Es bringt aber nichts, wenn du die oberen Schichten reduzierst, solange die gesamte Menschheit so leben will, wie die obere Schicht.
Du musst den Wohlstand der gesamten Menschheit steigern, damit insgesamt die Geburtenrate sinkt, aber du darfst sie nicht so weit steigern, weil du sonst wieder das gleiche Problem hast.
Es ist ein Drahtseilakt. Ob in Afrika jetzt 1 oder 2 Milliarden Menschen leben, hat auf den Klimawandel jetzt nicht den Einfluss, da ein Afrikaner insgesamt wenig CO2 erzeugt, aber wenn 2 Milliarden Afrika den Lebensstandard haben wolen wie 400 Millionen Europäer, sieht das wieder anders aus.
Nein, es ist kein Drahseilakt zwischen zwei Extremen. Es ist ein Prozess mit einem katastrophalen Berg in der Mitte: Der niedrige pro-Kopf-Ressourcenverbrauch Afrikas ist von einer Bevölkerungsmehrheit mit wirklich erbärmlichen Lebensumständen geschuldet, deren Niveau in vielen Dingen (Mobilität, sanitäre Einrichtungen, Nahrungsauswahl, etc.) unter dem des Europa des 18. Jhd. liegt. Die kleine afrikanische Mittelschicht oder der mit ihr vergleichbare Durchschnitt von Vorderasien hat bereits einen sehr, sehr viel höheren Ressourcenverbrauch, ABER weiterhin eine Affinität zu kinderreichen Familien. Das ist in etwa das Niveau, dass Europa in den 50ern/60ern hatte respektive gehabt hätte, wäre da kein Krieg dazwischen gekommen: Jeder kann Auto fahren, man lebt nicht mehr in Großfamilien, sondern in Eltern-Kind-Gemeinschaften, bevorzugt aber weiter im eigenen Haus, es gibt eine ganz akzeptable medizinische Versorgung, mit der man leicht 70 werden kann, Freizeit ist so umfangreich, dass eine regelrechte -Industrie gibt, etc..
Wenn man einen Maßstab vom zwangsläufig naturnahen Buschmann bis zum Lebensstandard des durchschnittlichen Deutschen zieht, dann die oben beschriebene Gesellschaft schon locker 60-70% des Ressourcenverbrauchs von letzterem. Bei der Flächennutzung annähernd 100%, bei Energie vielleicht etwas weniger, wenn heutige Effizienztechnik genutzt wird. Zählt man nur den direkten, lokalen Einfluss (ignoriert also die China-Emissionen unserer Ex-und-Hop-Gesellschaft), sind es pro Kopd vermutlich sogar 90% und mehr. Aber es sind weiterhin 3 bis 4 Kinder pro Elternpaar üblich, die das fortpflanzungsfähige Alter erreichen, weil die niedrigere Geburtenzahl durch die niedrigere Säuglingssterblichkeit voll kompensiert wird. Das heißt eine Bevölkerung in diesem Stadium explodiert und jedes einzelne ihrer Mitglieder verbraucht ohne Ende.
Man müsste, ganz im Gegenteil, Afrika (und Teile Asiens) Stück für Stück möglichst mit einem Schlag in die Wohlstandsgesellschaft des 21. Jhd. katapultieren, in dem die Mehrheit der Bevölkerung die nötigen Freiheiten für sowas wie "klimafreundliche Produkte", "Tiny Houses", "umweltschonendes Reisen" etc. hat, aber alle Leute so beschäftigt sind, dass sie nur noch die Zeit für 1,2 Kinder pro Paar finden. Das würde dann in 30-50 Jahren zu einem abnehmenden Gesamtressourcenverbrauch führen.
(Aber auch nicht früher, denn eins ist klar: Der Mehrheit der Weltbevölkerung ist jung. Nachwuchspolitik wirkt nur auf lange Sicht, damit hätte man in den 70ern anfangen müssen um unsere heutigen Probleme zu lösen. Man sollte natürlich trotzdem heute damit anfangen, um die Probleme des 22. Jhd. zu verkleinern, aber für die des 21. Jhd. muss man zusätzlich aktiv werden.)