Schröder musste handeln, denn Kohl hat in den 8 Jahren bis 1998 ja gar nichts gemacht, keinerlei Veränderungen, um sich den neuen Märkten/Bedrohungen anzupassen. 8 Jahre lang haben alle geschlafen und es sich gut gehen lassen, obwohl alle wussten, dass das so nicht weiter gehen kann.
Schröder hat einiges umgekrempelt, er hat Reformen eingeführt, die man schon 10 Jahre zuvor hätte machen sollen, klar hat er auch mal daneben gegriffen oder es nicht perfekt gemacht, aber er hat Weichen gestellt.
Merkel ist wieder in das Kohl-Schema zurück gefallen, das, was da ist, behalten und bloß nichts wagen.
Das ist halt die Bedeutung von "konservativ"
ja, das stimmt leider. aber um mal 2 bsp. zu nennen: was mir jeder meiner vorherigen und vorvorherigen generation bestätigt hat war die tatzache, dass man in den sagen wir mal 60er 70er und 80er jahren immer arbeit gefunden hatte, selbst mit einem schlechten hauptschulabschluss eine lehre anfangen konnte und man wenigstens damit so viel verdient hatte, dass man nicht auf eine soziale stütze wie hartz4 angewiesen war. woran liegt es denn, dass ab ca. helmut kohls amtszeit es losging, dass die reichen immer reicher und die armen immer ärmer wurden ?
und wieso ist die staatsverschuldung ab den 80er jahren so drastisch gestiegen ?
Ende des Raubbaus, Folgeschäden und Konsum.
Das deutsche Wirtschaftswunder war aufgebaut auf
- Ruhrkohle
- billigen (türkischen) Arbeitskräften
- Konsum im Inland
- Krediten
(- junge Bevölkerungsstruktur)
In den 80ern waren die deutschen Rohstoffreserven so langsam aber sicher erschöpft; die Arbeitskosten waren mit dem Lebensstandard dramatisch gestiegen; die Gastarbeiter waren nicht länger nur Arbeiter, sondern wollten jetzt auch ihre Familie um sich haben (die somit zu deutschen Preisen von ihrer Arbeit finanziert wurde); mit steigendem Lebensstandard und zunehmender Globalisierung wurde mehr und mehr in Deutschland erwirtschaftes Geld im Ausland ausgegeben (mag, im Wechselspiel mit der deutschen Exportwirtschaft nach einem Nullsummenspiel klingen - aber groß genug für den globalen Markt waren nur wenige deutsche Unternehmen, der Mittelstand hatte und hat meist ein Problem) und so langsam aber sicher machte sich auch bemerkbar, dass Schulden irgendwann zurückgezahlt werden müssen. Zu Rohstoffen noch dazuzählen könnte man die Umweltzerstörung - in den 80ern wurden, nachdem die schwerwiegenden Folgen von Chemie, fossilier Energiegewinnung,... unignorierbare Ausmaße annnahmen, eine ganze Reihe Wirtschaftsbeschränkungen.
Ab den 90ern kam dann noch die Wiedervereinigung hinzu. Die BRD war groß und international gut vernetzt und konnte dadurch die Folgen von Fehlplanungen besser abfangen. Die DDR war klein, isoliert (im Ostblock floss im wesentlichen alles Richtung Moskau), hatte ohne Marshallplan einen schlechten Staat hingelegt - und in der Globalisierung ausschließlich als Opfer aufgetreten. Kurz: Sie war in Sachen "Abwärtstrend" schon 3-4 Jahrzehnte vorraus und die Zusammenlegung senkte den Durchschnitt somit schlagartig.
Imho müsste die Frage also nicht lauten, wieso es seit den 80ern bergab gibt. Imho ist die Frage, wieso es in den 60ern und 70ern so steil aufwärts ging - und wie irgendwer länger als 5 Minuten über die Situation nachdenken konnte und trotzdem der Meinung blieb, es könne längerfristig so weitergehen.
/meine Meinung.
Da es gut reinpasst:
Ein
aktueller Artikel zum Thema (unbegrenztes) Wachstum.
willst du damit jetzt ernsthaft sagen, dass schröder seine arbeit im groben und ganze "gut" gemacht hat und lediglich mal "ein paar fehlgriffe hatte" ??
Ob seine Ausführungen brauchbar waren (ich persönlich habe ihn mit der Meinung gewählt, er wäre unfähig) sei mal dahingestellt - aber er Rot-Grün hat die richtigen Richtungen vorgegeben. Die Reformen in der Sozial/Arbeitslosenhilfe mögen heute eine riesige Baustelle sein, aber das ursprüngliche System wäre mit der heutigen Wirtschaftslage überhaupt nicht fertig geworden. Die Wirtschaftsentwicklung war positiv (ausgehend von den Nachwendejahren kein Problem

), Deutschland hatte sich im Zukunftsmarkt der erneuerbaren Energien von fast nichts zur globalen Spitze entwickelt, die Richtung der Landwirtschaftsreformen wurde in jedem einzelnen folgenden Lebensmittelskandal bekräftigt und wie die Planung eines gleitenden Atomausstiegs bis ~2020 im Nachhinein zu beurteilen ist, brauch ich wohl auch nicht näher zu erklären (auch wenn die Ausführung von fehlender Vertragskompetenz im Umgang mit Großkonzernen zeugt).
Das einzige, was rückblickend betrachtet schlecht war, waren die Finanzmarktreformen. Da hat man hochgepokert, damit Deutschland als Standort seine Bedeutung nicht verliert - und ist letztlich richtig auf die Schnauze gefallen. Nur: Genau das ist der Teil der Reformen, die man am ehesten von anderen Parteien zu sehen bekommen hätte.