die m.E. im Klassismus liegen. Eines der Hauptprobleme unserer Gesellschaft liegt erwiesenerweise darin, dass wir kaum soziale Durchlässigkeit haben und es kaum noch möglich ist, Vermögen aufzubauen. Bei uns wird's zwar nicht so schlimm sein wie in den USA, wo ca. 60 % der Bevölkerung von Paycheck zu Paycheck leben, wir werden uns aber sicherlich in diese Regionen bewegen, wenn unsere Politik weiterhin die unteren Bevölkerungsschichten - die wir uns mitunter selbst durch bspw. Schröders Politik aufgebaut haben (wir haben einen enormen Dumpinglohn-Sektor erschaffen) - ignoriert.
(Gezielte) Einwanderung kann m.E. auch nur ein Teil der Problemlösung sein. Die andere Seite von gezielter Einwanderung liegt ja darin, dass man den Ursprungsstaaten der Einwanderer weiteres Vermögen in Form von Humankapital entzieht. Gerade dann, wenn es hier um Staaten aus dem sogenannten "globalen Süden" geht, die ohnehin schon unter Kolonialismus gelitten haben und weiterhin unter Neokolonialismus leiden, ist das besonders fatal, weil man diese Staaten dann noch weiter schwächt und es ihnen noch schwerer macht, selbst aufstreben zu können. Das heißt auch, dass diese Länder weiter verarmen werden und die Have-Not's von dort weiterhin in den "globalen Norden" strömen werden in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Diesen Trend wird man mit massenhafter gezielter Einwanderung nur verschärfen.
Das Problem ist ja auch, dass zu uns - gerade, weil wir kein Einwanderungsland sind und in der Hinsicht ohnehin sehr schlecht aufgestellt sind (siehe bspw. die Anerkennung ausländischer Abschlüsse - größtenteils nur geringerqualifizierte Einwanderer kommen, die den Fachkräftemangel nicht bremsen werden können. Gerade die Jobs, die keiner machen möchte, werden langfristig ohnehin durch Automatisierung ersetzt. Die SB-Kassen im Supermarkt, an denen man sein Zeug selbst einscannt, sind da nur der Anfang. Landfristig wird an einem bedingungslosen Grundeinkommen kein Weg mehr vorbei führen.
In der Hinsicht sehe ich auch, dass wir unser Bildungssystem massiv stärken müssen. Dazu zählt, dass gerade die Bildung in sozialen Brennpunkten erst- und nicht - wie jetzt - letztklassig sein muss, damit benachteiligte Bevölkerungsgruppen eine Chance haben, vernünftige Berufe wahrnehmen zu können. Wir müssen m.E. auch für sinnvolle Weiterbildungsmaßnahmen im Erwachsenenalter und mitten im Berufsleben sorgen. Schließlich finde ich, dass gerade wir in Deutschland uns von unserem Abschlusswahn trennen und mehr auf Berufserfahrung setzen müssen. Eine Abkehr von dem Wahn haben wir derzeit hauptsächlich im IT-Bereich, weil der Fachkräftemangel dort enorm ist.
Schließlich, weil ich davon ausgehe, dass Einwanderung nur ein Teil der Lösung sein kann, müssen wir auch dafür sorgen, dass die Geburtenraten bei uns wieder steigen. Wie das passieren soll, ist natürlich die schwierige Frage. Was mir - neben finanziellen Anreizen - in den Sinn kommt, wären bspw. soziale Anreize wie bspw. Begegnungsstellen. Gerade, wenn ich meine Jugend mit heute vergleiche, fehlen immer mehr Begegnungsstellen für Jugendliche wie bspw. Jugendklubs oder - sichtbare (!) - Vereine bzw. sind diese stark zurückgegangen.
Es gibt unter den Flüchtlingen sehr gut ausgebildete Fachkräfte. Die meisten Syrer mittleren, bis höheren Alters, die ich kennengelernt habe, sind gebildete und fleißige Menschen, mit Geschäftssinn. Darunter waren Ärzte, Anwälte oder Leute, die relativ schnell eine Gastronomie in Umgebung eröffnet haben.
lol.
Gebildete Akademiker werden Gastronomen. Deutschland ist halt ein beschissenes Einwanderungsland.
Das Problem ist nur, dass Deutschland Diplome aus dem Ausland nicht direkt anerkennt, sodass ausgebildete Fachkräfte hier nicht in ihrem Bereich arbeiten dürfen.
Darin war Deutschland leider schon immer miserabel drin. Im Grunde frage ich mich allerdings auch, ob die deutschen Eliten wirklich ausländische Fachkräfte anziehen wollen. Ich hab's jetzt bspw. durch meinen Job mitbekommen, dass Unternehmen im Gesundheits- und Pflegesektor vermehrt (Fach?) Kräfte aus dem Ausland generieren, damit sie auf unserem Arbeitsmarkt nicht mehr Geld zahlen müssen. In diversen Bereichen ist der sogenannte Fachkräftemangel halt auch der Mangel an Bereitschaft, ein angemessenes Gehalt zahlen zu wollen, oder aber die Bereitschaft, überhaupt ausbilden zu wollen. Aus dem zweiteren Grund subventioniert der Staat ja schon Handwerksbetriebe, damit die überhaupt ausbilden.
Es gibt aber auch unter den Flüchtlingen viele junge Männer ohne Schulabschluß. Außerdem sind die teilweise radikal und schwer traumatisiert. Also nicht ungefährlich.
Yo. Ist halt oft auch Afrika, wo Bildung kein Grundrecht ist, sondern fast ausschließlich etwas für die dortige Oberschicht. Das Problem ist, dass der Zuzug solcher Leute nicht aufhören wird, bis der Neokolonialismus durch den Westen aufhört und die Leute sich dort Existenzen aufbauen können.
In sehr vielen Kulturkreisen wird das als Schwäche ausgelegt, daher zeigt das niemand und niemand gibt das zu.
lol.
Das wird doch auch in unserem Kulturkreis als Schwäche ausgelegt, weil's nicht "männlich" ist. Themen wie bspw. häusliche Gewalt von Frauen gegen Männer oder auch die Vergewaltigung von Männern durch Frauen werden gar nicht oder nur sehr beschränkt diskutiert. Der Mann muss halt stark und keine "Pussy" sein.