Du taxierst allerdings auch mit technologisch gleichartigen Gegenern. Was aber ist, wenn wir einen der Jäger gegen einen gemächlichen Waffenträger ersetzen?
Höhö, interessante Idee
Für die Jäger/Jagdbomberneuanschaffungen sind die bislang niedrigsten Zahlen rund 100 Millionen pro Stück. Das ist genauso teuer wie eine P-8 Poseidon im US-Beschaffungsprogramm (das mehr als nur das reine Flugzeug beinhaltet). Die ist nicht nach 3,5 Minuten in der Luft, wenn der Feind in 250 km Entfernung entdeckt wird. Die ist, dank ihrer Größe und der Möglichkeit, Crew abzulösen, seit 3,5 Stunden in der Luft. Über die Radar-Reichweite eines Anti-Air-Waffensystems auf gleicher Basis kann man nur spekulieren, aber vermutlich hat sie den Feind schon selbst geortet und alle Maßnahmen geplant, ehe dieser auf 250 km ran ist. Statt bei 100 km zwei AMRAAMs abzufeuern, startet sie dann bei 200 km zwanzig METEORs, dreht um und richtet ihr aktives Waffensystem (das man an Stelle der halben Seeüberwachungscrew der Poseidon einbauen kann) in Richtung Feind, was die eigenen Überlebenschancen auf das von dir berchnete Maß anheben dürfte, obwohl keine Ausweichmanöver möglich sind. (Falls der Feind überhaupt Waffen mit genug Reichweite dabei hat. Näher als 170 km wird seinem Opfer jedenfalls nicht kommen, bevor er in die Wand aus Flugkörpern knallt.)
Sowas ist allerdings ein seeehr langsames System mit kaum Ausweichmöglichkeiten, denn...
Auch die Russen haben natürlich ähnliche Radargelenkte Raketen mit ähnlicher Reichweite und ähnlicher Trefferwahrscheinlichkeit - ist eben so.
Es ist nun mal so, dass zum Ausweichen gegen eine Fire-and-Forget-Waffe, nehmen wir die AIM-120 als Beispiel, weil diese Rakete nachweislich bisher die meisten Standoff-Abschüsse erfolgreich absolvierte, es nicht damit getan ist, einfach nur Chaffs hinten rauszuschmeissen.
Chaffs haben all die abgeschossenen MIG-21/23 usw. auch.
Die wurden deswegen abgeschossen, weil sie nicht die Fähigkeit haben, extreme Ausweichmanöver im Überschallbereich auszuführen.
Man muss bei möglichst hoher Geschwindigkeit, möglichst extreme Flugmanöver fliegen, damit man quasi die Manövrierfähigkeit der Rakete überreizt. Die Chaffs verwirren solch eine Rakete nur für Sekunden und diese Sekunden gilt es zu nutzen.
Eine whatever Poseidon fliegt wie eine lahme Ente durch die Gegend und kann Chaffs rauswerfen wie sie will, am ende wird sie schlichtweg mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit abgeschossen.
Jetzt mal abgesehen davon, dass die METEORs bessere Trefferchancen haben, weil sie neuer sind (die USA haben seit der AIM-54 halt keine LRAAM entwickelt und irgendwas sagt mir, dass wir keine R-77 oder gar R-37 bestellen können): Bei den von dir angesetzten 60% Ausweichchance gegen zwei Raketen verbleibt gegen zehnmal so viele eine Chance von 0,6%. Um ausgehend von deinen 30% Durchdringungsquote des Gegners gegen AMRAAM und Sidewinder mit einem wendigen Jäger noch die Kampfwirkung einer simplen 737 zu erreichen, musst du im Luftnahkampf also eine Erfolgsquote von 50:1 hinbekommen. Gegen einen technologisch gleichwertigen Gegner. How??
Das Prinzip eines Abfangjäger beruht auf einer 3fachen Chance mit drei unterschiedlichen Waffensystem.
Eine große Maschine könnte lediglich zwei Chancen wahrnehmen Radar + IR Raketen und würde eine deutlich höhere Eigentrefferwahrscheinlichkeit haben, da sie den ersten zwei Waffensystemen des Gegners kaum ausweichen kann.
Und diese Rechnung geht noch von einem recht merkwürdig fokussierten Flugzeugtyp aus. Die japanische E-767 AWACS hat trotz des riesigen Radoms netto gerade einmal drei Tonnen zugelegt und da sollte außer dem aktiven Abwehrsystem und dem Waffenschacht schon praktisch alles drin sein, was sich ein Luftüberlegenheitsjumbo wünschen kann. Die Schweden brauchen ebenfalls drei Tonnen AWACS-Ausrüstung in ihrer Saab, um Flugzeuge auf >350 km Entfernung zu tracken. Die P-8 dagegen ist leer satte 20 Tonnen schwerer als das zivile Basismodell. Mehr als eine komplette E-2 Hawkeye. Keine Ahnung, was die Marine da für Sonderanforderungen mit drinne hat, aber ich halte es für gut möglich, dass mein radikaler Gegenentwurf locker das doppelte bis dreifache der oben angesetzten Waffenlast tragen könnte.
Die Mehrlast ist tatsächlich kaum ein Problem. Ob nun eine P-8 neben den 2-3 to Waffenlast im internen Schacht an Stelle der Luft-Boden-Raketen AA-Raketen mitführen würde, ist letztlich nur ein Thema eines umgestalteten Waffenträgers und ein anderer Luftsuchradar in der Nase oder sonstwo.
Die meisten "Lastflugzeuge" der USA und einige in der Nato, haben bis Dato keine Raketenbewaffnung, verlassen sich primär auf das LAIRCM-Abwehrsystem.
(Und trotzdem ist das ganze noch ein bescheuerter Entwurf gegenüber Drohnen, die fürs gleiche Budget noch einmal mehr könnten.)
Nun, es kommt ja nicht von ungefähr, dass wir weiter oben über Begleitdrohnen von Kampfflugzeugen parliert haben. Ich bin überzeugt davon, dass der "Luftkampf" in 50 Jahren (sofern es uns da noch gibt) primär mit KI-Drohnen ausgefochten wird.
Abgesehen davon, dass es Umgebungsluft braucht, die es in der Umgebung von Eurofightern, F-35 und 737 aber mit recht hoher Zuverlässigkeit gibt, enthält das Antriebssystem zumindest keine zusätzlichen aktiven Komponenten. Auch wenn ich zustimme, dass die Idee ziemlich ungewöhnlich ist. (In meinem Rechenbeispiel steht die METEOR, wie gesagt, auch nur als Platzhalter für eine LRAAM

)
Ich habe unter meinem Bekanntenkreis aus den USA auch einen EX-Piloten einer SR-71, mittlerweile 69 Jahre alt.
Passt aber halbwegs zu meinen 57.
Er flog die 61-7974 bis zum Unfall und Totalverlust der Maschine 1989.
Wen dem seine Storys anhörst, wie er z. B. in 20 km Flughöhe mit Mach 2,5 mehrfach verzweifelt versucht hat, die Staustrahltriebwerke nach Fehlzündung wieder hochzufahren, kommen da einfach Zweifel auf, ob das die Richtige Techno ist, für ein zuverlässiges Fire-and-Forget-System...