Was für ein Schwachsinn, ich bin Arbeiter und nicht Arbeitnehmend.
Ich bin in erster Linie mal lohnnehmend

Das die Gegenseite weniger Lohngeber und mehr Arbeitgeber ist, führt leider dazu, dass ich mir auch was anderes aufzwingen lassen muss, aber von einem aktiven, geradezu wollenden "Arbeitnehmen" kann da von meiner Seite her nun wirklich nicht die Rede sein. Vielleicht ist das bei den GDL-Mitgliedern anders, dann kämpfen die tatsächlich für "Arbeitnehmer". Aber sie kämpfen ganz eindeutig nicht für mich.
@ruyven_macaran : Ich denke, ich kann die Antwort von vielen deiner Erwiderungen darauf beschränken, dass Realpolitik im Grunde sehr wenig mit Wahlkampfversprechen zu tun hat und einige deiner Ansichten ggf. nicht ganz korrekt sind (die Verpflichtungen aus einer NATO-Mitgliedschaft sind bspw. nicht unbeding "freiwillig").
Es gibt verpflichtende Dinge, die aus einer NATO-Mitgliedschaft folgen und die schriftlich in den NATO-Verträgen festgehalten sind und es gibt eine freiwillige Selbstverpflichtung zu Rüstungsausgaben in abstrakter Höhe. Deine Aussage ist in den Teilen, in denen sie mir gar nicht widerstpricht, durchaus richtig, aber ändert somit nichts an der Korrektheit des gesagten.
Und bezüglich Wahlversprechen gibt es fünf grundsätzliche Möglichkeiten:
1. Man hält sie einfach ein.
2. Man opfert einen Teil einem Koalitionspartner, der gegenteiliges versprochen hat und kann im Gegensatz einen anderen Teil umsetzen, den der Koalitionspartner eigentlich ausgeschlossen hat. Idealerweise in einem Verhältnis, dass den jeweiligen Wahlergebnissen entspricht.
3. Man akzeptiert, dass die eigenen Wahlversprechen von der überwältigenden Mehrheit nicht gewählt wurden, dafür also keine Mehrheiten zu finden sind und geht in die Opposition.
4. Man hat unhaltbare Dinge versprochen, weil man zu blöd für Politik ist.
5. Man hat etwas versprochen, was man (entweder fehlender Realisierbarkeit oder wegen der eigenen Grundeinstellung) gar nicht umsetzen will und hält es auch nicht.
1. ist sehr selten und die Grünen machen es definitiv nicht.
2. ist recht häufig, aber die Grünen machen es (insbesondere verglichen mit dem FDP-Anteil in der Politik) definitiv nicht.
3. ist die gängige Alternative für alle, die 2. nicht schaffen, aber die Grünen machen es offensichtlich nicht.
Wer 4. oder 5. macht sollte nicht regieren und daher auch nicht gewählt werden.
Ich halte im Übrigen an meiner Argumentation zum Schaden der Schuldenbremse fest. Wir haben selbst in Deutschland schon stark mit den Folgen des Klimawandels - bspw. durch Dürrezeiten oder sinkende Grundwasserspiegel (die mitunter zu einem Mangel an Trinkwasser führen) - zu kämpfen. Das Thema Klimaschutz ist faktisch dringender als ein übertriebener Anspruch an die Staatsfinanzen. Das Problem ist eher, dass wir tiefgreifende gesellschaftliche Änderungen brauchen, zu denen auch eine grundlegende Neuverteilung von Vermögen gehört und eine Neugestaltung unseres Wirtschaftssystems gehört. Der Club of Rome hat immerhin schon vor mehr als 50 Jahren in "Die Grenzen des Wachstums" deutlich gemacht, dass wir uns unser Wirtschaftssystem langfristig nicht leisten können.
Beim letzten Teil stimme ich dir zu. Aber solange die Deutschen noch immer größere Autos kaufen, solange sich der Staat weiter von diversen Konzernen über den Tisch ziehen lässt, solange die wichtigsten Themen Black Friday und Cyber Monday sind, solange es keine effektive Erbschaftssteuer gibt, keine Belastung von Finanztransaktionen, solange staatliche Subventionen an Gewinn machende, Dividenden ausschüttende Firmen ausgezahlt werden, solange ... ... ... (viele weitere PunktPunktPunkt), solange ist es einfach Bullshit zu behaupten, wir stünden vor der Wahl "Schuldenbremse oder Klimawandel". Es gibt SEHR viel mehr Möglichkeiten, bei deren Wahl die CO2-Emissionen sinken und die Staatsverschuldung stabil bleibt.
Ich sehe mittlerweile auch, dass die Allgemeinen Gewerkschaften wie ver.di und Co. Teil des Problems sind, weil sie ausschließlich Politik für ihre eigene Klientel machen anstelle ihrem gesellschaftlichen Zweck wahrzunehmen und neue Berufsfelder zu erschließen. Die Unterschiede zwischen einem tarifvertraglich geregeltem Beruf und einem nicht tarifvertraglich geregeltem Beruf sind recht deutlich und im Übrigen auch einer der Gründe, warum der Mindestlohn überhaupt erst notwendig war.
/sign.
Glücklicherweise sind derartige Zahlen für Staaten absolut irrelevant. Deutsches BIP betrug 2022 4 Billionen €. Bei derartigen Größenordnungen steigt nunmal die Fähigkeit jedes Bürgers, das irgendwie ins Verhältnis zu setzen, komplett aus.
Deutsche Schuldenquote beträgt aktuell ~67%. Um das Einzuordnen: China 77%, USA 122%, Japan knackige 260%.
Und weiter? Griechenlands Schulden"quote" betrug 2008 103%, 2012 waren es 170%. In der gleichen Zeit sind die Schulden selbst aber nur um 50% gestiegen. Ein Quotient aus zwei Dingen, von denen man nur einen Kontrolle hat und wo man ausgerechnet diesen deutlich erhöhen muss, wenn der andere sich verschlechter (aka: In Krisen fleißig investieren) ist absolut nichts, wo man sich drauf ausruhen kann, sondern wo man massig Polster ansammeln sollte. Ist ja schön, wenn die Wirtschaft gut läuft (auch wenn das deren Meinung ja nie der Fall ist), in dem Fall sollte man kurze Zeit später überschüssiges Guthaben zur Verfügung haben. In der Hoffnung, dass die Wirtschaft gut laufen wird, das Geld schonmal vorab auszugeben, ist dagegen immer ein Risiko. Das ist beinahe der einzige Punkt, wo VWL und BWL mal zum gleichen Schluss kommen dürften.
Vergleiche übrigens Klima: Da sind gerade jede Menge Leute dafür, jetzt fleißig weiter fossile Energieträger zu verbrennen, damit wir das nötige Geld haben, um technische Lösungen zu entwickeln. Also lass und das doch machen, damit es künftigen Generationen besser geht! Jetzt den Fortschritt abzwürgen, wäre doch viel schlimmer!! – deiner Logik nach, wenn man sie von der einen Form der Belastung künftiger Generationen auf eine andere Form überträgt.
Einfach mal mehr Schulden aufnehmen, und dieses Geld dann in der Gesellschaft verteilen, gerne auch mit der Gießkanne.
Wie wäre es, wenn man statt der Gießkanne mal ein
Klimageld, finanziert aus Abgaben der Krisen- und Allgemeinprofiteure und der Großverbraucher auszahlt? Helf mir mal weiter, gab es da nicht eine Partei, die sowas versprochen hat? Das jeder, der sparsam und klimafreundlich lebt, unterm Strich sogar mehr rausbekommt, obwohl die Energiepreise steigen?
Komisch, dass ich bislang ausschließlich mehr bezahle, während Herr Habeck sich dafür einsetzt, dass
Großverbraucher ihren Strom besonders billig bekommen.
Naja, man kann zukünfttigen Generationen ein funktionierendes Land mit gut laufender Wirtschaft hinterlassen, dann sind die Schulden irrelevant, da sie ja bedient werden können.
Hinterlässt man ihnen aber nichts außer Scherben, wirds schwieriger.
Eine Wirtschaft, die nur wegen Subventionen gut läuft, hilft wenig bis gar nicht dabei, Schulden abzubezahlen. Was sollen zukünftige Generationen denn bitte mit Kohlekraftwerken, Ölkonzernen, 3-Tonnen-SUV-Bauern, chemischer Großindustrie, Massenproduzenten für Stahl, Zement, etc.?
Basierend auf welcher Einschätzung? Deiner?
Dem halte ich entgegen: Meine Einschätzung, und die lautet: Wir haben noch einiges an Spielraum. So bis ~100% Staatsverschuldung
100% welcher in Stein gemeißelten, belastbaren Bezugsgröße?
Ich habe die Neuverschuldung der letzten Jahre mit der zurückliegenden Verschuldung verglichen. Ein Zuwachs von 400 Milliarden Euro in zwei Jahren Ampel entspricht dabei den gesamten 80er und 90er Jahren zusammengenommen, nur war eine quasi-Staatspleite mit drin oder auch den ersten 10 Jahren nach der Euroeinführung, nur war da eine globale Bankenkrise mit drin oder aber es war mehr, in diesen zwei Jahren, als der Bund in sämtlichen "normalen"/nicht-Krisen-Zeiten seit der Staatsgründung
zusammengenommen je gemacht hat. Wenn man jeder Generation also in gleichem Maße das Recht zugestehen möchte, ihren Nachfolgern ein "leckt uns" zu hinterlassen, dann haben wir in den letzten zwei Jahren das Budget bis wenigstens 2070 verprasst.
Selbst wenn man die globalen Notlagen mit einbezieht und das ganze exponentiell betrachtet (also davon ausgeht, dass jede Generation der nachfolgenden eine viel größere Menge aufhalst, als sie von der vorangehenden Generation übernommen hat - seit Corona sollte jeder Wissen, dass das bedeutet, das man irgendwann vor einer unüberwindbaren Wand steht), dann wären für die gesamte Ampel-Legislaturperiode nur 300 Milliarden Neuverschuldung "fair" (oder besser gesagt: Kommenden Generationen gegenüber genauso unfair, wie es vorangehende Generationen gegenüber der jetzigen waren), wovon 400 Milliarden jetzt eben schon ausgegeben sind.
Wäre die "Gießkannen"- und "alles für den Klimaschutz"-Logik richtig, müsste daraus folgen, dass Deutschland die nächsten Jahre eine so super geil brummende Wirtschaft hat, dass der Haushalt sogar positiv abschließt und das Klima ist sowieso gerettet.
Was, das ist nicht der Fall? Stattdessen sind die Reichen noch reicher geworden? Dann macht die Ampel wohl keine lohnenden/sinnvollen Investitionen, sondern scheißt auf die ohnehin schon größten Haufen.
Doch wird das nicht geschehen weil die Rentner eine große Wählergruppe darstellen.
Wenn die Grünen jetzt genau so eine alles-für-die-Rentner-versklavt-die-Jugend-nach-uns-die-Sintflut-Partei sind, wie die CDU, dann sollten sie sich nicht wundern, dass sie von mir auch genau so viele Stimmen bekommen.
Außerdem dürfte man aus Gerechtigkeitsgründen nicht bei allen Rentner gleich viel kürzen.
Die einen haben deutlich mehr Geld als andere.
Für gewöhnlich macht man solche Kürzungen prozentual und am unteren Ende gibt es als Dämpfungsmechanismus auch noch aufstockend HartzIV.
Letzteres wollten die Grünen übrigens auch abschaffen, stattdessen haben sie nur den offiziellen Namen geändert.
Ich komme berufsbedingt durch viele Rentnerhaushalte. Solange man dort nicht alleine wohnt, nimmt man aktiv am Leben teil. Stirbt bspw. ein Lebenspartner, dann ist das meist auch das Ende der gesellschaftlichen Aktivität. Frauen sind meist noch anders als Männer. Die sind eher dabei das alte aber dann neue Leben umzugestalten. Aber ab 80 hört auch das dann bei den meisten auf. Ich will damit sagen, dass da draußen bestimmten Menschen sind, die solche Angebote annehmen würden, aber das Gros der Leute, was ich jedenfalls so mitbekomme, wird das gar nicht in Anspruch nehmen.
Meine Beobachtung, nicht nur bei Rentnern:
Der typische Deutsche lernt neue Leute fast nur dort kennen, wo er beinahe zwangsläufig mit ihnen zusammengeschmissen wird. In der Schule, in der Uni (da wegen starken Durchmischung oft besonders viele) in Sportvereinen und auf Arbeit. Die ersten drei Punkte fallen mit steigendem Alter nach und nach Weg und mit der Rente dann auch Punkt Nummer 4. Ab da ist der Freundeskreis ein feste Größe und die einzigen Änderungen, die sich noch ergeben, sind biologischer Art - mehr und mehr landen im Grab oder sind zumindest körperlich nicht mehr in der Lage, zu Treffen zu kommen. Wenn dann ein Haushaltmitglied stirbt, bricht auf einen Schlag auch noch der gesamte nicht gemeinsame Teil des Freundeskreis weg und am Ende bleiben sehr einsame Menschen übrig.
Es gibt aber positive Anzeichen, dass ich das mit den neuen Medien ändert. Hier im Forum haben wir ja auch einige Rentner, die aber zumindest virtuell neue Kontakte schließen. (Ob sie sich auch physisch mal treffen - keine Ahnung)
Es ist aber meiner Erfahrung nach kaum möglich, so etwas von außen zu ändern. Ältere Leute haben auch ihre eigenen Vorstellungen davon, wie ihr Leben zu führen ist und wenn dieser Lebenswandel keine Möglichkeiten für neue Kontakte beinhaltet, dann ist dem so. Irgendwo hinzugehen, nur um neue Leute kenenzulernen, würde ein Eingeständnis des eigenen Versagens voraussetzen (sofern man die Einsamkeit nicht allgemein als okay empfindet), und das kann man nicht von außen erzwingen.
Ein bißchen mehr Geld, auch über das Grundeinkommen hinaus, würde den Menschen weiterhelfen.
Viele gesellschaftliche Angebote sind auch nicht ganz kostenlos.
Die meisten sind sehr billig und viele Rentner haben relativ viel Geld übrig, einfach weil ihre Konsummöglichkeiten eingeschränkt und ihre Zukunftsinvestitionen inexistent sind. Das ändert aber nichts. In meinem familiären Kreis gibt es nur Rentner, die mit ihrer Rente gut auskommen können, aber die machen trotzdem nichts soziales. Die einzigen nach Rentenbeginn neu geknüpften Kontakte (wäre es einer weniger, wäre die Mehrzahl unangemessen), von denen ich aktuell weiß, sind beim Radfahren entstanden. Und das ist nun wirklich ein sehr billiges Hobby.
Andere Betätigungen wären noch billiger, würden sogar eine Aufwandsentschädigung einbringen: Wir haben ohne Ende Bedarf und Plätze für Ehrenämtler in Deutschland, bei denen es überwiegend um "Zeit haben" geht. Das klingt einfach optimal für Rentner und wer vor der Rente in so einer Position tätig war, macht sie in der Regel auch gerne und lange weiter. Da wird eigentlich nur aus Verantwortungsgründen abgegeben, weil man eben nicht will, dass der Laden ohne Nachfolger zugrunde geht, wenn man mal gesundheitliche Probleme hat. Aber das sich jemand sowas neu sucht? Sehr selten.