Fukushima hat noch einmal gezeigt, dass an sich auch gut gewartete und mit aller Sicherheitstechnik versehene AKWs einen Super-GAU haben können, wenn es zu einer Naturkatastrophe kommt. Das haben Grüne zwar schon immer gesagt, aber ich habe das Respekt davor, dass Merkel ihre Analyse revidiert hat.
Nö, Fukushima hat absolut gar nichts gezeigt, was auf deutsche AKWs hätte übertragen werden können. Kein Tsunamigefahr, weitereichende Sicherheitsmaßnahmen als den havarierten Reaktoren - das einzige, was man aus Fukushima für Deutschland lernen könnte, war "Atomkraftgegner erzählen mehr Wahrheit über Atomkraftwerke als Atomkraftwerksbetreiber". Aber nichts technisches. Von daher gab es nur für Leute, die keinerlei Ahnung von der Materie haben, einen Grund, ihre Meinung zu ändern. Und genau das ist passiert: Nicht Merkel hat ihre Meinung als Reaktion auf Fukushima geändert. Sondern ein großer Teil der deutschen Bevölkerung, für die bis dato Strom einfach aus der Steckdose kam. Und erst als nach mehreren Wochen klar wurde, dass Millionen von Menschen wegen dem Thema AKWs jetzt auf einmal die Grünen statt die Atomlobbyisten der Union wählen wollen, da hat Merkel auf den Verlust an Wählerstimmen reagiert und ihr Fähnchen in den neuen Wind gehangen.
Respekt hat sie für diesen Einschleimversuch garantiert nicht verdient, zumal sie die Umsetzung ja bekanntermaßen grandios misslungen ist und einen Milliardenschaden angerichtet hat. Was Merkel nicht davon abgehalten hat, sich im Anschluss Jahrelang als "Energiewendekanzlerin" zu brüsten, obwohl sie nicht einmal in die Nähe des von Rot-Grün vorgelegten und von Schwarz-Gelb abgewürgten Korridors kam.
Gegen den Scheiß, den Merkel in ihren ersten 2-3 Amtszeiten ind der Energiepolitik verursacht hat, ist selbst Scheuer eine Randnotiz.
Das Problem ist auch, wenn wir aus der Atomkraft aussteigen, noch viele Länder um uns herum AKWs haben. Wenn da mal ein Gau passiert und eine Wolke rüberzieht bringt uns das wenig.
Wenn andere Fehler machen, nützt einem eigenes Handeln nie direkt etwas. Aber die Chance, dass überhaupt jemand einen Fehler macht, sinkt trotzdem deutlich und außerdem könnte man diplomatisch Druck machen, wenn man selbst andere nicht gefährdet, aber von denen gefährdet wird. Und/oder man könnte denen Teile der Grundlagen entziehen, viele benachbarte Atomkraftwerke sind schließlich von der Uranesco abhängig. Und/oder man könnte auf juristischem Wege gegen die europäische Atomindustrie vorgehen, sowie Österreich gegen Hinkley Point und diverse osteuropäische Projekte geklagt hat (leider nur mit teilweisem Erfolg, weil die europarechtlichen Grundlagen noch aus den 60ern stammen). Und/oder man könnte den Rechtsrahmen selbst für Nuklearenergie in Europa ändern, stichwort Finanzierungsgrundlagen die erst kürzlich wieder ein großes Thema waren.
Wie gesagt: Man könnte. Wenn man keine Lobbyhure von der CDU wäre, sondern aus Überzeug auch dann gegen Atomkraft vorgehen würde, wenn die Wähler gerade nicht wegen einen Super-GAU mal für 5 Minuten die Aufmerksamkeit widmen, die es eigentlich permanent verdient, die sonst aber auf Soaps und Fußball gerichtet wird.
Und vor ein paar Jahren (ich weiß nicht ob das noch aktuell ist) hat Deutschland auch noch Atomstrom aus anderen Ländern wie z.B. Frankreich importiert. Das passt dann nicht wirklich zusammen.
Deutschland ist seit Jahrzehnten Strom-Nettoexporteuer. Sowohl in kWh (= wir produzieren viel mehr, als wir brauchen) als auch in € (= wir produzieren den Strom auch dann, wenn er andernorts knapp ist) Das heißt nicht, dass nie Strom aus Frankreich nach Deutschland fließt, im Gegenteil. Das europäische Verbundnetz gleicht ständig Schwankungen über den ganzen Kontinent hinweg aus. Aber deswegen sind wir noch lange nicht von französischem Atomstrom abhängig, im Gegenteil. Als ich das letzte mal nachgeguckt habe, war der Hauptzufluss aus Frankreich nach Deutschland im Frühsommer. Also genau der Zeitraum, wo die Mittelmeerländer aufgrund des optimalen Sonnenstandes maximalen Solarstrom produzieren, das Land sich aber noch nicht so aufgeheizt hat, dass die Klimaanlagen alles wieder auffressen. Gut möglich also, dass auf der einen Seite genauso viel Strom aus spanischer Photovoltaik ins französische Netz reingeflossen ist, wie Deutschland am anderen Ende entnommen hat. Kann man letztlich nicht sagen, denn die "Öko"-Zertifikate werden unabhängig vom Elektronenfluss gehandelt.
Die CDU muss sich erneuern. Bis jetzt sehe ich weder Ansätze noch den Willen dazu. Grüne und Linke werden meine Stimme nicht bekommen. Bleiben nur noch die FDP und AFD ...
... und 45 weitere Parteien. Da sollte sich nun wirklich was besseres als die FDP finden lassen. (Ich selbst tendiere im Moment auch ein Bisschen zu den Liberalen Demokraten, also eine ex-FDP-Auskoppelung, die sich aber auf Bürgerrechte, Zukunftspolitik und Liberalismus statt auf Wirtschaftsvertretung konzentriert hat.)