Produkt A kann mehr als Produkt B, ist dabei günstiger und sorgt zusätzlich dafür, das unsere Marine breiter aufgestellt ist, und mehr Aufgaben übernehmen kann. Mhm, meiner Meinung nach würde sich ein Kauf schon lohnen. Ich sag ja nicht das man eine ganze Flotte von diesen Schiffen braucht, aber mit zwei Schiffen + Eskorte fände ich das nicht mal übertrieben.
Beim Preis der Mistral bitte nicht die Waffensysteme vergessen. Bei einer F126 sind die inklusive, bei einem Träger- und Transportschiff afaik nicht in den Kostenangaben enthalten. Ebensowenig die Begleitschaffe. Alles in allem dürften zwei Mistral-Kampfverbände locker so viel wie acht F126 kosten. Wir können uns aber nur sechs leisten und so vielseitig die Mistral auch sein mag: Spätestens wenn Ablösen in einem entfernten Einsatzgebiet nötig werden, hat man auch mit zwei noch so guten Schiffen ein ziemlich großes Problem im Vergleich zu sechs einfacheren Einheiten. Denn auch das beste Schiff kann nicht gleichzeitig im Indischen Ozean im Einsatz, im Atlantik auf An- oder Abreise, in Hamburg im Dock und in der Ostsee auf Ausbildung sein.
Sind wir durch die NATO 2% Regelung nicht sowieso verpflichtet, mehr Geld für die Rüstung auszugeben? Das wäre doch mal eine sinnvolle Investition.
Nö.
- Die Absichtserklärung verpflichtet uns zu gar nichts
- Es geht um Verteidigung, nicht um Rüstung, die ist nur ein Teilgebiet davon
- Ich hab große Zweifel daran, dass die Verteidigung anderer Staaten so gut finanziert ist, selbst wenn das Budget soviel Geld für ""Rüstung"" ausweist.
NATO 2%-Ziel: Was zählt eigentlich?
Ich fände es auch absolut inakzeptabel, 20% des Bundeshaushaltes in Rüstung zu investieren. Das wären mehr als Bildung, Forschung, Gesundheit, Familien/..., Umwelt, Klima, Reaktorsicherheit, Verbraucherschutzt und Justiz zusammengenommen. Noch ein Bisschen mehr und wir würden Russland überholen.
- Geht es nicht um eine "sinnvolle" Investition, sondern um die sinnvollste.
Gegenfrage: Braucht Deutschland aus militärischen Gründen eine Flotte von besseren "Piratenjägern"?
Meiner Meinung nach nicht, da bestünde einiges an Einsparungspotential. Allerdings können die besseren Piratenjäger auch U-Boote jagen, an außeinanderliegenden Orten operieren und wären im Ernstfall nicht so leicht alle auf einmal auszuschalten. Sinnvoller als sinnlos ergibt eben noch lange nicht fehlerfrei und es gibt sehr, sehr, sehr viel mehr Dinge, in die man sein Geld stecken könnte. Mit einer Gegenfrage kommst du also nicht davon. Das Geld liegt nicht auf der Straße und die Frage nach einem dringenden Bedarf an Hubschrauberträgern muss beantwortet werden.
Klingt gut, nur stellt sich mir hier die Frage von Wartung und Lebensdauer. Die AN-124 ist auch ein Kind des kalten Krieges, und hat bereits ein paar Jährchen auf dem Buckel. Außerdem haben wir doch die A400M, da brauchen wir doch kein.... Achso Moment, da war ja was....
Ich habe auch länger gesucht, um einen besseren Typ zu nennen, zumal die Produktion seit langem steht. Aber abgesehen von der Galaxy, die für Katastrophenhilfseinsätze deutlich schlechter geeignet sein dürfte und auch nicht gerade ein Kind des 22. Jhd. ist, gibt es da nicht höchstens noch die C-17

.
A400 ist, selbst wenn sie mal funktionieren würde, jedenfalls deutlich kleiner. Das macht Militär-taktisch Sinn, aber wenn wir wirklich einen mittelgroßen Stützpunkt in kurzer Zeit ans andere Ende des Planeten verlegen wollen, dann braucht es einen strategischen, keinen taktischen Transporter. Afaik können wir mit dem VWbus nicht mal unsere CH-53 zum Einsatz fliegen und bei anderem Großgerät transportiert man schnell nur noch ein Objekt pro Flug, sowas wie der Marder passt gleich gar nicht rein. Und das ist in meinen Augen eine viel verschwiegendere Lücke bei den eigenen Fähigkeiten, als ein fehlender Hubschrauberträger. Den haben wir in diesem Jahrtausend nur bei einer Mission wirklich vermisst (ob man ihn den 90ern vor Jugoslawien hätte nutzen können, kann ich nicht sagen. In der schmalen Adria wäre Selbstschutz jedenfalls ein sehr wichtiges Thema gewesen) und ausgerechnet in dieser Mission tut es auch ein guter Piratenjäger. Umgekehrt haben wir weltweit aber einen ganzen Haufen Einsätze des Heeres und damit ist auch in Zukunft eher zu rechnen, denn viele Krisenregionen liegen im Landesinneren und aufgrund unserer heimischen Geographie haben wir auch einfach mehr Heer, das wir einsetzen können. Und da sind wir dann ständig auf fremde Hilfe angewiesen. Und die wurde in den letzten beiden Jahrzehnten iirc nicht einmal immer durch NATO-Kapazitäten ausgeglichen (was ansonsten bei Hubschrauberträgern auch möglich wäre - wer braucht eine Mistral, wenn mehrere Wasps nach Aufgaben suchen?), sondern tatsächlich mit gecharterten Urkainern oder gar Russen. Das ist in meinen Augen ein erheblicher Schwachpunkt.
Zu den Trägern:
Die Mistral ist als Mehrzweckschiff und Kommandoschiff ausgelegt.
Sprich Eloka, Fernaufklärung, Radarkapazitäten sind deutlich mächtiger als auf einer Fregatte.
Mit Ihrem RoRo Deck ist sie in der Lage, einen Teil der Berlin Klasse als Einsatzgruppenversorger mit zu übernehmen oder die Einsatzzeit für eine Einsatzgruppe zu verlängern.
Im Nordatlanik: Definitiv. Aber was macht man dort mit einem Hubschrauberträger? Sich im ersten Wintersturm einen Tropedo einfangen?
Im Indik: Jein. Natürlich kann sie immer Vorräte für ihre Begleitschiffe bunkern, aber um erstmal in die Region zu kommen, muss sie selbst versorgt werden, fungiert vor Ort also allenfalls noch als Zwischenspeicher der eine unregelmäßigere Versorgung ermöglicht. Versorger für die Gesamtmenge an Ressourcen würden weiterhin benötigt. Will man die Möglichkeiten der Mistral ausnutzen, sogar entsprechend mehr Ressourcen.
Alternativ ist sie in der Lage, Kommandounternehmen auch mit schwerem Einsatzgerät (z. B. Schützenpanzer) zu unterstützen (bis zu 59 Fahrzeuge Ladekapazität).
Zweifellos ist die Fähigkeit, bis zu 16 an Stelle von regulären 2 Hubschraubern mitzuführen, gerade bei Überwachungseinsätzen eine extrem valide Steigerung.
Sie kann selbst aber keine Einheiten anlanden (außer in einem Hafen, aber da kann das jede Fähre

) und wir haben meines Wissens nach keine amphibischen Landungseinheiten für 59 Schützenpanzer. (haben wir überhaupt 59
einsatzbereite Schützenpanzer?

)
Für Nationen, die all die Infrastruktur und Ausrüstung für LHDs haben, bietet so ein Kahn eine ganze Menge Möglichkeiten - zumindest an Küsten. Aber so ein Land sind wir nicht. Und wenn man all das extra anschaffen und unterhalten muss, stellt sich die Frage, ob wir für das gleiche Budget nicht wesentlich mehr militärische Schlagkraft bekommen können. Inbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, dass 80% der bedenklichen Krisenregionen der Erde gar keine Küste haben.
Das Schiff hat mehr als ausreichend close-in Bewaffnung an Bord, somit bedarf es sicherlich nicht 2-3 Geleitfregatten, sondern 1, max. 2 kampfstarke Geleitschiffe gegen Überwasser- und Unterwasserbedrohungen.
Kann ich nicht selbst beurteilen, allerdings sieht die Waffenliste etwas eher aus für ein so großes Schiff und ich sehe weder etwas gegen größere Seeziele noch eine sonderlich dichte Luftabwehr und gegen Unterwasserziele gibt es scheinbar auch nur die Helikopter. Andere scheinen das ähnlich zu sehen, auch wenn mittlerweile nachgerüstet wird (was den Preis spürbar anheben könnte):
Mistral-class amphibious assault ship - Wikipedia
Wenn ich bedenke, dass ein Hubschauberträger nur einen gewissen Abstand zum feindliche Küste halten kann, halte ich ein Schiff definitiv für zuwenig, um einen wirkungsvollen Schutzschirm aufzuspannen.
Betrachtet man die Realitäten, bedarf es für z. B. SNMG 2 theoretisch die ständige Vorhaltung von 2-3 Fregatten der Bundeswehr.
Als die Italiener die Giuseppe Garibaldi für die Operation Sophia bzw. der SNMG 2 zu Verfügung gestellt hatten (ab 2016 glaube ich), konnte JEDES beteiligte NATO-Land jeweils ein-drei Schiffe abziehen.
Die Mistral ist sicherlich nicht ganz so so kampfstark, aber eine Reduktion in Summe um 12 Zerstörer/Fregatten sagt schon alles über die Leistungsfähigkeit eines einzigen Hubschrauberträgers.
Hast du für diese Zahl eine Quelle??
Aktuell besteht SNMG2 aus einer Fregatte, einem Versorger und drei kleineren Kampfeinheiten:
Allied Maritime Command - Standing NATO Maritime Group Two (SNMG2)
Und laut Wiki sind mehr als 10 Schiffe (einschließlich Kleingemüse) auch nicht üblich. Wie kann man 12 Fregatten abziehen, wenn nicht einmal vier da sind? Ganz abgesehen davon, dass 12 Fregatten in der Regel 24 Helikopter zzgl. reichlich Raketenbewaffnung bedeuten sowie die Fähigkeit, bequem ein viermal so großes Gebiet wie den Erfassung-/Kampfradius jedes einzelnen Schiffes abzudecken und sich immer noch reichlich gegenseitig zu Unterstützen. Das ist deutlich mehr, als eine Mistral bieten kann. Wenn es nur um Hubschrauber geht, könnte sie naheliegenderweise 8 Fregatten ersetzen. Sucht man nicht nur nach Piraten, sondern hat es mit einem ernstzunehmenden Gegner zu tun, vielleicht noch 6 - rechnet man die Gefahr eines Totalverlustes bei Einsatz mit nur einem Eskortschiff ein, würde ich den strategischen Wert des Verbandes für eine Verteidigungsarmee sogar bei maximal 4 multifunktionalen Schiffen sehen. Das ist immer noch viel für zwei Schiffe, aber in einer Kosten-Nutzen-Rechnung kein Selbstläufer mehr. Es lohnt sich nur, wenn man genau diesen Nutzen am dringensten braucht und das sehe ich bei einer Armee, der primären marine Aufgabe immer noch der Schutz von Nord- und Ostsee ist, jetzt nicht so wirklich gegeben.