Neue Bundesregierung 2021 Diskussionsthread

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Nicht nur. Im Handwerk fehlt der Nachwuchs. Und auch in der Pflege.
Am Handwerk ist unsere Gesellschaft mit ihrer Besessenheit nach Studienabschlüssen selbst Schuld. Mittlerweile verdienst du ja als Handwerker mitunter mehr Geld als ein Akademiker.

An der Pflege ist der Staat Schuld, der den Gesundheitssektor einerseits in die private Hand und andererseits in die kapitalistischen Gewinnmaximierungsnormen geworfen hat. Behandlungen erfolgen mittlerweile nicht mehr mit dem Ziel, das beste Ergebnis für den Patienten zu erzielen, sondern mit demjenigen, das meiste Geld zu verdienen. Dazu kommt, dass das Personal schlecht bezahlt wird. Ich bin mir sicher, dass gerade der Pflege-Job aufgrund des sozialen Charakters für viele Leute durchaus attraktiv wäre, wären die Arbeitsbedingungen - und damit auch die Bezahlung - besser.
 
Mittlerweile verdienst du ja als Handwerker mitunter mehr Geld als ein Akademiker.
Aber auch nur wenn du selbstständig bist. Als angestellter Handwerker definitiv nicht.

Ich denke das Problem am Handwerk ist die beschissene Bezahlung und in der Pflege sind die Arbeitsbedingungen an sich scheiße. Warum zu Geier sollte ich in eine der beiden Bereiche gehen wenn ich auch ganz entspannt als Sesselpupser arbeiten kann wo ich auch ohne Probleme nur 50% geben kann ohne dass das irgendwie auffällt? Ist entspannter, ich verdiene mehr und muss auch keine Angst haben dass ich das nicht bis zur Rente packe.
 
Mich würde interessieren was jene Politiker machen, welche keinerlei Berufserfahrung bzw. Abschlüsse haben, wenn ihre Partei nicht mehr in das Parlament einziehen darf. Bürgergeld beziehen?
Die bekommen Beraterverträge.
Oder denkst du echt, dass Ricarda Lang irgendwann mal im Jobcenter hockt?
Am Handwerk ist unsere Gesellschaft mit ihrer Besessenheit nach Studienabschlüssen selbst Schuld. Mittlerweile verdienst du ja als Handwerker mitunter mehr Geld als ein Akademiker.
Wo das denn?
Der Sohn meines Bekannten hat einen Sesseljob bei den Stadtwerken Kiel und schläft meist.
Der kriegt knapp 4000€ Netto.
Welcher Handwerker hat 4000€ netto?
iIch bin mir sicher, dass gerade der Pflege-Job aufgrund des sozialen Charakters für viele Leute durchaus attraktiv wäre, wären die Arbeitsbedingungen - und damit auch die Bezahlung - besser.
Pflege ist aber eher herabwürdig dargestellt.
Was machst du den? Ich bin banker. Supergeil.
Und was machst du? Ich bin Krankenpfleger, Kindergärtnerin, was auch immer im sozialen Bereich. Hats für die Bankerlehre nicht gereicht?
 
Du darfst nicht vergessen, dass es diverse akademische Berufe gibt, die nicht gerade gut bezahlt werden bzw. mit denen man im Zweifel auch nur schwer einen Arbeitsplatz findet. Dazu zählen bspw. diverse Geisteswissenschaften.
Pflege ist aber eher herabwürdig dargestellt.
Das stimmt, ist allerdings ein gesellschaftliches Problem, bei dem bessere Arbeitsbedingungen sicherlich ein Lösungsansatz sind. Aufgrund der immer weiter alternden Gesellschaft wird der Berufszweig immer wichtiger werden.
 
Am deutschen Ausbildungswesen soll die Welt genesen! Muss gerade wieder an eine ehemalige Arbeitskollegin denken aus dem Kindergarten, wo ich Zivi + FSJ gemacht habe. In der DDR Gymnasiallehrerin mit Fortbildung zur Behindertenpädagogin gewesen. Hier hat man ihr eine äquivalente Qualifikation als Kinderpflegerin anerkannt.
Aber klar, die Unzufriedenheit der „Ossis“ kommt nur, weil sie nie in einer Demokratie aufgewachsen sind. Oder irgendsowas, die genaue Formulierung überlasse ich irgendwelchen „Polit“-Talkshowgästen oder ähnlichen Politik-Simulationen.
Salve,

kann das in diesem Fall die berühmte Ausnahme sein, weil man in Westdeutschland einen völlig anderen padogogischen Ansatz gefahren hat? Ich meine das Schulsystem war in der DDR doch sehr sehr politisch ausgerichtet.
Ich meine mir ist jetzt nicht bekannt das z.B. Gregor Gysi nochmal ein 1. und 2. Staatsexamen machen musste um als Anwalt zugelassen zu werden oder das Ings, Meds, oder Handwersabschlüsse nicht anerkannt wurden.
Ich kann mich hier aber auch täuschen, deshalb meine Nachfrage.
 
kann das in diesem Fall die berühmte Ausnahme sein, weil man in Westdeutschland einen völlig anderen padogogischen Ansatz gefahren hat? Ich meine das Schulsystem war in der DDR doch sehr sehr politisch ausgerichtet.
Das Problem dürfte in dem Fall wohl daran gelegen haben, dass Bildung Ländersache ist.
Selbst heute kann man als Lehrer nicht "einfach so" von einem Bundesland ins andere wechseln, auch wenn es in der Zeit seit der Wende schon Erleichterungen und Vereinfachungen gegeben hat.
 
Das Problem dürfte in dem Fall wohl daran gelegen haben, dass Bildung Ländersache ist.
Selbst heute kann man als Lehrer nicht "einfach so" von einem Bundesland ins andere wechseln, auch wenn es in der Zeit seit der Wende schon Erleichterungen und Vereinfachungen gegeben hat.
Aber gerade deshalb gibt es doch Staatsexamen und ich kenne einen haufen Lehrer die das Bundesland gewechselt haben. Probleme gibt es dort eigentlich immer nur mit dem Status, als Beamter, Angestellter oder Aussicht auf Verbeamtung, aber mir wäre es jetzt wirklich völlig neu, wenn es da fachliche Probleme gäbe oder gab?
 
Die historische Entwicklung beachten. Ich zitiere dazu mal auszugsweise daraus:
[...]
Schon 1999 legte die Kultusministerkonferenz mit dem Beschluss der „Gegenseitigen Anerkennung von Lehramtsprüfungen und Lehramtsbefähigungen“ einen wichtigen Grundstein für mehr Mobilität im Lehrerberuf. Viele machten dennoch die Erfahrung, dass es leichter zu sein schien, in ein anderes EU-Land zu wechseln als z. B. nach Bayern.

Um diese Situation zu verbessern, kam nach langem Ringen der Bundesländer am 7. März 2013 der Beschluss „Regelungen und Verfahren zur Erhöhung der Mobilität und Qualität von Lehrkräften“ zustande.
[...]
In einigen Bundesländern, wie beispielsweise Hessen, benötigen Sie eine „Lehramtsanerkennung“, wenn Sie mit abgeschlossenem Referendariat in ein anderes Bundesland wechseln möchten. [...]
 
Du darfst nicht vergessen, dass es diverse akademische Berufe gibt, die nicht gerade gut bezahlt werden bzw. mit denen man im Zweifel auch nur schwer einen Arbeitsplatz findet. Dazu zählen bspw. diverse Geisteswissenschaften.
Du weißt aber was welche Ausbildung am Ende bringen wird.
Studiere ich Informatik, kann ich davon ausgehen, dass ich mehr verdienen werde als ein Handwerker.
Studiere ich Germanistik, kann ich aber auch viel machen, deutlich mehr als jemand, der Maler und Lackierer gelernt hat.
Guck dir Gottschalk, Jauch und Co. an. Alles Germanisten.
Der Vorteil ist, dass du damit eben gut labern kannst und das öffnet mehr Türen als für einen Maler jemals aufgehen wird.
 
Studiere ich Germanistik, kann ich aber auch viel machen, deutlich mehr als jemand, der Maler und Lackierer gelernt hat.
Guck dir Gottschalk, Jauch und Co. an. Alles Germanisten.
Der Vorteil ist, dass du damit eben gut labern kannst und das öffnet mehr Türen als für einen Maler jemals aufgehen wird.
Das würde ich nicht unterschreiben. Die von dir benannten Beispiele (Gottschalk und Jauch) kommen aus akademischen (Gottschalk) bzw. wohlhabenden (Jauch) Familien und haben allein dadurch schon bessere Startvoraussetzungen für ihr Leben bekommen und bspw. eine gute Menge Vitamin B geerbt. "Gut labern" hat nichts mit dem Studium zu tun. Stefan Raab hat bspw. Metzger gelernt und hat keinen vergleichbar günstigen Hintergrund, kann sich aber trotzdem sehr gut artikulieren. Ich arbeite im juristischen Bereich und selbst dort - obwohl Sprache die Waffe eines Juristen ist - gibt es genug Leute, die sich weder gut artikikulieren können noch die deutsche Sprache ingesamt gut beherrschen.
 
Stefan Raab hat bspw. Metzger gelernt und hat keinen vergleichbar günstigen Hintergrund, kann sich aber trotzdem sehr gut artikulieren.
Jetzt mal ernsthaft. Raab kann doch nicht labern. Raab kann es intellektuell gar nicht mit Gottschalk, Jauch oder sonst wen aufnehmen.
Raab ist ehrgeizig. Er will und ihm ist der Widerstand egal. Das zeichnet ihn aus, deswegen war Schlag den Raab auch erfolgreich.
Guck dir TV Total mal an, dann siehst du es.
Ich arbeite im juristischen Bereich und selbst dort - obwohl Sprache die Waffe eines Juristen ist - gibt es genug Leute, die sich weder gut artikikulieren können noch die deutsche Sprache ingesamt gut beherrschen.
Das ist doch immer so. aber trotzdem verdienst du als Jurist mehr als wenn du Maler bist.
 
Das Problem dürfte in dem Fall wohl daran gelegen haben, dass Bildung Ländersache ist.
Selbst heute kann man als Lehrer nicht "einfach so" von einem Bundesland ins andere wechseln, auch wenn es in der Zeit seit der Wende schon Erleichterungen und Vereinfachungen gegeben hat.
Nochmal darauf zurückzukommen, was ich an dem Beispiel von @HenneHuhn dann mehr als Krass finde, abseits das sie nicht an staatlichen Schulen unterrichten konnte, ist die Verweigerung der Anerkennung ihres akademischen Grades, weil das hat ja noch wesentlich weitreichedere Folgen,gerade wenn es um Entlohnung und auch "Chancen" geht.
Sie hätte ja Möglichkeiten gehabt in der Privatwirtschaft (Erwachsenen Bildung), Privatschulen etc. zu unterrichten, aber auch diese Möglichkeit wurde ihr ja dann "von ihrem eigenen neuen Bundesland" genommen, durch die nicht Anerkennung ihres akademischen Grades.
Da wäre ich auch mehr als sauer!
 
Das ist heute mit Bachelor und Master umschifft, dafür wurden die Fachhochschulabschlüsse aber auch merklich abqualifiziert.

Auch nicht wirklich. So kreativ wie einige Unis neue Bachelorstudiengänge zusammengewürfelt haben...

Ja, Bildungspolitik ist eine riesige Baustelle. Und es passiert nichts. Unsere Schulen und Universitäten zerfallen.

Gewählt werden halt Parteien, die die Finger von der Rente lassen und die sicherstellen, dass ja keiner gendert.


Umgekehrt, habe ich aber auch schon welche kennengelernt aus der ehemaligen Sowjetunion, die haben sich Ingeneur genannt obwohl sie keine waren. Das waren ganz normale Gesellen. :ugly:

"Brennerdoktoren" gibt es in allen Bereichen, die zertifizierte (oder eben nicht) Ausbildungen kennen. Aber nur in Deutschland sind das Zertifikat und der Name wichtiger, als die Fähigkeiten.


Nicht nur. Im Handwerk fehlt der Nachwuchs. Und auch in der Pflege.

In der Pflege gibt es nicht zuwenig Nachwuchs, in der Pflege gibt es zu viele, die vor miserablen Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung davonlaufen. Wenn 50% des Pflegepersonals darüber nachdenken, den Beruf zu wechseln und es 5-10% auch machen (wie in den letzten Jahren geschehen), dann lautet die Lösung nicht, dass man jedes Jahr Leute im Umfange von 10% des gesamten Stammpersonals neu ausbilden muss...
Und im Handwerk ist es zwar tatsächlich ein Nachwuchsmangel, aber auch erst seit ein paar Jahren. Vorher waren die Jobs extrem unattraktiv, weil sich die Bezahlung an rumänischen Standards orientierte und vor einer wenigstens potentiell lukatriven Selbstständigkeit 1-2 Jahrzehnte Plackerei und eine erhebliche Eingangsinvestition lagen. Da verständlicherweise keiner Bock drauf und diese Zustände wurde eine Ewigkeit von der Häuslebauerlobby gedeckt. Erst seit relativ kurzer Zeit bestehen endlich ein paar wirkungsvolle Maßnahmen gegen Preisdumping und seitdem geht es afaik auch langsam wieder bergauf. Aber wenn man parallel den Bedarf explodieren lässt, in dem man Geld an Leute verschenkt, die eh schon zu viel haben, bleibt natürlich trotzdem eine Nachfrageüberschuss, denn so eine Handwerkerkarriere läuft 50 Jahre. Das aktuelle Angebot ist also ein Spiegel der Attraktivität des Berufsbilds über die letzten 50 Jahre und diejenigen, die in den 90ern und 0ern aus verständlichen Gründen keinen Bock drauf machen, die lernen jetzt natürlich nicht mal eben von Bankkaufmann auf Gas-Wasser-Scheiße um.


kann das in diesem Fall die berühmte Ausnahme sein, weil man in Westdeutschland einen völlig anderen padogogischen Ansatz gefahren hat? Ich meine das Schulsystem war in der DDR doch sehr sehr politisch ausgerichtet.

Obwohl es in Anbetracht der politischen Indoktrination durchaus wünschenswert gewesen wäre, das Lehrpersonal der DDR auszutauschen, hat man das nach allem, was ich weiß, nur in absoluten Ausnahmefällen gemacht (schon aus reinen Praktikabilitätsgründen, die BRD hatte ja nicht 50% Lehrerüberschuss) und die alten Lehrer haben weiter unterrichtet. Gerade bei einer Fachpädagogin für Lernbeeinträchtigte hätte das erst recht möglich sein müssen, denn Behinderte standen auch bei der DDR-Führung jetzt nicht auf Priorität 1 in der Kaderschmiede. Die Kniffe, die man bei einem enticklungsverzögerten DDR-Kind anwenden musste, um ihm wenigstens eine kleine Chance im Leben zu geben, sollten sich nicht sonderlich von denen in der BRD unterschieden haben.

In meinem privaten Umfeld wurden übrigens sowohl Facharbeiter als auch Fachhochschulabschlüsse der DDR von staatlicher Seite problemlos anerkannt, waren beruflich aber schlichtweg nichts wert. Ein DDR-Informationstechniker wurde für eine IT-Stelle genauso (un)gern genommen, wie ein BRD-Germanist.


Der Vorteil ist, dass du damit eben gut labern kannst und das öffnet mehr Türen als für einen Maler jemals aufgehen wird.

Aber hinter 95% dieser Türen ist keine Aufgabe, bei der einem gutes Labern weiterhilft und wer seine Zeit nur darauf konzentriert hat, ist bei allem anderen tendentiell eher schlechter.
 
Das ist doch immer so. aber trotzdem verdienst du als Jurist mehr als wenn du Maler bist.
Das kann ich - aus dem juristischen Bereich kommend - ebenfalls nicht unterschreiben. Wirklich sehr gut verdienen nur Großkanzlei- und Boutique-Anwälte. Der etwas verächtlich als "Wald-und-Wiesen-Anwalt" bezeichnete Jurist hat nach Abzug seiner Kosten am Ende des Monats weniger übrig als der im Handwerk Angestellte.
 
Der etwas verächtlich als "Wald-und-Wiesen-Anwalt" bezeichnete Jurist hat nach Abzug seiner Kosten am Ende des Monats weniger übrig als der im Handwerk Angestellte.
Dazu hätte ich jetzt aber mal gerne eine Statistik. So sieht die Realität als Maler aus:

Rechtsanwälte sind Gehaltstechnisch in ganz anderen Sphären unterwegs:

Edit: Und die Zahl ist bei den Rechtsanwälten ist nur so "niedrig" weil dass die Beitragsbemessungsgrenze für die RV in Ostdeutschland ist.
Edit2: Selbst wenn ich das Gehalt auf Juristen im allgemeine Einschränke liegt es noch deutlich höher:
 
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Studiere ich Germanistik, kann ich aber auch viel machen, deutlich mehr als jemand, der Maler und Lackierer gelernt hat.
Guck dir Gottschalk, Jauch und Co. an. Alles Germanisten.
Der Vorteil ist, dass du damit eben gut labern kannst und das öffnet mehr Türen als für einen Maler jemals aufgehen wird.
"Gut labern" da reicht auch eine mitlere Schulbildung. Viel wichtiger ist da das Selbstbewusstsein.

Ich kenne jemanden der hat sogar Maler - und Lackierer gelernt und ist jetzt Automobilkaufmann.
Da muß er auch viel labern. Kunden volllabern. :D
 
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