Das grundsätzliche Problem ist, dass wir nicht die Fläche und nicht die Ressourcen haben, damit jede Familie ein Haus und zwei Autos nutzen kann.
Nein, um das geht es auch gar nicht.
Wir wohnen tief im ländlichen Raum, nächste Gemeinde mit 1.500 EW gut 5 km entfernt, nächste Gemeinde mit weitergehenden Schulen 15 km. ÖPNV ausschließlich auf den Schülerverkehr ausgelegt (immerhin).
Insofern ist es eher ein Standortthema. Mein täglicher Arbeitsweg beträgt einfache Stecke 85km übern kleinen Alpenpass und einer Ländergrenze.
Also wender forderst du, dass der Pöbel für dein Wohlbefinden im Staub kriecht oder du musst eingestehen, dass ein Lebensentwurf gemessen an dem, was möglich ist, eine Form von Luxus darstellt.
Genau das nicht. Ob nun der angemessene Wohnraum innerstädtisch oder ländlich mit allen Vor- und Nachteilen des jeweiligen Standortes ist, ist fast Nebensache. Es geht um angemessenen und leistbaren Wohnraum.
Deutschland ist eher ein Mietland. Meine persönliche Auffassung ist aber, dass so viele wie möglich sich Eigentum zulegen können sollten.
Wir bauen ja als Firma ausschließlich für kommunale Träger Sozialmietwohnungsbau.
Mein Büro erstellt für einige Projekte (nicht alle) Architekten- , Statik- und TGA-Planung.
Die Kernproblematik ist, dass der soziale Mietwohnungsbau nichts anders als Geschäftsmodell der Kommunen ist.
Das Objekt kostet x €, hat y Mieter und ist nach z Jahren amortisiert und danach wird Geld damit verdient.
Die Mieter (meist untere Einkommensschichten) müssen einen erheblichen Anteil ihres Verdienstes in die Miete stecken, ironischer weise sogar z. T. mit Mietzuschüssen anderweitig finanziert.
Um die Menschen aus der Armutsfalle herauszuholen, fände ich es besser, wenn nach meinethalben 30 Jahren Mietdauer die Mietwohnung in Eigentum übergeht, die hernach vom Besitzer als Wertanlage weitervererbt oder auch veräußert werden kann.
Eine überschlägige Rechnung verdeutlicht, dass dies möglich wäre.
Erstellkosten inkl. aller Nebenkosten brutto für eine 75 m² Wohnung Stand 2022: 300.000 €
Miete: 75*10 € kalt = 750 €/mon=9.000 € /Jahr = 270.000 € in 30 Jahren.
Mit 12 € Kaltmiete würde die Wohnung nach 30 Jahren den Mietern gehören.
Natürlich ist das nur sehr grob, weil Zinsen, Instandhaltung pipapo da noch nicht dabei sind.
Aber von Seiten des Staates 30 Jahre lang Mietzuschuss gewähren und im Alter Dank Eigentum die Altersarmut zu vermeiden wäre ja mal was.
Unterm Strich wäre es nur eine Umverteilung und entgangener Gewinn für eine kommune nach 30 Jahren Nutzung einer Wohnung durch Mieter.
Komplexe Themen wie ich muss alle 5 Jahre umziehen weil... - lasse ich jetzt mal der Einfachheit halber weg.
Und Luxus muss man sich leisten können. In einer fairen Gesellschaft in dem man entweder selbst viel mehr leistet als andere oder in dem man seinerseits auf andere Annehmlichkeiten verzichtet, die andere als selbstverständlich erachten. Das ist der Hintergedanke von Ressourceneinsparung über Marktmechanismen: Jeder kann selbst entscheiden, was er sich leisten will, aber einige Dinge sind halt objektiv betrachtet teuer und es ist schwer, sich diese leisten zu können.
Das ist zweifellos richtig, hat auch viel mit Bildungsmöglichkeiten und Bildungszugang zu tun.
Etwas plakativ:
So lange sich alle über ein Fastfooddeliveryservice innerstädtisch freuen, dass die Pizza nur 8,50 € kostet, aber negiert, das der arme Hund im Regen vor der Haustür am Existenzminimum herumkrabbelt, sich nie Wohneigentum anschaffen wird und vermutlich in der Altersarmt endet, so lange wird sich nicht viel ändern.
Theoretisch und bei fairer Bezahlung kostet die Pizza meinethalben 25 €.
Blöd nur, dass dies dann sich wieder nur die Privilegierten leisten können und der Normalo sagt: Geht nicht
Wir sitzen also in er Niedriglohnleistungsspirale.
Anspruch allgemein: So billig wie möglich, exorbitante Preissteigerungen zur Steigerung von Einkommen in den unteren Schichten kaum umsetzbar.
Der einzig sinnige Ausweg sehe ich, wie oben, in einem staatlich unterstützen Vermögensaufbau, der dafür sorgt, dass mit den Zuschüssen für Bedürftigen nicht noch zusätzlich Kasse gemacht wird und der Bedürftige am Ende eigentlich leer ausgeht.
Aber:
Nichts darf für umsonst sein, sonst wird nur eine weitere Generation von nur Leistungsempfängern herangezogen.
Solch ein Vermögensaufbau funktioniert nur dann auch in der Gesellschaft mit Akzeptanz, wenn der Unterstützte ordentlich in die Hände spucken muss, um meinethalben nach 20-30 Jahren eine Mietwohnung als Eigentumswohnung überschrieben bekommt.
Nein, ein Wohlstand von deinem Format ist eben nicht "natürlich". Es ist für die Mehrheit unmöglich, ihn sich aus eigener Kraft zu erarbeiten.
Genau das glaube ich eben nicht.
Die faire Perspektive muss sich auftun.
Selbst wenn Geld da ist, höre ich fast vorwurfsvoll, wie kannst du dir ein 2. Häuschen leisten, aber gleichzeitig von drei Urlauben im Jahr für zig Euros erzählen.
Ja, mei, ich fahre seit 15 Jahren nicht mehr in den Urlaub, so einfach ist das.
Auch als GF fahre ich einen banalen Skoda mit 5,5 l/100km und keinen dicken BMW mit 12l/100km, auch das ist banal und einfach.
Und unser dicker US-RAM zieht fürs Benzingeld Bäume aus dem Wald und steht dreckig auf dem Hof und blockiert eben nicht als hochglanzpoliertes Statussymbol innerstädtisch 5 Parkplätze.
Unterm Strich gehts nur darum, wie sinnig gehe ich mit dem Verdienten Geld um.
Manche brauchen da schlichtweg Investitionsberatung, andere wie ich machen das intuitiv und wieder andere haben schlichtweg Glück oder eh unendlich auf dem Konto.
Das mit dem Schnitt ehrt dich sehr und ist eine absolute Ausnahme. Weswegen ich dir an der Stelle auch gönne, dass du genauso viel wie der Durchschnitt deiner Mitarbeiter hast. Im Prinzip machst du schon genau das, was soziale Umverteilung gesamtgesellschaftlich vorsieht: Du teilst. Kein Grund mehr, mehr wegzunehmen.
Danke für die Blumen.
Gute MAs bekommt man nur dann, wenn auch die Kohle passt.
Ich zahle schon seit jeher deutlich über Tarif, versuche auch die Arbeit fair und gleichmäßig zu verteilen.
Läuft dass Projekt z. b. für mein Büro gut, gibts eine ganz einfache und transparente Regelung, die jeder MA auf dem Server tagesaktuell abgreifen kann.
Da wir der erwartete Gewinn abgebildet.
Meinethalben 10% aus einem 500.000 € Planungsauftrag, wären 50.000 €
Regelung ist banal, 50% fließen ins Büro zum Reinvest, die anderen 50% gehen an jene Mitarbeiter, die am Projekt mitgearbeitet haben und zwar Verteilerschlüssel Stundenaufwand.
Da in der Regel jene MAs in eher niedrigen Positionen die meiste h Arbeit leisten müssen (klar: Arbeitsverteilung von oben nach unten), bekommt die Sekretärin oder der Zeichner immer mehr als der Projektleiter.
Da kann unterjährig nach Abschluss des Projekts durchaus mal ein 5-6.000 €/Projekt Schein aufs Konto der Sekretärin fließen. Da wir immer mehrere Projekte haben, liegt der langjährige Schnitt bei der besagten Sekretärin mit einem Grundgehalt von grob 45.000 €/a bei ca. 15.000 € Gratifikation/a.
Das mag nicht jeder MA, habe auch schon Kündigungen von Leistungsträgern genau aus diesem Grund gehabt, wer aber das soziale Prinzip mal kapiert hat, zieht mit.
Aber offensichtlich teilst du schon auf weitüberdurchschnittlichem Niveau was mal vermuten lässt, dass die Firma selbst nicht gerade ab der Grasnabe arbeitet, sondern ihrerseits auch auf den Schultern anderer steht (Zulieferer? Kunden? Externe?).
Als Planungsbüro: Nein
Als GF Baufirma: Ja, wobei wir wohl zu 90% auf langjährige Subs zugreifen, die ausschließlich aus dem lokalen Raum kommen. Gründe sind banal: Weniger Mängel, weniger Kosten, mehr Kunden.
Und selbst innerhalb deiner Firma verdienen, wenn ich das richtig rechne nur acht Leute mehr als du 16 Leute weniger als du. Für diese 16 Leute ist dein Wohlstand nicht "natürlich" und schon gar nicht der von den 8 noch privilegierteren. Und auch als nicht-faule Socke können sie das vermutlich nicht alle ändern: Es gibt nur 8 bessere Positionen, in die man aufsteigen könnte, wenn sie mal frei werden, aber es gibt 16 Leute, die aufsteigen wollen. Mindestens die Hälfte wird es also nie schaffen, die arbeiten Zeitlebens der "besseren" Hälfte der Firma zu.
Siehe Beispiel Gratifikation oben und nein, wenn einer leistet, steigt er auf.
Meine zwei besten Projektleiter sind keine Studierten, sondern Seiteneinsteiger techn. Zeichner + Klempner-Geselle.
Ich hatte noch nie ein Problem damit, einen hochqualifizierten, aber stinkefaulen Uniabsolventen die Fristlose in die Hand zu drücken und einem techn. Zeichner, der gerade so den Hauptschulabschluss schaffte, zum Projektleiter zu ernennen.
Diese Menschen rennen dann nicht, die fliegen auf der Arbeit, weil sie ganz genau wissen, Leistung wird belohnt und sie bekommen eine reale Chance.
Meine Erfahrung:
Ein Hauptschulabsolvent ist nie dümmer als einer von der Uni, er hat nur nie zuvor die Chance, aber auch den Grund bekommen, lernen zu DÜRFEN.