Dann dreh doch mal deine Denkweise um. Würdest du für Deutschland kämpfen wenn diese von heute auf morgen in Polen einmaschieren würden (ich weiß ist seeeeehr fiktiv, troztdem sollte klar sein was ich meine)? Oder würdest du für Deutschland kämpfen wenn der Gegner 10 fach überlegen ist, aber die Regierung einfach nicht dran denkt zu kapitulieren?
Das ist komplex und abhängig davon, in wie weit die Bundesrepublik mobilisiert.
Es besteht die theoretische Möglichkeit, der vollständigen Mobilisierung, welche dann eben "alle wehrhaften Männer (und heutzutage wohl auch Frauen)" beträfe.
Für meinen Teil ist die Sache einfach, trotz 57 Lenzen gehöre ich offiziell immer noch der Reserve an - Thema durch bei mir. Und natürlich werde ich dann die Bundesrepublik bzw. einen Nato Staat verteidigen.
Ich habe darauf einen Eid geschworen und ein Soldat bricht nicht den Eid.
Ohne dieses elementare Grundprinzip soldatischer Ordnung geht keiner freiwillig in ein Gefecht mit nur bedingter Chance des Überlebens.
Die Überlegenheit ist in einem Krieg fast zweitrangig.
Es gewinnen i. d. R. jene Soldaten das Gefecht, die an ihre Sache glauben.
Oder nehmen so viele Gegner mit in Grab, dass es keinen Sieg für jene ist.
Ist gar nicht so weit hergeholt. Mein Opa wurde im 2. WK mit 16 Jahren in den letzten Kriegswochen noch an die Waffe gezwungen. Er hatte wahnsinniges Glück mit seinem befehlshabenden Offizier, der sofort bei Sichtung der Britten die weiße Flagge gehisst hat. Nach dir hätte er also noch bis in den Tod kämpfen sollen?
Jeder hat in seiner Familie ähnliche Storys aus WK II.
Der kleine Unterschied wäre, dass deinem Opa zu der Zeit schon sonnenklar war, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden kann und die Sache, für die er sterben soll, nicht ausreichend ist, sein Leben dafür zu opfern.
Sorry aber welche Einstellung ist hier ekelhaft? Ekelhaft ist es Leute dazu zu zwingen ihr Leben aufs Spiel zu setzen für etwas das sie nicht wollen.
Dass ist der Punkt.
Frage mal die russischen Soldaten, die gerade irgendwo in de Ukraine kämpfen.
Ich hege starken Zweifel daran, das die Meisten einen sinn in ihrem aktuellen Handeln sehen.
Die ganzen freiwilligen Ukrainer haben diesen Sinn und genau deswegen sind sie so standhaft.
Zudem weiß ich ja nicht ob dir bewusst ist, dass sich in den Jahren vor Aussetzung der Wehrplicht die Mehrheit darum bemüht hat ausgemustert zu werden bzw. zu verweigern. Scheinbar teilen also mehr Leute meine Sichtweise (übrigens hab ich 10 Monate Wehrpflicht abgeleistet, freiwillig natürlich nicht, hätte drauf verzichten können, aber meine Familie kannte leider keinen Arzt wie das bei einigen meiner ehemaligen Klassenkameraden der Fall war).
Wie angeklungen, war ich Berufssoldat.
Ich halte nicht viel von einer allgemeinen Wehrpflicht.
In Friedenszeiten ist das herausgeworfenes Geld an Menschen, die kein Interesse für die Sache haben und im Ernstfall wäre die Kampfkraft mehr als bescheiden.
Wenn eine Armee wie die Unsere in der Dimension von nur ca. 200.000 Mann für ein 80 Mio. Volk bleiben sollte, müssen jene bestausgerüstete und absolute Profis sein.
Meine Idealvorstellung wäre, die Möglichkeit der int. Verträge voll auszunutzen und eine Berufsarmee in der erlaubten Größe von 380.000 Mann vorzuhalten.
Das Ganze wird durch die Komponente unterstützt, dass ein verpflichtendes soziale Jahr für alle jungen Menschen eingeführt wird, damit bei möglichen Katastrophen ausreichen Reserve bei Feuerwehr, THW, Sanitätsdienst u. vgl. besteht.
Es gibt ja nicht nur Krieg, sondern auch andere, primär Umweltkatastrophen im weitesten Sinne.
Gerade die Überschwemmungen im Ahrtal hat ja plakativ aufgezeigt, dass auch unser THW mit völlig veraltetem Gerät und personell völlig unterbesetzt operieren muss.
Da besteht mind. ebenso großer Handlungsbedarf wie bei der BW.
Aus jenen die freiwillig ihr "soziales Jahr" bei der BW absolvieren möchten, wird eine Mobilmachungsreserve in ähnlicher Dimension wie die Kampftruppe aufgebaut (300 - 400.000 Soldaten).
In einem hypothetischen Ernstfall 600-800.000 modern ausgerüstete Soldaten sind m. E. ausreichend für eine glaubwürdige Abschreckung im Vorfeld und ebenso ausreichend, um effektiv NATO Boden gegen jeden mir bekannten potentiellen Gegner in einem konventionellen Krieg zu verteidigen.