Wie funktioniert die Hotspot-Methode in NV-UV und kann man dem Wert trauen?
--> Weil es gerade gut zum Thema passt
NV-UV betreibt keine Raketenwissenschaft. Die Methode basiert auf den öffentlich geteilten Hinweisen von Unwinder zur Low-Level-Schnittstelle von MSI Afterburner.
Darüber lassen sich mehrere interne Temperaturregister direkt auslesen. Inzwischen existieren auch mehrere offene Community-Plugins, die im Kern denselben Ansatz verwenden.
Am Ende des Tages geht es um sechs öffentlich diskutierte Registeradressen:
0xAD0A90
0xAD0A94
0xAD0A98
0xAD0A9C
0xAD0AA0
0xAD0AA4
--> Darauf baut das NV-UV-Plugin auf.
Es liest die sechs internen Temperaturkanäle direkt über die Low-Level-Schnittstelle von MSI Afterburner aus. Die unteren 16 Bit des jeweiligen Registerwertes werden als Festkommawert mit 1/256 °C interpretiert.
Die Berechnung ist recht simpel:
Hotspot Temperatur: der höchste Wert der sechs Kanäle
Hotspot Delta: der höchste minus der niedrigste Wert dieser sechs Kanäle
Hotspot Delta:
Das Plugin stellt neben der Hotspot-Temperatur auch ein Hotspot Delta bereit. Dieses Delta ist keine zweite unabhängige Messung, bietet aber einen zusätzlichen Blickwinkel: Während die Hotspot Temperatur den heißesten der sechs Kanäle zeigt, beschreibt das Delta die Spreizung zwischen dem heißesten und dem kühlsten Kanal. Wer beide Werte beobachten möchte,
kann das Delta bereits über MSI Afterburner ins OSD aufnehmen.
Für die erste Integration in NV-UV habe ich mich aber bewusst nur für die absolute Hotspot-Temperatur entschieden. Die ist leichter einzuordnen und entspricht eher dem klassischen Verständnis eines Hotspot-Werts. Das Delta benötigt auch deutlich mehr Erklärung, kann schnell mit "Hotspot minus normale GPU-Temperatur“ verwechselt werden und besitzt ebenso keine offiziell dokumentierten Grenzwerte. Ich wollte es anfangs auch einfach übersichtlich halten. Falls mehrfach gewünscht kann ich das Delta optional in die NV-UV-Telemetrie aufnehmen.
Ah ja, es wird auch nicht angenommen, dass beispielsweise immer Register Nummer drei der heißeste Sensor sein muss. Alle sechs Kanäle werden bei jeder Messung ausgewertet und der aktuell höchste Wert verwendet.
Ich habe zusätzlich eine etwas strengere Plausibilitätsprüfung eingebaut:
- Alle sechs Register müssen lesbar sein.
- Alle sechs Werte müssen innerhalb eines sinnvollen Temperaturbereichs liegen.
- Fehlt ein Kanal oder liefert er einen offensichtlich unplausiblen Wert, veröffentlicht das Plugin lieber gar keinen Messwert.
- Es wird nichts aus den übrigen Kanälen geschätzt und kein Ersatzwert erzeugt.
Da ich selbst "nur" eine RTX 5090 und eine RTX 5070 Ti als echte Hardwaretests zur Verfügung hatte, erschien mir dieses Verhalten am sinnvollsten. Die NV-UV-Implementierung liest genau diese sechs Register, berechnet Maximum und Delta und verwirft den kompletten Messsatz, sobald einer der sechs Kanäle nicht plausibel ist.
Nach der Installation prüft NV-UV außerdem fünf aufeinanderfolgende Messungen.
Erst wenn alle fünf Samples – bei fünf hatte ich ein gutes Gefühl xD – plausibel sind, wird die Installation als erfolgreich akzeptiert.
Zur Klarstellung:
- Sechs Kanäle werden für jeden einzelnen Hotspot-Wert ausgewertet.
- Fünf Messungen hintereinander dienen nur dem abschließenden Sensortest nach der Installation.
Kann man dem Wert also trauen?
Als experimentellem Zusatzwert würde ich sagen: Ja, mit den entsprechenden Vorbehalten.
Die Werte waren auf meiner RTX 5090 und RTX 5070 Ti für mich plausibel und reproduzierbar. Sie haben nachvollziehbar auf Last und Abkühlung reagiert. Auch Installation, erneute Abfrage, Afterburner-Neustarts und Rollback wurden auf beiden Karten getestet.
Besonders im
www.overclock.net Forum werden die Kanäle inzwischen ebenfalls auf verschiedenen Karten und unter unterschiedlichen Lasten beobachtet. Der bisherige Tenor scheint überwiegend zu sein, dass die Werte plausibel reagieren.
Ist es wissenschaftlich valide?
Ich bin mitnichten ein Experte für Halbleiterthermik oder Elektrotechnik und möchte deshalb auch nicht mehr behaupten, als tatsächlich belegt ist. Noch dazu habe ich weder erweiterte Messungen direkt an der Hardware durchgeführt noch die technischen Möglichkeiten dazu.
Ich werde mich also nicht hinstellen und sagen: „Genau so definiert NVIDIA offiziell den Hotspot.“
Als offiziell bestätigter NVIDIA-Hotspot-Sensor gilt der Wert also nicht.
NVIDIA dokumentiert diese Register nicht öffentlich. Außerdem bedeutet ein Block aus sechs ausgelesenen Kanälen nicht zwangsläufig, dass Blackwell intern insgesamt nur sechs relevante Temperatursensoren besitzt.
Deshalb bleibt die Anzeige in NV-UV bewusst als experimentell und mit einem Disclaimer gekennzeichnet.
Ich behalte die Thematik aber definitiv im Auge. Sobald neue Erkenntnisse, oder Informationen auftauchen, versuche ich zeitnah zu prüfen und NV-UV entsprechend nachzupatchen.
Was macht NV-UV besser?
NV-UV übernimmt die automatische Installation und Konfiguration in MSI Afterburner. Man, muss nicht mehr selbst mit einem Texteditor die CFGs ändern und auch nicht selbst nach der ID der Grafikkarte suchen.
NV-UV erkennt das jeweilige Blackwell-Modell und passt MSI Afterburner dementsprechend an, sodass man den Hotspot ohne großen Aufwand auch im OSD aktivieren kann, falls man dies möchte
Als Grafikkarten-Nerd finde ich das Thema an sich extrem spannend. Mir ist aber auch klar, dass es viele schlicht nicht interessiert: Karte rein, alles läuft, fertig. Auch das ist völlig nachvollziehbar und absolut legitim.
