Sach mal, bist du schwer von Begriff? Es geht nur um die Tatsache, dass man herkommt, weil man Schutz braucht, um dann das hier für den täglichen Bedarf bekommene Geld in Teilen nachhause zu schicken. Wie um alles in der Welt kommst du da jetzt auf Konfirmationsgeschenke?
Es geht darum, dass Bargeld den Menschen die Freiheit gibt, damit zu tun lassen was sie wollen, auch wenn das staatlichen Bedarfsplanungen-/vorschriften widersprechen sollte. Und genau um die geht es auch bei Bürgergeld. Also wenn es bei Flüchtlingen ein Argument ist, eigene Entscheidungen abseits staatlicher Lebensbilder zu unterbinden, dann kann man das gleiche Argument wohl auch auf Bürgergeld- und Mindesterentenempfänger anwenden, oder siehst du das anders?
(Und wenn ja: Was sind deine Gründe dafür? Die würde ich mir gerne notieren, dann muss ich sie mir nicht selbst ausdenken, sobald Kanzler Merz genau das durchsetzen wird.)
Wieder nichts weiter als das übliche diskreditierende Framing von dir,
...
oder das Geld bisweilen auch für teure Markenklamotten und andere teure Luxusgüter raushauen und dann schon 1 bis 2 Wochen nach Monatsanfang kein Geld mehr haben
Manchmal können sich selbst die besten Satiriker nur noch verneigen und feststellen: "Sowas kann man sich nicht ausdenken."
Solchen kurzsichtigen Menschen wie dir mag das egal sein, Menschen die z.B. auf die Tafel wirklich dringend angewiesen wären und dann mit diesen Menschen dort unnötigerweise um Lebensmittel konkurieren müssen nicht
WTF? Was sollen das denn für Menschen sein, deiner Meinung nach? Flüchtlinge erhalten maximal Leistungen auf Bürgergeld-Niveau, in der Regel aber sogar noch weniger. Jemand, der in der dritten Monatswoche noch weniger übrig hat, müsste dann ja gemäß der Logik eines gewissen Night S. in den ersten beiden Wochen nicht nur teure Markenklamotten, sondern vermutlich auch noch Brilliantenschmuck gekauft haben?
Und nein das ist nicht ganz böses rechte Propaganda, das ist leider viel zu häufig die Realität, die ich selbst in Gesprächen mit Mitarbeitern der Berliner Tafel und Sozialarbeitern schon gehört habe.
Wenn jemand Mitte des Monats kein Geld für Essen mehr hat, weil er Anfangs des Monats sein Geld in ein anderes Land verschickt hat, damit seine Angehörigen nicht verhungern, dann sollte das Leute, die sich um die Ernährung von Menschen sorgen, eigentlich lieber sein, als ein deutscher Bürgergeldempfänger, der sein staatlich zugesichertes Vermögen am Monatsanfang in Mariacron angelegt hat. In jedem Fall kann man sich das "nicht rechts" sparen, wenn man nach ethnisch-rassistischen Kriterien das eine Verhalten unterbinden will, während man die Türen für letzteres frei offen hält.
Übrigens auch für Flüchtlingen mit Bezahlkarte: Die paar hundert, die sich tatsächlich bislang Adidas-Klamotten vom Mund absparen, können dann in Zukunft ihren Frust darüber, dass das nicht mehr funktioniert, mit Jack Daniels bekämpfen und stehen danach genauso bei den Tafeln auf der Matte. (Nur mit höheren Kosten für Gesundheits- und Sicherheitssysteme und weniger Umsatz für deutsche Sportartikelmarken. Aber das ist ja scheinbar erstrebenswert.) Von daher mag das von dir beschriebene Verhalten durchaus kacke sein, da will ich nicht widersprechen, aber es ist in der Summe nicht nur von der Bedeutung her untergeordnet, sondern die Änderung hilft dagegen auch einfach gar nicht. Die einzigen Profiteure werden die Banken sein, die die Karten ausgeben.
Wo ist das über Gebühr entwürdigend, mit einer Karte im Laden zu bezahlen, so wie es viele Menschen heutzutage machen?
Abgesehen davon, dass es ziemlich entwürdigend ist, mit einer Karte in einem Laden/Bus/etc. zu stehen, die dort nicht funktioniert (habe ich selbst schon mit solchen eingeschränkten Prepaid-Karten erlebt) und noch entwürdigender, wenn einen Rassisten einfach mit "keine Kartenzahlung"-Schildern aussperren können, laufen alle vorgeschobenen Gründe für diese Karten doch ausdrücklich auf die Aussage hinaus:
"Flüchtlinge sind zu blöd ihre eigenen Finanzen zu organisieren und müssen an die Kadarre genommen werden".
Was bitte schön soll denn für einen Erwachsenen, der sich die letzten Jahre durch Situationen und Gegenden geschlagen hat, die der durchschnittliche Deutsche nie überleben würde/nie sehen wird, erniedrigender sein, als ihm Mündigkeiten abzusprechen, die jedem 12-jährigen gewährt werden?
Es war und ist wohl für betroffene Personen weit entwürdigender / stigmatisierender und das nicht nur für Migranten, sondern auch für Bundesbürger, mit einem Lebensmittelgutschein vom Jobcenter einkaufen gehen zu müssen, oder neben dem ÖPNV-Sozialticket auch immer noch seine länderspezifische Sozialkarte bei einer Kontrolle vorzeigen zu müssen, als an der Kasse im Laden eine Karte zum bezahlen zu zücken.
Lebensmittelgutscheine sind in der Tat noch schlimmer und werden deswegen auch von allen abgelehnt (und wurden auch von allen abgeschafft), die die Bezahlkarte ablehnen. Umgekehrt ist letzteres nichts weiter als ein neuer Anlauf von denjenigen, die Flüchtlinge und Hilfeempfinger mit Essensmarken stigmatisieren wollten, damit aber nicht durchkamen. Jetzt gibt es halt digitale Essensmarke - gleiche Wirkung auf die Flüchtlinge, aber sobald man "digital" dranschreibt, kann man heute alles politisch verkaufen.
P.S.: Und klemm dir mal die "wie jeder andere" Vergleiche. Diese Karten werden extra eingerichtet und gezielt ausgegeben und somit ist getrost davon auszugeben, dass sie auch optisch abweichend gestaltet werden. Die Stigmatisierung ist also in vollem Umfang gegeben.
Was eine Regierung dagegen machen kann? Nüscht, was innerhalb einer Legislaturperiode greift. Was hilft, ist Bildung. Aber das sind Effekte, die sich nach Jahrzehnten einstellen. Dazu müsste man gute Lehrende haben, ein gutes Verhältnis von Lehrenden zu Beschulten irgendwo um 10-15 zu 1 und nicht wie heute mit Klassen weit über 30 Kindern.
Dazu müsste man Geld in die Hand nehmen.
Ne, dafür muss man nicht einfach nur Geld in die Hand nehmen. Ganz im Gegenteil. Dafür muss man endlich mal davon abkommen, sich als Politiker nur mit hin- und hergeschobenen Geld brüsten zu wollen, aber keine Konzepte zu entwickeln. Für hunderte Millionen Tablets, Access Points und Firewalls in die Schulen zu karren bringt genau gar nichts ohne einen brauchbaren Lehrplan. Umgekehrt könnte man 95% der nötigen Medienkompetenz auch auf Papier unterrichten, wenn man denn mal einen Plan dafür hätte und es nicht der Eigeninititive des kleinen Kreises von Lehrern überlassen bleibt, der sowas noch hat.
Zum Glück sind die meisten hier im Lande harmlos und bellen nur, aber beißen nicht. Aber wirklich verlassen kann man sich darauf nicht, weil einzelne bereit sind, sehr weit zu gehen, das zeigte z.B. der Mord an Lübcke. Nicht zu vergessen sind dabei gerade die vielen tausenden Kommunalpolitiker, die massiv bedroht werden. Aber es bliebt in der Regel bei Bedrohungen.
Sie beißen nicht, aber sie blockieren, sie treffen Alltagsentscheidungen und vor allem wählen sie. "Gefühle" (Bevorzug "Angst"), in heftigsten Widerspruch zu Logik und Fakten, dominieren (nicht nur bei uns) nach den Medien mittlerweile längst auch die politische Diskussion und zunehmend alle ganz konkreten Handlungsabläufe. Statt systematischen Fortschritt gibt es nur noch populistisch gesteuerte Agitation und immer mehr, immer größere, immer dringendere echte Probleme bleiben liegen, weil sich irgendwer auf den Schlips getreten
fühlt. Obwohl er weder Schlips trägt noch irgendwer getreten hat.
Global gedacht, machen deutsche Firmen so etwas ja auch nur andersherum. Im Ausland billig produzieren, dadurch ungerechte Ausbeutung festigen, damit hier Gewinne erwirtschaftet werden und wir alle günstig konsumieren können.
Auf dem Level "deutsche Firmen" läuft es eher umgekehrt: Die kassieren in Deutschland Subventionen, während sie Gewinne und Investitionen in ihrer Pendancen in Lateinamerika und vor allem China transferieren. Hier Bedürftigkeit heucheln, in Asien den Reibach machen - ich fordere Bezahlkarten für VW, Mercedes & Co!
Gesamtgesellschaftlich hast du natürlich schon recht, dass der deutsche Konsument in großer Menge durch Missstände im Ausland ermöglichte Waren importiert und es nur fair wäre, wenn ein Teil dieses Reichtums als Hilfsleistung wieder zurückfließt. Das ist tatsächlich auch einer der Hintergedanken bei einem Teil der Entwicklungshilfe (also bei dem kleinen Teil, der nicht an arme, arme Staaten wie z.B. China und an arme, arme Unternehmen wie z.B. Thyssen Krupp geht) und bei Flüchtlingshilfe.
Die Firmen, die mit diesem Prozess Gewinn machen, dürften aber mittlerweile zum überwiegenden Teil außerhalb Deutschlands sitzen, man denke schon alleine nur an die Ölkonzerne und den internationalen Teil der Agrarindustrie. Aber auch sonst haben Alltags-Konsumgüterhersteller einfach keinen großen Anteil an der deutschen Wirtschaftsleistung, sehr wohl aber an der vieler unserer großer Handelspartner.