Die Frage ist doch was effektiver ist?
Ein schnelles Flugzeug, oder ein schnelles hocheffektives Kampfflugzeug, was in seiner Klasse ohne Konkurrenz ist.
Effektiver für was?
Die Effektivität der SR-71 für Aufklärungsflüge über (technologisch fortschrittlichem) Feindesland lautet seit bald 35 Jahren offiziell: "keine"
Die Effektivität der MiG-31 für Kampfeinsätze über (technologisch fortschrittlichem) Feindesland lautet offiziell: "keine"
Ich würde mal sagen, dass ist ein klares 0:0 zwischen zwei Museumsstücken. Zwar ist die -31 als flinke Raketenstartrampe bis heute heute ungeschlagen, aber außer Russland sieht niemand einen Bedarf an diesem Spezialgebiet. Aus rein geographischen Gründen kämen auch überhaupt nur China (aber nur für die Verteidigung gegen Russland) und Kanada (wirtschaftlich zu klein für Eigenentwicklungen) in Frage. Alle anderen wollen flexiblere Flugzeuge für kleinräumige Einsätze. "Verteidigung Sibiriens" steht halt einfach nicht auf der To-Do-Liste der Luftwaffe, also wollen die auch kein dafür optimiertes Flugzeug.
Die Mig-25 flog auch Aufklärung im Krieg gegen Israel. So ganz abwegig ist der Vergleich nicht.
Wenn man ein halbes Jahrhunder in der Vergangenheit lebt: Ja.
Die Aufklärungsversion der MiG-25 nutzte tatsächlich den gleichen Grundgedanken wie die SR-71, wenn auch in etwas simplerer, langsamerer Ausführung. (Halt ein modifizierter, relativ robuster Abfangjäger statt einer empfindlichen Spezialkonstruktion.) "Fliege so schnell und so hoch, dass dich keiner kriegt, obwohl dich jeder sieht."
Aber dieses Konzept ist einfach restlos veraltet. Anti-Luft-Raketen, sowohl boden- als auch luftgestützte waren Anfang der 80er technisch so weit entwickelt und räumlich so weit verbreitet, dass die MiG-25 nicht mehr sicher war und Mitte/Ende der 80er so, dass die SR-71 obsolet wurde. Gegen technologisch rückständige Gegner hat man beide noch eine Zeit lang eingesetzt (bzw. Syrien macht das bis heute), aber das war Zweitverwertung von Mustern, die halt sowieso rumstanden.
Aber mit der MiG-31, die DU angesprochen hast, haben beide nichts zu tun. Die -31 hat die normale -25 ersetzt und diese war nicht nur noch viel früher veraltet (eigentlich ab Tag 1, weil ihr erklärtes Ziel ja nie in Dienst gestellt wurde), sondern für diese Rolle hat man im Westen nach den 50ern schlichth wenig Bedarf gesehen und keine spezialisierten Flugzeuge mehr dafür konstruiert. Im Rennen um den besten Langstreckenhochgeschwindigkeitsabfangjäger belegt die MiG-31 also Platz von 1 von 1. Ob man das als "Sieger" oder "Letzter" feiert (oder gar nicht), hängt davon ab, auf welcher Seite der russischen Grenze man steht.
Wobei der Gedanke ja nicht so abwegig war, seine Duelle auf Entfernung mit Raketen zu führen.
Wenn man die Entfernung hat, ist das eine verlockende Idee, ja. Aber was wenn nicht? Die MiG-31 ist konstruiert, um über ettliche 100 km Entfernung in Richtung eines Ziels zu fliegen und dieses dann aus weiteren 100ten km Entfernung zu bekämpfen. Das kann man in Sibirien machen. Aber nicht z.B. in Mitteleuropa. Die chinesischen Flugzeuge, gegen die sich z.B. Taiwan verteidigen will, sind schon in ihrem Heimathangar näher an potentiellen Zielen dran, als einem MiG-31-Piloten lieb wäre. Würde ein israelisches Flugzeug auf ägyptischen Raketenbeschuss mit der Verteidigungstaktik der MiG-31(/-25/SR-71) reagieren, also mit "ich flieg einfach so schnell wie möglich in Gegenrichtung", dann würde er einmal quer über ganz Jordanien bis in irakischen Luftraum jetten.
Ich weiß nicht ob man das alles so sicher sagen kann.
Persönlich finde ich den russischen Ansstz, natürlich, ein wenig klüger
Stealth, Raketen, hochentwickeltes Radar und Abwehrmittel, aber überragende Flugeigenchaften und hohe Geschwindigkeit.
Das "hochentwickelte" Radar der MiG-31 ist aus heutiger Sicht ziemlich antiquitiert. Du hast es ja selbst zitiert: Die modernste Variante kann nur 6 Ziele bekämpfen, 10 erfassen und das nur in der Luft. Schon der Tornado ADV konnte 20 und der wurde vor 20 Jahren wegen seiner veralteten Technik in Rente geschickt. Auch die beachtliche Radarreichweite der MiG-31 liegt nur wenig über dem, was heute der F-22 für Ziele mit sehr kleinem Radarquerschnitt nachgesagt wird und die F-35 hat eine noch einmal weiter entwickelte Ausbaustufe. Vor allem aber sind diese Vergleichsobjekte alles Mehrzwecksysteme, die auch den Boden abtasten und sogar in gewissem Maße für elektronische Kriegsführung/Störung gegnerischen Radars genutzt werden können.
Das fehlt der MiG-31 alles, die ist ein One-Trick-Pony. Und dieser Trick lautet: Sei arschgroß. Die MiG-31 hat das Startgewicht von zwei Eurofightern. Oder um einen anschaulicheren Vergleich zu geben: Der Vogel ist näherungsweise so groß wie ein 100-Sitze-Kurzstreckenjet (Bombardier 1000, Superjet 100). Diese Größe haben die sowjetischen Ingenieure genommen um zwei riesige Triebwerke, ein riesiges Radar, einen knappen Treibstoffvorrat und sechs Raketen unterzubringen. Alles andere war optional und fehlt bis heute.
Wenn Wiki in der Hinsicht vollständig ist, fliegt die MiG-31 im Rahmen des Ukraine-Kriegs ihre ersten Einsätze überhaupt und die bestehen nur darin, in sicherem russischem Luftraum aufzusteigen und ein paar Raketen auszuklinken. Das sie Mach 2,8 fliegen könnte, ist dafür komplett überflüssig, das ginge mit Mach 0,28 genauso gut. Und ihr großes Radar wird auch nur genutzt, weil der allgemeine elektronische Stand halt auf dem Niveau der (afaik) 90er ist. Ein Flugzeug mit Avionik aus den 2010er würde in so eine Szenario gar keine eigene Zielerfassung betreiben, sondern einfach AWACS-Daten in die Rakete spielen und wieder nach Hause fliegen. Mit der MiG-31 aus Russland heraus auf ukrainische Maschinene zu schießen ist in etwa so, wie mit einem F-40 Brötchen holen zu fahren - funktioniert, ist ein beeindruckendes Stück Technikgeschichte, aber außer viel Lärm und CO2 kommt nicht bei rum, was man nicht auch anders haben könnte.
Die F-35 ist so eine Eierlegende Wollmilchsau, die nichts überragend kann und sich auf ihre " Unsichtbarkeit" verlässt.
Fällt dies weg, was ist dann noch übrig?
Die BW sollte eher F-15, oder Eurofighter kaufen.
Ich wäre auch für Eurofighter gewesen. Aber da hätte ja jemand zugeben müssen, dass der Auftrag für die Entwicklung einer Aufklärungsvariante 5-10 Jahre lang verschleppt wurde. Außerdem hätte man sich offen von den USA und der überholten nuklearen Teilhabe distanzieren müssen, anstatt sich damit auch noch erpressen zu lassen.
Wenn wir Glück und fähige Verhandler haben (

) stimmen wenigstens die Kosten (was man beim Eurofighter nicht immer behaupten konnte). Die vergleichsweise zahlreichen Verkaufserfolge der F-35 in letzter Zeit kann ich mir jedenfalls nicht mit den weiterhin eingeschränkten Eigenschaften als Flugzeug erklären. Aber man hört nicht mehr die astronomischen Preisen, von denen die US-Beschaffung geprägt war. Und in der Kategorie "kleiner Single-Jet" ist die F-35 ja durchaus ein feines Stück Technik. In die Kritik ist sie vor allem geraten, weil im Prinzip zwei F-35 statt dreier F-15E angeschafft wurden, aber nur die Kampfkraft von einer boten.
Bei potenziellen Konflikten mit China und Russland kommt es jedoch auf die Reichweite an. Der Pazifik ist riesig. Obwohl der Luftwaffenstützpunkt Kadena auf Okinawa nahe genug an Taiwan liegt (400 Meilen), ist er 1.400 Meilen vom Südchinesischen Meer entfernt, wo ein solcher Konflikt wahrscheinlich stattfinden würde. Die Basis der Anderson Air Force auf Guam ist 1.400 Meilen vom Südchinesischen Meer und 1.700 Meilen von Taiwan entfernt.
Wieso geht du davon aus, dass die USA Russland oder gar China erobern wollten? Breaking News: Außer Puting gibt es derzeit keine größenwahnsinnigen Imperialisten, die eine Supermacht kontrollieren. Und kann niemand China und außer China niemand Russland erobern, weil schlicht das Personal fehlt. Kampflugzeuge für einen transozeanischen Krieg werden also gar nicht benötigt. Die Ausstattung der USA (aber eigentlich auch jeden anderen Staates, siehe Reichweiten von z.B. MiG-29/-31/-35/Su-27...) ist darauf ausgelegt, etwaige Angreifer nahe des Heimatlandes zu vernichten. Verteidiger haben schließlich den Vorteil, dass ihnen ihre Ziele wortwörtlich zufliegen. Strategische Ziele in der Heimat des Feindes zerstört man heutzutage mit Raketen und Marschflugkörpern.
Die einzigen Flugzeuge, die nach B-52 und Tu-95 noch darauf ausgelegt wurden, sind die B-2 und, eher als Nebeneffekt denn Kernfähigkeit, die Tu-160. Aber doch kein Jäger. Wenn die USA so etwas nahe an China oder Russland einsetzen wollen, dann zur Unterstützung von Freunden vor Ort. Freunde, die Flugplätze haben, da muss man nicht aus Huston anfliegen. Und wenn man mal keinen Flugplatz nutzen will bzw. den letzten Rückzug von einem solchen decken muss, gibt es ja noch die Trägerflotte.
RAF Lakenheath zum Beispiel ist fast 1.000 Meilen von den baltischen Staaten entfernt, und Spangdahlem AFB in Deutschland ist 850 Meilen entfernt.
Das sind Logistikhubs. Die SOLLEN weit von potentiellen Angreifern entfernt sein. Verteidiger für das Baltikum sind im Baltikum (

) oder maximal in Polen, künftig in Schweden, stationiert.
Darüber hinaus sind Luftwaffenstützpunkte wieder anfällig, sodass US-Flugzeuge möglicherweise weiter von ihren Zielen entfernt stationiert werden müssen und die gegnerische Luftverteidigung das Tanken aus der Luft riskant machen kann.
Also was denn nun: Sind die US-Stützpunkte so nah am Feind, dass sie direkt angegriffen werden können oder so weit weg, dass der Gegner außer Reichweite ist? Im Rahmen obiger Weißheit "alle haben Flugzeuge die gerade weit genug kommen, um die Heimat zu verteidigen", haben die USA mit schöner Regelmäßigkeit noch die größten Tanks verbaut (ausgenommen F-35, wobei die ja auch kein direktes Gegenstück hat). Jeder, mit einer bestimmten Waffengattung einen US-Stützpunkt angreifen will, muss sich bereits vor in Reichweite des entsprechenden US-Gegenstücks bringen.
Infolgedessen empfehlen viele Analysen Maßnahmen zur Erhöhung der Abstandsreichweite und zur Verringerung der Verwundbarkeit, einschließlich einer Betonung von Bombern aufgrund ihrer großen Reichweite.
Könntest du ein paar von den "vielen" Analysen verlinken, die ernsthaft im Jahre 2022 einen Schwerpunkt auf Bombern empfehlen?
Attack/Jagdbomber - okay. Aber echte Bomber? Vögel mit großer Reichweite, wo unten tonnenweise Sprengstoff rausfällt? Das ist sowas von 1950. Selbst die Maschinen, die es noch gibt (Tu-95, B-52, Tu-160), werden, gegen technologisch fortschrittliche Feinde (!), nur noch als Träger für Marschflugkörper eingesetzt. Aber mit Ausnahme des (nicht zur Nachahmung empfohlenen) Sonderfalls B-2 hat doch schon ewig (seit Vietnam?) niemand mehr einen klassischen Bombeneinsatz geflogen.
Es wären wahnsinnig viele Materialien und Menschen zu transportieren und vorher in Häfen und Städten zu sammeln.
Das große Kriege bei der Versorgung entschieden werden, hat sich schon mehrfach gezeigt. Dass die USA und ihre Alliierten ungeschlagen in dieser Disziplin sind ebenfalls, die neueste Bestätigung läuft gerade.
Ein weiterer Punkt ist das Alter der Flotten, ich werde für noch eine andere Quelle heraussuchen, wo der geringe Einsatzgrad der Kampfflugzeuge und mangelnde Flugstunden kritisiert werden.
Bevor du den Thread mit Spam flutest, den eh keiner liest, mache dir die Mühe vergleichbare Quellen für potentielle Gegner rauszusuchen. Überall auf der Welt kritisieren Militärfans ihre jeweilige Regierung wegen überaltetertem, unzureichenden Material und verbesserungswürdiger Ausbildung. (Oder zumindest überall da, wo man sowas kritisieren kann, ohne für 10+ Jahre nach Sibirien/nach Xinjang/... geschickt zu werden).
Am Ende zählt aber nicht, wer die perfekte Armee hat, sondern wer die weniger schlechte in Stellung bringt. Auf die Bundeswehr sollte man bei einem Konflikt unter 1.-Welt-Staaten nicht wetten, alleine könnte die sich nicht einmal gegen Russland oder sowas verteidigen. Aber die USA sind, trotz aller Mängel, immer noch mit großem Abstand auf Platz 1. Und sie haben die mit Abstand meisten Verbündeten, die zusammen locker noch einmal die gleiche Kampfkraft in die Wagschale werfen können. Man sieht ja aktuell, was passiert, wenn die NATO-Partner sich in erster Linie um Wirtschaft, Inflation, Energiewende, Midterms, Diplomatie und WM kümmern, aber militärisch auch mal nebenbei mit dem kleinen Finger wackeln. Schon die Lieferung von überwierigend ausgemustertem oder kurz vor der Ausmusterung stehendem Altgerät hat gereicht, um die bis vor kurzem zweitgrößte Militärmacht der Welt binnen weniger Wochen von einem seit über einem Jahrzehnt vorbereiteten, mit modernstem Material geführten Eroberungskrieg in eine nur mit hundertausenden Zwangseinberufungen, teilweiser Kriegswirtschaft und iranischer Unterstützung zu stabilisierende Defensive zu zwingen. Gut, in gewisser Hinsicht war China längst stärker als Russland, aber Projektion der eigenen Macht über größere Entfernungen gehört nicht dazu.