Ist zwar nichts ungewöhnliches Komponenten zu bündeln, aber in der Regel weiß der Kunde vor dem Kauf, ob es den Komfort-Sitz z.B. nur mit Sitzheizung und Schiebedach gibt(was dann auch beides nutzbar ist) oder ob er bei der Buchhalterausstattung bleibt, weil ihm der zwingende Aufpreis für das Schiebedach die Sitzheizung nicht wert ist.
Eigentlich war BMW gerade in der Hinsicht die löbliche Ausnahme am Markt. Da konnte man abseits technischer Notwendigkeiten (Verkehrsschilderkennung nur mit Navi für die Kartendatenbank und mit größerem Display zur Anzeige unterm Tacho) noch ziemlich viel einzeln zusammenstellen, während VW nur teils vollkommen hirnrissige Pakete kennt. Als ich vor ein paar Jahren mal mit den Konfiguratoren rumgespielt habe, war tatsächlich die Sitzheizung das einzige sinnlos verknüpfte Element. (Ohne die kein Leder. Das machen aber fast alle Hersteller so, scheinbar in der Annahme dass die paar Millijoule mehr Wärmekapazität des Sitzbezuges absolut unerträglich im Winter wäre. Wer Belüftung für das umgekehrte Problem im Sommer wünscht, guckt dagegen in fragende Augen...)
Der Grundgedanke ist: Es wird oft genug verlangt, dass es billiger ist gleich einzubauen als 2 verschiedene Assembly-Lines zu fahren.
Es werden bei allen Herstellern alle Austattungsvarianten und oft sogar verschiedene Baureihen auf dem gleichen Band gefertigt. Für jede Variation eine extrem Fertigung hinzustellen hat schon bei der Vielfalt des Modell T ("alle Farben, solange sie schwar sind") nicht mehr geklappt, heute gibt es selbst mit solchen Abodiensten 1000de Kombinationsmöglichkeiten von Ausstattungsmerkmalen.
Von daher ist auch das Märchen von den Logistikkosten sehr relativ: Es muss so oder so jede Komponente just in time für
dieses eine Exemplar ans Band geliefert werden, denn der Wagen davor hat möglicherweise einen anderen Motor, für den dahinter will der Käufer einen anderen Sitzbezug. Für Überseehersteller wie die Asiaten oder Tesla erleichtern stark eingeschränkte Auswahlmöglichkeiten die Vertriebslogistik - wenn es nur 50-100 verschiedene Variationen insgesamt gibt, hat man gute Chancen, die beliebtesten 20% in Europa ab Lager liefern zu können, anstatt zwei Monate Lieferzeit allein für die Transportkette einplanen zu müssen. Aber wenn das Auto auf Bestellung gefertigt wird, ist das egal. Und bei modernen, automatisierten Regalsystemen ist es auch egal, ob 200 Sitze von Typ A oder je 10 von A, B, C... im Lager stehen hat, um die Produktion der nächsten 100 Fahrzeuge zu ermöglichen.
Hätten die Hersteller sowas in den 90er Jahren eingeführt, als man mit einer Verschlankung der Angebotspalette viel Personal im Lagerwesen einsparen konnte: Okay. Aber heute hat eh jedes nenneswerte Einzelteil seine eigene Nummer und wird getrackt.
Punkt 1 kann, wie hier auch schon erwähnt wurde, für den Hersteller schlicht günstiger sein als jedes Fahrzeug individuell auszustatten und ermöglicht außerdem das nachträgliche (kostenpflichtige) Freischalten. Insofern ist das aus ökonomischer Hersteller-Sicht verständlich und kann sogar ein Vorteil für den Kunden sein (auch was die Verfügbarkeit der Fahrzeuge angeht, da die Konfiguration im besten Fall nur noch ein Softwareupdate ist). Aus ökonomischer Kunden-Sicht kann es allerdings im Fall von Reparaturen sogar teurer sein. Außerdem kann man das Vorgehen aus ökologischer Sicht in Frage stellen, denn es wird Technik verbaut, die unter Umständen nie genutzt wird.
Wenn man es auf ganzer Linie durchzieht, kann es für den Kunden auch aus technischer Sicht von Nachteil sein. Ein maximal ausgestattes Fahrzeug wiegt schließlich oftmals 100-300 kg mehr als das Basismodell. Und es sind nicht die Bits, die die zusätzlichen Lautsprecher freischalten, die der Hinterachslenkung auch bei größerem Einschlag die nötige Stabilität erlauben oder die Vorgaben ans Luftfahrwerk zulassen, die die Masse nach oben treiben. Wenn das alles überall eingebaut wird, schleppen das alle mit sich rum.
Super hier ist ihr neues Auto angemeldet und vollgetankt.
Vollgetankt? Lol. Wer zu einer deutschen Premium-Mark geht, muss bereit extra zahlen, wenn der Tank bei der Übergabe mehr als halb voll sein soll

.