AW: Anthropogener Klimawandel mit kleiner Erklärung
Konzerne stellen keine Produkte her, um sie sich gegenseitig im Kreis zu verkaufen oder sie in den Abfluss zu gießen. Alles, was produziert wird, landet irgendwann in Marktprodukten, oder indirekt in Maschinen oder Prozessen, in denen Marktprodukte hergestellt werden. Wenn wir etwas nicht verbrauchen würden oder etwas nicht zur Herstellung unserer Verbrauchswaren nötig wäre, würde es auch nicht hergestellt werden. Der Verbrauchermarkt ist der Antrieb jeglicher Industrie und Rohstoffförderung. Rausreden von wegen "Warum produziert die Industrie Ammoniak, ich trink doch gar keins" gibt's nicht.
Natürlich hast du in sofern Recht, dass sich "der private Endverbraucher" nicht völlig aus der Verantwortung stehlen kann. Auf jeden Fall sollten wir alle unsere individuellen Verhaltensweisen auf den Prüfstand stellen und ggf. ändern. Aber es wäre zu billig, die gesamte - oder meiner Meinung nach auch die hauptsächliche - Verantwortung dort abzuladen. Denn: die Macht der Konsumenten ist beschränkt. Durch die massive Monopolisierung großer Wirtschaftsbereiche. Durch die eigene sozioökonomische Lage ("Bio" ist noch immer teuer). Und durch die oft genug für den privaten Endverbraucher eben nur sehr sehr indirekte, abstrakte Marktvermitteltheit.
Nur als eines von vielen möglichen Beispielen: die Zementproduktion ist schätzungsweise für 8% des globalen CO²-Ausstoßes verantwortlich. Der Anteil der privaten Häuslebauer daran dürfte im Bereich der Messungenauigkeit liegen. Soll in Zeiten von Wohnungsknappheit nun der Endverbraucher sagen "Nö, da ziehe ich nicht ein, das ist aus Zement gebaut?". Oder: "Liebe Wohnungsgesellschaft, so lange ihr mit diesem und jenem Bauunternehmen zusammenarbeitet, das primär Zement und noch in viel zu geringem Umfange klimafreundlichere Zement-Alternativen verwendet, werde ich nicht Kunde Ihres Unternehmens werden. MfG - ". Oder: "Liebes ÖPNV-Unternehmen, so lange die von Ihnen noch immer überwiegend genutzten Verbrennungsmotorbusse auf zementbasierten Straßen fahren, kommt für mich ich aus Klimaschutzgründen leider keine Nutzung Ihres Angebotes in Frage"?
Ein anderes Beispiel: obwohl die Nachfrage nach Fleischprodukten aus Massentierhaltung in Deutschland in den letzten Jahren zurückgegangen ist, wachsen die "Produktionsmengen" weiter. Warum? Weil andere Märkte weiter wachsen. Und weil es aufgrund von Skaleneffekten in der Produktion mitunter profitabler ist, steigende Mengen mit gleichzeitig sinkenden Stückkosten zu produzieren und im Zweifelsfall einen Teil wegzuschmeissen, als die Produktionsmenge zu drosseln.
Wäre es nicht viel einfacher, wenn der Verbraucher schlichtweg aufgrund gesetzlicher Regelungen davon ausgehen könnte, dass das von ihm konsumierte Produkt/die Dienstleistung sich an klimafreundliche Standards hält, statt selbst recherchieren zu müssen, wer wo und wann in der Produktionskette bei der Veredelung irgendeines Halbzeugs besonders klimaschädliche Methoden einsetzt? Und dabei neben wertvollem Geld (Adi hatte es schon richtig angemerkt, natürlich werden die Kosten für Steuern oder eine evtl. kostenintensivere aber dafür klimafreundlichere Produktion letztlich an die Endverbraucher durchgereicht) auch noch wertvolle Zeit zu investieren?
Warum in einer Situation, in der es auf rasche Veränderung ankommt, auf mirakulöse Bewusstseins- und daraus evtl. (! - Einschränkungen s.o.) resultierend - sowie Verhaltensänderungen bei bis zu 7 Mrd. Konsumenten setzen, statt ganz pragmatisch weiter am Anfang der Verwertungskette anzusetzen?