Das eine bedingt bei der BW das andere...
Und das ist DAS Problem der Bundeswehr.
Was für Alternativen bitte. Die BW hat Auftrag, der soll erfüllt werden. Wenns jetzt Vorgaben gibt, die dem im Weg stehen dann gibts keine Alternativen. Man kann Ersatzteile JIT bestellen, oder es lassen, welche andere Möglichkeit solls denn noch geben?
Vorgabe des Parlaments war es, Geld zu sparen. Und wie weiter oben schon gesagt und weiter unten näher ausgeführt: Aus gutem Grund. Ein 80-Millionen-Land in einem starken Verteidigungsbündniss ohne gemeinsame Grenze mit potentiellen Konfliktpartnern muss keine Armee auf dem preislichen Niveau einer kleineren Weltmacht unterhalten, um ausreichend verteidigungsfähig zu sein. Macht Deutschland aber und ist es trotzdem nicht.
Diese Verschwendung sollte laut Paralment abgestellt werden - wo genau ist nicht Aufgabe und vor allem nicht Fähigkeit des Parlements zu ermitteln und auch nicht des Verteidigungsminister als Person. Dieser Input würde in einem funktionalen System von den entsprechenden Experten der Bundeswehr selbst kommen. Auch dann, wenn ein Verteidigungsminister nicht aktiv danach fragt (wie die internen Abläufe da waren/sind: siehe oben, kann ich nur mutmaßen), sondern stattdessen Wünschelrutengehen betreibt oder was auch immer. Dann halt als sinnvoller Gegenentwurf zu verhängnisvollen kaputtsparen.
Wo waren (und sind) diese Bundeswehr-eigenen, kompetenten Entwürfe? Wie sahen sie aus?
Sagt dir Weißbuch der Bundeswehr irgendwas? Nein?
Du meinst dieses Dokument, dessen Autoren
Zitat Wikipedia, "davon aus [gehen], dass Deutschlands Einfluss nicht auf der Androhung oder Anwendung militärischer Gewalt basiert" und die deswegen den "Schwerpunkt in der Sicherheitspolitik" legen, "ohne [...] ins Detail der Organisation der Streitkräfte zu gehen"?
Und das (zumindest auf den sechs Seiten, die überhaupt mit der Überschrift "Ausrüstung" betitelt sind) nur das universelle Consulting-Bullshit-Bingo enthält, das man in einem von Laien in Auftrag gegebenen Bericht erwartet. Aber garantiert keine einzige Vorgabe, sondern nur Worthülsen die so inhaltsleer sind, dass die Bundeswehr daraus von einer Runde Eis im Kindergarten bis zur Anschaffung von Orbitalbombern absolut alles als "vom Weißbuch gedeckt" bezeichnen könnte?
Also sorry, aber das war jetzt ein Bisschen Eigentor

.
(Wie übrigens auch besagtes Weißbuch. Die herrliche Totalschurbelei "... Erhalt nationaler Schlüsseltechnologien zu bewahren und damit die militärischen Fähigkeiten und die Versorgungssicherheit sicherzustellen. Das Bundesministerium der Verteidigung wird hierzu seine besondere Fachexpertise ..." wird mit einem Bild vom 212A-Stau bei HDW illustriert.

)
Soweit ich es überblicke, hat das vorhergehende Weißbuch (2006) ebenfalls nur definiert, "was" die Bundeswehr zu leisten hat und sehr wenig zum "wie" gesagt. Das höchste der Gefühle zum Thema Ausrüstungsbudget ist "...völlige Entlastung von Aufgabenfeldern, die der private Sektor günstiger erbringen kann...". Blöd halt, dass die Bundeswehr stattdessen viele Funktionen outgesourced hat, die der private Sektor gar nicht vernünftig erbringt, sodass eben nicht die Einsatzfähigkeit "zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr sicher[gesellt]" wurde, wie es diese POLITISCHE VORGABE eigentlich von der Bundeswehr verlangt hat.
(Zum Personal steht detaillierteres drin. Aber auch nur nach Zahlen und Struktur, nicht nach einzelnen Tätigkeiten, sodass trotzdem fast alles dem Mikromanagement der Bundeswehr überlassen bleibt.
Das macht im Überbau die Bundeswehrverwaltung. Und hier liegt ein Denkfehler vor. Es gibt ganz klare Verschleißanalysen, Bedarfsrechnungen für jedes Waffensystem. Am KpZ kenn ich mich am besten aus, also verzeih wenn ich dabei bleibe. Bremsen, Kettenpolster, Zahnkränze, der bumms der im ganz normalen Betrieb verschleißt, dafür gibts seit Jahr und Tag Berechnungen was ein Bataillon pro Jahr etwa verbraucht. Ja, bei verstärktem Übungsbetrieb weicht das ab, aber das nicht weiter wild.
Wenn aber dieser formulierte Bedarf nicht gedeckt wird, weil jemand entschieden hat einfach den Kauf von Ersatzteilen im laufenden Jahr auszusetzen, oder weil man Ersatzteile JIT beschaffen will dann ist wurscht was auf diesem Papier steht. Das macht die Ersatzteilentscheidung ja so perfide - wir kaufen den Rotz ja immer im Paket, also System + Ersatzteilversorgung, dass jetzt einseitig auszusetzen ist... ungut.
Es geht doch genau darum, dass Entscheidungen aus dem Kontext des Sparens getroffen wurden die sich GEGEN den Bedarf der Truppe gerichtet hatten. Der Bedarf ist seit Jahren klar formuliert. X Systeme eines Typs mal Schlüssel Ersatzteile = Gesamtsumme Ersatzteile.
Ob dieser Bedarf gedeckt wird ist aber abhängig vom allokierten Budget & das ist... du ahnst es... eine politische Entscheidung.
Nein. Wie du gerade selbst gesagt hast: Was bestellt wird und was nicht entscheidet die Bundeswehr(-verwaltung). Das Parlament macht eine Vorgabe, was für Leistungen zu erbringen sind (und es wird häufig kritisiert, dass da zuwenig Bedarf definiert wird) und das Parlament sagt, was das Kosten darf. Und zwar gar nicht mal so wenig:
Von 2017 bis 2020 hat Deutschland im Schnitt 49 Milliarden/a in die Bundeswehr gesteckt. Das ist fast soviel wie Großbritannien (51), genau so viel wie Kanda und Australien ZUSAMMEN und mehr als Japan (43), nicht viel weniger als Frankreich (56) und in Sichtweite zu Russland (65). Das Parlament hat der Bundeswehr also soviel Geld gegeben, dass man davon sogar nukleare ICBM- sowie Flugzeugträger, eine schlagkräftige Luftwaffe und ein Heer mit dem Ruf nach recht guten Panzern hätte bezahlen können. Bekommen hat das Parlament von der Bundeswehr einen mit Improvisation beschäftigten Haufen, bei dem man froh sein kann, dass private Smartphones in die Uniformtaschen passen, damit im Gefecht irgendwie kommuniziert werden kann. So, wie es in der Öffentlichkeit dargestellt wird, hätte die Bundeswehr Mühe, die Kampfkraft der Italienischen Armee zu erbringen - dabei hat das Parlament zusätzlich noch beinahe die komplette brasilianische on top bezahlt (28 + 27 Milliarden, alle Angaben in Dollar).
Warum nicht? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Beides braucht Manpower. Eins von beiden ist für die Verteidigung zwingend notwendig, das andere nicht. Gemäß Parlamentsauftrag hat die Bundeswehr erstere sicherzustellen und wenn ihre Ressourcen dafür nicht reichen, ist Kameragrinsen nicht mehr drin.
Wenn die Bundeswehr sich vom Verteidigungsminister hintergangen fühlt, kann UND SOLLTE sie derartige Anordnungen also als Bürger in Uniform verweigern, denn sie verstoßen gegen den demokratischen Auftrag der Bundeswehr. (Bringt natürlich in der Sache wenig, würde aber genau für die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit sorgen, die du vermisst.)
Weil sehr sehr viel verwaltet werden muss? Kuck doch alleine mal wieviele Liegenschaften die BW hat, es heißt auch nicht umsonst Standortverwaltung...
Es gibt Unternehmen, die haben durchaus noch mehr Standorte und vor allem haben die meisten weniger Besitz und viel mehr Dynamik. Eigentliche sind die Standorte der Bundeswehr nämlich ziemlich groß und sie muss nicht auf wechselnden Kundenverkehr reagieren, sich nicht an schwankende Märkte anpassen, ihre Mitarbeiter schätzen ausdrücklich die Konstanz der Beschäftigung, etc..
Ich sage nicht, dass so etwas absolut einfach zu verwalten ist, denn die Bundeswehr ist absolut immer noch ziemlich groß. Aber es ist von der Struktur her einfachER als z.B. ein Netzwerk aus Geschäften, Lager- und Produktionsstandorten mit saisonalem Angebot, In-Store-Kooperationen, wechslenden Lieferanten, Konjunktursabhängigen Personalfluktuationen, etc. . Der OverheadANTEIL sollte der Bundeswehr wegen dieser sehr guten Verwaltbarkeit eigentlich deutlich kleiner sein, als bei einem durchschnittlichen Konzern, wenn sie mit vergleichbarer Effizienz arbeitet.
Wenn NICHT, dann ist das genau so ein Punkt, wo man die zu Recht auferlegten Sparmaßnahmen umsetzen könnte, ohne dass die Leistungsfähigkeit sinkt.
Die Lufthansa hat ein gaaanz anderes Interesse daran seine Maschinen einsatzbereit zu halten als der Staat. Erneut, das ist politisch bedingt. Macht die LH Verluste weil die Maschinen kaputt sind geht die Pleite.
Ne, dann wird die auf Steuerzahlerkosten gerettet

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Kümmert sich der Wähler nicht um den Zustand der Bundeswehr und lässt das den Politikern damit durchgehen, dann haben die, ohne Bedrohung von außen, wenig Interesse das zu ändern, v.a. wenn man dabei noch sparen kann. Und genau DAS ist 2008-2014 passiert.
Wir drehen uns im Kreise. Eben noch rechtfertigst du den riesigen Overhead der Bundeswehr damit, dass sie sich so ungeheur sorgfältig selbst verwaltet. Und jetzt sind auf einmal wieder Politiker für jeden Verwaltungsfehler verantwortlich. Was soll das? Entweder die Bundeswehrverwaltung verwaltet die Bundeswehr, dann verpfuscht sie das (zumindest zu erheblichen Teilen) höchstselbst. Oder die Politik verwaltet die Bundeswehr, dann dreht die Bundeswehrverwaltung für viel Geld Däumchen.
Entscheid dich.
Das wars eben NICHT.
Die Entscheidung war, Ersatzteile dann zu bestellen wenn diese gebraucht werden. Just in time logistics.
U-35 hat doch gezeigt wie wenig das funktioniert... Es hat 2! Jahre gedauert um das notwendige Ersatzteil zu beschaffen. ZWEI. JAHRE.
Aber genau das ist NICHT just in time. Das ist "much to late logistics". Nicht dass ich reinste JiT mit 0 Puffer (oder JiT überhaupt) verteidigen möchte. Aber wenn ein Objekt zwei Jahre Lieferzeit hat, dann ist es gemäß JiT zwei Jahre vor Bedarf zu bestellen und am Anfang deines Posts hast du geschrieben, dass der Ersatzteilebedarf der Bundeswehr sogar sehr gut planbar ist.
Wenn es trotzdem nicht schief läuft, dann liegt das nicht daran, dass jemand extremes JiT angeordnet hat (obwohl so eine Anordnung natürlich trotzdem Schwachsinn ist, selbst die Autoindustrie hat Puffer für einen Tag bis eine Woche), sondern daran, dass die Umsetzung verpfuscht wurde. Von der Bundeswehr. (Wenn du dich weiter oben nicht für "Däumchen drehen" entschieden und die Verwaltungsaufgabe dem Parlament zugeschrieben hast.)
ABER: "Wenn" ist überhaupt nicht erfüllt. Radikales JiT wäre Lagerbudget = Null und soweit ist auch de Maiziere nicht gegangen, er hat "nur" deutlich gerkürzt, was zu normalem JiT passt. Da bestellt man so nach, dass frei werdenden Plätze im verkleinerten Lager just in time gefüllt werden.
Zwei Jahre Lieferzeit, Platz für zwei Exemplare im Lager, Bedarf alle zwei Jahre? Bestellung ein Jahr, BEVOR man die Entnahme des ersten Teils aus dem Lager erwartet, damit die Nachlieferung bei Erfüllung des Plans ein Jahr vor Entnahme des zweiten/letzten Lagerteils eintrifft.
So LÄUFT JiT, wenn man eine fähige Verwaltung hat und die Bedingungen planbar sind. (Was sie in Kriegszeiten nicht wären, weswegen ich mindestens 5-10 Jahre Puffer befürworten würde. Aber dass die Umsetzung der Bundeswehr auch in Friedenszeiten nicht funktioniert, das liegt nicht am Konzept.)
Klar sind manche Ersatzteile zu dem Zeitpunkt noch vorrätig gewesen, die schmeißt man nicht weg. Aber dort wo schon Mangel bestand, z.b. durch die Entscheidung über Monate gar keine Teile mehr zu kaufen um kurzfristig Ausgaben zu sparen, dort wurde es massiv schlimmer, siehe die Bereitschaft bei Flugzeugen & Helikoptern.
Aber genau das zeigt doch schon grobe Planungsfehler auf: Wieso waren von Ersatzteil A genug Exemplare für sechs Jahre Betrieb vorhanden und von Ersatzteil B nur für ein Jahr? Das heißt nichts weiter als dass die Bundeswehr in Teilen das Lagerbudget für einen Sechsjahrespuffer brauchte, aber trotzdem nur ein Jahr vor Ausfällen geschützt war. Sowas ist einfach Missmanagement mit Einsparpotential. Alle Teile für zwei Jahre zu haben wäre billiger UND besser für die Einsatzbereitschaft.
"Kurzfristig sparen" hat das Parlament dagegen nie angeordnet (schon allein weil ein Weißbuch nur alle paar Legislaturperioden erscheint und der Etat auch relativ konstant ist) und schon gar nicht mit Folgekosten und Verlust der Einsatzfähigkeit. Wer auch immer so gehandelt hat, hat sich dem demokratischen Auftrag der Bundeswehr in den Weg gestellt - und das auf jeder einzelnen Ebene.
(Mutmaßlich auf einer weiter unten. Denn dass die gesamte Bundeswehr monatelang gar nichts mehr gekauft hat, kam afaik nie vor. Die Verteilung des Ersatzteil Budgets zwischen Leos und anderen Fahrzeuge arbeitet aber nicht der Minister persönlich aus, das würde ich min. 5 Ränge tiefer erwarten.)
Ebenfalls keine Glanzleistung ist die Reaktion auf die eingetretene Krise und die ist endgültig 100% Bundeswehr, denn die Politik kann keine Vorgaben zu einer nicht geplanten Krise gemacht haben: Wenn absehbar ist, dass man Übungsverschleiß an Panzern bald nicht mehr reparieren kann, dann gehören die Übungen rechtzeitig eingestellt. Oder willst du mir da widersprechen und weißmachen, eine gut trainierte Panzercrew, die zu Fuß auf dem Acker steht, hätte mehr Verteidigungswert als eine mäßig geübte mit Panzer drumrum?
Das Problem dabei ist, man kann die BW nicht mit BMW vergleichen. Keiner der Rüstungskonzerne hält einfach so Produktionskapazität vor und wartet nur darauf dass die BW mal ein Seitenruder für ein Uboot braucht.
Das ist sicherlich gerade bei der Marine (übrigens auch bei der zivilen) ein Problem, dass es zu beachten gilt. Aber wie ich oben schon zitiert und erklärt habe: Die Vorgaben aus dem Parlament sind immer unter der Prämisse der Einsatzfähigkeit und auch in der Rüstungsindustrie werden Vorlaufzeiten nicht ausgewürfelt.
Again, das ist gegen jede militärische Realität. Eine Einsatzbereite BW gem. Weißbuch, mit Schwerpunkt Landesverteidigung muss Kriegsfähig sein, d.h. die Lagerhaltung von Ersatzteilen ist zwingende Notwendigkeit für diesen Status.
Siehe oben: So, wie die Bundeswehr gewirtschaftet hat, war sie offensichtlich nicht kriegsfähig. Das waren somit keine notwendigen Ausgaben, das war Verschwendung und nur darauf habe ich mich bezogen.
Welcher Puffer... Versteh doch bitte einfach, dass es in manchen Bereichen nie einen Puffer gab.
Fehler
Plan haben ist das eine, Plan umsetzen das andere. Ka wie du Dir das vorstellst, aber die BW hat nicht mal im Ansatz genug Geld bekommen um das was sie hat aufrecht zu erhalten.
Siehe obige Rechnung: Die Bundeswehr hat sehr viel Geld erhalten. Wenn das "nicht mal im Ansatz genug war", damit die Bundeswehr Dinge erreichen konnte, die andere mit einem Bruchteil des Geldes hinbekommen, dann muss man nicht das Budget ändern. Sondern die Bundeswehr.
Mal Frankreich fragen, ob man die Fremdenlegion mieten kann, Deutschland ist zu blöd, das Elsass vor Putin zu schützen...
In Bezug auf die interessante Diskussion von
@hoffgang und
@ruyven_macaran , hier ein (für die Verhältnisse unseres kleinen Regionalmagazins) recht detaillierter Artikel über mögliche Mängel im Beschaffungs- und Auftragsvergabewesen der BW am konkreten Beispiel:
"250 Millionen zu viel: Kritik an Lürssen-Auftrag für die Bundeswehr"
Die Bremer Lürssen-Werft soll für die Marine zwei Tankschiffe bauen. Vertrauliche Unterlagen zeigen, dass der Preis 250 Millionen Euro zu hoch sein könnte.
www.butenunbinnen.de
So als Laie liest sich das schon recht ungeheuerlich...
Das ließt sich wie ein wunderbares Beispiel für den Eindruck, dem ich bei beinahe jedem Hinweis auf die Ausgaben der Bundeswehr bekomme. Und es ist laut dem Artikel eindeutig die Bundeswehr und eben nicht die Politik verantwortlich:
"Der Bericht mündet in einer klaren Forderung: Das Beschaffungsamt solle die Prüfung abbrechen und das Verteidigungsministerium informieren."
...
"Offenbar kennt selbst der Haushaltsausschuss des Bundestags die Ergebnisse der erneuten Prüfung bis heute nicht."
Weiß jemand, warum alle außer Lürssen aus der Ausschreibung geflogen sind? Wurde da mal wieder in der Ausformulierung das Ergebnis vorweg genommen? (Und falls ja: Wer hat formuliert?)
Die zu ersetzenden Tanker sind übrigens für zivile Abnehmer/nach zivilen Standards gebaut worden, 45 Jahre vor dem Bericht, von dem oben die Rede ist. Normalerweise fahren solche Schiffe 10-15 Jahre in europäischen Gewässern und werden nach 20-30 Jahren verschrottet. Dann sind sie durch. Mag sein, dass die geringere Nutzung bei der Bundeswehr die Lebensdauer verlängert, aber umgekehrt müssen Bundeswehreinheiten im Kriegseinsatz auch besonders robust sein. Trotzdem hat die Bundeswehr sich erst um Nachfolger Gedanken gemacht, als das typische "erste Leben" dreimal vergangen war. Besonders peinlich dabei: Während der Wirtschaftskrise Ende der Nullerjahre wurden reihenweise zivile Schiffe in deutlich jüngerem Alter abgewrackt und deutsche Werften haben große Unterstützungszahlungen fürs Nichtstun, um Arbeitsplätze zu retten. Da hätte man die eigentlichen Schiffe für einen Zehntel des Preis bekommen können (+Militärtechnik, die ich nicht einschätzen kann. Da global auch an Rüstung gespart wurde, dürfte die aber ebenfalls tendenziell günstiger gewesen sein.)
Jap. Man bemerke v.a. die Ablehnung einer erneuten Ausschreibung. Geht der Auftrag für die Lürssen Werft flöten kostet das Arbeitsplätze.
Kleinwenig Recherche, so 5 Minuten, fördert interessantes. Im Bericht ist vom Abteilungsleiter See die Rede, das ist dann der Herr Czerwinski. Und was hat der so die letzten Jahre gemacht? War vor seiner Ernennung zum Leiter See 4 Jahre lang Büroleiter bei den CDU Staatssekretären im Verteidigungsministerium. (Ich verweise nur mal drauf was ich hier zum Thema Karriere >A16 und Nähe zur Politik geschrieben habe.)
Das Feedback war da, die Probleme wurden aufgezeigt - und die Politik hat dennoch anders entschieden.
Problems in a nutshell.
Der Formulierung des Artikels nach war der Abteilungsleiter See nicht für die Ausschreibung verantwortlich, sondern wurde im Gegenteil von den Prüfern in einem getrennten Brief benachrichtig, also zusätzlich zu den eigentlichen Empfängern des Berichts (die ihm gemäß Aufgabenteilung unterstehen dürften). Und normalerweise wird so eine zusätzliche Prüfung bereits für die Vorgesetzten (oder höher) derjenigen gemacht, deren Arbeit geprüft wurde.
Die zur herrschenden Situation führenden Fehler wären demnach mindestens drei Stufen unter dem genannten Abteilungsleiter gemacht worden (über dessen Einstellung formal nicht der Minister sondern höhere Ebenen der Bundeswehr entschieden haben müssen), auch wenn das Durchwinken natürlich nicht zu entschuldigen ist. Vor allem aber ging der gleiche Brief laut Artikel auch an die Vizepräsidentin.
Hier der Lebenslauf dieser Person:
Bundeswehr seit über 30 Jahren. Trotzdem genau der gleiche Mangel an Problembewusstsein. "Politikerin"? Nope. Vielleicht hast du recht und es kümmert sich wirklich "niemand" um die Bundeswehr.
Nicht einmal die Bundeswehr selbst. Dabei wird die dafür bezahlt.