Das ist heute mit Bachelor und Master umschifft, dafür wurden die Fachhochschulabschlüsse aber auch merklich abqualifiziert.
Auch nicht wirklich. So kreativ wie einige Unis neue Bachelorstudiengänge zusammengewürfelt haben...
Ja, Bildungspolitik ist eine riesige Baustelle. Und es passiert nichts. Unsere Schulen und Universitäten zerfallen.
Gewählt werden halt Parteien, die die Finger von der Rente lassen und die sicherstellen, dass ja keiner gendert.
Umgekehrt, habe ich aber auch schon welche kennengelernt aus der ehemaligen Sowjetunion, die haben sich Ingeneur genannt obwohl sie keine waren. Das waren ganz normale Gesellen.
"Brennerdoktoren" gibt es in allen Bereichen, die zertifizierte (oder eben nicht) Ausbildungen kennen. Aber nur in Deutschland sind das Zertifikat und der Name wichtiger, als die Fähigkeiten.
Nicht nur. Im Handwerk fehlt der Nachwuchs. Und auch in der Pflege.
In der Pflege gibt es nicht zuwenig Nachwuchs, in der Pflege gibt es zu viele, die vor miserablen Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung davonlaufen. Wenn 50% des Pflegepersonals darüber nachdenken, den Beruf zu wechseln und es 5-10% auch machen (wie in den letzten Jahren geschehen), dann lautet die Lösung nicht, dass man jedes Jahr Leute im Umfange von 10% des gesamten Stammpersonals neu ausbilden muss...
Und im Handwerk ist es zwar tatsächlich ein Nachwuchsmangel, aber auch erst seit ein paar Jahren. Vorher waren die Jobs extrem unattraktiv, weil sich die Bezahlung an rumänischen Standards orientierte und vor einer wenigstens potentiell lukatriven Selbstständigkeit 1-2 Jahrzehnte Plackerei und eine erhebliche Eingangsinvestition lagen. Da verständlicherweise keiner Bock drauf und diese Zustände wurde eine Ewigkeit von der Häuslebauerlobby gedeckt. Erst seit relativ kurzer Zeit bestehen endlich ein paar wirkungsvolle Maßnahmen gegen Preisdumping und seitdem geht es afaik auch langsam wieder bergauf. Aber wenn man parallel den Bedarf explodieren lässt, in dem man Geld an Leute verschenkt, die eh schon zu viel haben, bleibt natürlich trotzdem eine Nachfrageüberschuss, denn so eine Handwerkerkarriere läuft 50 Jahre. Das aktuelle Angebot ist also ein Spiegel der Attraktivität des Berufsbilds über die letzten 50 Jahre und diejenigen, die in den 90ern und 0ern aus verständlichen Gründen keinen Bock drauf machen, die lernen jetzt natürlich nicht mal eben von Bankkaufmann auf Gas-Wasser-Scheiße um.
kann das in diesem Fall die berühmte Ausnahme sein, weil man in Westdeutschland einen völlig anderen padogogischen Ansatz gefahren hat? Ich meine das Schulsystem war in der DDR doch sehr sehr politisch ausgerichtet.
Obwohl es in Anbetracht der politischen Indoktrination durchaus wünschenswert gewesen wäre, das Lehrpersonal der DDR auszutauschen, hat man das nach allem, was ich weiß, nur in absoluten Ausnahmefällen gemacht (schon aus reinen Praktikabilitätsgründen, die BRD hatte ja nicht 50% Lehrerüberschuss) und die alten Lehrer haben weiter unterrichtet. Gerade bei einer Fachpädagogin für Lernbeeinträchtigte hätte das erst recht möglich sein müssen, denn Behinderte standen auch bei der DDR-Führung jetzt nicht auf Priorität 1 in der Kaderschmiede. Die Kniffe, die man bei einem enticklungsverzögerten DDR-Kind anwenden musste, um ihm wenigstens eine kleine Chance im Leben zu geben, sollten sich nicht sonderlich von denen in der BRD unterschieden haben.
In meinem privaten Umfeld wurden übrigens sowohl Facharbeiter als auch Fachhochschulabschlüsse der DDR von staatlicher Seite problemlos anerkannt, waren beruflich aber schlichtweg nichts wert. Ein DDR-Informationstechniker wurde für eine IT-Stelle genauso (un)gern genommen, wie ein BRD-Germanist.
Der Vorteil ist, dass du damit eben gut labern kannst und das öffnet mehr Türen als für einen Maler jemals aufgehen wird.
Aber hinter 95% dieser Türen ist keine Aufgabe, bei der einem gutes Labern weiterhilft und wer seine Zeit nur darauf konzentriert hat, ist bei allem anderen tendentiell eher schlechter.