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Da werden sie aber ordentlich was zu tun haben, denn wenn die NATO vereint vorgeht, dann ist da mehr als ein Satellit auf das Land gerichtet.
Wie dicht sind denn die aktuellen Überflüge für einen beliebigen Punkt auf der Welt?
Typische Angaben sprechend von einigen Stunden bis zum nächsten möglichen, wenn man sich Bahnänderungen leistet. Was aber umgekehrt heißt, dass man andere Bereiche nicht mehr überfliegt. Ehe ein Gebiet von der Größe z.B. der östlichen Ukrainehälfte einmal komplett hochauflösend abgetastet wurde, würde ich mit mehreren Tagen rechnen.
ELINT betreibt man meist passiv. Und dazu ist E3A und Growler in der Lage.
Passive E-3s? Okay, das Konzept kannte ich nicht. Aber wenn, dann gilt wieder der Teil mit der vorherigen Aufklärung: Funktioniert nur, wenn der Gegner auf sich aufmerksam macht. Ist er schlau, schweigt die Mehrheit seiner Radarstellungen aber, sobald deine E-3-Kohorte in Sichtweite seiner AWACs auftaucht undzwar solange, bis sich etwas auf Kampfweite zu nähern scheint. Ohne eigene Einheiten in Gefahr zu bringen, wirst du die Verteidigungssysteme nur unvollständig aufklären können.
Das Risiko ist in meinen Augen vertretbar. Die F-22 als Stealth-Fighter und bewaffnet mit AIM-260 JATM ist in meinen Augen bestens geeignet um die gegnerischen AWACS auszuschalten.
Du erwartest also totale Luftüberlegenheit/weitestgehende Unverwundbarkeit durch Stealth schon vor dem ersten Schuss, selbst bei Anflug auf die stärksten Ortungssysteme des Gegners.
Da gibt es genau zwei Mögichkeiten:
a) Du hast Recht. Dann kannst du dir dein ganzes aufwendiges Szenario auch sparen und den technologisch weit unterlegenen Gegner einfach mit deinen unbesiegbaren F-22 dominieren.
b) Du hast nicht Recht. Jetzt dein Gegner weiterhin AWACs, aber du keine F-22 mehr.
Die Radarsignatur spielt also keine Rolle beim bekämpfen von SAM-Stellungen
Nicht in deinem Plan. Du wolltest den SAMs mit Satelliten, E-3s, EA-18, F-16 und F-35 im Tiefflug zu Leibe rücken. Die einzigen, die davon überhaupt Stealth haben könnten, sind die F-35, das aber (wie in meiner Unterhaltung mit Compisucher besprochen) nur, wenn du mit minimaler Waffenlast fliegst. Was du scheinbar nicht vor hast, denn wolltest im Tiefflug reingehen, was die Zielfindung drastisch erschwert und sich nur lohnt, wenn man sonst Entdeckung befürchtet. (Je nachdem, wie tief dein "Tiefflug" tatsächlich ist und wie rau das Terrain könnte die F-35 sogar gezwungen sein, unabhängig von der Waffenkonfiguration auf Stealth zu verzichten. Wenn man das Ziel nämlich erst kurz vor Schluss an seiner neuen Position ortet, weil selbst eine Sichtweite von nahe Null hat, ist es ggf. zu spät, den Waffenschacht zu öffnen.)
Die F-35 in seiner B-Variante ist zudem viel flexibler was die direkte Unterstützung von Truppen im Feld angeht.
Die Maschine kann gefühlt auf einer Briefmarke starten und Landen. Wie wichtig dieses Feature ist, sieht man gerade in der Ukraine sehr gut. Und gerade in solchen Konflikten wo mobile SAM-Einheiten zum Einsatz kommen, würde ich als Pilot, Stealth nicht missen wollen.
Ist die F-35B überhaupt als Frontflugzeug geeignet? Im Gegensatz zum Harrier wüsste ich nicht, dass sie mit Staub und Dreck klarkommt und alle bisherigen Einsätze sind von Trägern, Testflüge kenne ich nur von befestigten Oberflächen. Für die Truppenunterstützung setzten sowohl Marines als auch Briten auf Hubschrauber.
Wenn aber Stealth so wie du es darstellst nutzlos ist/wird, warum entwickeln dann so viele Länder ihre Flugzeuge, Drohnen, Schiffe, Marschflugkörper etc. mit dem Schwerpunkt auf Stealth?
Ich finde "eine und zwei halbe" jetzt nicht so wahnsinnig "viele". Bis auf die USA gibt es bislang niemanden der konsequent Stealth baut. Tempest II und F-3/F-X könnten sich in die Liste einreihen, stehen aber noch soweit vorn in der Entwicklung, dass die Techniker das vermutlich selbst noch nicht wissen. Su-57, Shafaq und J-20 haben ausgeprägt unstealthy Hinterteile und radartechnische optimale Flügelformen respektive -konfigurationen, AMCA setzt zu großen Teilen auf exteren Waffenlasten, KF-21 komplett und bei den Türken und Pakistanis wäre ich schon überrascht, wenn überhaupt etwas kampffähiges rauskommt, selbst wenn sie keinen Cent ihres Budgets in Stealth-Entwicklung jenseits der Grundform stecken.
Im Prinzip sind das alles nur Entwicklungen, die einige einfache Methoden zur Reduzierung der Radar-Signatur umsetzen (genauso wie Eurofighter und Rafale), weil das natürlich ein netter Vorteil ist. Aber niemand opfert dafür Flug- und Kampfeigenschaften respektive Preis, wie es F-35, F-22, B-2 und F-117 tun. Einseitige Stealth-Fokussierung gibt es sonst nur bei Drohnen, aber die sind ohnehin mit einer geringeren Lebenserwartung und nicht für andere Konzepte wie z.B. Tiefstflug mit hoher Geschwindigkeit oder engen Luftkampf konzipiert. Man hat also einerseits gar nichts, dass man bei der Auslegung opfern würde, und andererseits legt man sich nicht für 30-40 Jahre auf einen einzigen Trick fest, der möglicherweise nach 20 Jahren nichts mehr wert ist, weil ein so langer Nutzungszeitraum wie bei bemannten Jets gar nicht geplant ist.
Nicht abwertend, sondern nüchtern. Es gibt seit Ewigkeiten kein Beispiel mehr, wo ein Luftkampf gegen eine technische fortschrittliche Situation auf Basis der Augen oder der Zielfähigkeit des Pilotens geführt wurden. Daten kommen von Radar und Uplinks rein, Wirkung geht über selbstlenkende Waffensysteme raus. Der Pilot dient nur noch als Verknüpfung von a und b.

Ein Pilot muss schon deutlich mehr auf dem Kasten haben, als das. Sowohl physisch als auch psychisch.
Du verwechselst Anforderungen mit Funktion. Natürlich muss ein Pilot physisch und psychisch eine Menge aushalten können, um überhaupt eingesetzt werden zu können. Aber Selbstmanagement ist kein Nutzen, und wenn es noch herausfordernd ist, einen leicht weiterentwickelten Affenkörper bei 6 G überhaupt noch etwas machen zu lassen.
Nur was macht der Mensch denn letztlich im Cockpit? Genau das, was ich beschrieben habe: Automatismen auslösen. Auf Grundlage von Input, der für ihn maximal aufbereitet und reduziert werden muss, damit er überhaupt eine Chance hat, schnell genug zu reagieren.
Der einzige Grund, warum das nicht schon seit 20-30 Jahren Computer machen, ist mangelndes Vertrauen in deren Zuverlässigkeit, vor allem hinsichtlich der Urteilsbildung. Und da stecke ich auch moralisch voll dahinter: Eine Maschine sollte nicht über Leben und Tod entscheiden. Aber wir kommen um den Fakt nicht herum, dass sie das längst machen und die besten Kampfjets sind diejenigen, die dem Menschen möglichst viele Aufgaben abnehmen. In vielen Fällen ist der Punkt längst überschritten, wo selbst die Rolle des Urteilenden nicht mehr vernünftig ausgeübt werden kann, weil einfach die nötige Zeit fehlt.
Na ja, du schreibst es ja selber.
Fakt: Die aktuelle F-35 kann das noch nicht.
Inwiefern die hier prognostizierte Umrüstung erfolgt bis August 2022 (sind ja noch ein paar Tage) oder noch erfolgen wird und um die von der BW bestellte Version dies dann kann, wissen weder du noch ich.
Bei der Diskussion über Neuanschaffungen ist auch zu berücksichtigen, ob die F-35 das AUCH kann, oder ob sie es BESSER kann. Die USA haben sich sowieso darauf festgelegt, für die führt die erstrebenswerte Musterreduktion dazu, möglichst alles mit der F-35 zu machen. Aber für ein Land, dass sie noch nicht hat, muss man die Frage stellen ob F-35 spezifische Eigenschaften überhaupt eine große Hilfe wären? Siehe obiges Beispiel: SEAD/DEAD mit vielen Flugkörpern und aktivem Radar. Klar kann die F-35 das (solange die gewünschten Waffen softwareseitig unterstützt werden), aber sie profitiert in der Rolle nicht mehr von Stealth und ist langsamer sowie aufgrund des einzelnen Triebwerks auch verwundbarer als z.B. eine Rafale.
Na nur gut das wir in Deutschland die letzten Jahrzehnte keine "normalen Menschen" mehr an der Spitze des Verteidigungsministeriums sitzen hatten und da auch eine Frau Lambrecht leider aktuell keine Ausnahme darstellt.
Auch für sie scheint ja zu gelten "Hauptsache modern", also anders, Sinnhaftigkeit des "modernen" und der Nutzen für das Aufgabenprofil scheint auch da wieder nicht die oberste Priorität in der Beschaffung darzustellen.
Manchmal hat man diesbezüglich schon ein wenig den Eindruck das man bei Rüstungsanschaffungen irgendwo in der Schulhofmentalität von Herranwachsenden hängengeblieben ist, frei dem Moto am besten flext man natürlich mit dem Neusten und Teuersten, Funktionalität und Zweckhaftigkeit, interessiert doch keinen, da nicht "cool".
Das betrifft nicht nur Rüstung. Guck dir die Jubelei über "Chipproduktion in Sachsen Anhalt" an. "nicht mehr abhängig von Asien"? Ja klar, Intel dank Subventionen, die vermutlich >50% der Gesamtinvestition entsprechen, hier eine Fab aufstellt, deren belichtete Wafer dann in Malaysia zersägt, getestet und ins Package gesetzt werden, dann sind wir dank unserer neuestens Hai-Tek aber sowas von autonom, da können allenfalls noch 5G-abhängige Selbstfahrautos mithalten...
Das traurige bei der Bundeswehr ist aber: Da trifft eigentlich nicht der Verteidigungsminister die Entscheidungen nach seiner eigenen, inkompetenten Denkweise. Sondern das macht die Bundeswehr selbst und lässt es sich am Ende vom obersten Personalstrukturierer nur noch gegenzeichnen.
Und trotzdem bescheißen Lobbyisten in keinem anderen Bereich seit Jahrzehnten so dreißt und in solchem Umfange, wie bei der Bundeswehr. Nicht einmal bei Pharma und Banken. Vermutlich weil einem da bei dem Ausmaß der Laden sofort um die Ohren fliegen würde, aber die Bundeswehr macht halt seit ihrer Gründung fast nur Freiluftertüchtigung. Mit Ausnahme der wenigen Auslandseinsätze (die ja dann auch regelmäßig eklatante Mängel aufzeigen, obwohl sie mit der Creme de la Creme der knappen Ausrüstung durchgeführt werden) fällt es halt nicht auf, wenn nur auf dem Papier die gestellten Aufgaben erfüllt werden können.