Des Weiteren ändert dieser Punkt auch nichts daran, dass heutzutage die Mehrheit der Deutschen auf grund der wirtschaftlichen Lage von Ängsten, wie Existenzangst und die Angst vor sozialem Abstieg, betroffen ist.
Ist das so? Und falls ja -
warum ist das so? Wieviel
realen Naehrboden haben diese Aengste von Menschen in einem der am besten ausgestatteten Sozialsysteme der Welt? Sind diese Aengste am Ende nur
geschuert?
Und genau diese wichtigen Punkte gab es damals nicht und das sollte mein Post eben darstellen. Da spielt es keine Rolle was genau die Hintergründe waren. menschen sind bereit Übel hinzunehmen, wenn sie sich dafür in Sicherheit wiegen können.
Wie "gut" ist eine Sache, wenn der Preis fuer sie ein "Uebel" ist?
Die Sozialpolitik der DDR war, aehnlich der des Dritten Reiches, taktischer Natur und primaer auf Nahziele wie groesstmoegliche Produktivitaet und Besaenftigung der Massen im Gegenzug fuer die schon angesprochenen "Uebel" angelegt - also mitnichten ein Wohlfahrts-, sondern ein Wohlverhaltensstaat. Ist das wirklich noch eine "Sozial"politik oder nicht eher ihre Perversion?
Die Menschen nehmen es in Kauf weil Ihnen suggeriert wird, dass sie dadurch sicherer Leben und das ist dann auch der "entscheidende" Punkt.
Was ist "gut" an "Suggestion"?
Suggestion ist ein huebscheres Wort fuer Taeuschung. Und ich finde nichts Gutes daran, betrogen zu werden oder mich gar selbst zu betruegen.
(...)und ich will nicht abstreiten das Gewisse Maßnahmen wie Apell etc Mittel gewesen sind sozialistisch, kommunistische Lebensweisen und Denkweisen zu vermitteln, jedoch kann ich definitiv nicht unterschreiben, dass das System voll auf Propagandan getrimmt war.
Das belegt allenfalls, wie omnipraesent und teils subtil die Propaganda war - und wie effektiv. Musik und Kunst (um Deine Beispiele zu bemuehen) gab es nur, wenn sie politisch korrekt und instrumentalisierbar war (Lesestoff bei mir war ein Roman, in dem gute FDJ´ler boese Westspione enttarnen; gesungen wurden Arbeiterlieder), im Englischunterricht musste regelmaessig die "Campaign for Nuclear Disarmament" als Kontext herhalten usw. Das gesetzlich festgeschriebene Ziel der DDR-Bildung war die Heranbildung sozialistischer Persoenlichkeiten.
Drehen wir den Spiess um - und substrahieren all das. Keine Ausbildung an Schusswaffen, keine Lagerunterbringung, keine Propagandaauftritte der NVA mit Panzerbesichtigung, keine Appelle, keine Uniformen, keine Umzuege. Was bleibt dann eigentlich noch uebrig?
Zahnversorgung? Zuzahlung? Wartezeiten? Alles besser als damals?
(...)
Naja heut ist ja auch bekannt das viel zu schnell Antibiotika verschrieben wird. Vielleicht galt damals die Devise eine Erkrankung erst ienmal mit
Durch Republikflucht gab es bis Mitte der 70er Jahre einen chronischen Mangel an Medizinern in der ambulanten Behandlung; Zahnmedizin eingeschlossen:
Klick. Das sich die Situation auf der Zielgeraden besserte, lag also daran, dass die DDR zusehends mehr zu einem riesigen Gefaengnis mutierte. Ist das "besser"?
Die
Devise war ganz simpel - man benutzte, was da war. Und im Falle von Zahnbehandlung war das vor allem das umstrittene Amalgam, aber keine Betaeubung. War die Erkrankung altersspezifisch, wurde auf die Einfuhr des Medikamentes auch schon mal verzichtet. Bis 1985 wurden Medikamente aus dem nichtsozialistischen Ausland ueberhaupt nicht eingefuehrt.
Der "SV-Beitrag", das Aequivalent zur heutigen Krankenversicherung, betrug 20 Prozent des Bruttoeinkommens.
Gleiche Frage hier: man substrahiere das realsozialistische Element - was bleibt dann noch bemerkenswertes uebrig? Die Poliklinik? Heisst hier Aerztehaus und ist mitnichten neu.
Die Abschaffung der Krankenscheingebuehr - war uebrigens ein Wahlversprechen der NSDAP, das nicht unerheblichen Einfluss auf ihren Wahlsieg 1933 hatte. Eine umfassende Analyse von Sozialsystemen und ihrer Instrumentalisierung am Beispiel des Dritten Reiches kannst Du
hier nachlesen. Massenhaft Dejavus inklusive. Vielleicht mache ich ja spaeter einen Thread "Drittes Reich - alles schlechter?" auf ...
Es herrschte sicherlich ein weniger liberaler Umgang wie heutzutage aber ist das denn wirklich nachteilig, wenn Kinder mit etwas mehr Disziplin erzogen werden, wie eben zum Beispiel es heute auch auch Privatshculen/ Kindergärten zu sehen ist?
Das kommt auf die Zielrichtung an.
Subjektiv zumindestens schon.
(bezog sich auf: Kriminalitaet in der DDR)
Mag sein, dass Du sie subjektiv als gering(er) empfunden hast. Das trifft aber keine Aussage ueber ihre objektive Haeufigkeit.
Fakt ist, dass die DDR ihren eigenen Statistiken zu Folge eine vergleichsweise niedrige und trotz schwieriger werdender wirtschaftlicher Rahmenbedingungen konstante Kriminalitaet aufwies. Wie so oft gilt aber auch hier, dass nicht sein konnte, was nicht sein durfte. Deshalb wurde ein wenig getrickst: und einfache Delikte wie etwa Hausfriedensbruch, Diebstahl oder die unbefugte Benutzung eines Kraftfahrzeuges als Verfehlung und nicht als Straftatbestand ausgelegt - und tauchten so erst gar nicht in der Statistik auf. Rechts motivierte Straftaten wurden ebenfalls unter den sozialistischen Teppich gefegt - obwohl sie durchaus stattfanden (z. B. gab es um die Fussballstadien der DDR eine bluehende Skinheadszene; der Ueberfall von Skinheads auf die Zionskirche waehrend eines "Element of Crime"-Konzertes machte auch international Schlagzeilen). Es gab Drogenkonsum, vor allem in Form von Medikamentenmissbrauch ("Faustan"). Und es gab eine Welle von Selbsttoetungen -meistens mit Gas- die mit einer Haeufigkeit von 30+ je 100.000 Einwohner eine der weltweit hoechsten war - und dazu fuehrte, dass die DDR ab 1961 auf Statistiken zu diesem Thema verzichtete. Schaetzungen gehen davon aus, dass die Zahl noch deutlich gestiegen ist, ab Anfang der 70er ruecklaeufig war und gegen Ende der 70er erneut anstieg.
Man kann sich einig sein, dass das System als solches nicht funktionsfähig ist,(...) Demnach macht es m. M. N. durchaus Sinn die Vor und Nachteile beider Systeme zu erörtern und die gibt es nunmal.
Nein, das ergibt keinen Sinn. Um an einem sehr einfachen Beispiel die Frage nach dem "warum nicht" zu beantworten: Ich mag AFRI COLA, ich mag Himbeerpudding und ich mag Nudelauflaeufe. Aber ich wuerde gewiss nicht dass moegen, was dabei herauskommt, wenn man diese drei Dinge in einer grossen Schuessel miteinander verruehrt.
Die Dinge, die Du als "gut" herausgestellt sehen moechtest, haben in der DDR allein deshalb funktioniert, weil es die "schlechten" Dinge gab, ueber die Du nicht reden magst - ihre Funktion beruhte auf einer Wechselwirkung. Das bedeutet aber eben auch, dass wenn man die "schlechten" Dinge nicht wiederhaben will, es muessig ist, immerfort die "guten" zu loben - sie wuerden nicht mehr funktionieren.
Wenn Dir die sozialen, Bildungs- oder was-auch-immer-Systeme der Bundesrepublik Magenschmerzen bereiten, mach Vorschlaege, wie sie reformiert werden koennen, ohne in den Staatsbankrott zu fuehren (endlose Aufblaehung des Sozialstaates bei voelliger Ignoranz der oekonomischen Leistungsfaehigkeit des Staates) oder gesellschaftliche Schichten gegeneinander auszuspielen ("Reichensteuer"). Aber lass die DDR, wo sie ist und auch hingehoert: im Geschichtsbuch der gescheiterten Gesellschaften.