Produktion in Mittelbau begann erst 44 und nur ein Teil der Stollen wurde dafür genutzt. Die fehlenden Kapazitäten hat man durch mehr Druck zu ersetzen versucht, was bei unterernährten, überarbeiteten Zwangsarbeitern nur zu noch mehr Fehlern geführt hat. Ich sage nicht, dass systematisch in großem Maßstabe sabottiert wurde (in kleinem ist dies aus quasi allen **-Produktionen belegt, von Instrumenten bis zu Waffensystemen. Man kann eben nicht jede Schraube nochmal nachziehen), aber an einer fertigen Rakete kann auch fähiger Ingenieur nur noch beschränkt Pfusch erkennen. Und um eine Rakete vom Kurs abkommen zu lassen, reicht 1° Fehlstellung an den Leitblechen mehr als aus. Und das ganze gilt weiterhin nur für die Endfertigung. Die einzelnen Baugruppen stammten aus überirdischen Werken, von denen im Laufe des Krieges immer weniger Kompetenzen bei den jeweiligen Arbeitsschritten hatten. Auf alle Fälle sind von in Peenemünde zusammengebauten 44er Raketen keine vergleichbaren Fehlschlagsquoten bekannt.
Das mit der Aufklärung ist allerdings völliger Blödsinn. Es hat wenig damit zu tun das man zu blöd zum aufklären gewesen wäre, als das man schlicht dazu nicht mehr in der Lage war. Ein Aufklärungsflugzeug ohne Lufthoheit kam damals nunmal nicht besonders weit und wurde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit abgeschossen und die Lufthoheit war im Westen ab 1943 schon lange Geschichte.
Wie man ohne Lufthoheit Aufklärungsmissionen fliegt, haben Mosquitos und später Lightnings über ganz Deutschland vorgeführt. Dornier, Arado, Heinkel und andere haben entsprechende Gegenstücke vorgeschlagen, zum Teil sogar entwickelt - und die Luftwaffe hat sie entweder abgelehnt oder mit dem Auftrag "Schnellbomber" auf die Reißbretter zurückgeschickt. (Nein, ich meine nicht die Me262. Die war weder Aufklärer noch 43 einsatzbereit.)
Und wo du das mit den Doppelspionen her haben willst ist mir ein Rätsel, aber um eine V-Waffe mit der annähernd richtigen Entfernung auf London abzufeuern brauchte man keine Doppelspione. Die Entfernungen waren schon damals recht gut bekannt, das Problem war nur das man halt teilweise Kilometerweite Abweichungen wegen der primitiven "Leittechnik" hatte, da brauchte es keinen Doppelspion der falsche Angaben machte.
Quelle: Brian Johnson, "The secret war". (yeah, ich weiß. Ein Verweiß auf Bücher ist wenig zufriedenstellend, aber links zu sowas sind mangels spezifischer Keywords echt schwer zu finden) Das Deutschland kaum Luftaufklärung betrieb, solltest du aber in sehr vielen Büchern nachlesen können.
Und auch wenn man wusste, wo London liegt, hatte man innerhalb des Reiches keine Möglichkeit, die V2 intensiv auf Flügen gleicher Länge zu testen (bei der V1 war das Problem aufgrund der schwerer zu berechnenden Flugbahn aber deutlich gravierender) und, so vermute ich, auch schlicht keine Lust 100te Raketen für Messreihen zu verschwenden. Also hat man einfach mal auf London gezielt, aber manchmal Sterne getroffen - und für anschließendes Nachjustieren hat man sich auf Einschlagsberichte aus England gestützt, nur dass die Berichtenden eben bewusst Falschangaben gemacht haben.
Ich bezog mich aber nicht nur auf das konkrete Aggregat 4 sondern auch schon auf die Vorgänger, also durchaus 10 Jahre. Aggregat 4 war letztlich nur eine größere Version mit überarbeiteten Antrieb, ect. der Vorgängermodelle.
Die Grundlagen wurden mit kleineren Experimentalkonstruktionen erarbeitet, das stimmt. Aber eben genau diese (und einiges mehr) musste sich Nordkorea nicht mehr erarbeiten. Die haben mit Raketen angefangen, die deutlich weiter als eine V2 entwickelt waren (ich würde mal sagen mindestens Redstone) und ist jetzt auf einem Stand, der vielleicht der Titan 1 entspricht. (hinkender Vergleich - die Titan war leistungsfähiger, aber deutlich schlechter zu transportieren und hat ihre Zuverlässigkeit bewiesen, im Gegensatz zu Nordkorea. Aber es hat halt später niemand mehr militärische Flüssigtreibstoffraketen gebaut)
Nur weil Nordkorea seit den 1970er Jahren Zugriff auf sovjetische Modelle hatte heißt das noch nicht das man auch seit diesem Zeitpunkt bereits an eigenen Entwicklungen arbeitet die über Eigenschaften verfügen die über die Vorlage hinaus gehen.
Eine wirklich eigenständige Raketenentwicklung mit leistungsfähigeren Modellen findet erst seit etwa Ende der 1980er Jahre statt.
Zudem ist es ein himmelweiter Unterschied ob man eine einstufige Kurz- und Mittelstreckenrakete baut, oder aber im Vergleich dazu eine ICBM bauen zu will, die in der Lage ist einen bis mehrere Miniaturatomsprengköpfe über 5000km und mehr tragen zu können und dann auch noch recht zielgenau dort zu treffen wo man es gerne hätte.
Sie haben die Raketen meines Wissens nach nicht ausreichenden Stückzahlen für den Einsatz bekommen, sondern sie hatten eine handvoll. Ab Mitte der 80er waren sie dann in der Lage, sie nachzubauen - also schon eine ganze Zeit lang am basteln. Danach hatten sie 30 Jahre Zeit, die Leistung auf das heutige Niveau zu steigern.
A Timeline of North Korea’s Missile Launches and Nuclear Detonations - Bloomberg
Und diese Leistungssteigerung sehe ich nicht annähernd so eindrucksvoll, wie du. Die Soviets waren 48 in der Lage, die V2 nachzubauen. 51 hatten sie das erste grundlegend verbesserte Design. 57 die R1, deren Leistungsfähigkeit weit über allem liegt, was Nordkorea bislang getestet hat. Und da gehören MIRV-ICBMs mit hoher Treffgenauigkeit nicht dazu - die wären beeindruckender, da gebe ich dir recht. Bislang liegt das Maximum Nordkoreas aber bei einer Reichweitenankündigung von 3400 km (=> Guam), was für alle, die nicht an der Beringstraße wohnen und Alaska hassen, eine LRBM ist und bei einem Sprengkopf - wobei zu nuklear nichts gesagt wurde (auch wenn das für die Raketenentwicklung fast egal ist, die Herausforderung liegt bei der Entwicklung eines Sprengkopfes und Wiedereintrittsgefährtes). Und die versprochene, aber nicht demonstrierte Treffergenauigkeit (NK verspricht SEHR SEHR viel) von 1% der Reichweite ist auch nicht annähernd auf dem Niveau amerikanischer oder russischer Designs, sondern liegt noch unter dem Niveau, dass man bei Kurzstreckenraketen erreichen sollte. (man stelle sich mal auf 10 km Entfernung einen Fehlerkreis von 100 m vor - wie sollte man sowas gegen Schiffe, geschweige denn Panzer einsetzen?)
Soviel langsamer sind sie nicht, bedenkt man vor allem die geringen Ressourcen die dafür zur Verfügung stehen und das man erst seit Ende der 1980er Jahre über simple Nachbauten und kleinere Anpassungen vorhandener Modelle eine wirkliche Eigenentwicklung betreibt.
Das schrieb ich ja: Bedenkt man die Ressourcen, ist das Programm ganz ansehnlich. Aber nicht unmöglich, wenn man bedenkt in viele Sektoren Nordkorea gar keine Ressourcen investiert. Auf alle Fälle ist es argumentativ falsch, erst das nordkoreanische Atomprogramm als beeindruckend zu definieren, weil es mit so wenig auskommen muss, um dann in einem zweiten Schritt festzustellen, dass dieser Grad der Beindruckheit für so ein kleines Land gar nicht zu schaffen wäre

Genau dieser Zirkelschluss wurde aber angeführt, um externe Hilfe als zwingend erforderlich darzustellen.
Er redet ja auch von Mitarbeitern / Managern die die Dinger unter der Hand für Geld veräußern, nicht davon das Nordkorea auf staatlicher Ebene Geschäfte mit der Firma macht
Doch, genau so wird das eben leider hier dargestellt. Ich zitiere mal aus dem von dir verlinkten Telepolisartikel:
"Die Ukraine gerät ... in die Bredouille"
In jedem anderen Land, außer aktuell der Ukraine und vieleicht Pakistan dürfte es aber auch um ein vielfaches schwieriger sein solche Dinge illegal über den Schwarzmarkt und ohne Aufmerksamkeit des Staates aus dem Land nach Nordkorea zu bekommen.
Würde ich jetzt mal behaupten wollen.
Man hofft es. Aber zumindest in Russland würde ich mir da keine Illusionen machen. Das Ende der Sowjetunion hat viele hochqualifizierte Leute ins abseits gekegelt und bei weitem nicht alle davon passen in Putins Oligarchie. Da müsste einiges Know How wortwörtlich auf der Straße bzw. in einem heruntergekommenen 1-Zimmer-Wohnung sitzen. Wenn es nur um Baupläne und nicht um Personal oder gar Teile geht, wird der Kreis aber wesentlich größer. Wenn Nordkorea tatsächlich auf Flüssigtreibstoffe setzt (ich kann sowas nicht beurteilen, scheint aber akzeptiert zu sein), dann wären sie nicht auf militärische, sondern auf zivile Baupläne aus der Raumfahrt scharf. Und damit kommt ein großer Kreis von Unternehmen mit sehr vielen Mitarbeitern als Informationsquelle in Frage, deren Sicherheitsstandards weitaus niedriger als beim Militär sind (und die sind ja schon reichlich niedrig). Nordkorea muss nur einen einzigen Ingenieur oder hochrangigen ITler finden und einen leeren USB-Stick. (Der ITler kann letzteren ggf. noch stellen

) Den Rest erledigen dann einheimische, an Scud-Nachbauten geschulte Entwickler in 5 bis 10 Jahren Probephase. Je nach Kompetenz ggf. auch früher – viele High-Tech-Aspekte sind wurscht, wenn ein funktionierendes Anschauungsmodell wichtiger ist, als die letzten 10 Prozent Performance. Und das ist für Nordkorea definitiv der Fall.
Bedenkt man die vielen Fehlschläge der vergangenen paar Jahre bei Test könnte das durchaus auch dafür sprechen das diese Anpassung nicht das ausgereifteste ist.
Natürlich nur Spekulation.
Genau so sehe ich das auch: Nordkoreas Raketen haben nicht annähernd den Zuverlässigkeitsstatus, den ich von importierter Technologie erwarten würde. Maximal "inspiriert". Aber wenn man davon ausgeht, wie viel Zeit zur Verfügung stand und wie viel Wissen aus den 60ern heute frei zugänglich ist, brauchen sie dafür nicht einmal illegale Kanäle. Man gucke sich zum Beispiel an, wieviel mehr Elon Musk in einem Bruchteil der Zeit erreicht hat - gänzlich ohne militärischen oder geheimdienstlichen Background.
Ganz einfach, damit haben die Chinesen einen Brückenkopf in dieser Region
Bei anderen Postern würde ich von Ironie ausgehen, aber bei dir bin ich mir nicht sicher. "chinesischer Brückenkopf in einer Region" die zu 95% aus China besteht?