AW: Anthropogener Klimawandel mit kleiner Erklärung
@interessierterUser & Cleriker:
Ich hab mir mal durchgelesen, was IU so schreibt. Kurzgefasst, der Mensch sei im Grunde nicht reif für den Kommunismus, weil er einfach in der Masse zu egoistisch und ich-bezogen wäre. Der Kommunismus wäre aber in seinen Augen dennoch die erstrebenswerteste Art des Zusammenlebens.
Die meisten Menschen mit einem sozialen Gewissen und Gefühl für Gerechtigkeit sind in der Jugend eher links orientiert und finden die Konzepte von Sozialismus und Kommunismus attraktiv. Einige kämpfen dann auch mehr oder weniger engagiert und radikal dafür. Auch wenn ich selbst nie so engagiert war, zähle ich mich selbst da absolut dazu.
Es gibt das berühmte Zitat, das man (fälschlicherweise) Churchill zuschreibt, das frei ungefähr "wer mit 20 kein Sozialist ist, hat kein Herz, wer mit 40 immer noch Sozialist ist, hat kein Hirn" lautet (vgl. auch
If You Are Not a Liberal at 25, You Have No Heart. If You Are Not a Conservative at 35 You Have No Brain | Quote Investigator). In der Tat wird man mit zunehmendem Alter immer mehr von der Erfahrung, die man mit anderen Menschen macht, desillusioniert und man begreift auch immer mehr, dass der Mensch einen Antrieb für sein Schaffen braucht - und für die allermeisten Menschen reichen ideelle und altruistische Motive nicht aus, um sich mit voller Kraft für etwas einzusetzen. Sie brauchen einen für sich selbst messbaren Vorteil - eine Eigenschaft, die uns allen - und auch nahezu allen anderen Tieren - von der Evolution fest einprogrammiert wurde, weil es einfach auch das Erfolgsmodell des Lebens ist.
Heißt das nun, wir sind zum kalten Kapitalismus verdammt?
Nun, es gibt natürlich Mechanismen im Menschen selbst (Mitgefühl, Vernunft usw.), die das abmildern und entsprechend soziale, staatliche und auch zwischenmenschliche Mechanismen, die den evolutionären Egoismus in Zaum halten. Aber leugnen oder gar ablegen wird man ihn einfach nicht können - und insbesondere ist das ja auch gar nicht wünschenswert, denn es würde zur absoluten Stagnation und in der Folge zum Untergang führen.
Es sei denn ....... nun, es sei denn, es gäbe keinen Grund mehr für einen Wettbewerb um physische Ressourcen. Denn das ist es ja, wonach die meisten streben. Angenommen es würde uns unbegrenzt Energie zur Verfügung stehen. Mit genügend Energie kann man letzten Endes alles produzieren, sogar seltene Elemente. Man kann alles überall hin transportieren, man kann dafür sorgen, dass die Umwelt nicht geschädigt wird usw. Letztlich also alles eine Frage der Energie. Wenn wir unbegrenzt Energie hätten, dann gäbe es keinen Grund, irgendjemandem etwas nicht zu geben, man kann sich alles jederzeit kostenlos produzieren. Physische Dinge wären schlagartig völlig wertlos für den Menschen.
Nur in einer solchen Utopie kann der Kommunismus existieren. Es wäre eine Welt, in der man nur nach Wissen, Erfahrung und anderen, rein spirituellen Dingen streben muss, denn alle weltlichen, greifbaren Dinge sind dann völlig wertlos und bringen keinen Vorteil mehr. Nur das Streben nach Macht und Ansehen würden natürlich weiterhin das Potential für Auseinandersetzungen bieten.
Gene Roddenberry hat eine solche Welt ansatzweise in Star Trek beschrieben (leider nicht konsequent und später auch zunehmend verwässert). Man kann von einer solchen Utopie träumen, aber so lange wir die technischen Herausforderungen, für eine unbegrenzte Energiequelle, nicht gelöst haben, bleibt sie halt genau das: Eine Utopie.
Und genau so lange es eine Utopie ist, wird der Kommunismus
ohne Androhung von Gewalt und Repressionen gegen den Menschen, der sich sonst einfach selbst immer gegen andere Menschen durchsetzen und verbessern will, nicht funktionieren.
Also, mein Kopf sagt jetzt, wo ich fast 50 Jahre bin: Der Kommunismus funktioniert schlicht nicht. Ein Sozialstaat, ja, aber nur wenn der Mensch genügend Freiheit hat, um um die begrenzten Ressourcen dieser Welt zu konkurrieren.
Ist das gut für die Welt? Nein. Kenne ich einen Ausweg? Auch nein. Was ist die Folge? Wir werden uns weiter den Kopf einschlagen, die Welt zerstören und hoffentlich auch in der Lage sein, sie danach wieder aufzubauen. Wenn nicht, dann sind wir halt am Ende. Punkt.