AW: Schwere Ausschreitungen in Ukraine, erste Todesopfer unter den Demonstranten durch Schüsse
Was würde denn passieren -- also hypothetisch gesprochen -- wenn die Ukrainer die Krim an Russland abgeben bzw. auf sie verzichten und sie ein eigenen Staat wird oder unter der Kontrolle Russlands kommt?
- Die Ukraine verliert ihre wichtigste Tourismusregion, vermutlich aber keine ihrer zahlreichen Schulden
- Die Ukrainer auf der Krim sind auf einmal eine winzige Minderheit im großen Russland, dass dafür bekannt ist, verdammt wenig Rücksicht auf Minderheiten zu nehmen
- Ähnliches gilt für die Krimtataren - mit dem Bonus, dass diese schon einmal von Russland aus ihrer Heimat verfolgt wurden
- Es wäre ein Präzdenzfall für die Ostgebiete der Ukraine geschaffen, in denen sich aus Sowjetzeiten auch relativ viele Russen und afaik ein Großteil der Schwerindustrie des Landes finden. Wenn die sich dann auch abspalten, ists endgültig Essig mit den Staatsfinanzen.
(hmm... Wenn sich nicht bald ein Ausweg anbahnt, würde ich an Stelle der Ukraine den diplomatischen Frontalangriff starten: Die Politiker in Kiew akzeptieren die russische Sichtweise, dass Janukowitsch noch Präsident ist und rufen kurzerhand auf dem gesamten Territorium, ausgenommen der Krim, einen neuen Staat aus. Der hat dann erstmal 0 € Schulden und somit sehr gute Chancen auf eine EU-Annäherung - und Putin kann sehen, wie er mit der Rest-Ukraine alias Krim glücklich wird

)
Die Ukraine wird das nicht tun, bzw nicht umsonst. Aber man könnte sich vorstellen, dass erweiterte Verhandlungen sich mit der Beteiligung Gzproms abspielen könnten. Einige unterschätzen hier bissel die Ukraine, sie ist immernoch der Knotenpunkt und quasi das einzige Transitland, von vlt 35% eruopäischen Gases ? Wenn die wollen können die uns auch nein sagen, und ab morgern knabbern wir an unseren Reserven.
Wir haben doch extra NorthStream gebaut, damit wir auch unabhängig von imperialistischen Manövern in Osteuropa freien Zugang zu Oligarchen-Gas haben...
Lustig wie unglaubwürdig der Westen wieder macht. Man wird ein Referendum über den Status der Krim nicht akzeptieren, aber den Kosovo erkennt man als Unabhängig an?
Was ist den mit der Territoriale Integrität von Serbien? Der Kosovo hat sich doch eigenmächtig losgelöst, da ist es in Ordnung?
Iirc hat Serbien den Kosovo eigenmächtig zum Bestandteil des frisch gegründeten Staates Serbiens erklärt. EU und Kosovo haben klar gestellt, dass da wohl ein Fehler unterlaufen ist.
Dazu käme auch noch, dass eine Anwesenheit russischer Truppen auch grundsätzlich nicht falsch ist. Ich möchte jetzt nicht die Richtigkeit des genauen Vorgehens der Truppen diskutieren - es geht mir auch gar nicht um Sympathie sondern eher sowas wie Empathie - sondern einfach mal generell was dazu sagen. Und zwar haben die Russen Pachtverträge für Häfen auf der Krim.
Äh: Die russisch(sprachig)en Truppen, um die es hier geht, befinden sich nicht in russischen Basen bzw. Basenbereichen, sondern agieren auf der gesamten Krim militärisch, schießen auf ukrainisches Militär, schränken die Bewegungsfreiheit von Ukrainern und Gästen der Ukraine ein, blockieren ukrainische Militärbasen, etc.
Das ist nicht eine Situation wie "Britische Soldaten in Deutschland", sondern eher "US-Soldaten im Irak" - nur das (bislang) niemand zurückgeschossen hat, weswegen das ganze nicht als Krieg gilt.
Die Lage ist instabil. Somit ist eine militärische "Stabilisierung" der Krim vllt. grundsätzlich nicht falsch.
Die einzige Instabilität, die bislang auf der Krim beobachtet wurde, waren Aktionen von russischen Bevölkerungsgruppen - alle anderen sind dort nun einmal in der Minderheit. Eben gegen diese Bevölkerungstruppen gehen die Besatzer aber nicht vor, sondern behindern im Gegenteil die staatlichen Institutionen.
Und wie schon weiter oben geschrieben: Eine präventive Besetzung war definitiv nicht gerechtfertigt, weil unnötig. Die Besatzer hatten eine Aktivierungszeit von vielleicht 24-36 h und hätten jederzeit reagieren können, falls sich -wieder erwarten- Gefahren für die Bevölkerung ergeben, denen die Ukrainer nicht Herr werden.
Dazu käme, dass es auch tatsächlich Aggressionen gegen den russischen Teil der Bevölkerung gibt. Aufgeführt sei dafür mal das Bestreben des Verbots der russischen Sprache oder auch tatsächliche Übergriffe.
Somit ist die Story vom Schutz der Bevölkerung nicht ganz falsch.
(unprovozierte) tätliche Übergriffe gibt es, zumindest soweit ich Berichte gesehen habe, kaum - und wenn dann nicht auf der Krim. Wenn dann wären Russen da gefährdet, wo sie in der Minderheit sind. Die Besatzung hat definitiv nichts mit Sicherheit zu tun (oder sind z.B. die OSZE-Beobachter eine große Gefahr für alle Russen?), sondern ist reinste Territoriumserweiterung.
Klar geht es mehr um Geostrategie, trotzdem sollte man diese beiden Punkte nicht außer Acht lassen. Die Nato hätte keine solchen Gründe.
Die NATO hat einen Vertrag mit Russland, der die Unabhängigkeit der Ukraine sicherstellt. Eine offizielle Besetzung durch Russland würde die Verhältnisse in die Zeit des Kalten Krieges zurückwerfen und die NATO wäre somit gezwungen, Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des militärischen Einflussbereiches vorzubereiten...
Putins Vorgehen ist nicht definitiv nicht ganz richtig, wurde aber auch provoziert, indem von anderer Seite Tatsachen geschaffen wurden.
Was denn für Tatsachen?
"Kein Assoziierungsabkommen mit der Ukraine"?
Die einzigen, die Tatsachen geschaffen haben, waren Ukrainer. In der Ukrainer. Man mag über die Einschätzung dieser Tatsachen streiten - aber sie waren Innenpolitik eines souveränen Staates und damit kein Thema für russisches Militär.
2. hätte die nato die möglichkeit militärstützpunkte zu errichten und sich selbst den zugang zum schwarzen meer zu sichern .
Es mag eine Lüge der "westlichen Medien" sein aber meinen Informationen zu Folge haben die NATO-Mitglieder Bulgarien, Rumänien und Türkei bereits Zugang zum schwarzen Meer...
Was schlicht und ergreifend falsch ist. Die Regierung hat nicht verboten Russisch zu sprechen. Es wurde das Gesetz ausser Kraft gesetzt, wonach in einer Region in der mindestens 10% Prozent der Bevölkerung eine andere Muttersprache sprechen, diese Sprache in dieser Region den Status einer regionalen Amtssprache bekommt. Ein himmelweiter Unterschied. In den Genuss dieser Regelung kam z.B. auch Ungarisch und mir ist keine Meldung bekannt, dass die Ungarn in der Ukraine in Gefahr sind, nur weil ins Transkarpatien, die ungarische Sprache keine regionale Amtssprache mehr ist.
Selbst das, was du hier schreibst, ist schon schärfer, als die Realität

Denn das Gesetz wurde letztlich doch nicht aufgehoben. Russisch ist weiterhin Amtssprache in allen Landesteilen mit nenneswerter russischer Bevölkerung. Fraglich ist allenfalls, ob die Krim noch ein Landesteil ist
Weil dieses Gesetz durch die den rechsextremen Block bewusst vorgebracht wurde, um die Russen zu diskrimieren. Das fällt ja im Westen nach wie vor unter den Tisch.
Na dann können wir ja froh sein, dass wir nicht "im Westen" sind, sondern in Deutschland, wo so etwas auf dem Tisch bleibt
