Die 2 Milliarden neuen Weltbürger in ärmlichen Verhältnissen sind weniger ein Problem als jene Milliarde erste Klasse Menschen in den USA, Europa und sonstwo,
Dieses "Sonstwo" umfasst auch Länder wie Turkmenistan, Belize, Chile und Bhutan, um nur das Niveau von Deutschland zu nehmen, oder die Mongolei, wenn man etwas von US-amerikanischem Kaliber haben möchte. Sind das deiner Meinug nach alles Menschen mit Lebensbedingungen erster Klasse, die ihren Lebenswandel an ärmer Verhältnisse anpassen sollten? Nur zur Erinnerung: Eine dauerhaft tragbare Last bei einer 25% größeren Weltbevölkerung wäre in etwa der durchschnittliche Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch der Elfenbeinküste.
Ich predige zwar auch gerne Verzicht, aber aber Wohlstand als solcher ist nur ein kleiner Teil des Problems. Dazu ist der Verbrauch zu ungleich verteilt, bei uns seit Mitte des letzten Jahrhunderts zum absoluten Standard gehörende Basics wie Mobilität, die den eigenen Aktionsradius auf mehr als ein paar Dutzend km ums eigene Dorf für das gesamte Leben erweitert, regelmäßige Nutzung elektrischen Stroms oder die pure Existenz von Konsumgütern, also Dingen, die man nicht von seinen Großeltern und an seine Großenkel vererbt, sondern "verbraucht", legen einen riesigen Grundstock. Ob man nun mit einem klapprigen Renault jeden Tag 40 km über eine Staubpiste oder mit einem luxuriösen Q5 jeden Tag 40 km über die Autobahn fährt, macht im Vergleich zum riesigen ökologischen Sprung zwischen einer vorindustriellen Lebensweise und dem Ressourcenverbrauch eines europäischen 50er-Jahre-Standards keinen großen Unterschied mehr. Und letzterer Standard wird für 2-3 Milliarden zusätzliche Menschen weltweit in den nächsten Jahrzehnten
erreichbar sein - oder eben für 5-6 Milliarden. Das ist ein gigantischer Unterschied. Allein der Mehrverbrauch durch 2 Milliarden Menschen auf diesem Niveau wird das doppelte dessen betragen, was EU und USA heute umsetzen. Es wäre also ein großer Fortschritt, wenn wir diese zusätzliche Last nicht bewältigen müssen, denn weder werden die Leute freiwillig auf diese Annehmlichkeiten verzichten und weiter Kuhdung in Hütten verbrennen, noch werden wir die Effizienz der verwendeten Technik verzehnfachen können.
Wenn überhaupt noch eine Chance auf eine freiwillige Lösung des Problems besteht, dann nur durch Kombination aller Mittel: Nutzungshalbierung ist für Europäer locker möglich (6500 statt 13000 km PKW im deutschen Schnitt? Wer nicht mit dem Auto pendelt und/oder Fernreisen unternimmt, kommt gar nicht erst auf solche Zahlen), Verbrauchshalbierung, vielleicht sogar Drittelung auch (brauchbare Autos mit 3-4 l wurden schon vor 15-20 Jahren gebaut, da muss man nicht heute mit real 6-8 l rumgurken), aber damit wären wir bestenfalls bei einem tragbaren Pro-Kopf-Verbrauch angelangt. Damit das reicht, muss auch die Zahl der Köpfe gleich bleiben beziehungsweise so schnell, wie ethisch möglich, anfangen zu sinken.