AW: Wegen schlechter Zahlen: AMD erwägt angeblich Aufspaltung des Unternehmens
Es ist schon richtig, Intel hat nicht viel unversucht gelassen, um der Konkurrenz (jetzt nicht nur zwingend AMD) mit nicht ganz lauteren Mitteln zu schaden. Das mit dem OEM-Markt war da nur ein Aspekt, Intel gehört auch zu den vielem Firmen, die hochqualifizierte Ingenieure von den Unis und der Konkurrenz mit lukrativen Arbeitsverträgen locken. Bei so manch großzügigen Angeboten kann dann eine Firma wie AMD ab einer gewissen Personalbreite nicht mehr mithalten.
Wie unfair:
Die haben einfach ihre Angestellten gut bezahlt! Unerhört!
Aber trotzdem hätte AMD darauf reagieren müssen, vor gut einem Jahrzehnt hat die Firma quasi nichts anderes gemacht, als immer nur neue Athlon-CPUs auf den Markt zu werfen und sich über Intels verzweifelte Versuche, mit dem Pentium 4 dagegen zuhalten, schlapp zu lachen. Dann kam der Core 2, der mal eiskalt nicht mal mit dem zweit (oder drittschnellsten?) -Modell mit jedem Athlon den Boden aufgewischt hat. AMD hatte es ja aufgrund Intels besseren OEM-Positionierung ohnehin schon schwer, ab dann sollte es aber mit der nun auch technisch stärkeren Konkurrenz noch komplizierter werden - anstatt sich darauf einzustellen haben sie trotzdem einfach für über 1 Mrd. $ ATi übernommen (damals in der IT-Branche absolut beispiellos). Das Geld hätten sie lieber in die Enwicklung leistungsfähigerer CPU-Architekturen und konkurrenzfähige IGPs stecken sollen, davon hätten sie am Ende mehr gehabt.
Beziehst du dich damit auf die GESCHICHTE, dass sich die Pentium 4s damals wegen der höheren Taktraten mit den OEMs besser verkauft haben?
Weder Taktraten noch illegale Aktionen Intels waren für die Verkaufszahlen der Netburst-CPUs verantwortlich.
Zum einen waren die nicht mal so gut, Intel hat in dieser Zeit kontinuirlich Marktanteile verloren. Kurz vor der Conroe-Einführung hatte AMD den höchsten Marktanteil der Firmengeschichte. Ein Jahr vorher hat Dell, seinerzeit größter OEM, auf die guten Einzel-Rabatte von Intel geschissen und AMD-Rechner ins Angebot aufgenommen. Iirc hatte man ein paar Monate danach 25-30% AMD-Anteil unter den Angeboten, nach der Alienware-Übernahme noch mehr (nahm wegen mangelnder Nachfrage aber schnell wieder ab). Diverse Server-Hersteller haben damals Opterons ins Portfolio aufgenommen und selbst in mehreren Saturn- und Media-Markt-Filalien habe ich AMD-Rechner gesehen.
Was AMD zu schaffen gemacht hat, waren drei Dinge:
1. Man war nicht/kaum schneller. Gamer vergessen es gerne, aber mit Ausnahme der kurzen Williamette Zeit ganz zu Anfang und im Fenster zwischen der Einführung des Athlon 64 und den >3,4 GHz Prescotts hat Intel fast immer die schnellsten oder zumindest gleich schnelle CPUs für Anwendungen und Multimedia am Markt gehabt. Nur in Spielen (Ausnahme: Q3-Engine) hat Netburst abgeloost, aber die meisten Heimanwender waren damals keine ambitionierten Gamer, erst recht keine OEM-Käufer, die sich low-end-GPUs haben andrehen lassen, und damals wurden auch noch in großen Mengen Office-Rechner in Firmen gegen schnellere ausgetauscht. Und gerade im Office-Bereich war Intel seit Einführung des Northwood C kaum zu schlagen: HyperThreading brachte zwar nur selten mehr Frames in Spielen (eher weniger), aber es sorgte dafür, dass ein zu 100% ausgelasteter Rechner bedienbar blieb. Wo sich ein Athlon oder Athlon64 System aufgehängt hat und einen Reset erforderte, der die Arbeit seit der letzten Speicherung vernichtete, hat man bei einem Pentium 4 die Anwendung via Taskmanager gekillt oder im Worst Case alle anderen noch laufenden Aufgaben speichern können. AMD-Rechner waren erst mit den Athlon 64 X2 Dual-Thread tauglich und ehe diese so billig waren, dass sie für Arbeits-Rechner in Frage kamen, hatte Intel den Core2 vorgestellt.
2. Es geht nicht nur um Geschwindigkeit. Ziemlich vielen Anwendern und fast im gesamten OEM-Sektor ist die sogar sekundär. Kein DAU weiß, wie schnell der Rechner wirklich ist, den er kauft. Kein Firmenkunde legt großen Wert darauf, ob sich Excel 5% schneller oder langsamer öffnet. Was aber allen Firmen und allen Endkunden ohne Ahnung von Computern wichtig ist: Das Ding muss stabil laufen. Und zwar nicht, wenn jemand alle Einstellungen richtig gesetzt und wenn die Kühlung den Bedürfnissen angepasst wurde und wenn... - sondern out of the box. Immer. Unter allen Umständen. Ohne auch nur Treiber installieren zu müssen.
Macht das mal mit einem Via KT133. Oder einem SiS-So754-Mainboard für 40 Euro. Mit den nForce hat sich zwar einiges gebessert und auch VIA hat sich bei den Topmodellen entsprechend mehr Mühe gegeben. Aber zum einen waren das nur das obere Ende vom Markt, dass zwar für Gamer attraktiv ist, für billige OEM- und Office-Rechner aber zu teuer. Und zum anderen gab es selbst bei denen ab und zu kleine Zickereien und wenn ein Verantwortlicher noch die K6-Zeit im Hinterkopf hatte, dann wurde er bei jeder derartigen Kleinigkeit an seine Vorurteile erinnert - und hat lieber Intel gekauft. Denn es ist unterm Strich billiger, wenn man 10% mehr pro Rechner zahlt (und größer war der Aufpreis für einen kompletten Low-End-Rechner nicht, denn da steckt ein Großteil der Kosten in Netzteil, Laufwerken, Gehäuse,...) und keinen Ärger hat, als wenn man 10% an der Hardware spart und die nächsten 3-4 Jahre pro 100 Mitarbeiter einen Administrator extra einstellen muss, damit technische Probleme schnell und ohne große Produktionsausfälle behoben werden.
3. AMD war zu klein. Dafür kann man natürlich ebensowenig etwas, wie für Punkt 2 - aber ist ebenso. Ein Großteil der Intel-"Deals", die hier immer kritisiert werden, war vollkommen legal. Alle Firmen geben Mengenrabatt, wenn große Mengen abgenommen werden. Und Intel-CPUs wurden eben 4mal häufiger gekauft, also wurde ein Teil des Preisunterschiedes durch Rabatte gleich wieder kompensiert. Und obendrauf gab es Zusatz-Querfinanzierung, Stichwort: Werbekostenzuschuss. Da sprechen viele von illegalen Bestechungsgeldern, aber Intel wurde aus gutem Grund nicht dafür verurteilt (sondern für anderes). Man hat, im Rahmen der "Intel inside"-Marketingkampagne (zu der AMD genau 0 Gegenstücke hatte) nichts weiter gemacht, als Zuschüsse zu allen Werbeflyern, Werbespots,... zu zahlen (afaik teilweise sogar alle Kosten übernommen), in denen genau dieses Logo auftauchte. Schließlich war das gute Werbung für Intel, die so sehr weit verbreitet wurde, ohne dass sie von der Zielgruppe als Massenwerbung DURCH Intel wahrgenommen wurde. (Heute weiß man: Verdammt guter Schachzug, der sich 213513535mal ausgezahlt hat)
Bedingung für solche Zuschüsse war natürlich (und vollkommen nachvollziehbar), dass in derartigen Werbemitteln dann kein Konkurrent von Intel beworben wurde. Die Media-Saturn-Holding hatte also die Wahl: Sie lassen ihre zahlreichen Anzeigen, Flyer,... zu einem großen Teil von Intel bezahlen und bewerben darin keine AMD-Produkte, oder aber sie haben höhere Kosten, um auch Produkte zu bewerben, die aus obigen Gründen eh weniger Leute wollen. Und die die Kundschaft ggf. verwirren, denn normalerweise wurden seinerzeit nur 3-4 PCs angeboten, die klar voneinander abgegrenzte Preise hatten. Natürlich hat man sich unter diesen Bedingungen gegen eine zusätzliche, zentrale AMD-Sparte entschieden - wie viele andere auch. (Was übrigens, siehe oben, nicht heißt, dass AMD nicht trotzdem zu haben war. Viele -alle?- Filialen laufen als Franchise und die lokalen Verantwortlichen dürfen zusätzliche Produkte ins Sortiment nehmen. In einigen Regionen gab es im Saturn scheinbar nur die Intel-Rechner aus dem bundesweiten Programm der Holding, in anderen Häusern gab es auch AMD. Hat sich ohne Werbung aber eben nicht so gut verkauft.)
Fazit: AMD hat gute CPUs für Gamer gebaut. Aber um Marktführer zu werden reicht das nicht. Dafür muss man die beste
Plattform für 08/15-Anwender und für Firmen anbieten, da lag AMD nur sehr selten in Führung und oft nicht einmal gleich auf. Und dann muss auch noch jedem bekannt sein, dass man die bessere Plattform anbietet. Und dafür muss man diese Position über Jahre hinweg haben und man muss in Massenmedien (Fernsehen, Flyer,...) kontinuierlich damit present sein. Das hat AMD nie auch nur versucht.
Stattdessen hat man das Geld, dass man mit in einem Marktteil mit dafür guten, passenden CPUs erwirtschaftet, in ATI investiert. Dazu noch eine ganze Menge mehr Geld, dass man erst in den nächsten Jahren zu verdienen hoffte.
Und diese Entscheidung wurde zu einem Zeitpunkt getroffen, an dem Intel die ursprüngliche Netburst-Schiene bereits aufgegeben hat, einem Zeitpunkt zu dem jeder, der es wollte, anhand des PentiumM und Core(1)Duo sehen konnte, welches Potential Intels aktuelles Know-How hatte und einem Zeitpunkt, zu dem der Notebookmarkt explodierte und nach genau dieser Art von Know-How verlangte.
Eine Entscheidung, die ich bis heute sehr, sehr, sehr traurig finde. Denn hätte AMD das gleiche Geld in die eigene Fertigung investiert, dann würde man heute vermutlich mit 20% höheren Margen und in 10 nm gegen Intel antreten. Die Grafikeinheit würde zwar weiterhin im (Nvidia-)Chipsatz sitzen - aber who cares? Apple hat nicht ohne Grund am Geforce 8200 festgehalten, als AMD es sich mit dem alten Traum-Partner schon lange versaut hatte. Und wie sich einige vielleicht erinnern, hat AMD in verzweifelter Geldnot später nicht nur die Fabs, sondern auch eine Flash- und eine Embedded/Low-End-Sparte abgestoßen, kurz bevor SSDs, Netbooks und Internet der Dinge in aller Munde waren.
Ist offensichtlich schon spät für mich, so wie ich rumlaber. Sorry für die Wall of Text