Ich bin beim Grundversorger - allerdings im 100%-Ökostrom-Tarif
Das bedeutet in vielen Fällen nichts weiter als Abzocke. Im Einkauf beziehen die meisten Versorger weiterhin gemischten Graustrom respektive müssen eine gewisse Menge Ökostrom abnehmen, kaufen also z.B. automatisch 40 kWh grün + 60 kWh Kohle im Bundle zum Einheitspreis. Die 60 kWh werden dann an Billigheimer und Gewerbekunden weitergegeben, denen ihr Strom vollkommen egal ist, und die 40 kWh mit Premium "grün"-Zuschlag an Leute für dich verkauft. Dem Klima ist damit unterm Strich gar nicht geholfen. Solange du bei einem Gemischtanbieter bist, subventionierst du in erster Linie den Billigstrom für Klimaschweine.
Davon abgesehen bleibt aber die Grundaussage: Die staatlichen Zuschüsse waren als Nothilfe für Leute mit explodierten Stromkosten gedacht. Das war bei dir aber gar nicht gegeben.
Freiwillig macht die Masse eben nur was billiger ist und nicht was teurer ist. Wenn letzteres geschehen soll muss die Politik es billiger machen oder erzwingen.
Dein erstes "billiger" ist ein Vergleich zwischen zwei Dingen und eins davon ist teurer. Das zweite dagegen zwischen zwei Zeitpunkten. Damit eine unerwünschte Sache teurer als eine erwünschte ist, muss man keineswegs letzere billiger werden lassen. Insbesondere dann nicht, wenn auch die erwünschtere Sache nur ein Notnagel ist, mit dem man leben kann, der aber eigentlich ebenfalls möglichst wenig beansprucht werden sollte.
Da gibts dann kuriose Konstrukte und Situationen wie beispielsweise mit den oben genannten CO2 Zertifikaten. Prinzipiel ne nachvollziehbare Idee (wenns alle machen würden und nicht nur die EU sich damit selber nen Wettbewerbsnachteil auf der Welt erspielt) aber dann gibts ein Buch an komplizierten Regelwerken
CO2-Zertifkate sind nichts weiter als ein von Lobbyisten geschaffenes Bürokratiemonster, um Verzögerungen, Runterhandlungsebenen und genau die Schlupflöcher zu schaffen, die du beschreibst. Der Grundgedanke ist eigentlich der gleiche wie bei einem CO2-Preis: Emissionen sollen kosten. Aber während ersterer offensichtlich auf alle Brennstoffe zutrifft und über die berechenbaren Folgeschäden einen klaren Sollwert gibt, der VIEL zu hoch aus Sicht der Industrie ist, kann man bei Zertifikaten erst einmal verhandeln, für wen die überhaupt eingeführt werden sollen. Nachdem man da einen Teil der Großemittitenten komplett geschützt hat, verhandelt man als nächstes über die Gesamtmenge. Nachdem die willkürlich-politisch in wirkungslose Höhen getrieben ist, verhandelt man über einen Preis. Und nachdem der auf ein wirkungsloses Maß gestaucht wurde, verhandelt man darüber, wieviele Zertifkate verschenkt werden und an wem. Und mit der richtigen Lobby steht dann z.B. die Stahlindustrie da (aber bei weitem nicht nur die) und erzeugt extra CO2, damit sie das auch in Zukunft weiterhin ohne Kosten machen darf.
Das wäre auch meine Idee damals gewesen. Gebt den Leuten pro Person eine angemessen hohe Leistungsmenge günstig und wer mehr verbraucht zahlt richtig Geld.
Warum sollte das dritte kg CO2 weniger klimaschädlich sein als das dreihundertste? Mit so einer Grenzwertregel schaffst du nur wieder falsche Anreize: "Ach bis XY kann ich verschleudern". Der Zielwert liegt aber ganz klar bei (netto-)null und ALLES, was darüber hinaus geht, ist unerwünscht und wenn es jemand relativ leicht einsparen kann, dann sollte er motiviert sein, dass zu machen - in dem man Bedingungen schafft, unter denen er dann spürbar mehr Geld für anderes übrig hat.
Es stimmt ja auch, was
@DaStash sagt, dass Leute mit mehr Geld auch deutlich mehr CO2 produzieren. Wenn man also, was hier ja immer wieder kritisiert wird, die Leute in der oberen Hälfte der Nahrungskette durch Subventionen von fossilen Brennstoffen weg bekommt
Wieso durch Subventionen? "Subventionen für die obere Hälfte" ist doch wieder nichts weiter als Umverteilung von unten nach oben, denn alle zahlen ein aber nur die, die ohnehin schon mehr haben, kriegen was raus.
Was es braucht, sind im Gegenteil Subventionskürzungen. Vollen Steuern und abgaben auf Kerosin würde z.B. überwiegend Gutverdiener treffen, denn die unteren 20% fliegen keine 10000 km im Jahr. Abschaffung des Dientswagenprivilegs dito, denn sowas haben Leute gar nicht erst. Pendlerpauschale? Weiterhin überwiegend etwas für Leute, die sich ein Haus "im Grünen" leisten konnten, nicht für Leute die in ihrer Wohnung bleiben mussten. Sämtliche Subventionen im Baugwerbe mit Ausnahme der Förderung von Sozialwohnungen gehen ebenfalls direkt zugunsten derjenigen, die das Grundkapital haben, um überhaupt zu bauen.
etc. etc. etc.
Wenn man alle diese klimaschädlichen Subventionen für ohnehin Reiche streichen würde, hätte man nicht nur mehr fürs Klima getan als die Politik derzeit insgesamt schafft, sondern auch gleich noch das Problem mit den eskalierenden Lohnnebenkosten (die ebenfalls überproportional niedrigere Einkommen belasten) gelöst, weil wieder genug Geld für sinnvolles in der Staatskasse wäre.
Wie ideotisch ist dann denn, Menschen zu zwingen mehr zu zahlen um ihnen dann das Geld dafür zu geben, dann kann man das doch einfach weglassen, das macht überhaupt keinen Sinn?!
Das ist nicht "idiotisch", sondern seit der Erfindung von Giralgeld so ziemlich das sinnvollste, was machen kann. Wieviel Geld du den Armen gibst ist vom Aufwand her schließlich nichts weiter als die Änderung einer Ziffer am Computer. UNd die Erhebung von CO2-bezogenen Abgaben auf CO2-Emissionen nichts weiter als eine andere Ziffer bei ohnehin zu erhebenden Abgaben ist. Wenn du dagegen bei jeder kWh eines x-beliebigen Energieträgers erstmal prüfen musst, wer die kauft und wie bedürftig er ist, ehe du bei dem einen eine Abgabe kassierst und bei dem anderen nur eine halbe bei dem dritten gar keine, dann schaffst du ein komplettes zweites Bürokratiemonster. SOLCHE Systeme sind absolut idotisch und entsprechende Beispiele aus der Vergangenheit für einen Großteil des extrem komplexen deutschen Abgabensystems eingebrockt. Eigentlich bräuchte es nur eine CO2-Steuer, eine (sich steigernde) Einkommenssteuer und vielleicht noch 1-3 Mehrwertssteuern, um sämtliche Lenkungs- und Verteilungswirkungen abzudecken. Stattdessen haben wir auf teils auf ein einziges Produkt 3-4 Abgaben, ein anderes kann je nach Bedingungen einer von 3-4 unterliegen und für gleichartige, aus gleichen Gründen mit Abgaben belegte gibt es ebenfalls 3-4 verschiedene parallel, am Ende mehrere dutzend Abgaben insgesamt.
Und auf der Förderungsseite noch einmal genau dassselbe. Denn auch da darf es eben nicht sein, dass jemand (Personen wie Unternehmen) einfach nach einem Bedarf unterstützt werden, sondern es muss jedesmal extra geprüft werden, ob er nicht schon eine von drölftausend anderen Unterstützungsmaßnahemn erhält, die dann auf eine ganz bestimmte, von weiteren Faktoren abhängige Art verrechnet werden muss.
Bullshit, wo man nicht mehr sparen kann, weil man schon am limit ist
Nichts mehr sparen kann man, wenn man bei 0 ist. Ist aber keiner. Bis dahin ist es allenfalls sehr unangenehm, etwas unbequem oder unerwünscht, zu sparen. Und weniger als 10% fallen in die "sehr unangenehm" Gruppe und denen sollte man allgemein aus ihrem Loch helfen, nicht gönnerhaft sinnvolle Politik zu deren "Schutz" verhindern, wovon dann in erster Linie 50% von denen profitieren, die sehr wohl sehr viel einsparen könnten und einfach nur keinen Bock, aber sehr viel Egoismus haben.
Alles richtig.
Die Kommunen (zumindest die meisten) "blockieren" dass aber nicht aus Spaß --> sondern weil einfach das Geld fehlt
Abgesehen davon, dass viele der hier genannten Fälle keine Kommunen, sondern Länder zuständig wären: Entität X hat ihre eigenen Finanzierungsquellen und sollte mit diesen Einnahmen sinnvoll, verantwortungsbewusst und prioritätenorientiert umgehen. In sehr, sehr vielen Bezugsrahmen finden sich jede Menge Beispiele, wo viel mehr Geld für Oberflächlichkeiten oder schlicht Inkompetenz verschleudert wurde, als für eine Solaranlage nötig wäre. Es ist nicht Aufgabe des Bundes, solche Misswirtschaft zu subventionieren.
Nur, wie würde das im konkret genannten Fall enden? Der Preis ist ein Punkt. Er ist aber nicht der ausschließliche Faktor.
Da müssen schon komplexere Ideen an den Tag gelegt werden, meinst nicht auch?
Nö. Eigentlich hast du gerade ein Musterbeispiel dafür gemacht, wie Komplexität künstlich herbeigefühert wird, um sinnvolles, geradliniges, wirkungsvolles Handeln zu verhindern: Du beschreibst eine Lage, in der die CO2-intensivste Lösung die billigste ist und die finanziell attraktivste diejenige, welche den meisten Overhead provoziert. Diese Gesamtlage ist nichts weiter als das vermeidbare, genauer: das zu beseitigende, Artefakt einer Politik, die eben nicht allgemein einen Preis auf CO2 erhebt. Sondern die diverse CO2-Verursacher unbepreis lässt (sodass bestimmte Formen von CO2-Erzeugung spottbillig bleiben), dafür willkürlich an anderer Stelle Geld eintreibt (sodass allgemein wenig für dieses Projekt bereitstellt) und behauptet, beides zu kompensieren, in dem medien- aber nicht klimawirksame Förderungstöpfe eingerichtet werden, für die man eigentlich sinnvolle, schlanke Planungen verunstalten muss, um sie auszureizen.
Schmeiß den Fördertopf raus, mach Zement so teuer wie er klimatechnisch ist und senke mit dem eingesparten Geld die Lohnnebenkosten, damit Handwerker aus Sicht der Auftraggeber nicht mehr ein Vermögen kosten. Damit würdest du dreimal Komplexität aus dem System nehmen und hättest am Ende Bedingungen, unter denen die sinnvollste Lösung (eine geradliniege Sanierung) die günstigste und zudem bezahlbar wäre.
Und ein paar Arbeitsplätze wären nebenbei auch noch entstanden.